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In Kooperation: BE.BOP 2016. Black Europe Body Politics. Call & Response. kuratiert von Alanna Lockward, 1.-3. Juni 2016, Volksbühne

Produziert von Art Labour Archives für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz und kuratiert von Alanna Lockward, findet BE.BOP 2016. Black Europe Body Politics. Call & Response. vom 1.-3. Juni 2016 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz in Berlin statt, gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und organisiert in Kooperation mit AfricAvenir International e.V. BE.BOP. BLACK EUROPE BODY POLITICS ist eine dekoloniale transdisziplinäre und „disziplinlose“ kuratorische Initiative, die in Berlin entstanden und inzwischen an wichtigen Orten auf drei Kontinenten präsentiert worden ist. Neben Berlin, wird sie in diesem Jahr auch in Kopenhagen stattfinden, vom 5.-7. Juni, gefördert durch den Danish Arts Council.
Veranstaltung in englischer Sprache mit Simultanübersetzung (Deutsch, Spanisch)

Festival Ticket 25 € / 15 € ermäßigt
Tagesticket: 10 € / 6 € ermäßigt
Einzelveranstaltung: 6 € / 4 € ermäßigt
5.-7. Juni, Kopenhagen
Trampoline House
Universität Kopenhagen
In Kooperation mit dem Forschungsprojekt Art, Culture and Politics in the ‘Postmigrant Condition’
Gefördert durch den Danish Council for Independent Research
In englischer Sprache
Öffentliche Veranstaltung, Eintritt frei
“Die Tatsache bleibt, und wir können sie nie genug betonen, dass der Maroon der einzige wahre Volksheld der Karibik ist […] ein unbestrittenes Beispiel des systematischen Widerstands, der völligen Weigerung.“ (Edouard Glissant)

