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Les Saignantes (Die Blutenden)

Sie bluten und sie lassen bluten: Zwei Frauen – jung, attraktiv, todbringend – ziehen los, um ein futuristisches Land von seinen korrupten, sex- und machtbesessenen Männern zu befreien. Sie erfüllen das Mevungu – ein Ritual des Beti-Volkes, das den Geheimgesellschaften der Frauen vorbehalten ist und nur in Krisenzeiten vollzogen wird. Krisenzeiten, die der Regisseur heute gekommen sieht … Les Saignantes ist ein spektakulärer Science-Fiction Politthriller, der 2007 beim zentralen afrikanischen Festival FESPACO den Silbernen „Etalon de Yennenga“ gewann.

Produktionsdetails

Jean-Pierre Bekolo, Cameroon/France, 93 Min., 2005
Produziert von: Jean-Pierre Bekolo, Andre Bennett, Lisa Crosato, Jim Fink, Michelle Gue, Pascale Obolo, Adrienne Silvey
Drehbuch: Jean-Pierre Bekolo
Mit: Dorylia Calmel, Adèle Ado, Emile Abossolo M'Bo, Josephine Ndagnou, Essindi Mindja, Alain Dzukam, Veronique Mendouga, Bekate Meyong, Thierry Mintamack
Musik: Joelle Esso, Adam Zanders
Kamera: Robert Humphreys
Schnitt: Jean-Pierre Bekolo

Verleih

Deutschland, Österreich, Schweiz
Kontakt: info(at)africavenir.org
Format: DVD
Sprachen: Französisch mit Deutschen Untertiteln
Poster/Fotos: werden digital versandt

Ausführliche Beschreibung

Wir schreiben das Jahr 2025 in einem beliebigen Land in Afrika. Auf der Leinwand ein Paar in Ekstase. Sie jung, schön, sinnlich. Er ein alternder Minister, macht- und sexbesessen. Einer von denen, die das Land durch Korruption beherrschen. Die Musik begleitet die beiden ihrem Höhepunkt entgegen. Plötzliche Stille. Er ist tot. Hier beginnt die Odyssee zweier Frauen, Chouchou und Majolie, durch die nächtliche Szenerie einer postapokalyptischen Stadt, in der Sex, Geld, Politik und Tod auf gefährliche Weise miteinander verwoben sind.

Auch in seinem dritten Spielfilm bleibt der Querdenker unter den gegenwärtigen afrikanischen Filmemachern Jean-Pierre Bekolo (*1966, Kamerun) seinem Hang für Provokation, Spott und Sozialsatire treu. “Les Saignantes – Die Blutenden” ist ein großartig fotografierter und trotz Minimalbudget technisch ausgereifter Science-Fiction-Politthriller, dessen kritische Fragen zum Geschlechterverhältnis, zur allgegenwärtigen Korruption und zum Zustand des afrikanischen Kontinents ihn der Zensur in Kamerun gefährlich nahe gebracht haben.

Trotz seiner erbarmungslosen Sozialanalyse vermittelt der Film nicht Hoffnungslosigkeit. Anfangs naiv und unerfahren setzen die Protagonistinnen bewusst ihre attraktiven Körper als Waffe gegen die korrumpierte Männerwelt ein, um aus dem bisherigen Leben auszubrechen. Die Rechnung geht auf, im Verlauf des Films gewinnen sie zunehmend an Stärke, nicht zuletzt unter Zuhilfenahme übernatürlicher Kräfte. Bekolo stilisiert diese zwei jungen, selbstbewussten Frauen zu Rächerinnen an einer korrupten politischen Elite, die aus Profitgier ihren Kontinent verkauft hat und langsam ausbluten lässt.

Wie alle seine Filme hält auch Les Saignantes den Zuschauer in Atem, lässt ihn keine Sekunde abschalten. Mehr als einmal stellt das Geschehen die Logik auf den Kopf, es gibt Einblendungen und Jump Cuts sowie allerlei technische Spielereien. Stellenweise erzählt eine hypnotisierende Frauenstimme vom Mevungu, einem Ritual der Beti, das den Geheimgesellschaften der Frauen vorbehalten ist und welches nur in Zeiten sozialen Notstands vollzogen wird. Angesichts der tiefen Krise, in der sich der afrikanische Kontinent und besonders Kamerun heute befinden, so Bekolo, sei es an der Zeit, dieses Ritual wieder einmal durchzuführen.

Seit Jahren, erzählt der unter anderem in den USA lehrende Filmemacher, habe er dieses Projekt mit sich herum getragen und entgegen sämtlicher Hindernisse schließlich durchgesetzt. Vor allem für westliche Geldgeber gehen Afrika und Science Fiction nicht zusammen. Warum, ließ Bekolo schon einen seiner Protagonisten in Aristotle’s Plot (1996) fragen, sind afrikanische Filme so statisch, so linear, so realistisch? Warum gibt es auf diesem Kontinent, der so viele Mythen, Geschichten und Gerüchte hervorbringt, kaum fiktive Filme?

Schon sein Debütfilm Quartier Mozart, 1992 mit dem Prix Afrique en Création in Cannes prämiert, avancierte in Kamerun blitzschnell zum Kultfilm. Die Wahl der Schauspieler, der typische Slang und die Verpflanzung traditioneller Figuren und Mythen in einen modernen Stadtteil Yaoundés kam vor allem bei Jugendlichen gut an. „Ich möchte diese Verbindung mit meinem Publikum nicht verlieren (…) Ich mache Filme für meine Leute zu Hause. Die Ausdrücke, das Vokabular, die Drehorte sind Teil ihrer populären Kultur. Meine Filme sind nicht realistisch, aber die Leute erkennen sich darin wieder.“

Text von Eric Van Grasdorff, AfricAvenir.

