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Berlin Premiere: "Grey Matter" - Die Bürde des Überlebens nach dem Völkermord in Ruanda, FR, 3. Mai 2013, 20 Uhr, Hackesche Höfe Kino, Berlin

grey matter

Am Freitag, 3. Mai 2013 um 20 Uhr lädt AfricAvenir zur Berlin Premiere von Kivu Ruhorahozas preisgekrönten Spielfilm „Grey Matter – The Cycle oft he Cockroach“ ins Hackesche Höfe Kino ein. „Grey Matter“ erzählt die Geschichte des jungen ruandischen Filmemachers Balthazar, der kurz davor steht, sein erstes Projekt zu realisieren – "The cycle of the cockroach". Es ist eine fiktionale Geschichte über eine junge Frau, der Schreckliches angetan wurde und die sich in derselben psychiatrischen Anstalt wiederfindet wie der Täter. Balthazar findet zwar keine Geldgeber für sein Projekt, setzt aber trotzdem alles daran, seine Vision umzusetzen. Doch nach und nach verschwimmen bei der Arbeit an dem Film Realität und Fiktion. "Grey Matter" bietet einen seltenen Einblick in die "Bürde des Überlebens" nach dem Völkermord in Ruanda. Dem Regisseur Kivu Ruhorahoza gelang eine ergreifende Darstellung, wie tief die traumatischen Erlebnisse die Überlebenden erschüttert haben und wie sie versuchen, diese zu verarbeiten. Im Anschluss an den Film findet ein Publikumsgespräch mit Adebayo Olukoshi vom United Nations African Institute for Economic Development and Planning (angefragt) in Dakar statt, sowie ein kleiner Empfang im Kino-Foyer.

"Ausgestattet mit einer kühnen und kreativen Sprache greift der Drehbuchautor und Regisseur Kivu Ruhorahoza mutig nach den illusionistischen Tricks der Darstellung von Trauma und dem darauf folgenden Wahnsinn." (Tribeka Filmfestival 2011)

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, SODI, Dafrig, Planète Métis und AFROTAK TV Cybernomads statt, sowie im Rahmen der Konferenz |+| "Krieg und Frieden - Von den Schwierigkeiten einer afrikanischen Sicherheitsarchitektur".

Ausfürhliche Synopsis
Der Film erzählt drei verschiedene Geschichten, die an einigen Stellen getrennt, an anderen zusammenführend verlaufen. In der ersten Geschichte versucht der junge, afrikanische Filmemacher Balthazar Geld in Kigali zu bekommen, um damit seinen Debütfilm „Der Zyklus der Küchenschabe“ zu finanzieren. Allerdings verweigert ihm die Regierung das Geld für einen Film, der die Nachwirkungen des ruandischen Genozids behandelt. Dabei handelt es sich um die Geschichte einer jungen Frau, die unaussprechlichen Grausamkeiten überlebt hat und sich nun der derselben Heilanstalt befindet wie ein Mann, der verrückt geworden ist wegen der Verbrechen, die er während des Krieges verübte. Mögliche Finanziers des Films bestehen darauf, dass die Themen des Films zu pessimistisch und trostlos seien und halten Balthazar stattdessen dazu an, einen Film mit einer „Botschaft“ zu machen, der Gewalt gegen Frauen und HIV/AIDS problematisieren soll. Er weigert sich, aufzugeben. Balthazar beschließt, den Film auch ohne Finanzierung oder Ausrüstung zu drehen, informiert sein Team aber darüber nicht. Nach der Probe einiger Szenen mit jedem einzelnen der Charaktere beginnt plötzlich die Realität zu verschwimmen und Szenen des Skripts werden real. Kann ein solcher Film vielleicht nur in den Träumen des Regisseurs wirklich existieren?  

In diesem Film im Film ringen zwei Geschwister mit der gegenseitigen Abhängigkeit und dem posttraumatischen Stresssyndrom nach dem Genozid in Ruanda von 1994. Es gibt kein emotionales Feuerwerk, sondern nur schwelendes, ruhiges und einsames Leid. Ruth Shanel Nirere ist als einfallsreiche und starke beschützende Schwester, Justine, besonders fesselnd in ihrer Rolle. Sie hofft, dass die Rettung ihres am Boden zerstörten Bruders, Yvan, durch seine künstlerische Arbeit möglich ist. Die dritte Geschichte porträtiert einen Mann, der in einem Heim eingesperrt ist, weil er während des Krieges ein Mörder war.   