I
BE.BOP. BLACK EUROPE BODY POLITICS ist eine dekoloniale transdisziplinäre und „disziplinlose“ kuratorische Initiative, die in Berlin entstanden und inzwischen an wichtigen Orten auf drei Kontinenten präsentiert worden ist (Amersfoort, Amsterdam, Càdiz, Kopenhagen, Dakar, Durban, Durham, Graz, Kassel, Johannesburg, Havanna, London, Madrid, Malmö, Middelburg, New York, Santo Domingo, Stockholm, Visby, Windhoek). Ziel von BE.BOP ist die öffentliche Diskussion vernachlässigter Geschichtsnarrativen, denen dadurch größere Sichtbarkeit zuteil werden soll.
Die Bezeichnung CALL & RESPONSE verweist auf die Antiphonie, den Wechselgesang, eine in regelmäßigen Intervallen erfolgende Reaktion des Publikums auf den Vorsänger, die charakteristisch für die afrikanischen musikalischen Traditionen ist. BE.BOP bietet einen geschützten Raum, was eine durch und durch maroone Kategorie ist. So wird die Arbeit von BE.BOP zu einem sehr produktiven, kollektiven Erlebnis. Marroon Gemeinschaften waren die selbstorganisierten Gemeinschaften außerhalb der Plantagen, in denen entlaufene Versklavte oder Maroons in Freiheit lebten. Zahllose Freiheitskämpfe in Abya Yala, die von den panamaischen Kuna vor dem Beginn des europäischen Kolonialismus genutzte Bezeichnung für den amerikanischen Kontinent, wurden durch die Erfahrung und das Erbe der Marronage, als Lebensstil, als Ethik  und als Form der sozio-politischen Organisation, in ihren radikalen Vorstellungen beeinflusst. So sind die Lehren der Vorfahren, die von dem staatlichen wie privaten Bildungssystem als „primitiv“ und gar „diabolisch“ abgestempelt wurden, in Ecuador unlängst Teil des dekolonisierten Curriculums geworden, das vollständig von Nachfahren der Maroons konzipiert und implementiert wurde . In Brasilien sind die Geschichten der Kilombos tief im kollektiven Gedächtnis des Landes verwurzelt, auch wenn sie bis heute nicht zur offiziellen Nationalgeschichte zählen.  
In deutsche (oder allgemeiner europäische) Lehrpläne für Schulen und Universitäten haben Themen wie globale Verflechtungen, Kolonialismus, der transnationale Versklavungshandel und dem System der Plantagensklaverei bisher kaum Eingang gefunden. Während die Französische Revolution einen großen Raum im deutschen Geschichtsunterricht einnimmt, lernen deutsche Schüler_innen nichts über die eng mit den Entwicklungen in Frankreich geknüpfte Haitianische Revolution. Afrika und die afrikanische Diaspora kommen im deutschen Schulunterricht ebenfalls nahezu überhaupt nicht vor. Werden diese Themen thematisiert, fehlt meist die Perspektive der Versklavten. Die Geschichte von deren Widerstand wird selten behandelt. Diese Amnesie ist im Umgang mit brisanten Themen in Europa, wie Einwanderung, Geflüchteten und ‚terroristischen’ Anschlägen nicht gerade hilfreich, vielmehr reproduziert sich dadurch ein hegemoniales Narrativ, das aus geschürten und manipulierten Ängste besteht.  
Gerade individuelle Zeugnisse und Erzählungen sowie ästhetische Ausdrucksformen bieten jedoch insbesondere sowohl für Schüler_innen, als auch einem breiten Publikum mit unterschiedlichem Hintergrund einen exzellenten Zugang zu der Thematik. BE.BOP verschreibt sich der Etablierung eines öffentlichen Diskurses, in welchem vernachlässigte Erzählungen und Geschichte(n) sichtbarer werden. Das Projekt verpflichtet sich, das Ungleichgewicht der Wissenssysteme, die der Kolonialismus herbeigeführt hat, kollektiv rückgängig zu machen. Es beabsichtigt die Machtlosen zu empowern, indem das Verschweigen von Geschichte(n) offengelegt wird und die Kolonialität, die dunklere Seite der Moderne, und ihre Folgen, die bis in die Gegenwart wirken, thematisiert werden. Kolonialität, so wird gesagt, ist nicht vorbei. Sie ist allgegenwärtig. Daher ist es notwendig, öffentliche Räume zu schaffen, in denen europäische Student_innen, Leser_innen und Zuschauer_innen dem durch die herrschende Geschichtserzählung Verschwiegenen ausgesetzt sind.
BE.BOP wurde von Alanna Lockward konzipiert, um zum Wachstum und zur Verbreitung des panafrikanischen radikalen Vermächtnisses beizutragen. Den theoretischen Rahmen bietet das Konzept der „kollektiven Modernität/Kolonialität/Dekolonialität“. Diese dekoloniale Option ermöglicht es, sich von den Versprechungen der Moderne und vom Missbehagen der Kolonialität, als der dunklen und konstitutiven Seite der Moderne, zu lösen. Unseren Fokus legen wir hierbei auf die künstlerische Praxis Schwarzer und afrikanischer Diaspora Performances, Filmen und Videos. Dadurch soll gezielt offengelegt werden, was Modernität/Kolonialität bedeutet und was die dekoloniale Option zu bieten hat. Sowohl die Geschichte des afrikanischen Kontinents, als auch die Geschichte der versklavten Afrikaner_innen in Abya Yala stellen einen grundlegenden und auf tragische Weise vernachlässigten Teil der Geschichte der westlichen Zivilisation dar, vergleichbar mit dem innereuropäischen Holocaust.
