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Open Air: „Death for Sale“ von Faouzi Bensaidi

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Info   Eintritt: 7,50 €; Ermäßigung: 10er Karte, Kassenöffnung 30 Min. vor Beginn

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Jung sein im Maghreb. Viele junge Menschen haben hier nicht allzu viel zu verlieren, die Gesellschaft bietet ihnen wenig Perspektiven. Für den Marokkaner Faouzi Bensaïdi ('What a Wonderful World') ist dies der Ausgangspunkt eines ebenso verspielten wie lebensnahen Porträts dreier Freunde aus Tétouan, einer mittelgroßen Stadt im Norden von Marokko. Soufiane, der jüngste unter ihnen, füllt seine Tage mit kleinen Diebereien; Allal, der älteste, will sich im Drogenschmuggel behaupten; und Malik ist in Dounia verliebt, die als Prostituierte in einem Nachtclub arbeitet und Männern die Sinne verwirrt. Die drei Freunde haben einen verrückten Plan. Sie wollen ein Juweliergeschäft ausrauben, um so auf einen grünen Zweig zu kommen und sich eine Zukunft zu sichern. Wie im großen Kino wird ein minutiöser Plan ausgetüftelt. Dies sind genau die Motive, mit denen der Regisseur Faouzi Bensaïdi es liebt zu spielen. Der Marokkaner lässt den Energien seiner ungezwungenen jungen DarstellerInnen viel Raum und verschafft seiner Handlung in 'Death For Sale' immer wieder neue, explosive Wendungen. Er verzaubert mit lakonischen und zugleich wuchtigen Kinobildern.„Die Souveränität der Inszenierung, die Schönheit der Vogelperspektiven und Blickwinkel, die Schwingungen der urbanen Architekturen, eine meisterhafte Führung der Schauspieler/innen, die Poesie und der gelöste Humor, sowie die Anspielungen und Entfremdungen des Genre-Kinos machen Death for Sale zu einem echten Kino-Genuss. Was hängen bleibt ist eine schonungslose Sozialkritik und eine gleichzeitig lyrische wie auch unbarmherzige Darstellung des Unbehagens der heutigen maghrebinischen Jugend.“ Olivier Barlet, AfriculturesDie Veranstaltung findet in Kooperation mit Zitty, taz, Africiné, SEV-Magazin, Zentrum Moderner Orient, Club der Freunde von RFI, Berlin Poche, rendez-vous-cine.de, Exberliner, radio multicult.fm, Art Labour Archives, Planète Métis, ISD, AfroHeat, Contemporary& statt.

Preise (Auswahl)

  • Berlinale 2012: C.I.C.A.E.-Preis
  • Cinefan – Festival of Asian and Arab Cinema, Bester Regisseur
  • Golden Iris Award, Brussels Film Festival 2012
  • Cineuropa Preis, Brussels Film Festival, 2012
  • Moroccan National Film Festival 2012
  • Marokkanischer Oscar-Beitrag 2013

Der Regisseur zum Film
„Nach WWW – What a Wonderful World, einem verspielten und mit den Codes und Partituren des Genre-Films spielenden Film, dessen Stil sich im Innern verändert, der versucht, vom Film noir in die Burleske, in die romantische Komödie, ins Musical, den Comic und zu den verpixelten Bilder des Internets zu gleiten, hatte ich Lust, meine Genre-Erkundungen fortzuführen, gleichzeitig jedoch stärker auf die Personen und die Atmosphäre zu fokussieren. Ich orientierte mich also mehr am Klassizismus, an einer reinen Linearität des Erzählens, an frontalen, einfachen und direkten Bildern. Aber bleibt das Genre mit seinen Gesetzmäßigkeiten und Charakteren unberührt von der tieferliegenden Wahrheit einer wechselnden Aktualität, einer Welt im Umbruch? Reicht es nicht, eine Intrige und ihre Charaktere auf der Straße anzusiedeln, auf der die soziale Spannung spürbar ist, der Verlust von Bezugspunkten, das Wechseln von Identitäten, die Bedrohung des Extremismus, der dringende Wunsch nach Veränderung, ein Überlebenstrieb, der zu Egoismus und Individualismus führt, um fast unbeabsichtigt das Fass zum Überlaufen zu bringen, die Codes zu verzerren und das Genre zu «infizieren»? Glücklicherweise.“

Stimmen zum Film
„Nichts ist so, wie es scheint, jeder ist auf sich allein gestellt, selbst Liebe und Freundschaft sind verkäuflich – dass der Film nicht pessimistisch, sondern klug-nachdenklich gelungen ist, liegt daran, dass es immer eine zweite und dritte Ebene gibt, die durch filmische Mittel erzählt werden. Puzzlestück für Puzzlestück entfaltet sich die Geschichte. Kameraschwenks zeigen die andere Seite einer Szene, Übergänge von Nahaufnahmen zu Totalen erweitern den Raum und Bedeutungsebenen, am Ende steht das Bild sogar auf dem Kopf, so wie Maliks Leben sich am Ende wohl anfühlen muss. Für diese Originalität in Form und Geschichte hätte der Film den Panorama-Publikumspreis verdient!“ Christiane Lötsch, cafebabel.de

