Dialogforum: Mali in der Zwischenzeit – nach der MilitĂ€rintervention, vor den Wahlen, MI 17. April 2013, 18:00 Uhr, Rosa-Luxemburg-Stiftung (1. Etage)

Aminata Traoré (Autor: David Monniaux)

Am Mittwoch, 17. April 2013 um 18 Uhr laden AfricAvenir, die Zeitschrift PROKLA und das Afrika-Referat der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Dialogforum mit Aminata TraorĂ©, Oumar Mariko und Many Camara ein zum Thema: "Mali in der Zwischenzeit – nach der MilitĂ€rintervention, vor den Wahlen". Die Veranstaltung findet in der Rosa-Luxemburg-Stiftung (1. Etage) in Deutsch und Französisch statt; es wird simultan ĂŒbersetzt.

EILMELDUNG: Fassungslos mĂŒssen wir zur Kenntnis nehmen, dass unserem Gast Dr. Oumar Mariko aus Mali (Oppositionspolitiker der Partei SADI und möglicher PrĂ€sidentschaftskandidat) die Einreise sowohl nach Frankreich, als auch nach Deutschland verweigert wurde. Mehr dazu in unserem |+| Newsletter.

Dr. Oumar Mariko, GeneralsekretÀr der Partei SADI, Mitglied des Parlaments, Direktor des Netzwerks Radio Kayira (per Videokonferenz-Schaltung)
Aminata Traoré,
Menschenrechtsaktivistin, Koordinatorin von FORAM (Forum pour un autre Mali)
Many Camara,
MitbegrĂŒnder des FalĂ©a-Projekts, Soziologe (UniversitĂ€tsprofessor in Bamako)

Moderation: Nicolai Röschert, AfricAvenir

Die von Frankreich gefĂŒhrte MilitĂ€rintervention gegen die Rebellen in Nordmali hat binnen Kurzem die erwarteten Resultate gezeitigt – nĂ€mlich im Prinzip die Herstellung des status quo ante. Die regulĂ€ren Truppen aus Frankreich, unterstĂŒtzt von Einheiten aus den ECOWAS-Staaten und insbesondere dem Tschad, kontrollieren die Siedlungen und wichtige Kommunikationseinrichtungen, die "Rebellen" haben sich in unwegsame RĂ€ume zurĂŒckgezogen und fĂŒhren von dort einen Guerillakrieg. Die malische Armee hat hierdurch die Kontrolle im Windschatten der französischen Truppen weitestgehend zurĂŒckerobert – bis auf die Region um Kidal, in die Frankreich allein eingerĂŒckt ist und in der nun die „Rebellengruppe“ MNLA das Kommando fĂŒhrt. Schon bald soll eine UN-Friedensmission die Kontrolle ĂŒbernehmen, wobei Frankreich beabsichtigt, seine Truppen nicht in die UNO-Einheiten zu integrieren, sondern diese zum Schutz der UN-Mission einsetzen möchte. Die Stationierung einer UN-Friedensmission inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen hat es so vorher noch nie gegeben.

Gleichzeitig soll die malische Armee durch die EU-Mission EUTM, die schon vor der Rebellion geplant war, ausgebildet werden, wĂ€hrend die innermilitĂ€rischen Auseinandersetzungen zwischen „berrets rouges“ (AnhĂ€nger des gestĂŒrzten PrĂ€sidenten) und „berrets verts“ (Putschisten) noch anhalten. Von einer grundsĂ€tzlichen und dauerhaften Friedenslösung kann deshalb gegenwĂ€rtig keine Rede sein. Auch die zivile Verwaltung ist nach wie vor nicht wieder funktionsfĂ€hig. Zudem warten noch ca. 400.000 FlĂŒchtlinge darauf, dass sich die Sicherheitslage so verbessert, dass sie in ihre Heimatregionen (relativ) gefahrlos zurĂŒckkehren könnten.

Die Lage ist also alles andere als stabil und nur bedingt unter Kontrolle – und trotzdem hat die malische Interimsregierung dem Druck westlicher Geber entsprochen und fĂŒr den Juli 2013 allgemeine Wahlen angesetzt. Unter den gegebenen Bedingungen ist jedoch völlig unklar, wie in den „befreiten“ Gebieten in Nordmali ein regulĂ€rer Wahlkampf gefĂŒhrt werden kann, wie die Einschreibung der WĂ€hler in ein elektronisches Register in so kurzer Zeit und unter diesen UmstĂ€nden vonstattengehen und wie die Beteiligung an der Wahl organisiert werden soll.

Von einem wahren politischen Neuanfang kann also nicht gesprochen werden. Unter dem Druck der UmstÀnde werden alle Versuche einer demokratischen Neufindung, zum Beispiel durch die Einberufung einer Versammlung aller wesentlichen KrÀfte (nicht nur Parteien, sondern auch VerbÀnde und Nichtregierungsorganisationen) verhindert. Alles lÀuft auf eine Restauration der alten politischen Strukturen mit den alten (korrupten) Eliten hinaus, die das Land zudem westlichen Interessen ausliefern und eine neoliberale Deregulierungspolitik verfolgen.

Worin bestehen alternative politische Konzepte und wie könnten sie umgesetzt werden? Welche Rolle könnte die internationale Gemeinschaft dabei spielen? Welches sind die wahrscheinlichen Langzeitkonsequenzen des französischen MilitĂ€reinsatzes fĂŒr die Politik in Mali und fĂŒr die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs in Mali?

Unsere GĂ€ste aus Mali werden ĂŒber die Lage in Mali informieren und ihre Positionen zur Diskussion stellen.

Bei dieser Gelegenheit stellen wir ausserdem die neueste Ausgabe der Zeitschrift PROKLA vor, die sich dem Thema "Soziale KĂ€mpfe in Afrika" widmet. Mehr hier: www.prokla.de/2013/03/27/editorial-prokla-170/

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung (1. Etage)
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

S-Bahn/DB: Berlin Ostbahnhof
U-Bahn: U5 - Weberwiese
Bus: 147, 240

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