Wir bleiben mit der Frage zurück, ob Balthazars Fiktion ausreicht, um alle möglichen Dämonen zu vertreiben, die in seiner Seele lauern. Obwohl er niemals beim Namen genannt wird, wird der Völkermord in Ruanda das erste Mal in seinen philosophischen, psychologischen und intellektuellen Dimensionen erschlossen. Mit poetischer Kameraführung und einer exzellenten Besetzung ist dieses Drama ein wagemutiger und brillianter erster Spielfilm des talentierten ruandischen Drehbuchautoren und Regisseurs Kivu Ruhorahoza.

Der Regisseur über den Film
“Grey Matter ist ein Film über Vorstellungskraft und Wahnsinn. Es ist eine Geschichte über die Kapazität des Gehirns zu erfinden, zu verstören und auch sich selbst zu zerstören. Es beschäftigt mich sehr zu wissen, dass sowohl meine Fantasie, meine Kreativität, meine Unsicherheiten wie auch mein Irrsinn von dort kommen.  

Das Thema des Films ist sehr wichtig für mich. Obwohl die Geschichte autobiographische Züge hat, würde ich nicht so weit gehen, den Film als autobiographische Arbeit zu bezeichnen. Im ersten Teil zeige ich einen jungen Filmemacher, der sich den schlimmsten Schwierigkeiten ausgesetzt sieht, um seinen ersten Spielfilm zu machen. Es ist offensichtlich, dass ich Augenblicke zeige, von dem, was ich durchmachen musste, um einen Film in einem Land zu machen, in dem das Kino der Gemeinschaft zu dienen hat. Damit wollte ich die Geschichte meines Landes aus einer einfallsreichen Perspektive zeigen, aber indem dennoch die Schlüsselmomente beibehalten werden, die zur bekannten Tragödie führten.“
Kivu Ruhorahoza

Stimmen zum Film
“Ruhorahoza zeigt die ruhige, dennoch entsetzliche Darstellung eines gewalt-verursachenden Irrsinns, der das Gegenstück zu einer kalkulierten Politik, einer vorwärtsgewandten Vergesslichkeit bildet; sein brillantes Ende destilliert die Paradoxien der Normalität auf der Spitze eines blutenden Vulkans in einen einzigen stechenden Schuss.“ The New Yorker    

"(...) Stattdessen stieß ich auf einen der besten Filme, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Er war bewegend, komplex, surreal und absolut fesselnd. Ich möchte nicht zu viel von der Handlung verraten (...) dennoch werde ich sagen, dass der Film drei verschiedene Narrative miteinander verbindet, die ausdrücklich und ergreifend den Genozid von 1994 behandeln und gleichzeitig universelle und passende Themen aufgreift wie Familie, Krieg, ein junger Künstlers sein, sinnlose Regierungsbürokratie, Geisteskrankheit, Familienbande, die Radikalisierung ungebildeter junger Männer, Globalisierung und reales und imaginiertes Trauma." Studio Museum Harlem  

"(...) "Grey Matter" ließ mich verstört, aber dennoch sehr inspiriert zurück. Mehr als nur ein einfacher Meilenstein für Ruhorahoza oder die Filmindustrie seiner Landes, erinnert uns der Film an die genuine Macht der Kunst, massive Probleme anzusprechen, diese aufzuarbeiten und (vielleicht? eines Tages?) diese sogar dort und hier zu lösen." Studio Museum Harlem

"Kivu Ruhorahozas "Grey Matter" ist ein intellektuelles, surreales Portrait eines jungen Filmemachers, der dafür kämpft, seinen ersten Film in einem Land zu machen, das erst vor Kurzem durch einen Krieg entzwei gerissen wurde (…) Im Verlauf des Films wird es zunehmend unklar, ob es ihm gelingt, seinen Film über zwei Überlebende und einen Verrückten in einer Heilanstalt zu drehen, oder ob das alles nur in seiner Vorstellung passiert." Christopher Vourlias, Variety    

"Ausgestattet mit einer kühnen und kreativen Sprache greift der Drehbuchautor und Regisseur Kivu Ruhorahoza mutig nach den illusionistischen Tricks der Darstellung von Trauma und dem darauf folgenden Wahnsinn. Wie der Protagonist in seinem Film, ist Ruhorahozas Erstlingswerk der erste Spielfilm, der von einem ruandischen Filmemacher in seinem Heimatland gemacht wurde" TFF 2011


Regisseur
Kivu Ruhorahoza  wurde in Kigali, Ruanda geboren. 1999 ging er das erste Mal in das Produktionsbüro "der 100 Tage", das von Eric Kabera gegründet wurde. Schon bald danach begann Ruhorahoza, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben und nachdem er 2004 die juristische Fakultät verließ, begann er als Produktionsassistent für die ruandische Produktionsfirma "der 100 Tage" zu arbeiten. Nach kurzer Zeit übernahm er die Stelle als Produktionsmanager der Kabera Produktionen.   

