Deutschlandpremiere: “The Cradock Four” in Anwesenheit des Regisseurs David Forbes, am DO, 11. April 2013 um 20 Uhr, Hackesche Höfe Kino

Am Donnerstag, 11. April 2013 um 20 Uhr, lädt AfricAvenir zur Deutschlandpremiere des preisgekrönten südafrikanischen Dokumentarfilms „The CradockFour“ in Anwesenheit des Regisseurs David Forbes ein. „The CradockFour“ rekonstruiert eines der düstersten und kontroversesten Kapitel der Apartheidszeit - die gezielte und brutale Ermordung von führenden Vertretern des Anti-Apartheids Widerstands im Eastern Cape. Anhand von seltenem Archivmaterial, Interviews und dramaturgischen Nachstellungen der Geschehnisse schafft es der Film, das repressive Klima des rassistischen Regimes in den 70ern und frühen 80ern einzufangen und beleuchtet eindrücklich die Ideale, die Matthew Goniwe und seine Comrades dazu brachten, den Befreiungskampf zu unterstützen. Für viele stellte der Mord der „Cradock Four“ den Anfang vom Ende des Apartheid-Regimes dar. Nur fünf Jahre später war Nelson Mandela ein freuer Mann und konnte das Land schließlich 1994 in die Freiheit führen. Im Anschluss folgt eine Diskussion mit dem Regisseur David Forbes sowie ein kleiner Sektempfang im Kinofoyer.

Die Filmvorführung findet in Kooperation mit Jozi.tv und der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) statt.

Ausführliche Synopsis:
Matthew Goniwe war ein beliebter Lehrer in einer kleinen Stadt im ländlichen Südafrika. Sein enthusiastisches und erfolgreiches Engagement als Anführer des lokalen Anti-Apartheid Wiederstands führte dazu, dass er schnell ganz oben auf der Liste der „zu eliminierenden“ Personen stand. 

Politisiert wurde er durch den Tod seines älteren Bruders Jacques, der bei einem Guerilla Gefecht ums Leben kam. Matthew Goniwe verbrachte vier Jahre im Gefängnis wegen des illegalen Besitzes kommunistischer Literatur. 

In der ländlichen Kleinstadt Cradock in der östlichen Cape-Region Südafrikas schaffte es Goniwe, die kommunale Wut über hohe Mieten und schlechte Infrastruktur in effektives Engagement im Rahmen der Cradock Residents‘ Association (Cradora) zu bündeln, woraufhin die Sicherheitspolizei versuchte, ihn zu versetzen. Als er sich weigerte, wurde er gefeuert.

Der Fall mündete schließlich in einen Schulboykott, der sich schnell landesweit ausbreitet. Goniwe war Mitglied der United Democratic Front, einer Gruppierung, in der mehr als 500 Organisationen zusammenkamen, um die Apartheid zu bekämpfen, und er arbeitete darüber hinaus im Untergrund für die kommunistische Partei und den bewaffneten Flügel des verbotenen African National Congress. 

Matthew Goniwes Beitrag zur Bekämpfung der Apartheid war es vor allem, alternative Strukturen in den „Townships“ zu etablieren, um damit so etwas wie „befreite Gebiete“ zu schaffen. Bekannt wurde dieses Vorgehen als „G-Plan“, der als Vorbild in ganz Südafrika fungierte und schließlich dazu führte, das Ende der Apartheid einzuläuten.

Doch die Generäle entschieden, dass Matthews zu gefährlich geworden war.

Spät in der Winternacht des 27. Juni 1985 halten südafrikanische Sicherheitsbeamte ein Auto nahe Port Elizabeth an. An Bord ist der Lehrer und Anti-Apartheidsaktivist Matthew Goniwe, der auf der Liste der zu eliminierenden Personen steht. Im Auto befinden sich außerdem Fort Calata, ebenfalls Lehrer, der Gewerkschaftler Sparrow Mkonto und Sicelo Mhlauli, Schuldirektor und Kindheitsfreund der anderen. Keiner der vier wird jemals wieder lebendig gesehen. Die verbrannten Körper werden später in der Nähe von Port Elizabeth gefunden. Diese Morde sind eine der düstersten Episoden der Apartheidszeit und stellen einen Wendepunkt im Kampf gegen das rassistische Regime dar. Am Tag der Beerdigung der „Cradock Four“ rief Präsident Botha den Ausnahmezustand aus. 