Die Möglichkeit der Dekolonialisierung, die BE.BOP trägt, fordert keine Anerkennung für eine alternative, andere, oder vielschichtigere Moderne. Stattdessen will BE.BOP Wege finden, die von der Gewalt der Moderne befähigte Kolonialität im Namen von „Fortschritt“, „Freiheit“ und „Frieden“ zu überwinden. Dekoloniales und maroones Denken und Handeln bestreiten bereits Wege der Loslösung von den Maßstäben der modernen, der postmodernen und altermodernen philosophischen Ästhetiken, die sich alle aus den Quellen der Europäischen Renaissance und der 'säkularen' hegemonialen Kunstgeschichte der Aufklärung nähren. Diese Wege werden durch Filme und Videos, durch geschriebenes und gesprochenes Wort, durch Klang und Rhythmus beschritten.
II
BE.BOP 2016. CALL & RESPONSE fokussiert einmal mehr die rassifizierten Ungleichheiten in der Periode der imperialen Expansion und Kolonisierung. Dekoloniale Gespräche und Untersuchungen der historischen Verstrickungen würden ein informiertes und kontextualisiertes Verständnis der aktuellen „Flüchtlingskrise“ (und nicht ausschließlich) des Nahen Ostens ermöglichen. Der Zugang zu sozialer und physischer Mobilität war in den deutschen Kolonien streng nach rassistischem Muster organisiert, ähnlich dem Apartheidsregime in Südafrika. Mobilität bedeutet heutzutage die Frage, wer wie in der Lage ist, sich zwischen Ländern zu bewegen? Wem ist es gestattet? Wer wird als Migrant_in bezeichnet, und wer ist Expat oder Tourist_in? Diese Mobilität baut nach wie vor auf kolonialen Strukturen auf, die sich in Staatsangehörigkeit und Einwanderungsgesetzen spiegeln. Die Veranstaltung fördert die Diskussion über die Möglichkeiten, die bis in die Gegenwart reichenden kolonialen Ungleichheiten und „ungleiche Mobilität“ (Mimi Sheller) zu überwinden und darüber, wie neue Formen des Miteinanders in den Gesellschaften unserer inzwischen globalisierten Welt gefunden werden können. Angesichts der aktuellen Krise in der europäischen Gesellschaft, ist dies ein offenkundiges und vor allem dringendes Anliegen.
Das erste Mal wurde BLACK EUROPE BODY POLITICS 2012 mit der Unterstützung der Allianz Kulturstiftung und dem Ballhaus Naunynstraße realisiert. 2013 waren AfricAvenir International e.V. und das Ballhaus Naunynstraße Kooperationspartner. Im letzten Jahr fand das Event sowohl in Kopenhagen (mit Jeannette Ehlers als Gast-Kuratorin) beim Danish Arts Workshop und in Berlin im Ballhaus Naunynstraße statt und wurde von der Heinrich Böll Stiftung, dem Danish Arts Council und einer Reihe weiterer Institutionen unterstützt. Außerdem haben 2014 einige Künstler_innen von BE.BOP bei „Black Diaspora + Berlin. Decolonial Narratives“ als Teil der Veranstaltungsreihe „bbp METRO“ (in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung) im Grünen Salon teilgenommen. Diese Veranstaltung hat sich ebenfalls gegen die soziale Ausgrenzung von Schwarzen Deutschen (und Europäer_innen) gerichtet, sich der Überwindung von Hierarchien und Grenzziehungen verschrieben und will den zum Schweigen Gebrachten eine Stimme geben.
BE.BOP 2016 will zum ersten Mal zwei parallele Bewegungen zusammenbringen. Zum einen die Bewegungen, die mit  BE.BOP 2012 initiiert wurden und zum anderen eine Bewegung, die im November 2010 in Bogota, Kolumbien unter dem Titel Estéticas Decoloniales (Decoloniale Ästhetiken) von Pedro Pablo Gómez, Elvira Ardiles und Walter Mignolo kuratiert wurde. Diese beiden Bewegungen haben sich bereits auf dem Papier getroffen: eine gemeinsame Publikation wurde von Social Text-Periscope veröffentlicht, mit Walter Mignolo und Roland Vázquez als Herausgeber
(http://socialtextjournal.org/periscope_topic/decolonial_aesthesis/). In der erneuten Begegnung werden Afrika, die Karibik und Abya Yala, und das afrikanische kulturelle Vermächtnis in der Karibik und Abya Yala ineinanderfließen. In Berlin und in Kopenhagen werden sie zum ersten Mal am gleichen physischen Ort zusammenkommen und dabei simultan ins Deutsche, Spanische, und Englische übersetzt werden.
Auch wird in diesem Jahr in Berlin zum ersten Mal das angesehene Avantgarde-Theater Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unsere Gastgeberin sein und mit Dank haben wir erfolgreich die Finanzierung von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Danish Arts Council erhalten. AfricAvenir ist erneut unser Kooperationspartner.
III
