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Vorführung des Oscar nominierten Spielfilms „Beauty – Skoonheid“ von Oliver Hermanus (Südafrika), am Sonntag 16. September 2012 um 17 Uhr, Hackesche Höfe Kino

Am Sonntag, den 16. September 2012 um 17 Uhr lädt AfricAvenir zur Vorführung des  vielfach ausgezeichneten und Oscar-nominierten Spielfilms „Beauty – Skoonheid“ des gefeierten südafrikanischen Regisseurs Olivier Hermanus ins Hackesche Höfe Kino. Die Geschichte eines weißen, Afrikaans sprechenden südafrikanischen Familienvaters, dessen unterdrückte Homosexualität sich mit unbändiger Wucht und Leidenschaft bahnbricht, als er den 20 Jahre jüngeren Christian nach Jahren wieder trifft, ist gleichzeitig eine scharfsinnige Analyse der gegenwärtigen Transformationsprozesse in der südafrikanischen Gesellschaft"Beauty ist ein eindringliches Drama mit der Atmosphäre eines brillanten Psycho-Thrillers. Grausam und zärtlich, alles zur selben Zeit! Ein kleines Juwel das fesselt, hervorragend besetzt und hervorragend geschrieben." omegabetazeta.de

Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit Sherlock Fortuin, der in Bern zu „Queer Studies“ forscht und sich zudem mit den Themen „place“ und „space“ und deren Einflüsse auf das Sexualverhalten der Gesellschaft in den südafrikanischen Grossstädten befasst.

Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung der Aktion Afrika des Auswärtigen Amts und in Kooperation mit dem PRO-FUN MEDIA Filmverleih statt. 

Im Februar 2012 organisierte AfricAvenir Windhoek bereits die Namibia Premiere von Skoonheid. Am 14.6.2012 um 22:15 Uhr wird in der Werkstatt der Kulturen im Rahmen der Reihe „Afro Digital“ der gefeierte Debütfilm "Shirley Adams" von Oliver Hermanus gezeigt.

Synopsis
Bloemfontein, Südafrika, Gegenwart. François van Heerden (Deon Lotz) ist ein Bär von einem Mann, groß, stark gebaut und mächtig behaart. Es scheint nichts zu geben, was ihn erschüttern könnte. Darüber hinaus hat er alles, was man sich wünschen kann. Er leitet ein Sägewerk, besitzt ein großes Haus und hat zwei bildhübsche Töchter. Francois gehört zur gehobenen Mittelklasse, die fast ausschließlich aus Weißen besteht. Doch die wohlgeordnete Idylle trügt. Emotional ist der Mitte Vierziger völlig abgestumpft gegenüber seiner Frau, seinem Land, sich selbst und seiner seit Jahren unterdrückten Homosexualität. Jegliche Leidenschaft ist einer zwanghaft angespannten Routine gewichen. 

Auf der Hochzeit seiner ältesten Tochter trifft François nach Jahren den zwanzig Jahre jüngeren Jurastudenten Christian (Charlie Keegan) wieder, Sohn der befreundeten Familie Roodt. Gierig verschlingen seine hungrigen Blicke den gut aussehenden Adonis aus Kapstadt. Schnell ahnt man, dass diese Blicke durchaus mehr darstellen, als was sich zunächst vermuten lässt. Doch François hat nie gelernt, seine Wünsche auf eine positive Art und Weise auszuleben.

Hingerissen von dem attraktiven 23-jährigen wird der junge Mann zum Objekt einer neu erwachten Begierde. Er beginnt Christian nachzustellen, erfindet ständig neue Vorwände, um ans Kap zu müssen und verstrickt sich dabei immer tiefer in eine bedrohliche Spirale aus derber Lust und verdrängter Leidenschaft. 

Die präzise, stille und zuweilen extrem reduzierte Bildsprache vermittelt dem Betrachter deutlich, dass es unter der Oberfläche ständig nur so brodelt, und erinnert dabei immer wieder an Meisterwerke wie Die Klavierspielerin oder Funny Games von Michael Haneke. Oliver Hermanus kreiert einen Protagonisten, der nach dem Schönen strebt und dabei Grässliches auslöst. Auch wird deutlich, welch erschreckend große Rolle die noch immer bestehenden Rassenschranken im Alltag Südafrikas spielt. 

Die Intensität des Films gelingt insbesondere auch durch die überzeugenden Leistungen der Schauspieler, allen voran der herkulischen Darbietung des Hauptdarstellers Deon Lutz (ausgezeichnet mit dem Goldenen Auge beim Zürich Film Festival 2011), der es trotz minimalster äußerlicher Anzeichen schafft, dem Zuschauer sein Innenleben fühlbar zu machen, ihn förmlich hypnotisiert und gnadenlos in seinen Bann zieht. 