Anhand von seltenem Archivmaterial, Interviews und dramaturgischen Nachstellungen der Geschehnisse schafft es der Film, das repressive Klima des rassistischen Regimes in den 70ern und frühen 80ern einzufangen und beleuchtet eindrücklich die Ideale, die Matthew Goniwe und seine Comrades dazu brachten, den Befreiungskampf zu unterstützen. Für viele stellte die brutale und gezielte Ermordung der sogenannten „Cradock Four“ den Anfang vom Ende des Apartheid-Regimes dar. Nur fünf Jahre später war Nelson Mandela ein freuer Mann und konnte das Land schließlich 1994 in die Freiheit führen.

Der Stil des Films vereinigt vier wesentliche visuelle Elemente: Interviews, Archivaufnahmen, dramaturgische Nachbereitungen wichtiger Szenen und lyrisches Bildmaterial, die eng miteinander verwoben, eine durchdringende und temporeiche Geschichte entwickeln. Starke visuelle Kontraste, oft nachts gedreht, erzeugen ein reales Gefühl der Bedrohung, die von dem Apartheidsregime ausging. Die Macht, die den Protagonisten gegenüber stand, wird vor allem in den Archivaufnahmen Goniwes deutlich, wenn er über Apartheid und Bildung spricht und viele Szenen polizeilicher Gewalt dargestellt werden.

Es ist nun 25 Jahre her, dass die Cradock Four ermordet wurden. Trotz zweier Untersuchungen und der Truth and Reconciliation Commission, die den Mördern die Amnestie verweigerte, wurde niemand für das Verbrechen verurteilt.

Der Film gewann den Preis als beste südafrikanische Dokumentation beim Durban International Film Festival 2010.

Pressestimmen
„Der Tod dieser tapferen Freiheitskämpfer stellte einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte unseres Kampfes dar. Von diesem Moment an konnte die Regierung nicht mehr wie gewohnt weiter regieren. Sie waren die wahren Helden unseres Kampfes.” Nelson Mandela

“Der Film versetzt uns zurück in die repressiven Zeiten der Gewalt und der Straflosigkeit, welche die ANC-Aktivisten mithilfe der United Democratic Front mit Bestimmtheit, zivilem Ungehorsam und Schulprotesten bekämpften.“ Aziz Fall

“Ein weiteres Mal wurde ich der tapferen Menschen erinnert, die den Mut hatten, einen Stein gegen eine gesamte Armee zu werfen. Ich wurde daran erinnert, wie bemerkenswerte Führungspersonen auf brillante Weise den Widerstand gegen eine unaussprechlich schreckliche Unterdrückung organisierten. Ich wurde daran erinnert, dass wir unser Land niemals mit einem anderen vergleichen können, und dass das, was wir heute haben, kein Zufall ist. Es waren Mut und Aufopferung, die uns von diesem Wahnsinn befreit haben. Ein wirklich einmalig emotionaler Film, den der Regisseur in einem Geflecht aus dramatischen Zwischenfällen, Interviews und außergewöhnlichen Originalaufnahmen präsentiert.” Anita Van Hemert

Regisseur: David Forbes
David Forbes ist ein vielfach preisgekrönter südafrikanischer Regisseur, der seit mehr als 30 Jahren als Filmemacher, Produzent und Kameramann, aber auch als Vertriebshändler und Trainer im Filmsektor tätig ist.  Bekannt wurde er v.a. durch die Filme „The 12 disciples of Nelson Mandela” und „The manuscripts of Timbuktu”. Bei den Dokumentationen “The Cradock Four” und “The Cradock Murders: Matthew Goniwe & the Demise of  Apartheid” wurde ihm lange der Zugang zu den Archiven verwehrt, sodass die beiden Filme erst nach sieben Jahren beendet werden konnten. „The Cradock Four“ gewann den Preis als beste Dokumentation beim Durban International Film Festival.

Forbes ist seit 26 Jahren auch in der Aus- und Weiterbildung von jungen Filmschaffenden tätig. 1993 gründete er die Camera Guild, unterstütze die Gründung der PAWE TSC (Gewerkschaft) ebenso wie die South African Guild of Editors und die Art Department Guild. Außerdem ist er einer der Gründer des Consultative Committee’s Training Trust Funds. Im Rahmen der “Dramatic Encounters” unterrichtete Forbes junge Produzenten und Regisseure und unterstützte verschiedene junge Menschen bei ihren ersten Schritten in der Filmindustrie. Er ist aktives Mitglied der Independent Producers’ Organisation (IPO) sowie der Documentary Filmmakers’ Association, wo er den Strategie- und Kommunikationsbereich leitet. Außerdem war er im Vorstand von Sithengi in den Jahren 2007/8 und ist nun im Vorstand der South African Screen Federation, dem politischen Organ der unabhängigen Filmindustrie. 

