Schulvorführung: "The Land Between“

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Info   Eintritt: 4 €, begleitende Lehrkräfte frei; Anmeldung: davenas@forumZFD.de

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Der Dokumentarfilm „The Land Between“ (OengU geplant) bietet einen Einblick in das Leben der afrikanischen MigrantInnen, die im Gebirge Nord-Marokkos versuchen, die hochgerüsteten und militarisierten Grenzanlagen der spanische Enklave Melilla zu überwinden, um nach Europa zu gelangen. Der australische Filmemacher David Fedele hat einen außergewöhnlichen und bisher einmaligen Einblick in die Lebenssituation dieser Migrant/innen erhalten, die in einer Art „No Man’s Land“ zwischen Marokko und Spanien gefangen sind und regelmäßig Opfer der extremen Gewalt spanischer und marokkanischer Grenzpatrouillen werden.

Der Film setzt sich von der konventionellen Berichterstattung ab, indem er sich einer Perspektive von oben herab verweigert. Die MigrantInnen als ProtagonistInnen erzählen selbst über Überlebensstrategien, ihre Hoffnungen und ihre Verzweiflung. Der Regisseur verzichtet auf Kommentare aus dem Off und lässt die Bilder der Hütten aus Planen und Stöcken, der provisorische Verpflegung mit Nahrungsmitteln und der mangelhafte medizinische Versorgung für sich selbst sprechen. David Fedele eröffnet einen sehr privaten und authentischen Einblick in die Schwierigkeiten, Leiden und Risiken der Flucht und zeigt mit welcher Gewalt Menschen konfrontiert werden, die aus verschiedensten Gründen versuchen Europa zu erreichen.

Trailer: http://vimeo.com/77953858

» Ich wollte tiefer gehen, mehr als die Oberfläche dieser Geschichte erfahren. Ich wollte wirklich verstehen, was diese Menschen antreibt. Den Grund, warum sie in dieser Situation sind. Wo sie herkommen. Ihr tägliches Leben. Ihren Traum von Europa.« David Fedele

“The Land Between” ist nicht nur ein exzellenter Film, sondern auch ein politischer Katalysator, die Zuschauer/innen wachrüttelt und Empathie in Wut verwandelt. Eine Art von Wut, die für soziale Transformation notwendig ist.” Festival of Migrant Film 2014, Ljubljana, Slovenia.

Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit N.N. statt.

Schulvorführung: "The Land Between“, Hackesche Höfe Kino
Donnerstag, 1. Dezember 2016, 10:00 Uhr
Eintritt: 4,00 € pro Schüler/in, begleitende Lehrkräfte frei
Anmeldung: davenas(at)forumZFD.de / 030-26934764

Altersempfehlung: ab 14 Jahren, oder ab 9. Jahrgangsstufe
Unterrichtsfächer: Politik, Sozialkunde, Geschichte, Ethik/Religion, Deutsch, Erdkunde
Themen: EU-Flüchtlingspolitik, Fluchtursachen, EU-Grenzen, Menschenrechte, Exklaven

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Film betrachtet die europäische Flüchtlingspolitik als vielschichtiges gesellschaftliches und politisches Drama, dessen Virulenz für niemanden mehr zu ignorieren ist. Indem Fedele einen lokalen Ausschnitt wählt, gelingt es ihm, den einzelnen Persönlichkeiten Raum zu geben und den vielfältigen Fluchtursachen Rechnung zu tragen. Diese sind mit übergeordneten historischen, politischen und ökonomischen Strukturen verbunden, die Themenbereichen verschiedenster Fachrichtungen ansprechen.

Für die sozial- und politikwissenschaftlichtlichen Fächer bietet der Film einen Einstieg in die Diskussion der EU-Grenzpolitik und deren Entwicklung im Umgang mit Migration. Nachrichten über die ungezählten Menschen, die auf ihrem Weg über das Mittelmeer den Tod finden, stellen einen unmittelbaren tagespolitischen Bezug her. Die Ängste, die neue rechte Parteien und Rhetoriken in Deutschland schüren, werden mit individuellen Geschichten der Betroffenen konfrontiert.

Die Regelungen des Schengen-Abkommens, welche für alle inner-europäischen Reisenden spürbare Vorteile durch die europäischer Integration bringt, können den Konsequenzen zunehmender europäischer Abschottung entgegenstellt und in diesem Kontext diskutiert werden. Auch ethische Fragen nach dem Geltungsbereich der Menschenrechte in Europa werden vor dem Hintergrund der gewaltvollen Behandlung von Flüchtlingen aufgeworfen.

Den Entwicklungen der europäischen Flüchtlingspolitik im post-kolonialen Zeitalter kann sich aus einer historischen Perspektive angenähert werden. Eine Thematisierung der Ursprünge in der deutschen und europäischen Kolonialgeschichte, wie sie die Protagonisten aufzeigen, können das Blickfeld der SchülerInnen erweitern und eine neue Perspektive auf die Globalisierungsprozesse des 20. Jahrhunderts ermöglichen.

Insgesamt wird hier kein Film präsentiert, der eine karge Faktenaufzählung bietet, sondern im Gegenteil eine sehr persönliche Perspektive eingenommen, die Interesse für übergeordnete Zusammenhänge weckt und Einblick in eine Lebenswelt bietet deren Realität erschreckend, packend und motivierend zugleich ist.

» Mir war es wichtig, die Menschlichkeit und die Würde der Menschen zu zeigen, die in dieser schrecklichen Umgebung leben müssen. Ich  hoffe, wenn ich ihr tägliches Leben zeige, das man sieht: Es gibt mehr Gemeinsamkeiten zwischen uns  als Unterschiede. Und dass wir die Menschenrechte durchsetzen müssen. Es ist ein Angriff auf die Menschlichkeit, der dort stattfindet.« David Fedele

»  Einige Männer sind bei diesem Versuch gestorben. Wie viele, das weiß man nicht genau. Sehr viele von ihnen haben sich schwer verletzt. Sind sogar aufs Schrecklichste zusammengeschlagen worden. Ich war am Tag, nachdem das passierte, in den Wäldern. Und sie waren damit einverstanden, sie nach diesem Versuch zu filmen. Sie wollten mit uns sprechen.« David Fedele

Preise

  • Preis des besten dokumentarischen Langfilms, FIFE Environmental Film Festival 2014 – Paris, France
  • Preis für den besten Film, International Migrant Film Festival 2014 – Ljubljana, Slovenia

The Land Between
Director: David Fedele, Dokumentarfilm, 2014, Länge: 78 Min.
Featuring: Yacou Traoré, Aicha (Aissatou) Barry
Music: "Black System" by Ismael Isaac; "Ouvrez Les Frontières" by Tiken Jah Fakoly

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