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Identité Nationale (National Identity)

Seit mehr als 30 Jahren bestimmt ein von rassistischen Ressentiment geprägter Diskurs die Diskussion um Einwanderung und Identität in Frankreich. In ihrem Dokumentarfilm lässt Valérie Osouf diejenigen zu Wort kommen, die die Auswirkungen dieses Diskurses am eigenen Leib erfahren. Häftlinge, die von der sogenannten „double peine“, der doppelten Strafe betroffen sind. Sie sind nicht nur für ihre Straftat inhaftiert, sondern auch aufgrund ihres Status als „Ausländer“, gefangen an der Schnittstelle zwischen Strafrecht und Ausländerrecht. Der Film analysiert das Zusammenspiel zwischen Polizei, Justiz, Strafvollzugsanstalten und Prefekturen und stellt damit die Frage des Verhältnisses zwischen dem französischen Staat und seinen „Ausländern“.

Produktionsdetails

Valérie Osouf, Documentarfil, 95 Min., Frankreich, 2012
Produziert von Granit Films

Verleih

Verleih in Deutschland, Schweiz und Österreich
Contact: info(at)africavenir.org 
Format: BluRay, DVD
Sprachen: Französisch mit englischen Untertiteln
Poster/ Fotos: Werden digital zugesandt

Ausführliche Synopsis

„L'identité Nationale“ ist eine filmische Reflexion, die sich nicht nur mit der sozialen Funktion von „Ausländern“ und „Häftlinge“ in Frankreich auseinandersetzt, sondern auch den Zustand der französischen Demokratie analysiert und hinterfragt. Anhand von eindrücklichen Interviews mit Betroffenen und Expert/innen zwingt er die Zuschauer/innen dazu, ihre Position als Bürger/innen sowie die Definition ihrer eigenen Identität zu hinterfragen und zu überdenken.

Was hat es zu bedeuten, dass 20 Prozent aller Insassen in Frankreichs Gefängnissen Ausländer sind? Was sagt diese Zahl aus? Unter diesen 12.000 Individuen befinden sich Menschen, die erst vor kurzem nach Frankreich kamen, weil sie in Ihrem Heimatland in Lebensgefahr schwebten, andere sind in Frankreich aufgewachsen, sind jedoch nie formell eingebürgert worden. Andere wiederum sind eingesperrt, weil sie sich gegen eine Abschiebung in ein angebliches „Herkunftsland“ gewehrt haben, das sie zumeist gar nicht kennen. Sie alle werden wie Kriminelle behandelt.

Oft sind sie in separaten Gebäuden untergebracht, die Gebäude für „Ausländer“, für „Sans Papiers“, Gebäude, an deren Ausgang sie am Ende ihrer Haftstrafe vom Grenzschutz abgeholt werden, sollten sie es in der Zwischenzeit nicht geschafft haben, ihren Aufenthalt zu „legalisieren“. Diese Ausländer kennen zahlreiche Behörden besser, als jede/r Franzose: Kommissariate, Gerichte, Ausländerbehörden, Gefängnisse und Abschiebehaftanstalten.

Anhand der persönlichen Erfahrungsberichte der Interviewten geht der Film auf das komplexe Zusammenspiel dieser verschiedenen Behörden ein, was wiederum von Juristen und Experten in beeindrueckend klarer Weise analysiert und in einen größeren Zusammenhang gestellt wird.

Die Regisseurin über den Film: „Die ausländischen Häftlinge sind extreme Randfiguren in unserer Gesellschaft. „L'identité Nationale“ versucht, eine Brücke zwischen „uns“ und „ihnen“ zu schlagen und stellt sehr intime und bürgerrechtliche Überlegungen zu unseren Einrichtungen, vor allem aber auch zu der Frage unserer Akzeptanzschwelle.“

Pressestimmen

"Wenn wir das Schicksal von Migrant/innen nicht berücksichtigen, wenn wir zusehen, wie unsere Gesetze versagen, beginnen wir zu erkennen, wie tief unsere Demokratie gefallen ist." M. Gaboriau, Staatsanwalt

