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FESPACO Gewinner: "Tey - Aujourd’hui" (OengU) von Alain Gomis, in Anwesenheit des Co-Autors und Protagonist Djolof Mbengue, SO, 15. September 2013, 17 Uhr, Hackesche Höfe Kino

Am Sonntag, 15. September 2013 um 17:00 Uhr laden AfricAvenir und Sunugal zur Vorführung des diesjährigen FESPACO Gewinners „Tey - Aujourd’hui“ (Original frz. mit engl. UT) von Alain Gomis. Gomis Werke handeln von Menschen zwischen Kulturen, von Entwurzelten, von Menschen die in Bewegung sind, treiben und getrieben werden. Der große Unterschied besteht dieses Mal darin, dass Satché, der Protagonist von „Aujourd’hui“, gespielt von dem us-amerikanischen Rapper Saül Williams, ein Rückkehrer ist… Zum Unverständnis seiner Umgebung hat er eine vermeintlich bessere Zukunft in den USA aufgegeben und ist in den Senegal zurückgekehrt. An dem Tag, an dem der Zuschauer ihn begleitet, wacht er auf und weiß, dass er am Ende sterben wird. Es wird sein letzter Tag sein. Ein Tag, an dem er ein letztes Mal seine Umgebung sehr intensiv wahrnimmt… Es wird fröhliche und verstörende Begegnungen geben: Wiedersehen mit alten Freunden, mit der ersten Liebe, aber auch die Konfrontation mit der Boshaftigkeit und Gier von Menschen und die Erkenntnis, dass in der Ferne gepflegte Erinnerungen nicht immer der Realität entsprechen.  

„Das ist großes Kino: Ein Film, in der Tradition der traumwandlerischen Werke eines Djibril Diop Mambéty, in seinem Spiel mit Kontrasten und Kontrapunkten, seinem Nebeneinander von etablierten und LaienschauspielerInnen, dem behutsamen und zwischen Schmerz und Zärtlichkeit schwankenden Aufbau eines subtilen und sensorischen Bilds des Zitterns und Bebens der Gegenwart unserer Welt.“ Olivier Barlet, Africultures

Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit dem Co-Autor des Films und Protagonisten (2. Rolle) Djolof Mbengue, sowie ein kleiner Empfang im Kino-Foyer statt.

In Kooperation mit Sunugal, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die Freunde von RFI, Berlin Poche, rendez-vous-cine.de, Exberliner, multicult.fm und Planète Métis.

Synopsis
Heute ist der letzte Tag in Satchés (gespielt von Slam Star Saul Williams) Leben. Auf mysteriöse Weise weiß er es, obwohl er stark und gesund ist. Mehr verwundert denn ängstlich oder traurig akzeptiert er seinen bevorstehenden Tod und läuft durch die Straßen seines Heimatortes Dakar, wo er die Vergangenheit wahrnimmt, als sehe er sie zum ersten Mal: sein Elternhaus, seine erste Liebe, Jugendfreunde, Frau und Kinder. Immer wieder hört er den gleichen Vorwurf: Warum bist du nicht in den USA geblieben, dem Land, in dem du eine Zukunft hatte?

Regisseur Alain Gomis kehrt ein Thema des senegalesischen Kinos um: Anders als in vielen Filmen, die sich mit Auswanderung und Neokolonialismus befassen, geht es hier um einen Mann, der aus den USA in sein Heimatland zurückgekehrt ist. An seinem letzten Tag, an dem man ihn zu Beginn liebevoll begleitet und wie einen Heiligen behandelt, entdeckt er auch die Boshaftigkeit und die Gier seiner Mitmenschen. Was aus der Ferne in verklärter Erinnerung blieb, entpuppt sich teilweise als banale Realität – eine Realität jedoch, in der Satché trotz allem Frieden und Ruhe findet.



Presse
„Ein metaphysischer Film, ausgestattet mit einer seltene, alle Sinne anregende Kraft. Eine wundervolle Initiationsfabel.“ Le Monde

„[Saul Williams] unprofessionelle Mimik, die immer wieder etwas zu stark oder zu schwach auf die intensiven Wahrnehmungskonstellationen des Films reagiert, bietet genau jene rezeptive Fläche, jene Mischung aus Fremdheit, Verwunderung und Bemühen um Anschluss, die sich auch im Zuschauer zusammenbraut. Aujourd’hui realisiert das unglaubliche Vermögen des Kinos, eine alternative Wahrnehmungsmöglichkeit zu erfahren, eine andere Welt mit dem eigenen Körper zu erleben. Und so beginnt der Film erst wirklich, wenn man das Kino verlässt.“ Nino Klinger, critic.de

„Auch wirft der Film für mich interessante Fragen darüber auf, auf welch unterschiedliche Art und Weise der Tod wahrgenommen werden kann. Gleichzeitig realisiere ich, dass manche Dinge eben doch kulturübergreifend sind, z.B. die Frage danach, ob man das eigene Leben auch ausgeschöpft, wirklich gelebt hat." Sophies Berlinale

