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Les Mécréants (Die Ungläubigen)

Auf Befehl ihres religiösen Anführers kidnappen drei junge Islamisten eine Gruppe von libertär eingestellten Schauspieler/innen, die gerade mit ihrem neuen Theaterstück auf Tournee gehen. Da die Kontakte der Entführer zu ihrer Organisation abbrechen, müssen sie sieben Tage mit ihren Gefangenen in einem abgelegenen Versteck verbringen. Eine lange Zeit, in der beide Seiten gezwungen sind, sich näher kennen zu lernen...

Produktionsdetails

Mohcine Besri, Spielfilm, Marokko/Schweiz, 2012, 88 Min.
Arabisch mit Deutschen, Englischen ider Spanischen Untertiteln
Mit: Jamila El Haouni, Maria Lalouaz, Omar Lotfi, Amine Ennaji, Abdenbi El BeniOUi, Aïssam Bouali, Rabii Benjhail, Mostapha El Houari

Distribution

Weltweit außer Schweiz und Marokko
Kontakt: info(at)africavenir.org 
Format: DCP, BluRay oder DVD
Sprachen: Arabisch mit Deutschen, Englischen oder Spanischen Untertiteln
Poster/Fotos/Pressemappe: werden digital verschickt

Pressestimmen

„Diese `Geschlossene Gesellschaft` vermeidet bewusst jegliche Karikatur wie auch jede Versuchung einer Schwarz-Weiß-Malerei. Durch die Konfrontation des unaufhaltsamen libertären Elans mit dem religiösen Obskurantismus, setzt er sich mit den Herausforderungen des `arabischen Frühlings` auseinander und verteidigt gleichzeitig ein wichtiges ontologisches Prinzip: `Der Wert eines Menschen lässt sich weder anhand der Länge des Barts noch des Minirocks bemessen.´Antoine Duplan, Le Temps, Suisse

„Ein mit viel Menschlichkeit inszeniertes Drama, das gekonnt mit der Doppeldeutigkeit in Bezug auf Gut und Böse spielt. So gekonnt, dass man staunt, dass dies der erste Spielfilm von Mohcine Besri ist.“ Pascal Gavillet, Tribune de Genève

„Les Mécréants stellt sich dagegen als hervorragend inszenierter Psychothriller heraus, durchzogen von einer gut aufgebauten Spannungskurve. Mohcine Besris Verdienst ist es vor allem, beim Portrait seiner Protagonisten jegliche Schwarz-Weiß-Malerei vermieden zu haben – so ist auch der Titel des Films doppeldeutig, denn er kann sowohl die gottlosen Schauspieler/innen als auch die fehlgeleiteten muslimischen Fundamentalisten bezeichnen.“ Mathieu Loewer, Le Courrier, Suisse

„Während die gesamte Gruppe, gestrandet in einem einsamen Landhaus, auf die die Anweisungen der fundamentalistischen Befehlshaber wartet, hat Besri die Möglichkeit, seine sehr verschiedenen Charaktere beider Gruppen auszuarbeiten. In dem festen Glauben, dass sie hingerichtet werden, prüfen die Schauspieler/innen die ihnen noch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und versuchen, mit ihren Entführern ins Gespräch zu kommen, das alles in sehr gut geschrieben Dialogen, die es vermögne, ihre einfache ideologische Kluft zu überwinden. Die Symphatie des Filmemachers liegt deutlich bei den Schauspieler/innen, doch Les Mécréants stellt die religiösen Fundamentalisten nicht als Spinner dar, sondern verleiht ihnen eine echte Persönlichkeit. Obwohl es klar ein Film der Ideen ist, vernachlässigt Besri den visuellen aspekt nicht im geringsten dank einer relativ losgelösten Kameraführung, die den Dynamiken folgt, wie sie sich entwickeln.“ Boyd Van Hoeij, Cineuropa

„Eine fast becketsche Geschlossene Gesellschaft." Sarah Haidar, algérie news

„Les Mécréants, ein mutiger Film, der auf neue Weise das Thema des intellektuellen Terrorismus behandelt, der ein Teil unseres Alltags geworden ist.“ Le journal Al Itihad, Abu Dhabi

„Les Mécréants, ein Film, der uns in Frage stellt und der eine ernst gemeinte Einladung enthält, seine eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Durch seinen Mut wird dieser Film wohl all diejenigen stören, die glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben.“ Doaa Sultane, Tahrir news, Egypte.

