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Natasha A. Kelly: Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland

Am 21.10. um 18.30 Uhr lädt Commit Berlin e.V. zur ersten Veranstaltung in der Reihe Wissensmacht - Machtwissen - Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit Rassismus und kolonialen Kontinuitäten in Universität und Wissenschaften ins HU-Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035 zu Natasha A. Kelly: Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland.

Die Vorstellung vom blonden, blauäugigen Deutschen ist längst überholt und das Staatsbürgerschaftrecht reformiert. Dennoch bleiben es die phänotypischen Merkmale, die die vermeintliche Herkunft und das Nichtdeutsche für jedermann offensichtlich machen. Bereits Anfang der 90er Jahre artikulierte die HipHop-Formation Advanced Chemestry die Situation, die heute noch für viele Menschen der afrikanischen Diaspora in Deutschland Alltag ist (Zitat): "Nicht anerkannt, fremd im eigenen Land, kein Ausländer und doch ein Fremder!" Eine Dekade später setzen die Brothers Keepers exakt an dieser Stelle wieder an: Hip Hop wird gezielt als Instrument für Verständigungsprozesse genutzt und in einen sozialen Zusammenhang gebracht. Aufgrund ähnlicher Erfahrungen, die in Auseinandersetzung mit der "weißen" deutschen Mehrheitsgesellschaft entstehen, teilen die Mitglieder des Musikkollektivs nicht nur miteinander, sondern auch mit Anderen dasselbe Wissen. Die Kommunikation wird zur Gemeinsamkeit, indem sie die Kommunikatoren gleichmacht und gleichartig denken lässt.

Natasha A. Kelly, gebürtige Londonerin, lebt seit dem zehnten Lebensjahr in Deutschland, wo sie seit 1994 das Abitur, 1998 eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und Wirtschaftsassistentin und 2005 den Magisterabschluss in Kommunikationswissenschaften erzielte. Derzeit promoviert die Autorin am IfK der WWU Münster und ist Herausgeberin von X, das Magazin für AfroKultur.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe:
Wissensmacht - Machtwissen

Eine Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit Rassismus und kolonialen Kontinuitäten in Universität und Wissenschaften

im Wintersemester 2009/10

Im Rahmen der Kampagne verschiedener Berliner politischer Gruppen zur 125ten Jährung der Berliner Afrika-Konferenz von November 2009 bis Februar 2010 (www.berliner-afrika-konferenz.de) veranstaltet der Studierendenverein Commit Berlin e.V. eine Reihe, in der koloniale Kontinuitäten im Alltag und in Wissenschaftsbetrieben thematisiert werden sollen. Die Veranstaltungen sind Teil der politischen Bildungsarbeit von Commit Berlin und sollen zur Sensibilisierung der deutschen Öffentlichkeit beitragen

Ausgangspunkt ist die Universität als ein Ort, der den Alltag von Studierenden und Lehrenden wesentlich prägt und an dem vorgeblich universelles Wissen und ‚Wahrheiten’ produziert werden, sich gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse spiegeln, Zugänge zu Realität und Wissen verhandelt werden. Wir wollen kritisch hinterfragen, was in den Berliner Wissenschaftsbetrieben passiert. Wer kann dort sprechen und worüber? Wessen Stimme wird gehört? Wessen Wissen wird als Wissen anerkannt? Welche Funktion haben diese Ein- und Ausschlüsse für die Selbstkonstruktion der dominanten weißen Wissenschaften?

In Deutschland gibt es kaum Studiengänge, die sich explizit mit Post-Kolonialität befassen, zu viele (weiße) Menschen wissen und lernen nichts über die Berliner Afrika-Konferenz und deren bis heute währende Folgen. Die Auseinandersetzung mit deutscher Kolonialgeschichte und bis heute sicht- und spürbaren kolonialen Denk- und Verhaltensmustern und Strukturen ist noch nicht in der selbsternannten Mitte der Gesellschaft angekommen. Kolonialrevisionismus und Alltagsrassismus gehen Hand in Hand und legitimieren im Deutschland des 21. Jahrhunderts einen kolonialen Raum.

Die Veranstaltungsreihe soll zur Anerkennung eines post-kolonialen Diskurses in Deutschland beitragen und zu einer kritischen Reflexion (vor allem von Studierenden) über gewaltvolle Strukturen in ihrem eigenen Umfeld anregen. Ebenso versuchen wir, eine breitere Öffentlichkeit für alltägliche Rassismen zu sensibilisieren. Wir wollen eine Einführung in diverse Themenbereiche wie Alltagsrassismus, diskriminierende Strukturen in den Wissenschaften oder Deutsch als  rassistische Sprache bieten, Denkanstöße geben und zur weiteren Diskussion und Reflexion der behandelten Themen anregen. Für diese Verhandlungen haben wir die Universität gewählt, denn es ist an der Zeit, dass sich weitere Diskurse und Perspektiven an diesem Ort Platz verschaffen und so zu einer weiterreichenden Transformation beitragen.

ab 21.10.2009 jeden zweiten Mittwoch um 18.30 Uhr
im HU-Hauptgebäude (Unter den Linden 6), Raum 3038/3035

21.10. Natasha A. Kelly
Afroism. Zur Situation einer ethnischen Minderheit in Deutschland

4.11. Katharina Oguntoye
Geschichte(n) Schwarzer Menschen in Deutschland

18.11. Dr. Grada Kilomba
Who can speak? University and the decolonization of knowledge

2.12.  Dr. Susan Arndt
Rassismus in der deutschen Sprache

16.12. Yonas Endrias
Rassismus in der Wissenschaft - wissenschaftlicher Rassismus

13.1. Aretha Schwarzbach-Apithy
Weiße kolonial-rassistische Lebensart  - innere Kolonisierung

27.1. Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers
Dekolonisierung als methodisches und methodologisches Projekt der Wissenschaftskritik

10.2. Podium: Interventionen
Strategien zur De-Kolonisierung der Universität und Wissenschaften

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