Verharmlosung von Völkermord - Neukölln plant Gedenkstein, der nicht für die Versöhnung mit Namibia geeignet ist

Gemeinsame Pressemitteilung von: Afrika-Rat, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER), Berlin Postkolonial, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund), p.art.ners berlin-windhoek, Solidaritätsdienst-international (SODI) und Werkstatt der Kulturen.

Mittwoch, 23. September 2009

Verharmlosung von Völkermord - Neukölln plant Gedenkstein, der nicht für die Versöhnung mit Namibia geeignet ist

Ein Bündnis von zivilgesellschaftlichen Gruppen kritisiert den Text eines Gedenksteins für die Opfer der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia, der am 2. Oktober (14 Uhr) von der Bezirksverordnetenversammlung und dem Bezirksamt Berlin-Neukölln enthüllt wird. In Namibia verübten deutsche Truppen im Rahmen eines Kolonialkriegs zwischen 1904 und 1908 den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Auf dem Garnisonsfriedhof in Neukölln steht seit Jahrzehnten der so genannte Afrikastein, der an sieben gefallene Soldaten der deutschen „Schutztruppe“ in Namibia erinnert. Zivilgesellschaftliche Gruppen hatten schon 2004 gefordert, dort endlich der namibischen Opfer des Völkermords zu gedenken. Doch der nun angefertigte Gedenkstein, der neben dem bereits vorhandenen platziert werden soll, spricht lediglich vom „Kolonialkrieg“ in Namibia und verschweigt den deutschen Genozid.

„Das ist eine nicht hinnehmbare Verharmlosung von Völkermord“, sagt Armin Massing vom Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag. „Die Grundlage für Versöhnung mit Namibia ist, die von Deutschen begangenen Taten in ihrer Grausamkeit zu benennen und anzuerkennen.“ Stattdessen wird aus Angst vor möglichen Entschädigungsforderungen der Begriff „Völkermord“ vermieden.

„Dies ist ein Vorgehen, das bei weißen Opfern schwer vorstellbar ist“, sagt Israel Kaunatjike, in Berlin lebender Herero-Vertreter. „Uns ärgert, dass weder der Völkermord benannt wird noch die Opfergruppen. Zudem ist es vollkommen unverständlich, warum keine Vertreter von Herero und Nama aus Namibia zur Enthüllung eingeladen worden sind. Es ist wie in der Kolonialzeit: Es wird über uns gesprochen, nicht mit uns“, so Kaunatjike.

Im Genozid ermordeten die deutschen Truppen über 80.000 Menschen. Sie wurden erschossen, in die Wüste getrieben, wo sie verdursteten, oder in „Konzentrationslagern“ durch Zwangsarbeit und miserable Lebensbedingungen getötet. 80 Prozent der Herero und die Hälfte der Nama wurden umgebracht.

„Dass ausgerechnet in der Hauptstadt des deutschen Kolonialismus, in Berlin, eine solche Verharmlosung in Stein gemeißelt wird, ist skandalös“, sagt Joshua Kwesi Aikins von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Dass es auch anders geht, zeige Bremen, wo seit August eine Gedenktafel an die „Opfer des Völkermords in Namibia“ erinnert.

„Wir wollten unsere Impulse für Versöhnung in einer Ansprache bei der offiziellen Feierstunde am 2. Oktober vorbringen, doch das Bezirksamt hat dies entgegen früherer Zusagen abgelehnt“, sagt Armin Massing. „So wird eine zivilgesellschaftliche Initiative und eine nötige gesamtgesellschaftliche Debatte in Staatsräson erstickt.“

Presseeinladung des Bündnisses: 2. Oktober, 13:45 Uhr, Eingang Garnisonsfriedhof, Columbiadamm 122-140

Pressekontakt: Armin Massing (BER): 030-498 55 380, beratung(at)ber-ev.de

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Armin Massing
Beratungsstelle
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag e.V.

Greifswalder Straße 4
10405 Berlin

Fon 030-49 85 53 80
Fax 030-49 85 53 81
E-Mail: beratung@ber-ev.de
Web: www.ber-ev.de

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