„Es ist die verzweifelte Schönheit der Illusion, die Schönheit des menschlichen Schwächen, diese poetische Lebenskraft, die in Metaphern und Flüssigkeit schöpft, die uns Faouzi Bensaïdi uns von Film zu Film anbietet, verankert im Innersten der marokkanischen Realität, sich aber gleichzeitig von ihr lösend und entfremdend, um sich vom Realismus zu entfernen und ihn mehr als Weltsicht verstehen zu können. Ebenso fesselnd wie aufwühlend ist Death for Sale zutiefst zeitgenössisch. Er zählt zu den Filmen, die sowohl im Gedächtnis als auch in der Filmgeschichte bleiben, nicht nur als Zeuge einer Epoche, sondern auch und vor allem aufgrund der Schärfe seines Blicks auf die Menschen.” Olivier Barlet, Africultures

„Für einen Pessimisten hat Faouzi Bensaidi erstaunlich gute Laune.“ Der Bund
„In einer souveränen Inszenierung greift Bensaïdi über die reine Erzählung hinaus, indem er lokale Realitäten mit archetypischen Figuren verbindet und den maghrebinischen Zeitgeist einfängt.“ Le temps
„Faouzi Bensaïdi modernisiert den film noir“ Toutlecine

„Death for Sale ist eine Gangstergeschichte voll Spannung, aber der Film ist viel mehr als das: unbedingt anschauen.“ La Gazetta

“Ein mutiger und stilisierter urbaner Thriller mit deutlich sozialem Unterton.” The Hollywood Reporter

„Death for sale ist ein überzeugendes Werk mit einer speziellen Wendung, die es ihm erlaubt, die Welt der marokkanischen Kriminalität und des jugendlichen Irrsinns zu etwas menschlichen, schmerzhaften und universellen zu machen.” Filmschoolrejects.com

„Ein Film, der die Regeln des Thrillers in Frage stellt und dem durch soziale Spannungen und erstarkedem Extremismus saturierten marokkanischen Klima Poesie einhaucht.” Aurore Engelen

Regisseur: Faouzi Bensaïdi
Faouzi Bensaïdi wurde 1967 in Meknès geboren. Nach dem Schauspielstudium am Theaterinstitut von Rabat erhielt er Rollen in zahlreichen Theaterstücken. Er setzte seine Ausbildung am Conservatoire National Supérieur d'Art Dramatique in Paris fort und inszenierte selber auch verschiedene Bühnenstücke. 1997 legte er seinen ersten Kurzfilm La falaise vor. 1999 wirkte Bensaïdi als Co-Autor für das Script von André Téchinés Film Loin, in welchem er auch selber spielte. 2000 drehte er die Kurzfilme Le mur, der in Cannes, und Trajets, der in Venedig ausgezeichnet wurde. Sein erster Langfilm Mille Mois wurde 2003 in der Sektion «Un certain regard» am Festival in Cannes gleich zweimal prämiert. 2006 folgte sein zweiter Spielfilm WWW – What a Wonderful World, der am Festival in Venedig in der Sektion «Venice Days» teilnahm. Sozusagen eine Reflexion über Elemente dieses Films, die zwar wesentlich waren, in die Endfassung jedoch nicht einflossen, also Ideen, Entwürfe, Bilder und ein Video, bildeten die Installation Man’s Worlds – World’s Men, die 2009 in Zusammenarbeit mit «l’appartement22» entstand. 2008 fand Faouzi Bensaïdi mit seinem Stück «Histoire d’amour en 12 chansons, 3 repas et 1 baiser» wieder zum Theater zurück. Death for Sale ist sein dritter Spielfilm und gewann u.a. den Prix Cinéma dArt et d'essai bei der Berlinale 2012. Als Schauspieler war Faouzi Bensaïdi im besinnlichen Roadmovie Le cheval de vent seines Landsmanns Daoud Aoulad Syad zu sehen, arbeitete an der Seite von Nabil Ayouch, Daoud Aoulad Sayed, André Techiné oder jüngst mit Nadir Mocknech.

Filmografie

  • 1998 La Falaise (The Cliff),
  • 2000 Le Mur (The Wall), Kurzfilm
  • Trajets (The Rain Line), Kurzfilm
  • 2003 Mille Mois (A Thousand Months)
  • 2006 WWW.What a Wonderful World
  • 2011 Death for Sale

Death for Sale
Marokko/ Frankreich/ Belgien, 2011
Regie: Faouzi Bensaidi
117 Min., Arabisch mit englischen Untertiteln 

Donnerstag, 14. August 2014
20:45 Uhr
Eintritt: 7,50 €
ermäßigt: 10er Karte

Freiluftkino Hasenheide

Im Volkspark Hasenheide, 12049 Berlin-Neukölln
Zugang: Hasenheide oder Karlsgartenstr.
U-Bahnanbindung: U7 Hermannplatz / U8 Boddinstraße

Karten und Auskunft
030 - 283 46 03
Kassenöffnung 30 Min. vor der Vorführung

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