Tanzfestival: Border Border Express - 7.-12. Juni 2011

Als Medienpartner präsentiert AfricAvenir das von Moussa Sawadogo kuratierte zeitgenössischer Tanzfestival "Border Border Express" im HAU. Hat sich der Blick der Europäer auf die Afrikaner seit Frantz Fanons Essay "Schwarze Haut, weiße Masken" aus dem Jahr 1952 verändert? In seiner Studie über Rassismus und Kolonialismus untersuchte der auf der Karibik-Insel Martinique geborene Psychiater den Effekt der Unterdrückung auf die Selbstwahrnehmung der Kolonialisierten. Diese müssten, so Fanon, als "schwarze Personen" eine "weiße Maske" tragen, um in einer kolonialisierten Welt bestehen zu können. Schwarze Tänzer erfahren dies noch heute am eigenen Leib. Denn der europäische Blick auf ihre Körper ist von Klischees und Phantasievorstellungen geprägt. Diese mögen sich zwar mit der Zeit verändert haben, aber "entkolonialisiert" ist der westliche Blick auf den afrikanischen Tanz noch lange nicht. Das Festival "Border Border Express" nimmt diese Situation zum Ausgangspunkt für eine kompakte Bestandsaufnahme des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes.

Das Festival

Eröffnet wird das Festival am 07. Juni 2011 mit dem Erfolgsstück "Empreintes" (Abdrücke) des Nachwuchschoreografen DeLaVallet Bidiefono mit seiner Compagnie Baninga aus dem Kongo. Im Anschluss zeigen Vertreter der so genannten zweiten Generation von afrikanischen Tänzerchoreografen wie Salia Sanou und Seydou Boro aus Burkina Faso, Opiyo Okach aus Kenia und Nelisiwe Xaba aus Südafrika halbstündige Soli und Duette, die formal und inhaltlich kaum unterschiedlicher sein könnten. Ergänzt wird das Programm durch Konzerte, einen Dokumentarfilm und eine Fotoausstellung im Institut Français mit Tanzfotos von Antoine Tempé.

Karten
tickets(at)hebbel-am-ufer.de
TELEFON 030 259004 27

HAU 1
Sanou/Okach  18 €, - und 11 €, - ,  erm.  7 €, -   Steuer  9 €

Nelisiwe
(Stage on Stage) 11 € , - ,  erm. und Steuer  7 €

HAU 2
Baninga 11 €, - , erm. 7 €, -  Steuer  7 €

Seydou Boro 
11 € ,- ,  erm. 7 €, - , Steuer 7 €

Film             
5 € ,-   Einheitspreis

Die Berliner Tanzcard-Besitzer bekommen  z.B. eine  18 €, - Euro-Karte zu  15 €
Euro und eine 11 €, - Euro-Karte  dann zu  9 €    u.ä.

HEBBEL AM UFER – HAU 1: Stresemannstr. 29 / 10963 Berlin
HEBBEL AM UFER – HAU 2: Hallesches Ufer 32 / 10963 Berlin

Compagnie Baninga/DeLaVallet Bidiefono (Kongo): "Empreintes/On posera les mots après" (55 Min)

DeLaVallet Bidiefono und seine Compagnie Baninga machten zum ersten Mal 2008 während der Rencontres Chorégraphiques de l'Afrique et de l'Océan Indien in Tunis auf sich aufmerksam. Ihr stimmungsgeladenes Stück "Empreintes/On posera le mots après" spielt in der nächtlichen Atmosphäre von Brazzaville und gibt den kongolesischen Jugendlichen, die im Bürgerkrieg aufgewachsen sind, eine Stimme. Sie haben das Bedürfnis, ihr Leben trotz des erfahrenen Leids in den Griff zu bekommen, etwas Prägendes zu tun, Spuren zu hinterlassen, um dem Leben einen Sinn zu geben. Dafür muss nicht geredet, sondern gehandelt werden.

Compagnie Baninga/DeLaVallet Bidiefono (Kongo)
DeLaVallet, geboren in Pointe-Noire in der Republik Kongo, gehört zu den aufstrebenden Tänzern in Kongo-Brazzaville und in Afrika insgesamt. Er arbeitet mit zahlreichen afrikanischen und europäischen Tänzern und Choreographen zusammen und lässt sich für seine Arbeit von den unterschiedlichsten Einflüssen inspirieren. DeLaVallet und seine Kompagnie machten im Mai 2008 auf sich aufmerksam, beim Wettbewerb Danse l'Afrique Danse während der Rencontres Chorégraphiques de l'Afrique et de l'Océan Indien in Tunis.

