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Kamerun - Autopsie einer Unabhängigkeit

Zwischen 1955 und 1971 fand in Kamerun ein geheimer Krieg statt. Ein Krieg, der Frankreichs Unabhängigkeit im Bergbau sowie im Energiebereich sichern sollte, dem jedoch 1/10 der kamerunischen Bevölkerung – mehrere hunderttausend Opfer! – aus dem Süden und Westen des Landes das Leben kostete. Darüber hinaus wird die UPC - „Union des populations du Cameroun“ / „Union der Völker Kameruns“, die von Ruben um Nyobe gegründet wurde und für eine tiefgreifende Unabhängigkeit eintritt ausgerottet, ihre Parteichefs ermordet, vergiftet und öffentlich hingerichtet. Bis heute ist dieser Krieg in Frankreich als „Staatsgeheimnis“ eingestuft.

Produktionsdetails

R: Valérie Osouf & Gaëlle Le Roy, 53 Min., Frankreich, 2008
Format: DVD
Sprachen: Französisch mit Deutschen oder Englischen Untertiteln

Verleih

Verleih in Deutschland, Schweiz und Österreich
Kontakt: info(at)africavenir.org 
Format: DVD
Sprachen: Französisch mit deutschen oder englischen Untertiteln
Fotos: Werden digital zugesandt

Ausführliche Synopsis

Vom Kalten Krieg legitimiert und durch die „Ereignisse“ in Algerien und Indochina verdrängt, fand in Kamerun zwischen 1955 und 1970 ein geheimer Krieg statt. Kamerun ist für Frankreich ein unumgänglicher strategischer Stützpunkt im Golf von Guinea, von dem Frankreichs Unabhängigkeit im Bergbau sowie im Energiebereich abhängt.

Schon zurzeit der „Unabhängigkeit“ war es De Gaulles Ziel, Frankreichs Erdöl-Importe unter allen Umständen zu sichern. Schon früh erkannte er – als einer der ersten – die Wichtigkeit von Erdölvorkommen, die sich nicht bereits unter angelsächsischer Kontrolle befanden. Seit dieser Zeit hat Frankreich immer versucht, Kamerun um jeden Preis zu kontrollieren, auch wenn dies die Vernichtung großer Teile der kamerunischen Bevölkerung und die quasi Ausrottung der ersten afrikanischen und frankophonen Partei Kameruns (UPC - „Union des populations du Cameroun“, „Union der Völker Kameruns“) bedeutete.

Zunächst von Frankreichs Spezialkommandos geführt, die bereits in Indochina und Algerien im Einsatz waren, und später von der Armee des mittlerweile „un-abhängigen“ Kamerun (mit massiver Unterstützung der französischen Armee) fortgesetzt, ist dieser Krieg durch eine bis dahin nicht gekannte Brutalität gekennzeichnet. Massenerschießungen, Bombardierungen, Abriegelungen, Durchkämmen, Taktik der „verbrannten Erde“, sog. Regruppierungscamps und Einsatz von Napalm haben 1/10 der kamerunischen Bevölkerung – mehrere hunderttausend Opfer! – aus dem Süden und Westen des Landes das Leben gekostet.

Seit 1948 hat die vom französischen Staat geleitete Repression sich die im selben Jahr gegründete UPC als Zielscheibe genommen. Dieser sog „antiterroristische Kampf“ verbreitet sich sehr bald auch auf die Zivilbevölkerung.

1955 wird die UPC verboten und am 13. November 1958, nur wenige Monate nach dem ersten Erdölfund an der Küste, wird ihr Präsident, Ruben Um Nyobé, ermordet.

Am 4. November 1961 wird sein Nachfolger an der Spitze der UPC, Felix Moumié, von William Bechtel, einem Agenten des Service de Documentation Extérieur et de Contre-Espionage (SDECE), in Genf vergiftet.

Es folgen 20 Jahre Terrorherrschaft, welche gleichzeitig die Blütezeit der nebulösen Machenschaften der sog. "Françafrique", zwischen dem Konzern Elf, dem Élysée Palast, Söldnern und afrikanischen Staatschefs symbolisieren.