2005 wurde Kivu Ruhorahoza der erste Direktor des Ruandischen Filmfestivals, das vom Rwanda Cinema Centre, einer von Kabera gegründeten Non-profit Organisation, ins Leben gerufen wurde. Nach der zweiten Durchführung des Festivals war Ruhorahoza, der schon immer selber Filmemacher werden wollte, eher enttäuscht von all der Geldakquise, dem Berichte schreiben, der Vernetzung und den beständigen Treffen, so dass er sich 2006 entschied, den Job beim Rwanda Festival aufzugeben und die Vorbereitungen seines ersten Kurzfilms "Confession" (15 Minuten) zu beginnen.

"Confession" wurde auf über 40 internationalen Filmfestivals gezeigt, u.a., das zu den Oscars qualifizierende Tampere International Film Festival und in einer parallelen Version des prestigeträchtigen Festival von Venedig. Nach der Erfahrung mit "Confession" ko-produzierte Ruhorahoza den Film “Munyurangabo” von Lee Isaac Chung, der in Cannes, Toronto, Berlin, Rotterdam, auf dem AFI Festival und vielen weiteren gezeigt wurde. 2007 machte Kivu Ruhorahoza schließlich seinen zweiten Film "Lost in the South", der in der Sektion " Best African Short Section Africa Numérique" bei dem Montreal Vues d'Afrique und als "Best short" beim Kenya International Film Festival  gewann.  

2009 wurde autodidakt Ruhorahoza ausgewählt, am Berlinale Talent Campus (des Internationalen Filmfestivals in Berlin) teilzunehmen, auf dem er den jungen australischer Kameramann Ari Wegner traf, der auf Einladung von Wim Wenders in Berlin war. Die beiden einigten sich schnell auf die Idee, an einem Spielfilm zu arbeiten, bei dem Ruhorahoza Regie führen und Wegner die Kameraführung übernehmen sollte. Der Film sollte ursprünglich "Life" heißen.  Ruhorahoza schrieb das Drehbuch, doch nur wenige in Kigali waren an der Geschichte interessiert. Später schrieb er eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Die irrelevante Geschichte eines Filmemachers, der versucht seinen ersten Spielfilm zu machen". Zu eben dieser Zeit hatte er auch schon eine weitere Geschichte geschrieben: "Der Zyklus der Küchenschabe in zwei Teilen" – die Idee für "Grey Matter" war somit geboren und konnte schließlich 2011, nach großen finanziellen Schwierigkeiten, umgesetzt werden. Der Film gewann zwei Preise beim Tribeka Film Festival 2011 und einen Preis beim Filmfestival in Warschau.   

Neben der Fertigstellung seines ersten Roman arbeitet Ruhorahoza gerade an dem Drehbuch für seinen zweiten Spielfilm, in dem es um die Geschichte eines afrikanischen schwulen Mannes geht, der von einem europäischen in ein afrikanisches Land ausgewiesen wird. Seine Ankunft findet zur selben Zeit statt wie die des einflussreichsten US-amerikanischen Teleevangelisten, der gerade auf seiner "Are you ready for Miracle?"- Kampagne ist. Der junge Mann, der sich so sehr verändert hat, versucht, sich an die neuen Realität anzupassen. 

Filmografie

  • Confession (2006)
  • Munyurangabo (2006/7)
  • Lost in the South(2007)
  • Grey Matter (2011)
  • Rwanda 15 (2011)

Grey Matter
Drama, Ruanda/Australien, 2011
R KivuRuhorahoza
D Hervé Kimenyi , Ruth Nìrere, Rcmodhcln  „Shomi“ Bizimono, JP Uwoyezu, Natasha Muziramakenga, Jumo Moses Nzobondoro, Leon Pierre Kalondo
110 Min

Freitag, 03. Mai 2013
20.00 Uhr
Eintritt: 7,50€


Karten und Auskunft
030 283 46 03
www.hackesche-hoefe.org

Hackesche Höfe Kino
Rosenthaler Str. 40/41
10178 Berlin
S Hackescher Markt
U Weinmeisterstraße

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BLZ 66 09 08 00
Kto 00 16 72 13 03

Weitere Informationen:
www.africavenir.org

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