HAU2
Di., 07.06. 19.00 Uhr
Mi., 08.06. 20.00 Uhr

Salia Sanou/Compagnie Salia Nï Seydou (Burkina Faso) "Dambë" (45 Min)

In seinem intimen Solo "Dambë" zeichnet Salia Sanou die Atmosphäre seines Geburtsortes Léguéma nach, von wo er Steine mitgebracht und auf der Bühne verteilt hat. Zu den Klängen von Kalebassen, Vogelgezwitscher und Frauenstimmen, zu den Geräuschen von Schrotthändlern und Scherenschleifern sowie von Rasseln der Kinder spürt Salia Sanou den Sinneseindrücken seiner Kindheit nach. Begleitet und angetrieben wird er dabei von der Stimme der Sängerin Maaté Keita.

Salia Sanou/Compagnie Salia Nï Seydou
Der in Burkina Faso geborene Salia Sanou, eine der Galionsfiguren des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, verbindet in seiner Kunst Tradition mit Weltoffenheit.

Er lernte und entwickelte seinen Tanz in verschiedenen afrikanischen Tanzschulen, bevor er 1993 Mitglied der Compagnie Mathilde Monnier in Montpellier wurde und mit seinen Auftritten in Stücken wie "Pour Antigone" und "Allitérations" auffiel. Gemeinsam mit dem Choreographen Seydou Boro entwickelte er das Stück "Le siècle des fous" und gründete Ende der 90er Jahre die Tanzkompanie Salia Nï Seydou.

Das Duo will mit den exotischen Klischees über afrikanische Tänzer aufräumen und schafft beeindruckende Choreographien, die als künstlerische Experimentierstätten konzipiert sind. Besondere Beachtung fanden die Stücke "Fignito, l'oeil troué", eine Auseinandersetzung mit dem modernen Menschen, und "Taagalà, le voyageur". Als Solotänzer holt Salia Sanou viele andere Künstler zu sich auf die Bühne, darunter die Sängerin Maaté Keita für das Stück Dambé.

HAU1
Di., 07.06. 20.30 Uhr

Opiyo Okach (Kenia) "Border Border Express" (35 Min)

Opiyo Okach war künstlerischer Leiter der ersten kenianischen Kompanie für zeitgenössischen Tanz und zählt zu den Pionieren der zweiten Generation afrikanischer Choreographen. Sein Duett "Border Border Express" mit dem Musiker Alejandro Olarte spielt in Busia an der Grenze zwischen Kenia und Uganda. Dort überqueren jeden Tag hunderte von Händlern auf Fahrrädern die Grenze, um ihre Waren auf die andere Seite zu transportieren.

Opiyo Okach
Opiyo Okach absolvierte eine Schauspielausbildung an der Desmond Jones School of Mime and Physical Theatre in London. Nach seiner Rückkehr nach Kenia 1995 orientierte er sich jedoch zum Tanz und befasste sich ausgiebig mit Ausdrucksformen und afrikanischen Riten. Okach ist bekannt für seine Improvisationen, die Subtilität und Einfachheit seiner Bewegungen und für seine Eleganz. Sein Tanz basiert auf den Traditionen Ostafrikas, die er neu interpretiert und in moderne Werke verwandelt, die ein lokales wie internationales Publikum gleichermaßen faszinieren. Okach zählt zu den Pionieren der neuen Generation afrikanischer Choreographen. Er wurde 1998 bei den Rencontres Chorégraphiques Africaines für das Stück "Cleansing" ausgezeichnet.

HAU1
Di., 07.06. 20.30 Uhr

Nelisiwe Xaba (Südafrika): "Sakhozi says NON to the Venus " UND" They look at me and that's all they think"

Im Zentrum von Nelisiwe Xabas Soli steht die 1789 geborene Sarah Baartman, die so genannte südafrikanische "Hottentotten-Venus". 1810 wurde sie von einem englischen Schiffsarzt nach London gebracht und dort wegen ihrer ausgeprägten Geschlechtsmerkmale als Kuriosität zur Schau gestellt. Baartman gilt als Symbol für die Unterdrückung afrikanischer Frauen durch die Kolonialherren und dient Xaba als Allegorie für ihre eigene Reise von Soweto in die eurozentrische Kunstwelt samt des dazugehörigen exotisierenden Voyeurismus.