Preise

  • Silberner Hengst beim FESPACO, 2007
  • Beste Hauptdarstellerinen für Adèle Ado und Dorylia Calmel, FESPACO, 2007
  • Besondere Erwähnung der Jury, FESPACO, 2007

Pressestimmen

“After an eight-year absence, maverick director Jean-Pierre Bekolo returns with his magnum opus, Les Saignantes. This superbly photographed, stylishly edited, and tastefully scored film is about two young femme fatales who set out to rid a futuristic country of its corrupt and sex-obsessed powerful men. In this sci-fi-action-horror hybrid, Majolie and Chouchou, navigate a sordid world where sex, money, politics and death perniciously overlap. Young, attractive, fashionable and lethal, they are on a mission to change the destiny of their country. Reveling in its display of excess, committed to aesthetics of cool, Les Saignantes is one of the first science fiction films to come out of Africa.” African Film Festival New York

Les Saignantes is the best African sci-fi political satire with erotic overtones you’ve ever seen (...) With a feminist subtext and cinematography like a blacklight rave, Les Saignantes is a beautiful, disorienting, and truly original work.

“Along with the intertitles, the abundance of crooked politicians and the trading of sexual favors all point to Bekolo’s radical political commentary, an aspect that has gotten the film into trouble with Cameroon’s censorship board.” Marjorie Baumgarten, The Austin Chronicle

"Masked behind the eroticism, dancing, and other parts I feel might be distractions, there are definitely some deep, philosophical and political questions Bekolo is asking and statements he is making." Black Film

Der Filmkritiker Aboubacar Sanogo beschreibt „Les Saignantes“ als avantgardistisch in jeglicher Hinsicht. Sowohl die angewandten erzählerischen Mittel als auch die Herangehensweise seien neu und unkonventionell. Der Film symbolisiere die Geburt eines « cinéma du corps » (den Körper inszenierendes Kino) in Afrika sowie eines afrikanischen Science-Fiction Genres. Die Idee, zwei junge, moderne Frauen als im Namen des Kontinents handelnde Rächerinnen an einer korrupten politischen Elite auftreten zu lassen, sei einfach genial.

„In seinem dritten Spielfilm bleibt Bekolo seinem Hang für Provokation, Spott und Sozialesatire treu (…) Mit schönen Farben, großartigen Schauspielern erscheint uns „Les Saignantes“ eher magisch als futuristisch. Mehr als einmal stellt das Geschehen die Logik und das Rationale in Frage.“ Francis Mbagna, Verfasst im Rahmen eines Workshops während des 10. Festival Ecrans Noirs, Yaoundé.

Der Regisseur über den Film

"Avec Les Saignantes, j'explore l'idée d'un cinéma d'anticipation et de projection. Ce qu'on pourrait appeler en anglais "cautionnary cinema", un cinéma qui veut tirer la sonnette d'alarme. Et sa forme se veut un contact avec une certaine jeunesse africaine qui rejette sa propre image, son propre cinéma, à raison. Ce film se veut aussi "empowering", c'est-à-dire qu'il doit renforcer l'estime de soi, malgré la situation glauque qu'il décrit. Chaque fois qu'on parle de l'Afrique, on en parle au passé et au présent. Jamais de l'avenir. Pourtant, cet avenir sera là, surtout pour les jeunes. Et ce qu'on en fera sera ce qu'on aura pensé aujourd'hui. Connaissez-vous l'adresse de ce bureau où on pense l'avenir dans nos pays ? L'urgence est de le créer. Et ce serait encore mieux si le cinéma pouvait y jouer un rôle important"

Regisseur: Jean-Pierre Bekolo

Jean-Pierre Bekolo wurde 1966 in Yaoundé/Kamerun geboren, studierte dort zunächst Physik und später Film in Frankreich bei Christian Metz. Er ist Autor, Regisseur, Produzent und Professor für Film und lehrte u.a. an den US-amerikanischen Universitäten Virginia Polytechnic Institute (1998), University of North Carolina at Chapel Hill (2001) und Duke University (2003). Nach seinem Studium kehrte Bekolo zunächst nach Kamerun zurück und arbeitete fürs lokale Fernsehen, wo er für den Schnitt von Kurzfilmen verantwortlich war. In dieser Zeit entstanden auch Boyo, Un Pauvre Blanc, und Mohawk People, wie auch zahlreiche video clips für die Musikgruppen Les Têtes Brûlées oder auch Manu Dibango. Bekolos Debütfilm "Quartier Mozart" gewann 1992 den Prix Afrique en Création in Cannes. Sein zweiter Film, „Aristotle’s Plot“, war neben Werken von Martin Scorsese, Jean-Luc Godard und Bernardo Bertolucci einer der 10 vom British Film Institute in Auftrag gegebenen Filme zur Feier von 100 Jahren Filmgeschichte. „Les Saignantes“ feierte 2005 in Toronto Weltpremiere und gewann den silbernen Hengst beim FESPACO 2007. Sein neuester Film "Le Président" (2013) sorgte in Kamerun und international für viel Aufsehen, da der Film die Post-Biya Zeit anspricht.

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