“Man sucht in diesem Film vergeblich nach einer ohnehin illusorischen Neutralität: Er versteht sich von Anfang an als engagiert und versucht auch nicht, dies zu verbergen. Doch seine Argumente sind messerscharf, sie sind logisch und zutiefst menschlich. Sie prangern den Rückschritt der Strafgesetzgebung an, der, verursacht durch eine Lawine an Gesetzen zu Einwanderungsfragen, Ausländern vorsätzlich jegliche Möglichkeit aberkennt, rechtschaffene Bürger zu werden” (Olivier Barlet, Africultures)

„Das Thema, welches Valérie Osouf in ihrem Film behandelt geht über die Frage der sog. „doppelten Strafe“ hinaus. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, mittels des dauerhaften Prismas der  Haftanstalten, die Geschichte der Einwanderung in Frankreich nachzuzeichnen. In diesem Film stehen wir Schlange vor der Einwanderungsbehörde mit neuen Zeitzeugen, wir sprechen mitgerade entlassenen Häftlingen, aber auch mit einem illegalen Einwanderer aus dem Senegal, der im Gefängnis sitzt und dessen einzige Straftat darin besteht, dass er illegal nach Frankreich eingewandert ist.“ (Clapnoir)

„Dieser Film besitzt Tiefgang in seiner analytischen Reflexion. Er ist schlichtweg voller Leidenschaft, denn das Hin und Her zwischen den Opfern und Experten gibt dem ganzen Thema endlich Gestalt und wirft Licht auf bisher völlig ausgeblendete Zusammenhänge (…) Das ist ein ganz großer und nachdenklicher Dokumentarfilm, der mir auf jeden Fall Aufschluss über meine eigene nationale Identität gibt. Absolut sehenswert.“ (Zuschauer, Telerama)

„Glückwunsch an Valérie Osouf für diesen Dokumentarfilm, der wahre und treffende Zeugenaussagen sensibel behandelt. Sie hat den Menschen wirklich zugehört, exzellenter Schnitt und brillante Rahmenhandlung. Dieser Film sollte dringend in den öffentlichen Sendern ausgestrahlt werden.“(Zuschauer, Telerama)

"Ein sehr wertvoller Film, der mehr als dreißig Jahre französischer Einwanderungspolitik in die richtige Perspektive rückt und dem lebhafte Gestalt verleiht, was uns sonst nur in Form von Zahlen, Richtlinien und Anwendungen begegnet. Ein Film, der unsere Aufmerksamkeit auf diesen „toten Winkel“ innerhalb unserer Gesellschaft lenkt, nämlich das Gefängnis und uns nebenbei einige Wahrheiten ins Gedächtnis zurück ruft (Nein ! Frankreich ist kein Land mit einem hohen Prozentanteil an Ausländern...) (…) Ein Film, der die politische Strategie, aus Ausländern Kriminelle zu machen, an den Pranger stellt." (Zuschauer, Telerama)

„Vielen Dank an Valérie Osouf für diesen Film und ihre Scharfsichtigkeit. Die Zeugnisse und Interventionen sind von bemerkenswerter Genauigkeit. Die Frage, wer Franzose ist und sein darf ist die große Frage dieser Republik. (...) Unbedingt ansehen !“ (Zuschauer, Telerama)

Regisseurin: Valérie Osouf

Nach dem Studium der Geschichte, lebte Valérie Osouf fünf Jahre im Senegal, wo sie 1996 den Film „Sans Commentaire - Das Land in dem man niemals ankommt“ drehte, mit aus Frankreich abgeschobenen Senegalesen. In Dakar schrieb sie ihre Masterarbeit im Bereich Journalismus über die Distribution von Filmen in Westafrika. Parallel dazu arbeitete sie bereits für die Zeitung Le Monde und die Radiosender RFI und Sud FM. Seither beschäftigt sie sich in ihren Filmen mit den aktuellen Konsequenzen des Kolonialismus. 2008 folgte ihr Film „Kamerun – Autopsie einer Unabhängigkeit“ über den geheimen Krieg Frankreichs in Kamerun und „Marie et Djibril“, ein Ehedrama vor dem Hintergrund der Einwanderungspolitik Frankreichs. Parallel entwickelte sie das Drehbuch zu „Guns of Brixton“ über die Londoner Unruhen von 1981 und gründete 2009 gemeinsam mit den mehrfach ausgezeichneten Filmemachern Newton Aduaka und Alain Gomis schließlich die Produktionsfirma „Granit Films“ in Frankreich. „L’Identité Nationale“ ist ihr erster Langfilm. www.granitfilms.com

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