„Aujourd’hui schaut man nicht allein mit den Augen, sondern auch mit der Haut. Kein Sinn lässt sich aus der Gesamtheit menschlicher Wahrnehmung trennscharf lösen, nie wird einzig „gesehen“, „geschmeckt“, „gehört“. (…) Nun ist selbstverständlich das Sehen im Kino der traditionelle Leitsinn, seit Beginn des Tonfilms alliiert mit dem Gehör. Werden die anderen Sinne aktiv, dann meist im Gefolge und Schatten des Visuellen. Nur selten vermögen es Filme, ihnen einen gleichwertigen Reichtum zu verleihen, ebenso elaboriert durch Riechen und Tasten zu erzählen wie durch Sehen und Hören. Aujourd’hui (Tey) ist ein solcher Film, ein Film der tastenden Blicke. Und Pupillen und Hände sind die Leitmotive in Alain Gomis’ fantastischem Wettbewerbsbeitrag der Berlinale 2012.“ Nino Klinger, critic.de

„‚Aujourd'hui’ handelt von Heimkehr - und von der Sehnsucht nach dem, was man sich von einer Heimkehr erwartet. Doch kein Moment ist zu halten, jeder einzelne ist kostbar, ist nur ein Fetzen Zeit, bereits weggeweht, wenn man ihn wahrgenommen hat. "Aujourd'hui" zeigt diese Momente in farbenleuchtenden, detailreichen Bildern und Nahaufnahmen.“ 3SAT

„Dabei entwickelt sich ein außergewöhnlicher und dokumentarischer Film, von Alain Gomis mit großer Zärtlichkeit gefilmt.“ Les Inrockuptibles

„Ein freies Werk von großer Schönheit, oft mit Genie gefilmt von einem Filmemacher, der es besser irgendjemand versteht, die kleinen magischen Nichtigkeiten der Realität einzufangen, um sie in seine mystische Erzählung einzufügen. Alain Gomis ist heller Funke in einer gräulichen Welt.”  L’Humanité

„Aujourd’hui ist ein poetischer und bewegend zärtlicher Film des Filmemachers Alain Gomis. Das Skript wird von seiner Crew meisterhaft umgesetzt (…) Der Film überrascht durch seine Einfachheit und Kraft.”  Cirina Catania, technorati.com

„Alain Gomis fröhlicher Film ist eine ungewöhnlich ruhige, nicht-westliche Meditation über die Unvermeidbarkeit des Todes. (...) Für einen Film über einen Tag der Buße und Abrechnung vor dem unmittelbar bevorstehenden Tod, ist der melancholisch zärtliche Film gespickt mit überraschenden Momenten voller Leichtigkeit. Gefilmt im impressionistischen und gewollt naturalistischen Stil besticht das französisch-senegalesische Drama durch seine Ehrlichkeit und seine ausgefeilte visuelle Ästhetik. Doch fasziniert diese einfache, allegorische Geschichte auch aufgrund ihrer spirituellen und gefühlvollen Aspekte.” David Rooney, The Hollywood Reporter

„Es ist ein ruhiger Film, bescheiden und traumähnlich, voller ausgedehnter stiller Momente, die unterbrochen nur durch Dialogfetzen oder träges Trommeln. Das Erfrischende ist, dass im Gegensatz zu so vielen in Frankreich lebenden FilmemacherInnen, deren Abstecher nach Afrika geprägt sind durch das seltsam Herablassende einer kolonialen Schuld, findet Gomis (der in Paris als Sohn einer französischen Mutter und eines sengalesischen Vaters geboren ist) das Gleichgewicht zwischen dem Respekt für seine kulturelle Umgebung und einer gesunden Beobachtungsdistanz und emotionalen Abstand.” David Rooney, The Hollywood Reporter

„Durch die satten Farben des Films hebt Gomis den Naturalismus durch seine visuelle Sprache zu einer Art abgeklärten poetischen Form, die den impressionistischen und magischen Aspekt des Films unterstreichen. Indem er die Zeit in jeder Szene dehnt, ermöglicht er es dem Inhalt nachzuwirken, was wiederum den Zuschauer dazu auffordert, den Film instinktiv, emotional und in Fragmenten aufzunehmen. Gomis erlaubt es sich, den Erzählstrang zu unterbrechen und in einer Sammlung an Momenten wiederzugeben, ein leichtes Wiegen, das mit dem einzigartigen Zeitmanagement des Films zusammenhängt, während wir Satchés Grabrede lauschen.” Jonathan Duncan, filmafrica.org.uk