Die grandiose Kamera und fantastische Lichtgestaltung, die gleichzeitig die Hitze Südafrikas und die Einsamkeit des Mannes am Abgrund spürbar macht, hat bereits im Vorfeld von Cannes für eine Sensation gesorgt. Ausgezeichnet mit dem Queer Palm Filmpreis des Filmfestivals von Cannes, beeindruckt Oliver Hermanus (Shirley Adams) zweite Regiearbeit über alle Maßen und wirkt noch lange nach. Beitrag Südafrikas in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" bei den 84. Academy Awards® 2012.



Auszeichnungen / Festivalteilnahmen (Auswahl):

  • Beitrag Südafrikas in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" 84. Academy Awards® 2012
  • Gewinner des Queer Palm Award - Bester Spielfilm - 64. Cannes Filmfest
  • 64. CANNES Filmfestival – Un certain regard
  • "Bester Regisseur" (Oliver Hermanus) & "Bester Schauspieler" (Deon Lotz) - SAFTAS 2012 - Südafrikanischer Film- & Fernsehpreis
  • 28. Schwule Filmwoche, Freiburg 2012
  • "Bester südafrikanischer Film" & "Besondere Erwähnung der Jury für den besten Film“, 32. Durban International Filmfestival
  • 36. Toronto Int. Filmfestival - Wettbewerbsbeitrag

Mit
Charlie Keegan, Deon Lotz, Albert Maritz, Roeline Daneel, Sue Diepeveen, Michelle Scott

Team
Oliver Hermanus, Didier Costet (Drehbuch); Ben Ludik (Originalmusik); Ian Arrow, Laurent Chassaigne, Xavier Bonneyrat (Sound); George Hanmer (Schnitt); Jamie Ramsay (Kamera); Dylan Voogt (Koproduzent); Didier Costet (Produzent), Label/Studio: PRO-FUN MEDIA

Pressestimmen
"BEAUTY ist ein eindringliches Drama mit der Atmosphäre eines brillanten Psycho-Thrillers. Grausam und zärtlich, alles zur selben Zeit! Ein kleines Juwel das fesselt, hervorragend besetzt und hervorragend geschrieben." omegabetazeta.de

"BEAUTY nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Zeit für lange Einstellungen, Zeit für schöne langsame Kamerafahrten, Zeit für Sprachlosigkeit, Zeit für Stillstand. Der Film ist phänomenal fotografiert, ein perfekt komponierter Moment reiht sich an den nächsten." hardsensations.com

„[Beauty] ist kein im üblichen Sinne unterhaltsamer Film, nein; doch ich fand ihn ungemein fesselnd. Die Schwere der Geschichte steht in meisterlicher Balance mit der Schönheit der Komposition.“ Mail & Guardian

„Das Portrait des post-Apartheid Südafrikas aus der Perspektive eines Protagonisten, der jetzt eine Minorität repräsentiert, die mit einer Vergangenheit von Rassismus und Hass in Verbindung gebracht wird, ist unbequem authentisch (...) Mit seiner schonungs- und kompromisslosen Ehrlichkeit fordert Beauty den Zuschauer heraus und zwingt ihn, sich mit einer Figur zu identifizieren, die hoffnungslos verloren ist, gefangen in der eigenen Lebenswelt und die die Wahrheit bekämpft und unterdrückt – um jeden Preis.“ beige magazine

„Gewinner des Queer Palm beim Cannes Festival im letzten Jahr ist Oliver Hermanus zweiter Langfilm eine umwerfend machtvolle Geschichte über Obsession und sexuelle Verleugnung, in vielerlei Hinsicht eine Allegorie für die Transition seines Heimatlandes von einer Nation voller archaischer und konservativer Überzeugungen hin zu einer offeneren und toleranteren Kultur.“ Cine-vue.com

„(…) und dann erlangt das Skript wieder seinen respektablen, gemächlichen Rhythmus, sachte zu einem enigmatischen Finish treibend. Das Tempo mag zuweilen schleppend sein, doch Skoonheid ist ein überraschender und langsamer Abstieg ins obsessive und unterdrückte Innenleben eines Mannes.“ i-flick.net

„Lotz ist großartig – seine strenge und gewöhliche Durchschnittlichkeit verbirgt die unterschwellig kochende Frustration gegenüber dem freien, relaxten und freundlichen Christian (...) Die angespannte politische Stimmung des turbulentes Landes blubbert permanent unter der Oberfläche und sorgt für eine fesselnde psychologische Momentaufnahme einer Nation, doch François eigene Geschichte ist frustrierend langweilig. Beauty ist kein Film über Sexualität, sondern über Wut und Negativität, hervorragend umgesetzt durch Lotz.“ DIY

