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Lesung: Weltklang - Nacht der Poesie

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Info   Eintritt: 10/7 EUR

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Mit Zang Di (China), LaTasha N. Nevada Diggs (USA), Jochen Distelmeyer (Deutschland), Elena Fanailova (Russland), L-ness (Kenia), Reiner Kunze (Deutschland), Márió Z. Nemes (Ungarn), Christian Prigent (Frankreich), Lisa Robertson (Kanada)  

Moderation: Heinrich Detering (Literaturwissenschaftler und Lyriker, Deutschland)

»Weltklang – Nacht der Poesie« ist ein Panorama zeitgenössischer Dichtung. Der Auftakt des 16. poesiefestival berlin präsentiert in einem Konzert aus Stimmen und Sprachen den Reichtum internationaler Gegenwartslyrik, die Vielfalt ihrer Ansätze, Themen und Formen. Große Dichterinnen und Dichter aus allen Teilen der Welt lesen, performen und singen in ihrer Muttersprache, ohne  vorgetragene Übersetzung. Exklusiv für diesen Abend erscheint eine Anthologie mit den deutschen Fassungen der Texte zum Mitlesen.

Das Werk von Zang Di (*1964 Peking, China) verbindet auf kongeniale Weise chinesische und internationale Literatur- und Kulturtraditionen. Mit großem handwerklichen Können, assoziativer Leichtigkeit und verblüffenden Wortspielen testet er die Grenzen der Sprache aus. Seine Kombination aus nüchternem Duktus, gedanklicher Komplexität und Witz hat Zang Di in China zum Vorbild einer ganzen Generation junger Lyriker gemacht.

LaTasha N. Nevada Diggs (*1970 New York, USA) ist eine mythenschöpfende DJ-Dichterin, die in ihren Texten mehr als ein Dutzend Sprachen zu einem urbanen, babylonischen Gesang vermischt. In ihrem Band »TwERK« (der Titel ist ein Verweis auf die hohe Kunst des Booty Shakin’ im Hip-Hop) geht es um die mystische Hüfte Michael Jacksons, um reanimierte Aale und irrlichternde Baby-Moskitos. Außerdem werden in einem Gedicht über Suri Cruise überraschende Verbindungen hergestellt zwischen Björk, Alpakas und Scientology.

Jochen Distelmeyer (*1967 Bielefeld, Deutschland) hat als Sänger und Songschreiber der Band Blumfeld die Sprache der deutschen Popmusik revolutioniert. Diskurssatt und gebildet, unbürgerlich und sperrig schafft er es, unterschiedlichste Wortmaterialien zu einer hoch energetischen Dichtungssprache zu verschmelzen. »Inzwischen sind Zitate aus seinen Songs zu Gliedern der Pop-DNA geworden«, schreibt die taz. Bei Weltklang liegt der Fokus auf Distelmeyers Songs seit Ende der 90er-Jahre, die er in einem seiner seltenen Solo-Auftritte präsentiert.

Elena Fanailova (*1962 Woronesh, Russland) ist vieles zugleich: Ärztin, Radioreporterin, Philologin. Vor allem aber ist sie Russlands gegenwärtig bedeutendste Dichterin und eine der schärfsten Putin-Kritikerinnen. Ihr Werk ist geprägt von einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der wechselvollen Geschichte ihres Landes. Für sie besteht die vornehmste Aufgabe des Dichters darin, das, was die anderen nicht sagen können oder wollen, in Worte zu fassen. Ausdrücklich bewegt sie sich dabei in der Nachfolge Mandelstams.

Reiner Kunze (*1933 Oelsnitz?/?Erzgebirge, Deutschland) ist ein Meister in der Kunst des Weglassens, des »Eindickens« der Sprache durch Reduktion. 1977 siedelte er aus der DDR in die Bundesrepublik über. Schon früh war er in Opposition zum dortigen politischen System geraten. Die von der Stasi angelegte Akte über ihn trug später den Decknamen »Lyrik«. Kunzes stilbildende Dichtung ist längst Schullektüre. Er kann mit Fug und Recht als Klassiker der deutschen Gegenwartslyrik gelten.

L-ness (*1979 Nakuru, Kenia) ist eine der charismatischsten Femcees des afrikanischen Hip-Hop. Sie rappt nicht auf Swahili oder Englisch, den beiden Amtssprachen Kenias, sondern auf Sheng, einem Sprachamalgam, das in den Slums von Nairobi entstand und sich allmählich zur Verkehrssprache des Underground entwickelte. Die Kunst von L-ness, die im Zeichen des »Gal Power« steht, zeigt sich vor allem in der Direktheit und Wucht ihres Vortrags. Bei Weltklang wird sie von MC Diamondog begleitet.

Márió Z. Nemes (*1982 Ajka, Ungarn) ist ein Dichter der Monstren, Mythen und Mutationen. Sein Schaffen ist ein ebenso effektiver wie lustvoller Anschlag auf den guten Geschmack. Er bezieht seine Einflüsse aus der Rekombination scheinbar vertrauter Topoi aus Western, Horror, Film Noir, Pulp und Science Fiction. Da hausen wilde Tiere in Augäpfeln, Morphium-Koffer werden über Altarsteine verschoben, ein halbierter Kentaur raucht seine letzte Zigarette, und in der Natur schmatzt es wie in einem Eintopf.

Christian Prigent (*1945 Saint-Brieuc, Frankreich) fordert sein Publikum heraus, das gewohnte Aussehen, den bekannten Klang der Worte hinter sich zu lassen. Er ist auf der Suche nach einer »lebendigen Sprache, die ihre Besonderheit artikuliert, gegen alle Kollektivierung der Erfahrungen, des Unbewussten, der Stile«. Seit den 60er-Jahren steht Prigent mit seinen sehr unterschiedlichen Gedichten auf der Bühne. Nach wie vor – witzig, experimentell und provokant – ein Teil der dynamischen französischen Avantgarde.

Lisa Robertsons (*1961 Toronto, Kanada) Gedichte sind die perfekte Ineinssetzung von Sinnlichkeit und Abstraktion. In ihnen ist die Grenze zwischen der Klarheit eines Gedankens und der Erotik seines sprachlichen Ausdrucks aufgehoben. Robertson versteht ihr Werk immer auch als Kritik am neo-liberalen Kapitalismus von einem feministischen Standpunkt aus. Sie beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen Form, Körper und Gefühl und verbindet dabei so unterschiedliche Themenbereiche wie Genderfragen, Wettervorhersagen und Architektur.

Mit freundlicher Unterstützung durch: Auswärtiges Amt, Edition diá, The Mandala Hotel und die Botschaft von Kanada

Projektleitung: Alexander Gumz und Matthias Kniep

Karten

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