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Der Preis der Unbestechlichkeit - Thomas Sankara, Freiheitsmythos in Afrika

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InfoEintritt frei

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Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, ist wieder Thema in den internationalen Medien, seitdem Ende Oktober 2014 ein Aufstand der Bevölkerung den Langzeitdiktator Blaise Compaoré aus dem Land trieb. Mitte September 2015, kurz vor den geplanten Wahlen, wurde ein Militärputsch niedergeschlagen. Am 15./16. Januar 2016 töteten Islamisten im Zentrum der Hauptstadt Ouagadougou 29 Menschen, verletzten viele. Der Terror ist ein neues Phänomen in Burkina Faso. Ausweitung der IS-Kampfzone.

Das Feature erzählt von einer Zeit der Hoffnung, die mit einem Brudermord endet: Am 4. August 1983 befreit Hauptmann Blaise Compaoré den 33jährigen Oberst Thomas Sankara aus der Haft. Schon am Mittag siegt ihre Revolution. Neuer Präsident der ehemaligen französischen Kolonie Obervolta wird der Fallschirmspringer, Rock-Gitarrist, Fußballspieler und Motorradfahrer Thomas Sankara. Der phantasievolle Charismatiker ist gerüstet mit Bibel, Koran und Lenins Schriften, für alles, was er tut, mit natürlicher Leidenschaft begabt. Seine Parolen aus dem Reservoir der revolutionären Rhetorik zünden: „Lasst uns wagen, die Zukunft zu erfinden!“, „Auf die eigene Kraft vertrauen!“, „Dem Volk Freiheit und Würde geben!“, „Vaterland oder Tod!“.

Er gibt dem Land neuen Stolz und einen neuen Namen: Burkina Faso, Land der Unbestechlichen. Persönlich bleibt er unbestechlich bis zum Schluss, so tatkräftig wie glaubwürdig; ein Visionär der Freiheit, der früh schon die ökologische Bedrohung und die Verwerfungen der Globalisierung erkennt. Sein selbstbewusster Anspruch, mit den ehemaligen Kolonialherren und der Weltbank auf Augenhöhe umzugehen, macht ihn dort verhasst. Thomas Sankara scheitert zwischen den Fronten des Kalten Krieges. Am 15. Oktober 1987 wird er umgebracht. Ein Brudermord. Auf den T-shirts der afrikanischen Jugend lebt Thomas Sankara als Polit-Ikone, nicht als Märtyrer, sondern als Mythos der Befreiung. Blaise Compaoré hält sich nach dem Mord 31 Jahre an der Macht.

Aufstand für die Demokratie
Gerhardt Haag, Leiter des Theaters im Bauturm – Freies Schauspiel Köln; Initiator und künstlerischer Leiter des africologne FESTIVALs für Theater, Tanz und Performance aus afrikanischen Ländern, erlebte in Ouagadougou unmittelbar die Tage des Aufstands im Oktober 2014 gegen Blaise Compaoré und den Sturz des Autokraten. Darüber berichtet er mit Videoausschnitten und Fotos. Er informiert über die Entwicklung des Landes, die Bedrohungen der noch jungen, instabilen Demokratie durch islamistischen Terror und die Kräfte des alten Regimes. Immer noch kämpft Blaise Compaoré im ivorischen Exil um die Macht. Man traut ihm alles zu.

Ausstellung: Felix Droese – CAIN/7 Holzdrucke über den Gründungsmord

Brudermord: Ein Feature von Tita Gaehme

Regie: Roland Schäfer

Eine Produktion des Deutschlandfunks

Redaktion: Hermann Theissen

 

 

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