Am 4. August 1984 taufte Thomas Sankara Obervolta in Burkina Faso um!

Vor dreiβig Jahren, am 4. August 1984, benannte Thomas Sankara das ehemalige Obervolta in Burkina Faso, das „Land der aufrechten  Menschen“ um. Eine offizielle und höchst symbolische Änderung, die dazu diente, mit der kolonialen Vergangenheit abzuschlieβen und die Ziele der sankaristischen Revolution zu konkretisieren. Ein Artikel von Benjamin Roger. Das französischsprachige Original ist am 25.07.2014 in Jeune Afrique erschienen.

Dreiβig Jahre ist es nun her. Mit Inkrafttreten einer Anweisung vom 2. August 1984 tauft Hauptmann Thomas Sankara mit dem Ziel,  reinen Tisch mit der reaktionären und kolonialen Vergangenheit reinen Tisch zu machen, Obervolta in „Demokratische Volksrepublik von Bourkina Fâso“ (ursprüngliche Schreibweise) um. Das erste Wort bedeutet „aufrechter Mensch“ in Mooré  und das zweite „Heimatland“ in Dioula , also „Land der aufrechten Menschen“. Sieben Millionen Einwohner/innen sind fortan keine „Voltaïques“ mehr, sondern Bourkinabè.

Die Flagge des ehemaligen Obervolta, die aus drei Streifen – einem schwarzen, einem weiβen und einem roten – besteht,  wird ebenfalls ersetzt. Die neue Nationalflagge setzt sich aus zwei horizontalen Streifen – einem roten und einem grünen – und einem fünfzackigen gelben Stern in der Mitte zusammen. Diese repräsentieren jeweils die Ideale der Revolution, der Bearbeitung des Bodens und der Hoffnung. Eine weitere Veränderung : die Nationalhymne. Das Lied Volta räumt seinen Platz für die Ditanie oder auch „Siegesgesang“. Das Nationalmotto wird ebenfalls modifiziert, von „Einheit-Arbeit-Gerechtigkeit“ zu „Vaterland oder Tod, wir werden siegen“.

Sankara an der Gitarre
Diese Namensänderung der ehemaligen französischen Kolonie wird zwei Tage später, am 4. August, dem ersten Jahrestages der sankaristischen Revolution, gefeiert. An jenem Tag organisiert der Nationalrat der Revolution (Conseil National de la Révolution, CNR) im ganzen Land Festlichkeiten zu Ehren des neuen Bourkina Fâso. Neben den offiziellen Zeremonien werden Fuβballspiele, Boxveranstaltungen und ein Radrennen organisiert.

In Ouagadougou werden die Festlichkeiten von Thomas Sankara persönlich geleitet. Der 36 Jahre junge Staatschef, der die Macht ein Jahr zuvor mit einer Gruppe junger Offiziere ergriffen hatte, jubelt. Am frühen Morgen des 4. August, nach einer Partynacht in seinem Viertel mit etwa 20 Freunden, schnappt er sich eine Gitarre und fängt an, die Saiten zu zupfen. Einer seiner Minister und ein Hauptfeldwebel stimmen ein. Die kleine Gruppe holt die Festversammlung aus ihrem Dämmerschlaf. Unter ihnen ist ein ranghoher Gast: Der ghanaische Präsident John Jerry Rawlings, dessen groβe dunkle Brillengläser sein Erstaunen angesichts der versteckten Talente seines Gastgebers nicht verbergen können. Wie Mohamed Selhami, Korrespondent der Jeune Afrique, schreibt, ist „die Revolution nicht nur diese Sache, die den Geist lähmt, sondern sie kann ihn auch beleben, vor allem, wenn Thomas Sankara sich darum kümmert.“
 
„Wir mussten wagemutige und radikale Initiativen anstoβen“
Mit seinem unerlässlichen, mit Silber und Elfenbein überzogenen Revolver bewaffnet, erklärt der anti-imperialistische Hauptmann unserem ehemaligen Mitarbeiter, dass er den Namen seines Landes geändert hat, um „unser revolutionäres Konzept besser anwenden zu können“. Ihm zufolge „mussten wir wagemutige und radikale Initiativen anstoβen, unter anderem die Spuren des Kolonialismus verwischen. Beginnend mit dem Namen, den dieser unserem Land gegeben hatte. Die Bezeichnung Obervolta entsprach weder geographischen noch soziologischen oder kulturellen Kriterien“.

Dreiβig Jahre später ist Burkina Faso auf der ganzen Welt als das „Land der aufrechten Menschen“ bekannt. Hauptmann Thomas Sankara, ermordet am 15. Oktober 1987 unter ungeklärten Umständen, ist zu einer Legende geworden, die weit über die Grenzen der Wiege der sankaristischen Revolution hinaus vergöttert wird.

Das französischsprachige Original ist am 25.07.2014 in Jeune Afrique erschienen: Ce jour-là | Le 4 août 1984, Thomas Sankara rebaptisait la Haute-Volta en Burkina Faso | Jeuneafrique.com - le premier site d'information et d'actualité sur l'Afrique

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