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Cours, cours, camarade, le vieux monde est derrière toi – Das Kino von Med Hondo

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Info   West Indies, Med Hondo OF 18:00 Kino 1 Reminiscences from a Journey to Lithuania Jonas Mekas OmU 20:00 Kino 2 Beatles electro

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Das von Enoka Ayemba, Marie-Hélène Gutberlet und Brigitta Kuster kuratierte Ausstellungs- und Filmprojekt "Cours, cours, camarade, le vieux monde est derrière toi" zielt in seinem Filmprogramm auf den Fluchtpunkt, der aus Med Hondos Filmen gegen die gesellschaftlichen Verkrustungen und die Ignoranz gegenüber Alltagsrassismen spricht. Ihre Kraft beziehen Med Hondos Filme aus der Notwendigkeit, den Zwängen, Vorurteilen und Maßregelungen immer einen Schritt voraus zu sein, um Raum zu schaffen für sich, für Wut, für große Bilder, für pluriversale Geschichtsschreibung, für Körperlichkeiten, Farben und Temperaturen. Med Hondo ist ein Selfmademan, der mit der Arbeit am Theater begann und sich die Mittel des Filmemachens kompromisslos selbst aneignete: mit dem Kopf, dem Herzen und den Sinnen, mit Leidenschaft, Eklektizismus, modischen Momenten und Brüchen. Sieben der insgesamt zwölf zwischen 1968 und 2004 realisierten Filme des cineastischen Grenzgängers werden nun aufs Neue und in Konstellationen mit Autor*innen-, Experimentalfilmen und Videokunst gezeigt. Absicht ist dabei, geografische, motivische und sensorielle Verbindungen, die Nähe zu Abstraktion und Sound punktuell hervorzuheben und den Widerhall von Med Hondos Kino-Kosmos zu amplifizieren, der über die mauretanisch/algerisch/west-saharischen, burkinischen, malischen, karibischen und Pariser Filmschauplätze und seine Herkunft hinausgehen.

WEST INDIES (Med Hondo, F 1979, 27.8.) Das wütend opulente, sarkastische Geschichtsmusical über die Antillen und den französischen Sklavenhandel ist ein Kammerspiel auf einer schwankenden Sklavenschiffbühne, die so ziemlich alle Sets zwischen Disko und Gerichtsverhandlung umfasst und vor lauter Zitaten und Andeutungen förmlich explodiert. Der Versuch, sich diesem so schwerwiegenden Thema mit einer derartig rasenden Spielfreude zu widmen, ist ein echter Coup, ein verrücktes und verrückt machendes Spiel, das in alle Richtungen ausstrahlt.


BEATLES ELECTRONIQUE (Jud Yalkut, USA 1966–69, 27.8.), der die britischen Popikonen zu magnetisch abstrakten Loops und Breakbeats transformiert, wird zum Omen auf die subkutanen Substanzen einer Schwarz geprägten Popkultur.

Er schlägt eine Sound-Brücke nach Haiti zu L'HOMME SUR LES QUAIS (Der Mann auf dem Quai, Raoul Peck, Haiti 1993, 27.8.). Peck lebte als Exilant in Zaire, bevor er an der dffb in Berlin studierte und mit dem Spielfilm an seinen Geburtsort Haiti zurückkehrte. L'HOMME SUR LES QUAIS evoziert das Duvalier-Regime, indem er haptische und musikalische Versatzstücke auffängt, wie um einem bösen Traum zu entrinnen.


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