BE.BOP dekolonisiert Wissensproduktion im Sinne des Narrativ der Maronnage, indem hierarchische, akademische Strukturen und Grenzziehungen zwischen den Disziplinen hinterfragt und überschritten werden. Durch grundlegende Diskussionen um Black citizenship in Europa, koloniale Amnesie, das Vermächtnis der Berlin-Afrika Konferenz von 1884-1885, revolutionäre Spiritualität und Heilung, sowie weitere afrozentristische Themen wird der Weg bereitet. Seit Anbeginn stand eine kollektive Wissensproduktion im Mittelpunkt von BE.BOP. In den letzten Jahren entstanden im Rahmen von BE.BOP neue Performance-Arbeiten, wie die von Kritiker_innen gefeierte Performance Whip it Good! von Jeannette Ehlers und Teresa María Díaz Nerios Arbeit Ni 'mamita' ni 'mulatita', die Gender-Kategorien überschreitet. Neue Konzepte wie Afropean Decoloniality von Alanna Lockward und Genocidal White Laughter von Teresa María Díaz Nerio wurden hier erstmals artikuliert und etabliert. Die Schaffung von kollektivem Wissen ist zentraler Bestandteil der Arbeit von BE.BOP seit seiner Gründung. Diese Beiträge sind in der Publikation „BE.BOP 2012-2014: El Cuerpo en el Continente de la Conciencia Negra“ (Der Körper auf dem Kontinent des Schwarzen Bewusstseins) enthalten. Die Autor_innen sind renommierte Denker_innen und aktivistische Künster_innen, Kurator_innen, Kunstkritiker_innen und Wissenschaftler_innen der Sozial- und Geisteswissenschaften. Sie sind Vertreter_innen eines wachsenden globalen Netzwerkes, das eine Gemeinschaft, die auf Liebe anstatt Wettkampf gründet und sich aus der Enge der modernen Ästhetik befreit. Zugleich heilt sie ihre kolonialen Wunden, zugefügt durch Rassismus und Sexismus. Dieses Buch beinhaltet die erste spanische Übersetzung zweier Ikonen des Panafrikanismus: Erna Brodber (Jamaika) und Fatima El Tayeb (Deutschland). Es wurde im Ediciones del Signo Verlag in Buenos Aires publiziert und ist Teil des Sammelbands mit dem Titel El Desprendimiento (Entkopplung), der von Walter Mignolo initiiert und gestaltet wurde. Diese Veröffentlichung fordert die dekoloniale Entkoppelung auf allen Ebenen des Lebens – ob ökonomisch, wirtschaftlich, künstlerisch oder in Fragen von Spiritualität/Religion, Rassismus/Sexismus, Wissen/Verstehen. Erstmals erschien die Monografie im Jahr 2000, und sie wurde im Jahr 2014 zum zweiten Mal herausgebracht, diesmal unter der Leitung von Malena Pestellini.
Unter dem Titel BE.BOP 2016. CALL & RESPONSE wird in diesem Jahr diese spezielle Art der Verkörperung der Dekolonialität von Wissen, Fühlen und Sein ausgeweitet: Vorstellungen von Autorschaft werden überschritten und in kollektive Darstellungen überführt. Die Volksbühne, als etablierte theatralische Institution mit Fokus auf experimentelle Denkrichtungen, wird zum Ort einer generativen Dramaturgie. Wie bereits in den letzten Ausgaben wird wieder eine besondere Gewichtung auf die Gestaltung des kollektiven dekolonialen Wissens durch neue Performances gelegt, in denen die Interaktion mit dem Publikum entscheidend ist.
Kaum ein anderer Ort wäre geeigneter als Veranstaltungsort für CALL & RESPONSE. BE.BOP 2016. Im Herzen von Berlin verortet, diente die Volksbühne in ihrer Geschichte als Raum von Allianzen mit kolonialen Mächten, aber auch als Widerstandsraum und Raum für Opposition gegen unterdrückerische Regime. Die Volksbühne war auch Objekt von Diskussionen über rassistische Praktiken im deutschen Theater in Form der problematischen Praktik das blackfacing, die auf Buffo Theater auf Kuba und Ministrel Shows in den USA im 19. Jahrhundert zurückgeht. Erst kürzlich fand an dem renommierten Theater eines der wenigen Events in Berlin zur Erinnerung an die zweimonatige Berlin-Konferenz von 1884 statt, im Zuge derer die europäischen Kolonialmächte den afrikanischen Kontinent unter sich aufteilten. Damit folgte das Theater stärker alternativen Institutionen wie Savvy Contemporary und dem Ballhaus Naunynstrasse. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit und deren fortwährendem Erbe von kolonialen Machtstrukturen und Wissenshierarchien hat in Deutschland bisher nicht stattgefunden. Die Art und Weise, wie die Geflüchteten des Protestcamps auf dem Oranienplatz behandelt wurden, zeigt auf traurige Art, wie das (hegemoniale) Deutschland weiterhin seine Identität als weiß konstruiert und vergangene wie gegenwärtige Schwarze Präsenzen, Errungenschaften und Teilhabe ausblendet und Schwarzen Deutschen Staatsbürgerschaftsrechte verwehrt.
Schwarze Flüchtlingsaktivist_innen haben dieser Unterdrückung seit jeher standgehalten. Im April 2014 haben Aktivist_innen aus 14 deutschen Städten Proteste, Demonstrationen und kreative Aktionen organisiert. In einem Akt zeitgenössischer Maroonage hat die Geflüchtete und Aktivistin Napuli Langa gehandelt. Napuli Langa kletterte auf einem Baum auf dem Orienplatz und blieb dort für fünf Tage ohne Essen, Wind und Wetter trotzend. Sie hat gegen die rassistischen Asylgesetze, sowie die gewalttätige Räumung des Oranienplatzes, das Arbeitsverbot und die Weigerung Geflüchteten das Recht auf Bewegungsfreiheit zu gestatten, demonstriert. Napulis Protest erinnert an die Flucht der Maroons in die Berge und hat eine Überprüfung einiger der