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Interview mit Ivan Marowa: "Erinnerungen für die Zukunft Simbabwes" - Von den kolonialen Vertreibungen der 1920er Jahre bis hin zu den Unabhängigkeitsfeiern des Jahres 2010

In einem Interview mit AfricAvenir am 5.11.2010 präsentiert Ivan Marowa (University of Harare) eine soziohistorische Sicht auf die Entwicklungen Simbabwes und plädiert dabei für eine größere Beachtung sozialer Erinnerungskulturen.

Das Interview steht auch als pdf-Version zur Verfügung: |+| Interview Marowa (pdf, Dt)

AfricAvenir : In internationalen Medien wird die jüngere Geschichte Simbabwes gewöhnlich als ökonomischer Zusammenbruch beschrieben und vereinfacht mit dem Hinweis auf den Charakter von Präsident Robert Mugabe erklärt. Auf welche Themen konzentrieren Sie sich als Sozialhistoriker vorwiegend in Ihrer Arbeit?

Ivan Marowa : Die Gebiete, auf die ich mich derzeit fokussiere, betreffen in erster Linie soziale Erinnerungsbildung und die Prozesse, die Auswirkungen darauf haben, wie sich Menschen gegenwärtig an ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnern. Die Vergangenheit ist schließlich zu keinem Zeitpunkt vergangen, sie lebt tagtäglich weiter mit uns. Wie wir sie interpretieren ist wiederum auch stark von der Gegenwart beeinflusst. In den meisten Fällen lassen sich in diesen Interpretationen stetig ansteigende Mythenbildungen gegenüber der Vergangenheit finden. Ich versuche deswegen zu verstehen, wie Erfahrungen in der modernen simbabwischen Gesellschaft in den Erinnerungen der Menschen repräsentiert werden.

Gibt es bestimmte Ereignisse von denen Sie behaupten würden, dass sie die Erinnerungskulturen der Menschen in Simbabwe besonders geprägt haben?

Es gibt eine ganze Reihe dieser Episoden. Zum Beispiel die kolonialen Vertreibungen, die in den 1920er und 1930er Jahren begannen und bis spät in das 20. Jahrhundert fortgesetzt wurden. Nach der Unabhängigkeit kam es zu stärkeren politischen Differenzen zwischen unterschiedlichen politischen Parteien aber auch zu radikalen Umbrüchen in der Wirtschaft und der politischen Situation. Diese ganzen Vorkommnisse hinterließen bleibende Erinnerungen. Aktuell fokussiere ich mich jedoch nicht auf die politischen Veränderungen im neuen Jahrtausend. Ich untersuche noch die kolonialen Vertreibungen und  versuche zu analysieren wie die Menschen ihre Erinnerungen in der Gegenwart interpretieren. Zum Beispiel verbinden sie das Versagen der aktuellen Regierung häufig mit den Dingen, die ihrer Meinung nach in der Vergangenheit besser waren. Hier kommt in einigen Fällen die aktuelle Politik ins Spiel.

Während viele afrikanische Nationen in diesem Jahr ihre 50-jährige Unabhängigkeit feierten, sind in Simbabwe seit der Unabhängigkeit von der weißen Minderheitsregierung im April 2010 30 Jahre vergangen. Wie haben sie die Feierlichkeiten in Harare als soziohistorisches Event erlebt?

Die Unabhängigkeitsfeiern in diesem Jahr waren insofern besonders, als dass zum ersten Mal seit der Bildung einer Oppositionspartei [dem Movement for Democratic Change (MDC)] gegen die Regierungspartei [der Zimbabwean African National Union-Patriotic Front (Zanu-PF)], die einstigen Erzfeinde zusammensaßen und Simbabwes Unabhängigkeit gemeinsam feiern konnten. Zum ersten Mal hörten sie einander zu, während sie gegenseitig Reden über den Weg hielten, den das Land zurückgelegt hat. Sie sprachen auch darüber, dass die simbabwische Bevölkerung ihre Meinungsverschiedenheiten begraben solle, um sich wiederzuvereinen. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment.