Nelisiwe Xaba
Die in Soweto geborene Südafrikanerin begann ihre Tanzkarriere in Johannesburg und entwickelte sie an der Londoner Rambert School weiter. Sie arbeitete eng mit der südafrikanischen Star-Choreographin Robyn Orlin zusammen. Aber erst als Solotänzerin zeigt sie ihr wahres Können und überrascht mit ihrem Einfallsreichtum, ob beim ironischen Spitzentanz oder in einem Kleid aus karierten Plastiktüten. Ihre beiden Solos "Sakhozi says NON to the Venus" und "They look at me and that's all they think" betrachten die Gesellschaft kritisch und amüsiert zugleich und relativieren zahlreiche Klischees über den afrikanischen Körper. Seit Kurzem engagiert sich Nelisiwe Xaba in der Ausbildung junger afrikanischer Tänzer.

Choreographie und Tanz: Nelisiwe Xaba
Mit Unterstützung des Musée du quai Branly und ifas

HAU1
Fr., 10.06. 19.30 Uhr

"Movement (R)evolution Africa (a story of an art form in four acts)" (65 Min) Film von Joan Frosch und Alla Kovgan (USA 2007)

Der Dokumentarfilm "Movement (R)evolution Africa" präsentiert neun afrikanische Choreografen und mit ihnen ein sehr differenziertes Bild der zeitgenössischen afrikanischen Tanzszene. Porträtiert werden u.a. die Compagnie Kongo Ba Téria (Burkina Faso), Faustin Linyekula/Studios Kabako (Kongo), die Compagnie Rary (Madagaskar), Sello Pesa (Südafrika), Compagnie TchéTché (Elfenbeinküste), Compagnie Raiz di Polon (Kapverden), Compagnie Jant Bi (Senegal) und Nora Chipaumire (Zimbabwe).

Foyer HAU2
Sa., 11.06. 20.00 Uhr

Seydou Boro/Compagnie Salia Nï Seydou (Burkina Faso) "Concert d'un homme décousu" (60 Min)

Wie der Titel andeutet, ist Seydou Boros Solo "Concert d'un homme décousu" ein Konzert für einen innerlich zerrissenen Mann. Begleitet von fünf Musikern tanzt sich Boro durch die Komplexität einer menschlichen Persönlichkeit. Dabei steht jedes Instrument für eine bestimmte Eigenschaft: die Bassgitarre für Solidität, die Sologitarre für Instabilität, das Tamani für den Zweifel, die Kalebasse für die Anforderung, die Stimme für die Inkarnation des Menschen.
 
Choreographie, Musik und Tanz : Seydou Boro

HAU2
So., 12.06. 20.00 Uhr

Anschl. Konzert mit Musikern der Compagnie Salia Nï Seydou im WAU

Ausstellung: "Tänzer aus Afrika" Tanzfotos von Antoine Tempé (Frankreich) - 05.05. bis 22.06.2011

Seit zehn Jahren folgt Antoine Tempé den großen zeitgenössischen afrikanischen Tänzern, nähert sich ihren Körpern und Gesichtern, um ihre Lebenskraft zu erforschen, und um die einzigartige Energie zu schaffen, die in diesen Fotografien steckt.
 
Die Art, seinen Körper in einen begrenzten Raum einzufügen, der Wunsch, abzuheben oder in sich zusammenzufallen, eine bestimmte Art, sein Gesicht zu berühren, eine schlichte Grimasse, das Zucken einer Schulter machen für uns einen ganz besonderen Reiz aus, eine unüberlegte Bewegung, die mit den einfachsten, winzigsten, intimsten Gesten die kulturelle Ausformung des Körpers zeigt.
 
Die mitten in der Bewegung überraschten Tänzer auf den Bildern von Antoine Tempé zeigen uns mit bloßem Auge das Ungreifbare, die Momente der unsichtbaren Würde, die, wenn man sie nicht einfinge, niemals sichtbar würden. Vor dem Fotografen, der den Lauf der Zeit aufhält, und in der Intimität des Studios entblößt sich jede oder jeder und zeigt mit kleinen Gesten und Blicken ein wenig von sich selbst. In dieser Serie getanzter Porträts wird das heutige Afrika sichtbar. Wie ein Alphabet der Körper und Seelen, in einem freien Universum der Stereotype, zeigt es sich in einem modernen und aktuellen Licht, ohne seine Wurzeln zu vergessen.

im Institut Français
Eintritt frei

Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin, Tel.: 030 885 902 0
Haltestelle: U1 Uhlandstraße,

Vernissage: Do., 05.05. 18.00 Uhr in Anwesenheit von AntoineTempé und Moussa Sawadogo
Finissage: Mi., 06.06. in Anwesenheit von AntoineTempé, Choreografen und Tänzern

In Kooperation mit:

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