gewalttätigen Methoden in der Asylpolitik bewirkt. Durch ihren Widerstand gegen die staatliche Räumung des Camps hat sie die rassistisch-kolonialen Strukturen angeprangert, denen die restriktiven deutschen Asylgesetze unterliegen. Napulis Widerstand auf dem Baum am Oranienplatz wurde berlinweit, deutschlandweit, durch die Medien verbreitet. Ihre politische Performance hat sich in ein Symbol des Widerstands verwandelt. Ihr Bild wurde sogar Teil der Ausstellung im deutschen Pavillon der  Biennale in Venedig (2015). Napulis phänomenale Ausdauer Mitten im kalten Winter ist ein Akt von Cimarronaje, der im selben Licht wie die #BlackLivesMatter Kampagne steht. Die Verwendung von Sozialen Netzwerken verbreitet das Vermächtnis des Black Power Movement und ist ein Katalysator für politische Performances. Als Hommage an Napuli hat Art Labour Archives eine neue Video-Installation bei dem in Berlin lebenden Künstler aus Kuba, Yoel Díaz Vázquez, mit dem Titel „Napulis Tree“ (Napulis Baum) in Auftrag gegeben. Der Künstler bekennt sich dazu, ein großer Bewunderer von Napulis Vision, von ihrem Mut und ihrem Stil zu sein. In dem Baum, der von der Schwarzen Kämpferin für fünf Tage besetzt wurde, spiegelt sich der Kampf gegen den heutigen Kolonialismus, gleich dem der unzähligen maroonen Rebellionen. 
BE.BOP 2016.CALL & RESPONSE will die Agenda vieler Gruppen und Individuen unterstützen, die das historische Vakuum ausgefüllt sehen möchten und eine materielle Anerkennung des Genozids an den Herero und Nama im heutigen Namibia in den hegemonialen Narrativen von Staat, Staatsangehörigkeit und Nation Deutschlands fordern.
Dies ist eines der grundlegenden Argumente im Dokumentarfilm „Allen Report. Retracing Transnational African Methodism”, nach dem Drehbuch und unter der Regie von Alanna Lockward. Dieser Film wird seine Weltpremiere während BE.BOP 2016 dank der Unterstützung von der Dirección General de Cine de la República Dominicana feiern.
Wie bereits in der vorherigen Ausgabe wird BE.BOP 2016 erneut in Kopenhagen (5.-7. Juni) in Zusammenarbeit mit dem Trampoline House, eine Basisorganisation, die Asylbewerber unterstützt, und der Universität Kopenhagen stattfinden. Neben vielen anderen Themen, werden die Keynotes von Gurminder K. Bhambra und Walter Mignolo das Erbe der haitianischen Revolution im globalen Widerstand gegen Unterdrückung adressieren. Das letzte Panel wird Jeanette Ehlers bevorstehender Publikation mit Beiträgen von Mathias Danbolt, Alanna Lockward und Rolando Vázquez gewidmet sein.
Letztendlich offenbart die diesjährige Ausgabe von BE.BOP auch ihren essentiell Karibischen Charakter, der sich deutlich in der beachtlichen Anzahl von Teilnehmenden aus dieser Region und ihrer Diasporas manifestiert. Drei neue performative Arbeiten wurden bei den Karibischen Diaspora Künstler_innen Teresa María Díaz Nerio, Quinsy Gario und Patricia Kaersenhout in Auftrag gegeben. Jeannette Ehlers wird vor der Volksbühne eine ortsbezogene Skulptur installieren und die karibische Präsenz dieser Plattform bestärken, die sich der Erweiterung des afrozentristischen dekolonialen Denkens, Fühlens und Handelns verschreibt.
Sandra Abd’Allah-Alvarez Ramírez (Germany + Cuba) + Laura Alegre (Argentina)  + Dalida María Benfield (USA + Panama) + Gurminder K. Bhambra (UK) + Manuela Boatca (Germany + Rumania) + Erna Brodber (Jamaica) + Lesley–Ann Brown (Denmark + Trinidad) + Artwell Cain (Netherlands + St. Vincent)  + Kjell Caminha (Sweden + Brazil) + Augustus Casely-Hayford (UK) + Mathias Danbolt (Denmark) + Teresa María Díaz Nerio (Netherlands + Dominican Republic) + Yoel Díaz Vázquez (Germany + Cuba) + Frank Dragtenstein (Netherlands + Suriname) + Rebecca Drammeh (Sweden) + Simmi Dullay (South Africa + Denmark) + Jeannette Ehlers (Denmark + Trinidad) + Fatima El Tayeb (USA + Germany) + Quinsy Gario (Netherlands + Curacao) + Cristel Gbaguidi (Germany + Benin) + Pedro Pablo Gómez (Colombia) + Gillion Grantsaan (Denmark + Netherlands + Suriname) + Adler Guerrier (USA + Haiti) + Ylva Habel (Sweden) + Frederikke Hansen (Denmark) + Sasha Huber (Finland + Switzerland + Haiti) + Malcolm Momodou Jallow  (Sweden + Senegal) + Jane Jin Kaisen (Denmark) + Patricia Kaersenhout (Netherlands + Suriname) + Nazila Kivi (Denmark + Iran)  + Krudas Cubensi (USA + Cuba) + Napuli Langa (Germany + Sudan) + Mette Moestrup (Denmark) + Mwangi Hutter (Germany + Kenya) + Patrice Naiambana (UK + Sierra Leone) + Tone O. Nielsen (Denmark) + Tanja Ostojic (Germany) + Zulma Palermo (Argentina) + Malena Pestellini (Argentina) +  Anne Ring Petersen (Denmark) + Tuleka Prah (Germany + Ghana) + Julia Roth (Germany)  + Rod Sachs (USA) + Moritz Schramm (Denmark) +  Robbie Shilliam (UK) + Helle Stenum (Denmark)  + Javier Tapia (Denmark + Chile) + Ovidiu Tichindeleanu (Rumania)  + Rolando Vázquez (Netherlands + Mexico).

