Filmreihe "Siehst du mich?": "Adwa - Ein afrikanischer Sieg" von Haile Gerima am 2.10.2010, 17 Uhr

adwa ein afrikanischer sieg

Im Rahmen von "Siehst du mich? Eine Filmreihe zu 50 Jahren afrikanische Un-Abhängigkeiten" präsentiert AfricAvenir am Samstag, 2. Oktober 2010 um 17 Uhr den Dokumentarfilm "Adwa - Ein afrikanischer Sieg" von Haile Gerima im Hackesche Höfe Kino. Aus bewusst afrikanischer Perspektive arbeitet Gerima die beispielhafte Bedeutung des äthiopischen Siegs gegen die Italiener als Symbol des afrikanischen Widerstandes heraus und schafft damit ein Gegengewicht zur vorherrschenden eurozentrierten Interpretation der Kolonialisierung.

Adwa – An African Victory
R: Haile Gerima, Äthiopien 1999, 93 Min., Amharisch/Englisch mit dt. UT


Synopsis
Adwa 1896: siegessicher marschiert die italienische Armee in Äthiopien ein, mit dem Ziel, das Land als Kolonie zu beherrschen. Jedoch rechnen sie nicht mit der enormen Widerstandskraft der äthiopischen Partisanen. Kaiser Menelik und Kaiserin Taitu rekrutieren sämtliche lokale Gruppen des Landes und stellen eine beeindruckende Armee von 150.000 Soldaten zusammen. Überwiegend mit Speeren und Messern bewaffnet, dafür aber mit ausgezeichneter militärischen Strategen, gelingt es dieser Volksarmee den logistisch überlegenen Angreifer zum Rückzug zu zwingen.

Der Sieg der Äthiopier in Adwa hat nicht nur ihr eigenes Nationalbewusstsein nachhaltig geprägt, sondern er markiert zugleich einen Wendepunkt in der Geschichte der Kolonialisierung des ganzen Kontinentes. Aus bewusst afrikanischer Perspektive arbeitet Gerima die beispielhafte Bedeutung dieser Schlacht als Symbol des Widerstandes und der Souveränität heraus und schafft damit ein Gegengewicht zur vorherrschenden eurozentrierten Interpretation der Kolonialisierung. Gerimas Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Reichtum und der Vielfalt des visuellen und akustischen Gedächtnisses des äthiopischen Volkes. Von Generation zu Generation wird die Erinnerung an die Schlacht und den Triumph über Italien wach gehalten und überliefert – in Erzählungen, Kirchen-, Volks- und Militärliedern, in historischen Theaterstücken und in der Malerei.

Pressestimmen
Adwa – Ein afrikanischer Sieg nimmt den Zuschauer mit durch einen beeindruckenden Initiationsritus, der Afrikaner/innen auf dem Kontinent und in der Diaspora mit den frühen Begründern der panafrikanischen Bewegung verbindet. (Sankofa)

Die echte Kraft von „Adwa – Ein afrikanischer Sieg“ kommt durch die Worte der Alten und Jungen, die durch 100 Jahre orale Überlieferung vom militärischen Sieg Äthiopiens erfahren haben. (Washington Post)

Haile Gerimas “Adwa” ist qualitative hochwertig, künstlerisch gründlich, historisch relevant (...) und unterhaltsam. (...) Er macht keinen Hehl daraus, dass er sich sein Wissen über die Zeit auf dem Schoss seines Vaters sitzend angeeignet hat. Um die Lücken zu füllen interviewt er den berühmten äthiopischen Historiker Ato Gebre-Tsadik Mokria, einige männliche azawunts und Ato Indreas Ishete, einer von Äthiopiens ersten westlich ausgebildeten Philosophen. (...) Ja, ich bin mir sicher, dass wir alle von dem Sieg Äthiopens über das faschistische Italien wussten, doch jetzt können wir Gesichter und Namen der Helden und Schurken der Schlacht um Adwa zuordnen. (Lillu Tesfa, Review)


