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ABGESAGT! Ken Bugul im Literaturhaus Berlin – Lesung und Diskussion

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Info   Eintritt: 5€ / 3€ erm.

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ABSAGE Ken Bugul! Heute ereilte uns die Nachricht, dass die belgische Botschaft in Dakar Ken Bugul bis dato kein Visum ausgestellt hat. Nach Anfrage teilte uns die belgische Botschaft mit, dass nun jedes Visumsgesuch über das belgische Auswärtige Amt in Brüssel laufe, und dass dies mindestens 4 Wochen dauere. Dies hatten sie Ken Bugul bei Beantragung am 25.4. jedoch nicht mitgeteilt. Bis zuletzt hoffte sie auf ihr Visum.

Mit großem Bedauern (und einigem finanziellen Schaden) müssen wir sowohl die morgige Lesung bei Zadig als auch im Literaturhaus absagen bzw. verschieben. Spätestens im Herbst (voraussichtlich November) planen wir eine größere Lesereise mit Ken Bugul. Wir halten euch hier weiterhin informiert. Deprimierte Grüße, euer AfricAvenir Team!Ken Bugul gilt als eine der international anerkanntesten senegalesischen SchriftstellerInnen der französischsprachigen Literatur der letzten Jahrzehnte. Seit mehr als 30 Jahren komponiert die Autorin mit ihren Romanen Bilder ihres Lebens und poetische Kommentare zu aktuellen Themen wie Medien, Umweltverschmutzung, Migration oder Religion. Dabei verbinden sich ihre Geschichten immer mit den sozialen und politischen Beziehungen zwischen ihrem Kontinent und dem Westen, die sie messerscharf analysiert.

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Ken Bugul und die Schauspielerin Sara Hiruth Zewde werden ausgewählte Textpassagen aus verschiedenen Romanen auf Deutsch und Französisch lesen. Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit Ken Bugul auf Englisch statt.
Moderation: Eric Van Grasdorff
In Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb), Seminar für Afrikawissenschaften der HU Berlin, Institut Français de Berlin.
„Schreiben heißt, die Sinne zu betören, und die Sinne haben keine Farben“. (Ken Bugul)
Biografie
Ken Bugul kommt als Mariétou Mbaye 1947 in einem isolierten Dorf im noch kolonisierten Senegal zur Welt. Ihr Vater ist bei ihrer Geburt 85 Jahre alt. Als Ken Bugul fünfjährig ist, verlässt die Mutter den Haushalt. Diese Erfahrung des Verlassenwerdens ist grundlegend für Ken Bugul und ein Leitmotiv in all ihren Romanen. Sie fühlt sich nicht geliebt, ist aber voller trotziger Entschlossenheit und strebt nach Freiheit. „Ken Bugul“ ist ihr selbstgewähltes Pseudonym und bedeutet auf Wolof so viel wie »niemand will sie« . Als erstes Mädchen ihrer Familie geht sie zur Schule und erhält 1971 ein Stipendium zum Studium in Belgien. Nach Jahren im Westen kehrt sie 1980 30-jährig als zerstörte Frau in den Senegal zurück, wo sie wiederum von Familie und Gesellschaft als Verrückte zurückgewiesen wird. Sie lebt mit den Ausgestoßenen und fängt aus "therapeutische Notwendigkeit" an, ihre Erfahrungen niederzuschreiben. In der Not wendet sich Ken Bugul auch an ihre Mutter und sucht Schutz in ihrem Dorf, wo sie jedoch aus Scham hinter verschlossener Tür gehalten wird. Als sich eines Tages der große Serigne (religiöser Führer) im Dorf aufhält, flüchtet sie in seinen Hof. Die Begegnung mit dem gebildeten Serigne verändert ihr Leben, eine tiefe Freundschaft entsteht, die auch dazu führt, dass der Serigne sie offiziell „zur Frau“ bzw. unter seinen Schutz nimmt, eine symbolträchtige Geste, die zur Folge hat, dass sie gesellschaftlich "reintegriert" wird. Ihr erster Roman, Die Nacht des Baobab (1981), eine gnadenlos ehrliche Abrechnung mit ihrer Zeit im Westen, macht international Furore. Es folgen „Cendre et braises“ und schließlich „Riwan“, die Verarbeitung ihrer Erfahrungen im Hof des Serigne, der mit dem Grand Prix littéraire de l'Afrique Noire ausgezeichnet wird und auf der Bestenliste Africa’s 100 Best Books der Harare Book Fair von 2000 steht.
Nach dieser „therapeutischen“ Schreibphase arbeitet Ken Bugul ab 1986 in über 30 afrikanischen Ländern für NGOs und internationale Organisationen vor allem im Rahmen von Familienplanung und Frauenrechten. Erst spät in ihrem Leben entschließt sie sich, sich vollständig der Schriftstellerei zu widmen. Inzwischen hat Ken Bugul zehn Romane veröffentlicht und einen einmaligen poetischen Prosastil entwickelt. Eine Reihe ihrer Romane zeichnen sich weiter durch autofiktionale Bezüge aus, die immer wieder auf Ken Buguls schwierige Familiengeschichte zurückverweisen, wie das ihrer Mutter gewidmete „De l’autre côté du regard“. Ken Bugul experimentiert jedoch auch mit Elementen des Kriminalromans (Rue Félix Faure), dem intermedialen Roman, in dem das Radio zu einer wichtigen Erzählinstanz wird (La folie et la mort) oder der Dystopie (La pièce d’or). Im Herbst 2016 erscheinen voraussichtlich „Riwan“ sowie „Hin und zurück“ (AfricAvenir) auf Deutsch.
2011 kehrt sie erstmals für längere Zeit nach Dakar zurück, wo sie heute hauptsächlich lebt.
Bibliographie
Le Baobab fou. NEA, Dakar 1981 (dt. Die Nacht des Baobab. Unionsverlag, Zürich, 1985. Übersetzung: Inge M. Artl)
Cendres et braises. L´Harmattan, Paris, 1994
Riwan ou le chemin de sable. Présence Africaine, Paris, 1999 (dt. Ausgabe vorauss. Herbst 2016)
La folie et la mort. Présence Africaine, Paris, 2000
De l'autre côté du regard. Le Serpent à Plumes, Paris, 2003
Rue Félix-Faure. Le Serpent à Plumes, Paris, 2003
La pièce d'or. Ubu, Paris, 2006
Mes Hommes à moi. Présence Africaine, Paris, 2008
Aller et retour. Athéna, Dakar, 2014 (dt. Ausgabe vorauss. Herbst 2016)
Cacophonies. Présence Africaine, Paris, 2014

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