Premiere: „Ein afrikanischer Blick auf Afrika – Kurzfilme von Afrikas Top Regisseuren“, am 22. April 2012, 17.00 Uhr

Am Sonntag, 22. April 2012 um 17 Uhr lädt AfricAvenir in Kooperation mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD)Adefra - Schwarze Frauen in Deutschland, Jozi.tvLoNam, AFROTAK TV cyberNomads und Planète Métisse zur Premiere der Kurzfilmreihe „L’Afrique vue par… – Ein afrikanischer Blick auf Afrika“ ins Hackesche Höfe Kino ein. Von Blood Diamond bis Machine Gun Preacher – die Mainstream Filme über Afrika werden von Weißen Regisseuren gemacht, mit Weißen Hauptdarstellern, die Afrikas angeblich ausschließlich selbst verursachte Probleme lösen. Welches Gegenmittel könnte besser sein, als “L’Afrique vue par...”, eine Zusammenstellung von 10 Kurzfilmen von einigen der anerkanntesten afrikanischen Filmemacher/innen? Afrika ist ein Baum mit vielen Ästen, sagt Sotigui Kouyaté in seiner letzten Rolle. Keiner der Filme kann den ganzen Baum repräsentieren, doch diese filmische Collage schafft es, Afrikas großartige kulturelle und kreative Vielfalt anzudeuten. 

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit dem Filmkritiker und –wissenschaftler Enoka Ayemba und ein kleiner Empfang im Kino-Foyer statt. 

Synopsis
Rachid Boucharebs ‘Exhibition’ erzählt anhand von Archivbildern von den sog. „Eingeborenendörfern“, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den westlichen Hauptstädten aufgebaut wurden. Afrikaner, Asiaten und First Nation Amerikaner wurden gezwungen, ihre traditionellen Kulturen und Techniken dort zur Belustigung der Europäer vorzuführen. Diese menschlichen Zoos waren ein wichtiges Instrument, um den Mythos der Überlegenheit Europas zu konstruieren und den Kolonialismus zu legitimieren. Das Aufkommen des Kinos Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die langsame Abschaffung dieser wandernden Ausstellungsdörfer zur Folge, die Haltung in der Darstellung europäischer Menschen und Kulturen in den modernen Medien hat sich jedoch bis heute kaum geändert.

Nouri Bouzids ‘Restless Wandering’ spielt in Tunesien, mit dem legendären Sotigui Kouyaté in seiner wohl letzten Rolle als alter Griot, der seine Weisheit mit tunesischen Kindern teilt. Diese harmonische Szene wird harsch unterbrochen durch die Ankunft eines tunesischen Beamten, der den alten Griot festnehmen will, da er dessen Losgelöstheit von materiellen Gütern und von jeglicher Nationalität nicht versteht.

Flora Gomes ‘Footprint Of All Times’ ist ein visuelles Fest der Sinne und erzählt von der traditionellen Art des Webens und des Kleidermachens. 

In Balufu Bakupa-Kayindas „Nous aussi on a marché sur la lune“ erleben ein Lehrer, ein Arzt und ein Künstler 1969 im Kongo die erste Mondlandung auf je ihre spezifische Weise. Der Künstler beschließt, dass er selbst auf dem Mond laufen wird. 

Sol de Carvalho behandelt das Thema „Kindersoldaten“, während Teddy Matteras ‘Telegraph Pole’ die langfristigen Auswirkungen von Krieg, Verlust und körperlichen Verletzungen auf einen entlassenen Soldat zeigt, auch wenn dessen Familie seine Rückkehr für ihn so herzlich wie möglich gestaltet.

Mama Keita’s ‘One More Vote For Obama’ fängt die Euphorie von vielen Kenianern während der letzten US-Präsidentschaftswahlen ein. Der Film ist ein Slapstick über den haarsträubenden Plan zweier junger Männer, durch den Sieg bei einem Marathon an eine Green-Card zu kommen. 

Bei Abderahmane Sissakos „An angry woman“ und Zeze Gamboas „Bom dia Africa“ geht es um die exponentiell steigende Nutzung von Handys und deren vermehrtem Diebstahl.