Für mehr Informationen: www.shadowfilms.co.za 

Filmografie (Auswahl):

  • 2012: "Gun To Tape" 48 min.
  • 2010: “The Cradock Murders: Matthew Goniwe& the Demise of Apartheid” 52 min. 
  • 2010: “The Cradock Four” 92 min. 
  • 2003: “Nelson Mandela” videotaped corporate speech to Marseilles Corporate Dinner Party.
  • 1998: “The Long Tears – An Ndebele Story”, 52 min. 
  • 1996: “Darkness & Light – The art of Trevor Makhoba”, 26 min.

Preise:

  • 2010:  “The Cradock Four” Winner, beste südafrikanische Dokumentation, Durban International Film Festival
  • 2010:  “The Cradock Four” Finalist, Amnesty International Durban Human Rights Award, Durban International Film Festival.
  • 2010: “The Cradock Murders – Matthew Goniwe& the Demise of Apartheid” Filmvorführung bei dem Liege Film Festival in Belgium. Offizielle Auswahl, Africa on Screen Festival in Johannesburg. 
  • 2009: “The Manuscripts of Timbuktu” Gewinner des Walter Mosley Awards (Real Life Doc Film Festival-Ghana 2009) Dir: Z Maseko, HDCam, DOP: David Forbes & N Hofmeyr
  • 2006: ”The 12 Disciples of Nelson Mandela” Independent Spirit “Truer Than Fiction” Award Nomination. DOPs: David Forbes and Jon Karvel.
  • 2005: “The 12 Disciples of Nelson Mandela”gewann den Jury PreisalsbesteDokumentationbeim Pan African Film Festival in Los Angeles. Dir: Thomas Allen Harris, DOPs: David Forbes and Jon Karvel
  • 2003: “Tobias’s Bodies: Are we all Africans?” gewann den Preis für “Creative Excellence” (Science) bei den US International Film and Video Festival “als Anerkennung für die bemerkenswerte audio-visuelle Produktion”.
  • 2003: “AfriCan Solutions”gewann3 Chris Awards –EhrenvolleNennungimBereich “Science & Technology”und “Social Issues” bei den 51st Columbus International Film & Video Festival 2003.
  • 2000: “The Long Tears – An Ndebele Story” Offizielle Auswahl für den Wettbewerb beim Astra 2000 Film Festival in Sibiu, Romänien (Okt. 2000 und beim Southern African Film Festival 2000 in Harare.
  • 1996: “Business Against Crime” TVC. Besondere Nennung 1996 bei den Loerie Awards
  • 1993: “Crossing the Line” (U-matic Hi-band, 25 min) Dir: Mike Rudolph, starring Sean Taylor, JenniSteyn and Susan Coetser) 2. Preisbeim 1993 Weekly Mail Short Film Competition
  • 1992: “Enthombe” EhrenvolleNennung beim 8th Journées du Cinema Africain et Créole, Montreal. DOP: David Forbes
  • 1991: “Enthombe” gewann den Preis als “Best Film” und den ersten Preis als Dokumentation beim 3rd Weekly Mail Short Film Competition. DOP: David Forbes
  • 1990: “The Boxer” gewann den Preis als “Best Documentary” beim 12th DIFF. DOP: David Forbes

The Cradock Four
David Forbes, Südafrika 2010, 93 min, OF Englisch

Donnerstag, 11. April 2013, 20h00 
Eintritt 7,50 €
Ermäßigung via Berlinpass, Gildepass, Heavy User Card, Filmreihe-Pass (WeitereInformationen: www.hoefekino.de/preise-und-rabatte)

Tickets und Informationen
 
030 283 46 03
www.hackesche-hoefe.org 

Hackesche Höfe Kino
Rosenthaler Str. 40/41
10178 Berlin
S Hackescher Markt
U Weinmeisterstraße

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BLZ 66 09 08 00
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Weitere Informationen:
www.africavenir.org

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