PM: Koloniale Beutekunst soll zurück nach Kamerun - Breites zivilgesellschaftliches Bündnis fordert Bayern zur Rückgabe des geraubten Schiffsschmucks Tangué auf

[Translate to deutsch:] Tangué

Berlin, 23. Februar 2010. Das von mehr als 75 Organisationen der Bundesrepublik getragene Kampagnenbündnis „125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz: erinnern, aufarbeiten, wiedergutmachen“ unterstützt mit Nachdruck die Forderung des kamerunischen Prinzen Kum’a Ndumbe III. an die Regierung des Freistaates Bayern, einen der wichtigsten Kultgegenstände der Küstenvölker Kameruns – den Tangué - an den Nachfahren des rechtmäßigen Eigentümers zurückzugeben und für die Zeit seiner Entwendung Entschädigung zu leisten. Der Tangué von Lock Priso ist die charakteristische Insignie der Bele Bele, die bis heute Hüter des jährlichen Wasserkults beim „NGONDO“ sind. Er gehört nicht in die Dauerausstellung des Münchener Museums für Völkerkunde.

Der Schiffsschmuck ist nachweislich 1884 vom damaligen (provisorischen) Gouverneur Dr. Maximilian Buchner während eines Angriffs auf die Stadt Hickory Town (heute Bonabéri) an der kamerunischen Küste geraubt worden. In Aurora Colonialis. Bruchstücke eines Tagebuches aus dem ersten Beginn unserer Kolonialpolitik, 1884-1885 (München 1914), S.194 berichtet Buchner selbst in eindeutigen Worten von der gewaltsamen Aneignung des Kultgegenstandes:

Das Haus des Lock Priso wird niedergerissen, ein bewegtes malerisches Bild. Wir zünden an. Ich habe mir aber ausgebeten, dass ich die einzelnen Häuser vorher auf ethnographische Merkwürdigkeiten durchsehen darf. Meine Hauptbeute ist eine große Schnitzerei, der feudale Kahnschmuck des Lock Priso, der nach München kommen soll.

Prinz Kum’a Ndumbe III., Universitätsprofessor, Schriftsteller und Enkel des damals beraubten Lock Priso kämpft seit Jahrzehnten mit Nachdruck für die Rückgabe des Tangué. Ende vergangenen Jahres hat er nun die folgende Erklärung veröffentlicht:

Ich, Prinz Bele Bele, Kum, Sohn von Ndumbe III, selbst Sohn von Kum’a Mbape (Lock Priso), an diesem 22. Dezember 2009, 125 Jahre nachdem koloniale und neokoloniale Politiken unsere Gesellschaftsordnungen nachhaltig zerstört haben, erkläre feierlich: Ich verlange von der deutschen Regierung, dass der Tangué meines Großvaters Kum’a Mbape, der als Kriegsbeute entwendet wurde, mir, meiner Familie und unserem Volk zuzüglich entsprechender Entschädigungen zurückgegeben wird, wie die aktuell geltenden internationalen Konventionen es vorsehen. Der dauerhafte Friede und die Aussöhnung zwischen den Nationen/Kulturen lassen sich nur realisieren, wenn fundamentale Ungerechtigkeiten durch Reparationen ausgeglichen werden.

Angesichts der kriminellen Umstände seines „Erwerbs“ vor 125 Jahren und der offiziellen Rückgabe- und Entschädigungsforderung Prinz Kum’a Ndumbes III. ist der weitere Verbleib des Tangué in München durch nichts zu rechtfertigen. Unser Kampagnenbündnis hat den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in einem Schreiben aufgefordert, die Rückgabe des Kultgegenstandes und die Entschädigung der Erben von Lock Priso umgehend in die Wege zu leiten.

Weitere Informationen:
http://www.berliner-afrika-konferenz.de/kamerun

Pressekontakt:
Christian Kopp, Berlin Postkolonial (Kampagnensprecher)
Tel.: 030 231 321 54
Mail: presse@berliner-afrika-konferenz.de
presse(at)berliner-afrika-konferenz.de

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