„Als dritter Spielfilm von Alain Gomis nach L’Afrance (2001) und Andalucia (2007) setzt Aujourd’hui das poetische und nachdenkliche Werk eines inspirierten Cineasten fort. Zwischen den Zeilen finden wir auch all die Ideen wieder, die dem franko-senegalischen Filmemacher wichtig sind: Die Qualen der Migration, die Melankolie des Nomadentums, die Beständigkeit des Exils. Wundervoll offene Identitätssuche verdient Aujourd’hui unsere volle Aufmerksamkeit. Wenn die Schwere sich mit Träumen umhüllt, um über die Rolle des Todes im Leben zu sprechen, wird das Kino ein magisches Instrument.“ Carole Milleliri, Critikat.com

„Der Zuschauer ist also dazu aufgerufen, sich vom Text zu lösen und sich von der Suche nach Sinnhaftigkeit zu befreien, um das Audiovisuelle in all seinen sensiblen Schwingungen besser aufnehmen zu können. Zeigen und nicht alles sagen, sehen lassen ohne alles zu erklären. Das ist das Grundprinzip dieses intelligenten Werks, das zwischen Komödie und Drama hin und her schwingt.“ Carole Milleliri, Critikat.com

„In der Tradition des gleichzeitig innovativen und sozialen Kinos von Djibril Diop Mambéty, hintergragt Aujourd’hui unser Verhältnis zur Welt und zu den Anderen, hier und jetzt, unter dem Deckmantel eines filosofischen Märchens von unednlichen Schönheit.“Carole Milleliri, Critikat.com

„Mit diesem wunderbaren Aujourd’hui, einer Hymne an das Leben, mit einer besänftigenden Botschaft und einer großen spirituellen Intensität, hat Gomis ein Meisterwerk erschaffen. Mit Saul Williams, Dichter, Schauspieler, Raper, Sänger und Musiker aus den USA, bekannt für seine Mischung aus Slam und Hip-Hop, in krassem Gegensatz also zu der Figur Satché, dem stillen, zurückhaltenden, in sich gekehrten Helden des Films, hat Alain Gomis den idealen Interpreten für diese Rolle gefunden, die ganz und gar auf den Blick und die charismatische Wirkung ausgerichtet ist.“ Jean-Claude Raspiengeas, La Croix

Diskutant: Djolof Mbengue
Alain Gomis' Lieblingsschauspieler (Hauptrolle in L'AFRANCE und Nebenrollen in PETITE LUMIERE und ANDALUCIA) wurde 2002 als bester Schauspieler des Jahres für den Michel Simon Preis nominiert. Djolof Mbengue ist Co-Autor des Szenarios von TEY (AUJOURD'HUI), indem er auch die erste Nebenrolle spielt.

Regisseur: Alain Gomis
Als Sohn einer französischen Mutter und eines senegalesischen Vaters wird Alain Gomis 1972 in Paris geboren. Dort studiert er zunächst Kunstgeschichte und Film an der Sorbonne, bevor er die Leitung von Video- Workshops der Stadt Nanterre übernimmt. Bereits diese frühen Reportagen handeln von der Entwurzelung von Menschen zwischen verschiedenen Kulturen, von ihrem Gefühl der Zerissenheit und der gesellschaftlichen Exklusion… In seinem ersten Spielfilm „L’Afrance“ (2001), der den Publikumspreis beim „Festival del Cinema Africano, d’Asia e America Latina“ in Mailand gewann, erzählt er die Geschichte eines senegalesischen Studenten, dessen Welt zusammenbricht, als er plötzlich seine französische Aufenthaltsgenehmigung verliert. 2008 dreht er „Andalucia“, ein an Spike Lees „Do the Right Thing“ anmutender Film, der von sozialer Exklusion und Rassismus in Frankreich handelt. Sein neuester Film „Aujourd’hui (Tey)“ lief im offiziellen Wettbewerb der Berlinale 2012 und gewann den Goldenen Etalon beim FESPACO in Ouagadougou.

Preise

  • Großer Preis (Etalon d’Or) beim FESPACO in Ouagadougou 2013
  • Großer Preis beim beim Afrikanischen Filmfestival in Mailand 2012
  • Publikumspreis beim Festival von La Roche sur Yon 2012
  • Publikumspreis beim Festival von Karthago 2012
  • Emerging Master Honoree beim Seattle International Film Festival 2012
  • Ausgewählt für den Offiziellen Wettbewerb der Berlinale 2012 (Weltpremiere)

Filmografie
Kurzfilme:

  • 1999 : Tourbillons
  • 2003 : Petite lumière
  • 2006 : Ahmed

Spielfilme:

  • 2001 : L'Afrance
  • 2008 : Andalucia
  • 2011 : Aujourd'hui - Tey

Aujourd’hui - Tey (Original Französisch mit engl. Untertiteln)
Alain Gomis, Spielfilm, Frankreich/ Senegal, 2011, 86 Min

Sonntag, 15. September  2013
17:00 Uhr
Eintritt: 7,50 €

Karten und Auskunft

030/ 283 4603

Hackesche Höfe Kino
Rosenthalerstr. 40/41
10187 Berlin
S Hackescher Markt
U Weinmeisterstraße

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www.africavenir.org

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