Wie haben die Simbabwer die Unabhängigkeitszeremonien aufgenommen? Waren sie überhaupt noch ein Anlass zu feiern?

Früher erschien es vielen Menschen als ob die Feierlichkeiten überhaupt keinen nationalen Charakter hätten. Zanu-PF würde etwa proklamieren: “Wir sind hier, um die Unabhängigkeit zu feiern die wir erkämpft haben!”, dieses „wir”betonte dabei aber ausschließlich die Rolle von Zanu-PF während des Freiheitskampfes – was im Übrigen keine korrekte Wiedergabe der Geschichte ist. Andere Stimmen waren da seit jeher vorsichtiger und argumentierten dafür, dass wir zunächst definieren sollten von welcher Art Unabhängigkeit hier überhaupt die Rede war. Meiner Meinung geschah es 2010 deswegen auch zum ersten Mal, dass Menschen, die selbst nicht Feierlichkeiten im Sportstadion mitverfolgen konnten, die Reden zu Hause vorm Fernsehen oder an ihren Radios verfolgten. In der Vergangenheit hätten sie einfach ausgeschaltet.

Weil sich die Menschen nicht immer wieder die gleiche Geschichte anhören wollten?

Ja, was sie davor sahen, erschien ihnen nur als ein reines Propagandaforum. Persönlich habe ich allerdings keine einzige Rede bei derartigen Events verpasst. Als Historiker will ich die Stimmen der beiden Seiten hören. So wird schließlich Geschichte gemacht. Die Unterschiede in den jeweiligen Diskursen sind dabei das Interessente. Die Stille, die in offiziellen Narrativen immer wieder auftaucht, bringen wir dann zu den Leuten.

Lässt sich nach Ihrer Meinung im Zuge der jüngeren politischen Veränderungen also davon sprechen, dass sich auf der politischen Ebene mittlerweile eine einzige Version simbabwischer Geschichtsschreibung durchsetzt?

Es wird wohl niemals eine einzige sondern immer viele verschiedene Narrative über die simbabwische Geschichte geben. Das liegt auch daran, dass es zur Zeit der Unabhängigkeitsbewegung viele verschiedene politische Parteien gab, zum Beispiel eben Zanu und Zapu [die Zimbabwe African Peoples Union] aber auch andere, die Hand in Hand mit der kolonialen Regierung zusammenarbeiteten. Deren Narrative unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Nach der Unabhängigkeit kamen mit der Formierung der Oppositionspartei MDC dann noch weitere Geschichtsversionen hinzu. Deren Einstellung war dahingehend wie die Vorteile nach der Unabhängigkeit verteilt werden sollten komplett anders. Deshalb werden sich Erzählrungen über die simbabwische Geschichte auch zukünftig unterscheiden. Wenn Sie zu den Arbeitern gehen, haben die ihre eigene Geschichte zu erzählen aber auch die Politiker und der einfache Mann auf der Straße, sie haben alle eine eigene Version. So kommt es unter anderem auch zu der Entstehung einer Disziplin wie der Sozialgeschichte.

Wie haben Sie die Wahlen 2008 und die Formierung der Regierung der nationalen Einheit zwischen Zanu-PF und dem MDC erlebt? International wurden die Ereignisse gemeinhin als Indikatoren für positive Tendenzen in der simbabwischen Gesellschaft willkommen gehießen.