Gaston Kabores ‘2000 Generations of Africa’ rundet die Auswahl ab mit einem klaren Aufruf an die junge afrikanische Generation, selbst Bilder über ihren Kontinent zu produzieren und sich damit ihr Selbstbild wieder anzueignen. 

Die Filme

  • Exhibitions, Rachid BOUCHAREB (Algerien)
  • Errance, Nouri BOUZID (Tunesien)
  • A pegadas de todos os tempos, Flora GOMES (Guinea Bissau)
  • Nous aussi nous avons marché sur la lune, Balufu BAKUPA KANYINDA (Dem. Republik Kongo)
  • Coquillage (O'Buzio), Sol de CARVALHO (Mozambik)
  • Telegraph to the sky, Teddy MATTERA (Südafrika)
  • Bom dia Africa (Bonjour Afrique), Zeze GAMBOA (Angola)
  • One more vote for B. Obama, Mama KEÏTA (Guinea)
  • Une femme fâchée, Abderahmane SISSAKO (Mauritanien/ Mali)
  • 2000 génération d'Afrique, Gaston KABORE (Burkina Faso)

Die Regisseure
Rachid Bouchareb
 wurde in Frankreich geboren und besuchte die Filmakademie in Paris. Nach mehreren Kurzfilmen drehte er 1985 “Bâton Rouge” (1985), der verschiedenen Generationen von Migranten zu Wort kommen lässt. 1991 wurde „Cheb“ aka „Flucht aus Afrika“ mehrfach ausgezeichnet u.a. in Cannes und fünf Jahre später „Dust of Life“ als Bester Ausländischer Film für die Oscars nominiert. „Little Senegal“ mit Sotigui Kouyaté in der Rolle des pensionierten Hüters des Haus der Sklaven auf Gorée, der sich auf die Suche nach seiner deportierten Familie in den USA macht, war sein erster Kassenerfolg in Frankreich. 2006 folgte der weltweite Erfolgsfilm „Indigènes – Days of Glory“ über den wesentlichen Beitrag maghrebinischer Soldaten bei der Befreiung Frankreichs. In Cannes erhielten die drei Hauptdarsteller kollektiv den Preis als Beste Schauspieler, der Film gewann den César als Bester Film und wurde für die Oscars nominiert. „London River“ (wiederum mit Sotigui Kouyaté) ist ein kluger, trauriger, sehr moralischer und zugleich zärtlicher Film über zwei Eltern, die nach den Bombenattentaten in London nach ihren Kindern suchen. „Hors la loi – Outside the Law“ ist der zweite Teil einer Trilogie über die vom Kolonialismus belasteten Beziehungen zwischen Nordafrika und Frankreich. Derzeit dreht er „Just Like a Woman”, der Beginn einer neuen losen Trilogie über die die Beziehungen zwischen den USA und der Arabischen Welt.

Nouri Bouzid wurde 1946 in Sfax, Tunesien, geboren. Nach einem Regiestudium am INSAS (Institut National Superieur des Arts du Spectacle) in Brüssel arbeitete er als Volontär beim tunesischen Fernsehen, danach als Assistent u.a. bei Steven Spielberg und Abdellatif Ben Ammar. Von 1973-79 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der oppositionellen Gruppe Perspectives inhaftiert. Mit „L’homme de cendres“ (Mann aus Asche), seinem ersten Langfilm, sorgte er für einen Skandal in Tunesien und macht international auf sein Talent aufmerksam. Nouri Bouzid zählt seither zu den profiliertesten Regisseuren Tunesiens. Anlässlich der Jasmin-Revolution zeigte AfricAvenir seinen Film „Making of – Kamikaze“.