Walter Mignolo + Berater
Julia Roth + Koordination der Auftragswerke  
Elena Quintarelli + Kuratorische Assistenz
Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
In Kooperation mit AfricAvenir

Partners: Humboldt University Berlin, Center for Global Studies and the Humanities + IDEA. Arts + Society + Transnational Decolonial Institute Nikolaj Kunsthal + Statens Værksteder (The Danish Arts Workshop) + Network for Migration and Culture + Ediciones del Signo
In Dänemark gefördert durch das Danish Arts Council
Media Partners: AfricAvenir + AFROTAK TV cyberNomads  + Reboot FM + Uprising Art + Afrikadaa

BERLIN PROGRAMM
BE.BOP 2016. BLACK EUROPE BODY POLITICS. CALL & RESPONSE
BE.BOP 2012-2014

Ein Projekt der Art Labour Archives für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Kuratiert von Alanna Lockward
In Kooperation mit AfricAvenir International e.V.
1.-3. Juni, Berlin

 

Juni 1

10:30-11:30

Präsentation des Ediciones del Signo’ Band: BE.BOP 2012-2014: El Cuerpo en el Continente de la Conciencia Negra” (Der Körper auf dem Kontinent des Schwarzen Bewusstseins). Herausgegeben von Alanna Lockward für den Sammelband “El Desprendimiento” (De-linking), unter Leitung von Walter Mignolo, übersetzt von Laura Alegre und überarbeitet von Teresa María Díaz Nerio. Mit Beiträgen von: Manuela Boatca, Erna Brodber, Lesley-Ann Brown, Artwell Cain, Teresa María Díaz Nerio, Yoel Díaz Vázquez, Simmi Dullay, Jeannette Ehlers, Fatima El Tayeb, Patricia Kaersenhout, Walter Mignolo, Quinsy Gario, Julia Roth, Robbie Shilliam und Rolando Vázquez.