Die Wahlen vom 29. März 2008 waren in der Tat sehr interessant. Nach meiner Meinung war die politische Atmosphäre zu diesem Zeitpunkt frei und offen. In den Tagen vor der Wahl schickten sich Menschen jede Menge SMS und machten sich darin über die Präsidentschaftskandidaten und die derzeitige politische Situation im Land lustig. Im nationalen Fernsehen waren damals sowohl Zanu-PF als auch MDC-Vertreter zu sehen, wie sie ihre verschiedenen Meinungen äußerten. Die Stimmung im Land war komplet verändert und deutlich offener als zuvor. Am 29. März verlief dann auch alles friedlich und am kommenden Tag wachten viele extra früh um fünf Uhr auf, um nach den Ergebnissen zu sehen. Alle waren aufgeregt und riefen sich gegenseitig aus den unterschiedlichsten Landesregionen an, um sich darüber zu informieren welcher Kandidat wo gewonnen hatte. Am Nachmittag fingen dann bereits erste Feierlichkeiten und Autokorsos auf den Straßen von Harare an. Diese positive Stimmung hat vielen Simbabwern neue Hoffnung gegeben. Unter der neuen Regierung ist diese Stimmung noch nicht verschwunden, sie lebt bis zu diesem Tag weiter.

Sie würden also nicht mit der populär gewordenen Darstellung von Simbabwe, als einem Land wo Leben unterträglich und die Misere irreversibel geworden ist, übereinstimmen?

Wer nach Harare kommt, wird eine andere Umgebung vorfinden als das Bild, das in den Medien manchmal präsentiert wird. Ich will nicht sagen, dass alles was die Medien sagen falsch ist aber manchmal übertreiben sie doch. In dem Zeitraum vor 2008 war das Leid unter der Bevölkerung enorm, die Dinge waren einfach nicht ok. Was allerdings von der Weltöffentlichkeit missverstanden wurde, war dass wenn Simbabwer von Billionen von Dollar sprachen, damit nicht gemeint war, dass man eine Schubkarre brauchte, um dieses Geld zu transportieren. Damals konnte man sich selbst für zehn Billionen Simbabwische Dollar nichts kaufen, die ganzen Nuller hatten als Ziffern einfach ihre Bedeutung verloren.

Wie hat die Regierung es geschafft diese unglaublich starke Inflation in den Griff zu bekommen?

Die Regierung präsentierte zwischen 2008 und 2009 eine Übergangslösung. Um diese enormen Geldsummen zu regulieren, wurden ab diesem Zeitpunkt Arbeiter in US-Dollar bezahlt. Ladenbesitzer konnten dann wieder Waren liefern und den Import selbst wieder mit US-Dollarn bezahlen. Dadurch wurde das Problem der Inflation wenigsten temporär gelöst. Derzeit liegt die Inflationsrate zwischen vier und sechs Prozent und nicht mehr bei den Millionenbeträgen, die wir noch vor einiger Zeit kannten. Trotz alledem haben die Menschen in Simbabwe noch immer nicht genügend Geld, um alle ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Vor nicht all zu langer Zeit druckten deutsche Zeitungen Bilder von leeren simbabwischen Supermärkten, um zu zeigen wie Ernst die Situation vor Ort sei. Wie haben Sie diese Zeit persönlich erlebt?

Ja, die Supermärkte waren leer, das stimmt soweit. Dabei handelte es sich um ein anderes Problem, das direkt mit der Inflation zusammenhing. Damals war ich kurz in Südafrika und sah dort Zucker, der in Simbabwe produziert wurde. Zeitgleich hatten wir in Simbabwe selbst überhaupt keinen Zucker mehr. Als Simbabwer mussten wir also simbabwischen Zucker in Südafrika kaufen und ihn mit nach Hause bringen! Wie kann das sein? Das war zu einem Moment als die Regierung einen einheitlichen Preis für Lebensmittel einführte, der unter anderem vorschrieb, dass Brot für 100 Billionen simbabwische Dollar verkauft werden sollte. Die Verkäufer waren aber der Meinung Brot für mindestens 300 Billionen verkaufen zu wollen, was dazu führte, dass die Supermarktbesitzer all ihre Produkte von den Regalen nahmen. In der Folgezeit kauften wir unsere Lebensmittel direkt bei den Angestellten der Supermärkte. Wenn ich beispielsweise Zucker brauchte musste ich zu einem bestimmten Haus gehen. Bei Bratöl zu einem anderen. Schon vor der ‘Dollarisierung’ kauften wir diese Lebensmittel in US-Dollar oder südafrikanischen Rand. Als die Regierung sich also endlich dazu entschied, den US-Dollar offiziel anzunehmen, hatten wir diesen Prozess schon lange begonnen. Das war ein zentraler Bestandteil unserer Überlebensstrategien.