Der 1949 in Cadique, Guinea-Bissau geborene Regisseur Flora Gomes, der im Oktober 2002 in Dakar mit einem hoch dotierten Stipendium für sein bisheriges Schaffen ausgezeichnet wurde, studierte ab 1972 Film an der ICAIC (Instituto Cubano de Arte e Industria Cinematográficos) in Havanna, Kuba, und anschließend im Senegal bei Paulin Soumanou Vieyra. Er lernte Sembène Ousmane und seine Arbeit kennen und wurde von ihr maßgeblich beeinflusst. Nachdem er 1979 mit Chris Marker zusammengearbeitet und Reportagen sowie Dokumentarfilme realisiert hatte, drehte Flora Gomes 1987 seinen ersten Spielfilm, „Mortu Nega“, der die letzten Momente des Freiheitskampfes seines Landes sowie die folgenden Herausforderungen der Unabhängigkeit behandelt. „Po di Sangui“ sein dritter Spielfilm, lief im offiziellen Wettbewerb in Cannes 1996 und gewann den Silver Tanit Preis beim Filmfestival von Karthago. 2002 dreht er „Nha Fala“, der für den Wettbewerb in Venedig nominiert wird. Flora Gomes' Werk setzt sich vornehmlich mit Fragen der Geschichte und Erinnerung auseinander, v.a. in Bezug auf den nationalen Befreiungskampf sowie mit Fragen von Modernisierung und Identität. Zurzeit recherchiert Gomes für seinen neuen Film über den großen afrikanischen Befreiungstheoretiker und politischen Unabhängigkeitskämpfer Amilcar Cabral. Er zählt zu den anerkanntesten Filmemachern Afrikas.

Balufu Bakupa-Kanyinda wurde 1957 in Kinshasa, Demokratische Republik Kongo, geboren. Nach seinem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie in Brüssel schloss er Filmstudien in Frankreich, Großbritannien und den USA an. Bakupa-Kanyinda drehte sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme und lehrt zurzeit Film in New York. Sowohl als Drehbuchautor als auch als Regisseur entwickelte Bakupa-Kanyinda 1991 seine ersten Dokumentarfilme “Dix Milles ans de Cinéma” (Zehntausend Jahre Kino) und „Thomas Sankara“ (1991). Sein erster Spielfilm war 1996 “Le Damier, Papa national oye! (The Draughtsmen clash). Neben seiner Tätigkeit als Regisseur und Drehbuchautor, äußert sich Bakupa-Kanyinda auch als Schriftsteller und Dichter über das afrikanische Kino. 2006 und 2007 lehrte er auf Einladung der New York University an deren Campus in Accra, Ghana. Seinen bisher letzten Langfilm „Juju Factory“ hat AfricAvenir 2008 in einer Deutschlandtournee in mehreren Städten präsentiert.

João Luis Sol de Carvalho, in Beira, Mosambik geboren, studierte am Conservatório Nacional de Cinema in Lissabon und arbeitete anschließend als Journalist, Redakteur und Fotograf. Seit 1984 hat er zahlreiche Dokumentationen und Fernsehreportagen produziert, in denen er sich sozialkritisch mit der Gesellschaft Mosambiks auseinandersetzt. Sein erster Spielfilm “Le jardin d´un autre homme” war gleichzeitig seit 25 Jahren einer der ersten mosambikanischen Filme, die im Land gezeigt wurden. Sol de Carvalho ist Begründer und Generaldirektor der Promarte Production Company in Maputo. 

Teddy Mattera ist ein preisgekrönter Regisseur aus Südafrika. Er studierte in den USA Soziologie und Filmproduktion und arbeitete u.a. beim Oskar nominierten Film “Hoop Dreams” mit. Im Jahr 1990 kehre er nach Südafrika zurück und arbeitete an Dokumentationen u.a. für ABC, BBC, Channel Four, Global Vision und SABC. Im selben Jahr besuchte er die London International Film School. Sein erster Spielfilm “Max and Mona” erhielt u.a. Preise beim FESPACO und beim Cape Town International Film Festival. Seitdem produzierte Teddy Mattera zahlreiche Fernsehprogramme, Gesellschafts-Dokumentationen und Dramaserien für lokale und internationale Auftraggeber. Im Jahr 2006 erhielt er ein Carnegie Fellowship an der Wits University in Johannesburg, wo er als Gastdozent Regie und Drehbuch unterrichtet.

Zeze Gamboa wurde 1955 in Luanda, Angola, geboren und begann seine Karriere als Regisseur am angolanischen Fernsehen, wo er Nachrichten- und Informationsprogramme produzierte. In den 90er Jahren drehte er mehrere Dokumentationen. Zeze Gamboa gehört zu den Mitbegründern des angolanischen Kinos, das nach langen Jahren des Bürgerkriegs eine noch sehr junge Industrie ist. Sein erster Spielfilm “Hero” gewann Preise auf dem Sudanesischen Filmfestival und dem Drei-Kontinente Festival in Nantes. 