Haile Gerima
Halie Gerima, geboren 1946 in Gondar in Äthiopien, wurde früh von seinem Vater, einem Schauspieler und Dramaturg inspiriert und entwickelte ein lebhaftes Interesse fürs Theater. 1968 wanderte er in die USA aus und schrieb sich zunächst in die Schauspielschule an der Goodman School of Drama in Chicago ein. Zwei Jahre später entdeckte er die Macht des Kinos, woraufhin er sich für Film an der University of California einschrieb und seinen Masters abschloss. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon vier Filme gemacht: Hour Glass (1972); Child of Resistance (1972); Bush Mama (1976) und Mirt Sost Shi Amit (Harvest: 3,000 Years; 1976). Am UCLA wurde er Mitglied bei der Los Angeles School of Black filmmakers, zusammen mit weiteren preisgekrönten Filmemacher/innen wie Charles Burnett ("Killer of Sheep"), Jamaa Fanaka ("Penitentiary"), Ben Caldwell ("I and I"), und Julie Dash (Daughters of the Dust). Gerima gibt als seine frühen Einflüsse die Werke von Vittorio de Sica, Fernando Solanas, Tomás Gutiérrez Alea und Med Hondo an. Gerimas selbst nutzt das Medium Film als politische Waffe und als Katalysator, um den sozialen Wandel zu verstehen.

Gerimas bekanntestes Werk ist der Film „Sankofa“. Dieses historische Drama ist inspiriert vom afrikanischen Widerstand gegen die Maafa (transatlatischer Sklavenhandel) und hat zahlreiche internationale Preise gewonnen. 1994 dreht er einen, von der BBC beauftragten Dokumentarfilm über die politischen und psychologischen Folgen der repressiven Mengistu Haile Mariam Regime. 1999 folgt „Adwa – Ein afrikanischer sieg“ und 2008, fast zehn Jahre danach, „Teza“, seinem neuesten Film über Hoffnung und Desillusionierung, über Fremdheit und Vaterland, indem er einen ebenso schonungslosen Blick auf den Westen und dessen rassistische (Alltags-)Gewalt wirft, wie auf seine eigene Generation, der er vorwirft, sich nicht ausreichend den autoritären Tendenzen widersetzt zu haben.

Gerima sieht sich selbst als ein unabhängiger Filmemacher der „Dritten Welt“. Bereits 1984 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Sirikiana Aina eine eigene Produktions- und Distributionsfirma „Mypheduh Films Inc.“. Als unabhängiger Filmemacher hat er es nie geschafft, ein Mainstream Publikum zu erreichen, eine Tatsache, die er so kommentiert: „Jeder Hollywood-Geschichte ist eurozentrisch und wenn es mal eine nicht ist, wird sie ganz einfach nicht beachtet werden. Daher wollte ich nie Teil dieser Industrie sein, die grundlegend dabei versagt, die Welt so zu repräsentieren wie sie tatsächlich ist.“

Trotz vieler Schwierigkeiten und Hindernisse in einer brutalen Industrie, hat es Gerima geschafft, sich als eine der potentesten Außenseiterstimmen in der Filmgeschichte zu etablieren.

Filmographie (Auswahl)

  • 1972 - Hour Glass Hour Glass
  • 1972 - Child of Resistance
  • 1976 - Bush Mama
  • 1976 - Mirt Sost Shi Amit (also known as Harvest: 3,000 Years)
  • 1978 - Wilmington 10 -- U.S.A. 10,000
  • 1982 - Ashes and Embers
  • 1985 - After Winter: Sterling Brown
  • 1993 - Sankofa
  • 1994 - Imperfect Journey
  • 1999 - Adwa - An African Victory
  • 2009 - Teza

Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Hackesche Höfe Filmtheater und Toucouleur e.V. und mit Förderung durch die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin sowie von InWent aus Mitteln des BMZ.

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