Durch die radikalen sozio-ökonomischen Veränderungen mussten die Menschen also immer einen Schritt vor der Politik sein?

Genau, wir mussten immer eine neue Lösung finden, um uns an die Umstände anzupassen. Natürlich war das manchmal schwierig und es gab Zeiten wo wir nicht einmal die fünf US-Dollar hatten, um uns den Mais für unser Nationalgericht zu kaufen. Dann gab es allerdings auch immer Hilfe von Verwandten, die in Südafrika oder Großbritannien leben. Insbesondere für diejenigen, die Verwandte in Südafrika hatten, war es relative einfach weil sie dort einfach anzurufen brauchten und mit dem Bus konnten die benötigten Lebensmittel über die Grenze gebracht werden. Die Busfahrer machten damals ein besonders gutes Geschäft weil sie von uns jeweils 50 Rand (ca. fünf Euro) verlangen konnten, bevor sie ein Lebensmittelpaket nach Simbabwe fuhren.

In den Reden von Robert Mugabe spielt auch immer wieder das Konzept von ‘Rasse’ eine große Rolle, wenn er etwa der Opposition vorwirft sie wäre von Weißen neokolonialen Interessen kontrolliert. Welche Rolle spielt ‘Rasse’ aktuell in der simbabwischen Gesellschaft?

Als Robert Mugabe 1980 an die Macht kam, akzeptierte er eine Politik der Versöhnung. Das war aus dem Grund besonders überraschend, da Zanu-PF damals von den beiden Befreiungsbewegungen als die radikalere galt. Als er plötzlich anfing, von Versöhnung zu sprechen, waren viele Weiße geschockt, die zuvor bereits aus dem Land geflohen waren. Sogar diejenigen, die blieben, konnten kaum glauben, was sie hörten. Aber der Präsident zeigte allen, dass es in Simbabwe tatsächlich einen Weg der Versöhnung geben konnte und bis in die späten 1990er Jahre hinein befolgte er auch das „Lancaster House Agreement”, in dem festgeschrieben war, wie das Land gerecht zwischen der Weißen Minderheit und dem Staat umverteilt werden sollte. Erst in der Zeit vor 2000, als die politische Stimmung gegen seine Partei zu kippen drohte, machte er einen Rückzug von seiner ursprünglichen Positionierung des friedlichen Zusammenlebens aus wahlstrategischen Gründen vor der Wahl 2000.

Die Landreform, die nach 2000 stattfand, gilt als eines der kontroversesten Themen der simbabwischen Politik. Wie bewerten Sie diesen politischen Schritt der Regierungspartei?

Das ganze Problem der Landreform würde sich bei weitem nicht so schlecht anhören, wenn man heute die Möglichkeit hätte, sich die frühere Situation anzusehen, als einige Weiße Farmer mehr als zwei Farmen in Simbabwe besaßen. Davon ausgehend war es, gut das Land umzuverteilen. Das Problem bestand im Wesentlichen darin, wie dieser Prozess durchgeführt wurde und dass einige Personen um Mugabe versuchten, einen eigenen Vorteil aus der Situation zu ziehen. Heute haben Mitglieder von Zanu-PF selbst mehr als zwei Farmen, obwohl es dieselben Personen sind, die früher den Weißen absprachen mehr als eine Farm zu besitzen. ‚Rasse‘ war kein kritisches Thema außer im Zusammenhang mit britischen Eingriffen in simbabwische Politik. Trotzdem ist das Argument, Mugabe würde entlang rassistischer Linien Entscheidungen treffen simplistisch. Wäre das der Fall, hätte er schließlich sofort allen Weißen sagen können, dass sie das Land zu verlassen hätten. Was die Regierung stattdessen tat, war alle dazu aufzufordern, sich für eine einzige Nationalität zu entscheiden. Das war nichts gegen Weiße. Das galt für alle Simbabwer gleichermaßen. Sogar heute ist es nicht möglich, eine simbabwische und eine südafrikanische oder britische Staatsbürgerschaft zu haben. Die Regierung ist in dieser Hinsicht sehr streng.