Preise

  • Bester Film, National Film Festival, Tangier, Marokko 2012
  • Besondere Erwähnung der Jury, FAMECK, Frankreich 2012
  • Besondere Erwähnung der Jury, Cinédays, Festival of European Films, 2012
  • Bester Arabischer Film, Cario international film festival, 2012
  • Preis der Jury, Malmö Arab Film Festival 2013
  • Preis der Jury, Oran Arab Film Fesival  2013

Regisseur Besri über den Film

„Da sind auf der einen Seite Männer, die ihre elenden Lebensbedingungen satt haben in einem Land wie Marokko, das sich in totaler Unordnung einem Wandel zur Moderne verschrieben hat. Sie sehen für sich keine Perspektiven und verrennen sich deshalb in religiösen Obskurantismus... Auf der anderen Seite stehen Männer und Frauen, die zwar aus anderen Gesellschaftsschichten kommen, aber ebenso unter dem korrupten System leiden. Auch sie können mit ihren kulturellen Aktivitäten nicht mehr daran ändern als die anderen in ihrem religiösen Extremismus. Diese Seiten begegnen sich in der Regel nicht und vermögen deshalb hinter dem Bart des einen und dem Minirock der anderen kaum den Menschen zu erkennen... Erst die ungewollte Nähe bringt sie dazu, bisherige Gewissheiten in Frage zu stellen.

Ich habe Islamismus ausgewählt, aber es ist nicht das Zentralthema meines Filmes und aller anderen Filmen, die ich machen werde. Ich will das Thema der Gewissheit behandeln. Ich hasse Köpfe, die mit Gewissheiten voll sind, die man übrigens in vielen verschiedenen Bereichen wiederfindet: religiöser Extremismus, Laizismus, aber auch in der Politik. Auf dem Vorsatzblatt des Drehbuchs hatte ich folgendes Zitat von Nietzsche geschrieben: 'Nicht der Zweifel macht wahnsinnig sondern die Gewissheit.' In meinem Film wollte ich nicht 'Islamismus' und 'Humanismus' gegenüberstellen, da der Mensch ("l'Homme") meiner Meinung nach überall ist. Aber es gibt Köpfe, die man mit Gewissheiten füllt, und die gefährlich werden. Daher habe ich zwei Extreme genommen und sie eingesperrt, um zu zeigen, dass ihre Gemeinsamkeiten größer sind als ihre Unterschiede. Wie alle haben Gewissheiten, wir sollten sie aber jeden Tag kämpfen." Mohcine Besri

Über den Regisseur

Geboren 1971 in Meknes (Marokko), studierte Mohcine Besri zunächst Physik und Chemie an der Universität Rabat, während er gleichzeitig erste kleinere Rollen in verschiedenen Filmen übernahm. Später zog er in die Schweiz, wo er einen Abschluss in Informatik machte und schließlich eine Stelle als Mathematik-Lehrer übernahm. Parallel dazu folgte er seiner Kinoleidenschaft als Drehbuchautor und Regisseur. So arbeitete er 2001 z.B. an dem Drehbuch für „Operation Casablanca“ von Laurent Nègre mit. Nach mehreren Produktionen als Regieassistent drehte er die Kurzfilme „Kafka, Dead or Alive“ (2006) und „Heaven“ (2008). „Les mécréants“ ist sein erster Spielfilm. Er führte dabei nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und erhielt dafür 2012 u.a. beim Festival in Tanger den Preis für das beste Erstlingswerk.

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