Laura Alegre + Alanna Lockward + Walter Mignolo + Artwell Cain + Teresa María Díaz Nerio + Julia Roth

Moderiert von Rolando Vázquez

11:30-13:30, Roter Salon

Screening Orí von Raquel Gerber. Berlinpremiere

Moderiert von Artwell Cain

13:30-14:30

PAUSE

14:30-15:30, Park

Parade von Jeannette Ehlers


15:30 -17:15, Roter Salon

SESSION I: MARRONAGE UND GRENZDENKEN

Walter Mignolo + Robbie Shilliam + Augustus Casely-Hayford + Jeannette Ehlers

Moderiert von Quinsy Gario

17:15-17:45

PAUSE

17:45-19:00, Roter Salon

SESSION II: MARRONAGE, (DE)KOLONIALITÄT UND INTERKULTURELLE ERZIEHUNG

Pedro Pablo Gómez + Rolando Vázquez + Simmi Dullay + Rod Sachs

Moderiert von Ovidiu Tichindeleanu

19:00-19:30

Screening My African Food Map von Tuleka Prah

20:00-22:00, 3. Stock

Teresa María Díaz Nerio. Areíto Indestructible, Performance, Weltpremiere

Q & A Moderiert von Alanna Lockward

Juni 2

11:00-13:00, Roter Salon

SESSION II: ZEITGENÖSSISCHE MARRONAGE UND KOLLEKTIVES HEILEN

Screening Napuli's Tree. Von Yoel Díaz Vázquez,  Weltpremiere

Yoel Díaz Vázquez + Cristel Gbaguidi + Napuli Langa + Tanja Ostojić + Julia Roth

Moderiert von Robbie Shilliam
       
13:00-14:00

Quinsy Gario, Black, Basically a Genealogical Materialist Analysis, Performance, Weltpremiere
       
14:00-15:00

PAUSE
       
15:00-17:00, Roter Salon

SESSION IV: VERSKLAVUNG, GENOZID UND DIE KOLONIALITÄT DES ERINNERNS

Manuela Boatcă + Artwell Cain + Ovidiu Tichindeleanu + Patrice Naiambana

Moderiert von Walter Mignolo
       
17:00-17:15

PAUSE
       
17:15-19:00, Roter Salon

Dalida María Benfield + Jeannette Ehlers + Teresa María Díaz Nerio

Moderiert von Alanna Lockward
       
19:00-20:00

PAUSE
       
20:00-22:00, 3.Stock

Patrice Naiambana, Perception Gap, solo-digital performance. Deutschlandpremiere

Juni 3

11:00-13:00, Roter Salon

SESSION V: SPIRITUELLE BEFREIUNG UND PANAFRIKANISMUS

Screening Allen Report. Retracing Transnational African Methodism (2016) von Alanna Lockward. Weltpremiere

Moderiert von Julia Roth

13:00-13:30

PAUSE

13:30-15:00, Roter Salon

SESSION VI: FREIE WOMEN OF COLOR IN EUROPA UND ABYA YALA

Frank Dragtenstein + Sandra Abd’Allah-Alvarez Ramírez + Krudas Cubensi + Patricia Kaersenhout

Moderiert von Teresa María Díaz Nerio

15:00-16:30, Roter Salon

SESSION VII: DIE HAITANISCHE REVOLUTION ALS ÙNIVERSELLES MAROON VERMÄCHTNIS

Adler Guerrier +  Alanna Lockward  + Quinsy Gario

Moderiert von Walter Mignolo

16:30-16:45

PAUSE

16:45-18:00, Roter Salon

SESSION VIII: (DE)KOLONIALITÄT UND SKANDINAVISCHER EXZEPTIONALISMUS

Lesley-Anne Brown + Mette Moestrup + Nazila Kivi + Sasha Huber

Moderiert von Simmi Dullay

20:00-22:00, 3 Stock

Patricia Kaersenhout. A History of Grief, Performance. Weltpremiere

Q & A mit Patricia Kaersenhout

Moderiert von Dalida María Benfield

 

 

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