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ABGESAGT: „Fenster zur Welt“ oder "koloniale Trophäenschau"? Das Humboldt-Forum in der Diskussion

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Info   Eintritt frei

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Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) Herrmann Parzinger und der Leiter der Afrika-Abteilung des Ethnologischen Museums Peter Junge haben ihre Teilnahme an der für den 16.12. um 18 Uhr im Haus der Kulturen der Welt geplanten Dialogveranstaltung  „Fenster zur Welt oder koloniale Trophäenschau? Das Humboldt-Forum in der Diskussion“ kurzfristig abgesagt. Als Begründung führt die Pressestelle der SPK die Stellungnahme des einladenden Bündnisses „No Humboldt 21!“ in der Veranstaltungsankündigung an. In der knapp gehaltenen Absagemail ist von „Sätzen der Anklage, der Diffamierung und eines unerträglichen Populismus“ die Rede.

Die international von mehr als 80 NGO unterstützte Kampagne „No Humboldt 21!“ spricht sich bereits seit der Grundsteinlegung im Juni 2013 entschieden gegen das 600 Millionen-Euro-Projekt im Berliner Schloss aus. Die Verbände und Vereine protestieren gegen das Vorhaben, Deutschland durch die zentrale Ausstellung von Kulturschätzen, die während der europäischen Kolonialherrschaft aus anderen Kontinenten nach Berlin transportiert wurden, als „eine der bedeutendsten Kulturnationen der Welt“ (Monika Grütters) zu präsentieren. Stattdessen erwarten die Initiativen von der bundeseigenen SPK die engagierte Umsetzung der Ethischen Richtlinien des Weltmuseumsbundes und der aktuellen UN-Beschlüsse zur Identifizierung und Rückgabe von zentralen Kulturobjekten und menschlichen Überresten an die Nachfahren der Kolonisierten. Bis heute lagern Hunderttausende von unersetzlichen Werken und Tausende von außereuropäischen human remains zu Forschungszwecken in ihren Depots.

Pressekonferenz des NGO-Bündnisses am 16. Dezember um 10 Uhr

Vor dem Hintergrund des verweigerten Dialogs mit afrikanischen und Schwarzen Expert_innen wie Grada Kilomba, Prince Kum’a Ndumbe III und Kwesi Aikins durch die SPK lädt das Bündnis „No Humboldt 21!“ für Dienstag, den 16.12.2014 um 10 Uhr zu einer Pressekonferenz im Haus der Demokratie und Menschenrechte ein. Neben seiner Position zur aktuellen Entwicklung wird das Bündnis Hinweise auf Kriegsbeute, Schädel und Skelette aus Togo, Kamerun, Tansania, Ruanda und Südafrika in den nicht öffentlich zugänglichen Sammlungsdepots der Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentieren.

Dienstag, 16.12.2014 um 10 Uhr

Robert-Havemann-Saal
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin

Kontakt: Tahir Della, 015254217327, tahirdella@isdonline.de & Christian Kopp, 01799 100 976,  buero@berlin-postkolonial.de

Infos: www.no-humboldt21.de
fb: https://www.facebook.com/events/902288293117009/

Am Dienstag, 16. Dezember 2014 um 18 Uhr treffen sich das Bündnis "No Humboldt 21!" und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum kritischen Dialog über das „größte Kulturprojekt Europas“ (M. Grütters)  - das Humboldt-Forum im Berliner Schloss.

Auf dem Podium: Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz), Peter Junge (Leiter der Afrika-Abteilung am Ethnologischen Museum Berlin), Grada Kilomba (Psychologin und Autorin), Prinz Kum’a Ndumbe III. (Historiker und Begründer von AfricAvenir International, angefragt) und Joshua Kwesi Aikins (Politologe und Aktivist der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland).

Moderation: Nadja Ofuatey-Alazard (Journalistin, Universität Bayreuth)
Anlässlich dieser Veranstaltung erklärt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz:

"In der historischen Mitte Berlins entsteht im Laufe dieses Jahrzehnts ein einzigartiges Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung mit internationaler Ausstrahlung. Es widmet sich dem Dialog zwischen den Kulturen der Welt und richtet den Blick aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf historische wie aktuelle Themen von globaler Relevanz. Im Humboldt-Forum kehren Museen, Bibliothek und Universität an ihren Ursprungsort zurück und entwickeln dort gemeinsam neue Formen eines komplementären Zusammenwirkens. Die Geschichte wird in der Gegenwart lebendig.

Das Humboldt-Forum trägt dazu bei, ein aktuelles Verständnis unserer globalisierten Welt zu vermitteln; es wird Fragen aufwerfen wie auch nach Lösungen suchen. Es gilt dabei auch, ökonomische und ökologische Entwicklungen der Weltgesellschaft deutlich zu machen und zu zeigen, welche Aufgaben für deren Gestaltung vor uns liegen - in Politik, Wirtschaft und Kultur gleichermaßen. Getreu seiner Namensgeber, der Gebrüder Wilhelm und Alexander von Humboldt, soll dieser Ort für ein respektvolles und gleichberechtigtes Zusammenleben der Kulturen und Nationen stehen."
 
Das internationale Kampagnenbündnis „No Humboldt 21!“ erklärt dazu:
„Mit dem Humboldt-Forum/Berliner Schloss will sich Deutschland als „eine der bedeutendsten Kulturnationen“ inszenieren – und verletzt dabei die Würde und die Rechte von Schwarzen Menschen und People of Colour in allen Teilen der Welt. Der Wiederaufbau des Hohenzollernpalastes rehabilitiert die brandenburgisch-preußischen Kolonialherrscher, die sich am transatlantischen Handel mit Versklavten beteiligt und Deutschlands kolonialen Genozid in Namibia zu verantworten haben. Das Forum glorifiziert Alexander von Humboldt, der mit dem spanischen Kolonialregime kooperierte, versklavte Menschen als Träger und Führer missbrauchte und selbst die bestatteten Überreste von Indigenen stahl.

Diskriminierend wird im Schloss das Leben außerhalb Europas mit historischen Objekten als „das Fremde, das Andere“ inszeniert. Die aufwendige Rückführung der riesigen außereuropäischen Sammlungen ins Zentrum der Stadt legitimiert Preußens massenhafte Aneignung von Kulturgütern und menschlichen Überresten im Zuge der europäischen Kolonisierung der Welt. Wir fordern daher den sofortigen Stopp des Projekts und erwarten von der SPK die Einhaltung der ICOM- und UN-Richtlinien zur proaktiven Rückgabe von zentralen Kulturobjekten und human remains.“

Dienstag, 16. Dezember 2014
18 – 20 Uhr

Haus der Kulturen der Welt
Theatersaal
John-Foster-Dulles Allee 10
10557 Berlin

Verkehrsverbindungen
S-Bahn Hauptbahnhof (S3, S5, S7, S9, S75)
U-Bahn Bundestag (U 55)
Bus 100 und Bus M 85

http://www.no-humboldt21.de/
https://www.facebook.com/events/902288293117009/ 

Mit freundlicher Unterstützung der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin (LEZ).

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