Call for Papers: (Post-)Kolonialismus zwischen Deutschland und Kamerun - Wissen(-schaft) und Gerechtigkeit

In Kooperation mit der Nachwuchsgruppe "Transnationale Genealogien" des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen", dem Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF), AGECARH (Association Germano-Camerounaise pour la recherche historique) und DEPO (deutschland postkolonial) e.V. organisiert AfricAvenir International e.V. eine internationale Konferenz zum Thema (Post-)Kolonialismus zwischen Deutschland und Kamerun - Wissen(-schaft) und Gerechtigkeit, am 19.-20. September 2011 an der Goethe-Universität Frankfurt/M.

Deadline für Papers: 1. Juli 2011

Seit einigen Jahren wird in Deutschland ein neuer "Boom" in der Beschäftigung mit der deutschen Kolonialgeschichte konstatiert. Dieser zeichnete sich auch durch einen methodisch-theoretischen Dialog zwischen anglo-amerikanischen und deutschen Forschungsansätzen aus. Die Bedeutung der deutschen Kolonialgeschichte für Deutschland, sowohl auf der Ebene der Repräsentation als auch auf der Ebene der Erfindung als Nation, rückte ins Zentrum. Neuere Arbeiten nähern sich der deutschen Kolonialgeschichte aus globalgeschichtlicher Perspektive und versuchen so die Überwindung von Zentrum-Peripherie-Modellen. Verbindungen und Verflechtungen werden betont und die europäischen und außereuropäischen Gebiete in ihrer "shared history" (Cooper/Stoler) als ein gemeinsames analytisches Feld betrachtet. Der Anspruch dieser neuen Ansätze ist die Überwindung eurozentrischer Perspektiven auf Kolonialgeschichte, die Provinzialisierung Europas in dieser Geschichte. Dennoch ist zu konstatieren, dass in diesem sich neu herausbildenden Wissenssystemen Wissenschaftler aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten, z.B. Kamerun, verheerend unterrepräsentiert sind und das, obwohl es dort eine lange und lebendige akademische und nicht-akademische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte gibt.

Die in diesen Ländern bestehenden Wissenssysteme zum Thema werden in Deutschland entweder nicht wahrgenommen oder nicht anerkannt. Die kulturelle Hegemonie des globalen Nordens über den globalen Süden wird im Bereich der Universitäten auf eine Weise deutlich, der sich eigentlich postkolonial oder eurozentrisch-kritisch arbeitende Wissenschaftler kaum explizit stellen. Institutionelle Fördersysteme verstärken durch Vergabekriterien
und capacity-building-Ziele den Eindruck, der Norden müsse die Universitätssysteme des Südens "entwickeln". Diese Wahrnehmung der akademischen Beschäftigung mit Kolonialgeschichte im Süden als defizitär verhindert eine dialogische und konstruktive Wahrnehmung und Anerkennung.

Das im Süden produzierte und zirkulierte Wissen bleibt ausgeschlossen. Das Wissen im Norden bleibt somit perspektivisch und epistemisch defizitär. Kann eine "Kritik an der Geschichte" (Soyinka) als Vorraussetzung für Gerechtigkeit und Versöhnung erreicht werden, ohne die Historiographiegeschichten der ehemals kolonisierten Länder mit einzubeziehen? Und wie kann ein solcher Dialog tatsächlich unter gleichberechtigten Partnern stattfinden und nicht nur
"Feigenblattrhetorik" bleiben?

Die Konferenz möchte diese Fragen mit FachwissenschaftlerInnen erörtern, die sich mit der deutschen Kolonialgeschichte in Kamerun beschäftigen.

Ziel der Konferenz ist es, einen Prozess zu beginnen, der zunächst für den Fall Kamerun Möglichkeiten erprobt, unterschiedliche Wissenssysteme in Dialog zu bringen, strukturelle Ungleichheiten zu benennen, zu überwinden und Voraussetzungen zu schaffen eine gegenseitige Anerkennung zu erreichen.

Papers könnten sich an folgenden Themen orientieren:

  • Forschungstraditionen und Perspektiven zur deutsch-kamerunischenKolonialgeschichte
  • Methoden der Kolonialismusforschung (oral history, Zugang zu Archiven, Bilddatenbanken, private Archive, etc.)
  • Curriculäre Einbindung von deutsch-kamerunischer Kolonialgeschichte anSchulen und Universitäten
  • Gesellschaftliche Relevanz und Rezeption der Kolonialismusforschung, besonder mit Bezug auf Kamerun

Die Konferenz richtet sich an internationale TeilnehmerInnen und ist disziplinär offen. Sowohl NachwuchsforscherInnen wie auch etablierte WissenschaftlerInnen sind zur Beteiligung aufgefordert. Für TeilnehmerInnen aus Kamerun und dem globalen Süden werden in begrenztem Umfang Reisemittel zur Verfügung stehen.

Konferenzsprachen sind Englisch (bevorzugt), Deutsch und Französisch. Abstracts in den genannten Sprachen sollten 200 Wörter umfassen und ein kurzer Lebenslauf beigefügt sein.

Kontakt:
Stefanie Michels

Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen"
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Juridicum - Raum 505a (Hauspostfach 9)
Senckenberganlage 31
D-60325 Frankfurt am Main
stefanie.michels(at)normativeorders.net

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