Omar Bongo, Präsident von Gabun, definiert die postkoloniale Korruption wie folgt: „Afrika ohne Frankreich ist ein Auto ohne Chauffeur. Frankreich ohne Afrika, ist ein Auto ohne Sprit.“

Am 15. Januar 1971 schließlich wird auch dessen Nachfolger an der Spitze der partei, Ernest Ouandié, nach einem Scheinprozess, zu dem seine Anwälte der kommunistischen Partei Frankreichs nicht zugelassen waren, öffentlich hingerichtet.

In „Kamerun – Autopsie einer Unabhängigkeit“ liefern Historiker, Aktivisten, Politiker und Überlebende ihre Version dieses verlorenen Befreiungskrieges.

Pressestimmen

"Die wahre Bilanz des Kolonialismus beginnt!" Les Inrockuptibles

"Der Verdienst dieses extrem pädagogischen Films ist, ein verdrängtes Kapitel der Geschichte zu thematisieren, über das kaum Archivmaterial existiert. Die Regisseurinnen setzen auf die Kraft der Erinnerung sowie auf eine didaktische Neubewertung dieser ereignisreichen Jahre." Télérama

"Sehr lehrreich und vollständig enthüllt diese Reportage die wichtigsten Ereignisse der kamerunischen Unabhängigkeit: z.B. wie Pierre Messmer, im Hintergrund, Schlüsselpersonen manipulierte und gleichzeitig all diejenigen beseitigen ließ, die seine Vision eines von Frankreich dominierten Kameruns widersprachen. (...) Mittels Zeitzeugeninterviews beider Lager entdeckt man viele der bis heute vertuschten Tatschen unserer Geschichte, v.a. der Einsatz von Napalm im Westen Kameruns, dem Tentrum des bewaffneten Widerstands (...) Ein Dokumentarfilm, den man gesehen haben muss, um mehr über eine der wichtigsten Perioden der kamerunischen Geschichte zu erfahren!" Nkwayep Mbouguen, Bonaberi.com

"Am Bildschirm wird uns ein Stück unserer Geschichte erzählt (...) Die Regisseurinnen haben sich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt, indem sie Zeitzeug/innen dieser Geschichte sowie Experten interviewten. Großen Dank diesen beiden Filmemacherinnen für diese exzellente Arbeit über ein bisher unbearbeitetes Thema." Sanaga Pérégrinations

"Wenn die zwei Regisseurinnen auch nicht die aktuelle, extrem angespannte Situation in Kamerun angehen, so ist der Verdienst ihres Films, die tieferen Ursachen der aktuellen Ereignisse zu beleuchten." Christine Guillemeau

Regisseurin: Valérie Osouf

Nach dem Studium der Geschichte, lebte Valérie Osouf fünf Jahre im Senegal, wo sie 1996 den Film „Sans Commentaire - Das Land in dem man niemals ankommt“ drehte, mit aus Frankreich abgeschobenen Senegalesen. In Dakar schrieb sie ihre Masterarbeit im Bereich Journalismus über die Distribution von Filmen in Westafrika. Parallel dazu arbeitete sie bereits für die Zeitung Le Monde und die Radiosender RFI und Sud FM. Seither beschäftigt sie sich in ihren Filmen mit den aktuellen Konsequenzen des Kolonialismus. 2008 folgte ihr Film „Kamerun – Autopsie einer Unabhängigkeit“ über den geheimen Krieg Frankreichs in Kamerun und „Marie et Djibril“, ein Ehedrama vor dem Hintergrund der Einwanderungspolitik Frankreichs. Parallel entwickelte sie das Drehbuch zu „Guns of Brixton“ über die Londoner Unruhen von 1981 und gründete 2009 gemeinsam mit den mehrfach ausgezeichneten Filmemachern Newton Aduaka und Alain Gomis schließlich die Produktionsfirma „Granit Films“ in Frankreich. „L’Identité Nationale“ ist ihr erster Langfilm. www.granitfilms.com

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