„(…) Ab diesem Zeitpunkt ist Skoonheid die Chronik einer Selbstzerstörung, genährt durch den Hass des Anderen (die korrupte Regierung, die Schwarzen im Allgemeinen, die Veränderung…) und den Selbsthass. Die große Stärke des Films ist, dass er keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, jegliche Verurteilung vermeidet und dabei dennoch einen schonungslosen Blick auf das oft hinterhältige und versteckte wahre Gesicht dieser allem Anschein nach so „zivilisierten“ Gemeinschaft richtet. Hermanus versucht nicht einmal, dieses Phänomen zu erklären: vielmehr ist Skoonheid ein schonungsloser Befund, der es jedoch schafft, menschlich zu bleiben.“ Olivier Barlet, africultures

"(...) es ist das innere Drama eines völlig desillusionierten Mannes ohne positive Eigenschaften, der nach allen Regeln der Kunst betrügt und betrogen wird, und den diese Gewalterfahrung zur Ausübung von Gewalt konditioniert." Olivier Barlet, africultures

Der Regisseur
Der In Cape-Town geborene Oliver Hermanus schloss seine Film, Media & Visual Studien mit dem BA ab und arbeitete anschließend als Pressefotograf in einer nationalen Nachrichtenagentur Südafrikas. Mit Hilfe eines Stipendiums schloss er 2006 sein Masterstudium an der London Film School ab. Seine Abschlussarbeit, der Film „Shirley Adams“ wurde 2009 auf dem Locarno International Film Festival gezeigt und für den Sutherland Award des London Film Festivals und den Ingmar Bergman Debut Award des Goteborg Film Festivals nominiert. Außerdem gewann er zahlreiche Preise u.a. auf dem Durban Film Festival und dem Grand Prix des Amiens International Film Festival. Beauty/Skoonheid ist sein zweiter Langfilm.

Filmografie

  • 2005 The Second floor (Kurzfilm, Dokumentation, 26 min)
  • 2007    Interior (Kurzfilm, 4 min)    
  • 2007 Yumma (Kurzfilm, 12 min)
  • 2008    Shirley Adams (92 min)
  • 2011 Beauty (Skoonheid) (99 min)


Diskutant: Sherlock Fortuin
Sherlock Fortuin ist gebürtiger Südafrikaner und studierte Psychologie und „Intercultural Communication“ an der Universität Stellenbosch. An der Universität Bern absolvierte er anschliessend ein Bachelor- und Masterstudium in Literaturwissenschaften und Anthropologie. Zurzeit arbeitet er an seinem Dissertationsprojekt im Fachgebiet „Kultur und Gender“ mit Schwerpunkt „Queer Studies“. Zudem befasst er sich mit den Themen „place“ und „space“ und deren Einflüsse auf das Sexualverhalten der Gesellschaft in den südafrikanischen Großstädten. Als freischaffender Kolumnist arbeitet er regelmäßig für die Zeitschrift African Link in der Schweiz. 

Fortuin ist außerdem in verschiedenen Kultur- und Erziehungsprojekten tätig. So beteiligte er sich 1993/1994 vor den ersten demokratischen Wahlen in Südafrika in Workshops zur politischen Bildung der Bürgerinnen und Bürger in den ländlichen Teilen der West Kap Provinz. Während seines Studiums in Stellenbosch war er zudem Mitglied des renommierten Universitätschors Stellenbosch und später Mitglied des Stellenbosch Libertas Chores, mit dem er auf zahlreiche internationale Konzerttourneen ging. Zum dritten Mal ist er im Juli 2012 Initiator eines Musik- und Entwicklungsprojektes in Südafrika zwischen einer Kulturorganisation aus Boston und verschiedenen kulturellen Institutionen aus Südafrika. 2013 wird er in Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Botschaft in der Schweiz eine Kulturwoche durchführen, in deren Rahmen neben Musik und Literatur auch Workshops zu Gender- und Queerstudien angeboten werden. 

Im Moment schreibt er an seinem ersten Poesieband mit dem Titel "Poemtography", einer Symbiose aus Dichtung und Fotographie. 

Beauty - Skoonheid
Spielfilm, Drama, Südafrika, Frankreich 2011, 105 Min.
Datum: Sonntag, 16. September 2012 um 17.00 Uhr
Ort: Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin
S Hackescher Markt, U Rosenthaler Platz
Kartenreservierung: (030) 283 46 03

Eintritt: 7,50 €, Ermäßigungen über Berlinpass, Gildepass und Heavy User Card
(Weitere Informationen: www.hoefekino.de/preise-und-rabatte)

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