Ihre Erläuterungen von Mugabes politischen Entscheidungen unterscheiden sich relativ deutlich von der Wahrnehmung, nach der Mugabe lediglich ein 86-jähriger Präsident ist, der zu lange an der Macht ist und infolgedessen seinen Verstand verloren hat.

Ich denke, dass es für Afrikaner schwierig zu sagen ist, dass eine ältere Person nicht mehr zu rationalem Denken fähig ist. In Simbabwe, womöglich auch im gesamten Afrika. sagen wir: “Je älter Du wirst, desto weiser wirst Du auch”. Alter und Weisheiten gehen demnach Hand in Hand. Diejenigen, die an dieses Sprichwort glauben, sehen in dem Alter des Präsidenten folglich auch kein Problem. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch jene, die der neueren Idee folgen, nach der politische Führer ihr Amt nach einiger Zeit für eine neue Person zu räumen hätten. Das sind auch die Leute, die der Meinung sind, dass Mugabe bereits zu lange an der Macht ist. Es gibt diese beiden Perspektiven und die Antwort auf die Frage welches die richtige Sichtweise ist, hängt im Wesentlichen von der politischen Bindung oder der eigenen Vorliebe ab.

Wie sehen Sie als Sozialhistoriker ihre Rolle in der simbabwischen Gesellschaft und welche Möglichkeiten bietet Ihre Disziplin hinsichtlich einer Veränderung des status quo?

Betrachtet man die Sozialgeschichte im Allgemeinen und insbesondere soziale Erinnerungen sieht man, dass wir heutzutage so etwas wie eine Nationalgeschichte haben, die ein eher homogenes Konstrukt zu sein scheint. Im Gegensatz dazu argumentieren wir Sozialhistoriker, dass die Sozialgeschichte mehrere Dimensionen besitzt. Zum Beispiel unterscheiden sich Sichtweisen auf ‚Entwicklung‘ wesentlich zwischen Experten und Bevölkerungsschichten ohne Schulbildung. Sie konzeptualisieren das Phänomen der ‚Entwicklung‘ zum Teil komplett anders. Wir versuchen die Stimmen von denjenigen einzufangen, die womöglich nicht in den Formulierungen von politischen Programmen ausgebildet worden sind, aber nichtsdestotrotz an wichtigen Gesellschaftsprozessen teilnehmen. Wir müssen deswegen festhalten, was sie denken und wie sie ihre Lebenswelt erklären. Wofür wir deswegen plädieren, ist im Wesentlichen eine Erklärung für den Weg zu suchen, den wir bis hierher zurückgelegt haben. Wenn wir zum Beispiel einen aktuellen Konflikt verstehen wollen, helfen uns oft Erklärungen für einen ähnlichen Konflikt in der Vergangenheit. Wir verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart, um damit unsere nationale Politik weiterzubringen.
Seit April sind Sie in Bayreuth an der International Graduate School of African Studies (BIGSAS). An welchem Forschungsprojekt arbeiten sie derzeit?
Ich forsche momentan zu den Themen Umwelt und soziale Erinnerung. Mit einem besonderen Fokus auf eine Gemeinschaft im Zambezi Valley in Nordsimbabwe. Sie wurden 1958 von der Regierung vertrieben, die dort damals ein Naturreservat errichtete. Bis heute profitieren diese Leute allerdings in keiner Weise von dem Reservat. Ich untersuche derzeit die Mythen, die von den Menschen vor Ort benutzt werden, um ihre aktuelle Situation zu beschreiben und will verstehen, wie sie Änderungen erklären, aber auch welche Art von Wandel sie sich wünschen. Damit die Regierung, bevor sie eine derartige Entscheidung erneut trifft, erst die Gedanken der direkt Betroffenen in Betracht ziehen muss.

Das Gespräch führte Moses März

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