Mama Keita wird 1956 als Sohn einer vietnamesischen Mutter und eines guineischen Vaters im Senegal geboren. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Paris begann er Drehbücher zu schreiben. Zwischen 1981 und 1997 realisierte Keita fünf Kurzfilme; der Dokumentarfilm „David Achkar, une étoile filante“ (1998) ist ein persönlicher Nachruf auf einen verstorbenen Freund. Sein erster Spielfilm „Le fleuve“ (2002) erhält den Pressepreis beim Filmfestival von Paris. 2003 dreht er „Le Sourire du Serpent“ und 2009 „L'Absence“.

Abderrahmane Sissako wurde in Mauretanien geboren, verbrachte seine Kindheit in Mali und studierte später Film in Moskau am Gerassimow-Institut für Kinematographie. Schon sein Abschlussfilm Le Jeu erhielt zahlreiche Auszeichnungen und seine ersten Langfilme October (1993) und ”La Vie Sur Terre – Das Leben auf Erden“ sorgten für Aufmerksamkeit. Immer wiederkehrende Themen in seinen Filmen sind Exil und Entwurzelung, die auch sein in 2003 erschienener Film „Warten auf das Glück“ illustriert. Dieser wurde als bester Film beim FESPACO in Ouagadougou/ Burkina Faso ausgezeichnet und erhielt beim Filmfestival in Cannes den FIPRESCI Preis „Un Certain Regard“. 2006 produzierte Sissako den Weltbank-kritischen Film "Bamako". 2003 war Abderahmane Sissako Mitglied der Internationalen Jury der Berlinale. Bei den Filmfestspielen von Cannes saß er 2000 in der Kurzfilmjury, 2003 war er Präsident der Jury der Sektion Un Certain Regard, und 2007 Mitglied der Hauptjury.

Gaston Kaboré ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent aus Burkina Faso. Er studierte zunächst am Centre d´Etudes Supérieures d´Histoire in Ouagadougou und schloss dann sein Studium an der Sorbonne in Paris ab. Während seines Studiums beschäftigte er sich insbesondere mit dem Blick, der von Außen auf Afrika gerichtet wird. 1974 nahm er erneut das Studium an der Ecole Supérieure d´Etudes Cinématographiques in Paris auf. Nach seiner Rückkehr nach Burkina Faso wurde er zum Leiter des Institut Africain d´Education Cinématographique ernannt. Von 1985 bis 1997 war er Generalsekretär der Pan-Afrikanischen Föderation der Filmemacher (FEPACI). Nach Xala (1975) des senegalesischen Regisseurs Ousmane Sembène begriff er zum ersten Mal den Film als Mittel, um die afrikanische Kultur abzubilden. Sein Film „Wênd Kûuni“ (1982) gilt als beispielhaft dafür, die mündliche Tradition von Burkina Faso auf die Leinwand zu bannen. Kaborés Debütfilm folgten Zan Boko (1988), Rabi (1992) und Buud Yam (1997), die in derselben Tradition stehen und zahlreiche internationale Auszeichnungen erhielten. Gaston Kaboré ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in einem und realisierte auch mehrere Dokus sowie ein Segment des Kollektivfilms Lumière et compagnie (1995), der als Hommage auf 100 Jahre Film entstand. Kaboré ist es wichtig, Afrika zu einem eigenen filmischen Ausdruck zu verhelfen. Seit Ende der 90er Jahre verschreibt er sich fast ausschließlich der Lehrtätigkeit. Er gründete das Zentrum für die Aus- und Weiterbildung junger afrikanischer Filmschaffender IMAGINE in Ouagadougou.

Ein afrikanischer Blick auf Afrika – Kurzfilme von Afrikas Top Regisseuren
P: Festival Panafricain d'Alger (Panaf') 2009, Algerien, 100 Min., 2009, OEnglU
Datum: Sonntag, 22. April 2012 um 17.00 Uhr
Ort: Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin

Kartenreservierung: (030) 283 46 03

S Hackescher Markt, U Rosenthaler Platz
Eintritt: 7,50 €, Ermäßigungen über Berlinpass, Gildepass und Heavy User Card
(Weitere Informationen: www.hoefekino.de/preise-und-rabatte)

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