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Berlin-Premiere: „Bamako”

Am Sonntag, den 28. Januar um 17.15 Uhr lädt AfricAvenir zur Berlin-Premiere von Abderahmane Sissakos Weltbank-kritischem Spielfilm „Bamako“ (OmDtU) in das Berliner Filmtheater Hackesche Höfe. Im Anschluß findet eine Diskussion mit I.E. der Botschafterin der Rep. Mali Fatoumata Siré Diakité statt.

Bamako
R: Abderahmane Sissako
Mali/Frankreich 2006, 115 min.

Am: Sonntag, den 28. Januar 2007
Beginn: 17.15 Uhr
Ort: Filmtheater Hackesche Höfe (Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin)
Kartenreservierung und Filmauskunft: +49 (0) 30. 283 46 03
Eintritt: 5€ (erm.) / 6€

Kurzinhalt
Im Hof eines Wohnhauses in Malis Hauptstadt Bamako findet eine außergewöhnliche Gerichtsverhandlung statt: das Volk von Mali, den afrikanischen Kontinent repräsentierend, gegen die Weltbank! Vertreterinnen und Vertreter der malischen Zivilgesellschaft klagen die Weltbank an, die mit ihren Projekten und Planungen das Land zugrunde richtet und es durch die jahrzehntelange Schuldentilgung wirtschaftlich am Boden hält. Während der Prozess spannungsgeladen mit Zeugenberichten und Plädoyers voranschreitet, geht das Leben im Hof seinen gewohnten Gang. Hier vermischen sich die Alltagsgeschäfte mit der sonst so gedämpften Sphäre der exklusiven Gerichtssäle der Hauptstadt.

Auf brillante Weise zeigt Regisseur Abderrahmane Sissako im Kontrast von Gerichtsverhandlung und Alltagsleben, wie die nördliche Welt mit der südlichen umgeht. Erdrückt von Schulden und bemüht, sich anzupassen, kämpft der afrikanische Kontinent ums Überleben.

Sissako macht deutlich, dass Afrikas Ausplünderung und Knebelung weniger seiner Armut als vielmehr seinem Reichtum geschuldet sind. Dabei haben in seinem Film Frauen als Zeuginnen und Anklägerinnen viel Raum, denn: „Die Rolle der Frauen ist für Afrika viel wichtiger, als die Rolle der Männer“.

Regisseur
1961 in Mauretanien geboren, verbringt Sissako seine Kindheit und Jugend in Mali. Es folgen zehn Jahre Ausbildung an der Moskauer Filmhochschule (VGIK). Schon sein dortiger Abschlussfilm „Das Spiel“ fällt durch seine Ausgereiftheit und Ästhetik auf. Seit seinem Film „Oktober“, der in Russland gedreht und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich Sissako mit dem Thema Exil. Neben der thematischen Linie sind seine Filme „Rostov-Luanda“, „Das Leben auf Erden“ und zuletzt „Warten auf das Glück“ charakterisiert durch eine ganz eigene Mischung von Fiktion und Dokumentation, Politik und Poetik. Sein aktueller Film „Bamako“ lief 2006 im offiziellen Wettbewerb in Cannes und hat international für Aufsehen gesorgt. Bei den Rencontres Paris Cinema 2006 erhielt der Film den Publikumspreis.

„Die Motivation für mich, diesen Film zu drehen, ist meine Wahrnehmung Afrikas. Ich sehe Afrika nicht primär als Kontinent, sondern als einen Raum voller Ungerechtigkeiten, die mich direkt betreffen. Wenn man auf einem Kontinent lebt, auf dem es selten und schwierig ist, einen Film zu drehen, kommt man schnell in die Situation, auch für die Menschen zu sprechen, die um einen herum leben: angesichts der ernsten Lage des afrikanischen Kontinents habe ich das dringende Bedürfnis verspürt, die Heuchelei des Nordens gegenüber dem Süden anzusprechen.“

Diskussionsgast
Ihre Exzellenz Frau Fatoumata Siré Diakité ist Botschafterin der Republik Mali in der Bundesrepublik Deutschland. Die Lehrerin und Gewerkschaftsführerin setzt sich seit Jahrzehnten gegen jegliche Form der Diskriminierung gegen Frauen ein und gründete die Vereinigung für den Fortschritt und den Schutz der Rechte Malischer Frauen (APDF). 1998 erhielt sie für ihren Einsatz zugunsten der Frauenrechte den Hundred Heroines Award.

Pressestimmen (Auszug)
Sissakos neueste Arbeit ist ein so großartiges, propagandistisches Lehrstück, ein so intelligenter, politischer, begeisternder Film, wie er im gegenwärtigen Kino sehr, sehr selten geworden ist.“ (Stadtkino Wien)

„Jenseits der Anklage, der Anprangerung der Missstände macht Sissako vor allem einen Film (...) Er gibt sich nicht den Wehklagen hin. Die Zeugenaussagen werden sehr würdevoll gehalten. Mehr noch, die Größe der afrikanischen Seele zeigt sich gerade an der etwas zerstreuten, fast gleichgültigen Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Geschehen. Der Prozess ist im Zentrum des Films, er ist jedoch nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist das fortschreitende Leben. Die Weigerung zuzuhören wird nicht als eine Ablehnung des dem Prozess zugrunde liegenden Anliegens präsentiert. Es geht viel mehr darum zu zeigen, dass das, was die Zeugen sagen längst keine außergewöhnlichen Enthüllungen sind (…) Afrika ist die abgedroschenen Diskurse längst überdrüssig.“ (Hassouna Mansouri, Tunisie, AfriCiné)

„Bamako ist eine politische Parabel, die mit zahlreichen Klischees aufräumt: Sie zeigt ein Afrika, das nicht jammert, sondern seine Wut herausschreit, das nicht um Hilfe bittet, sondern seine Rechte geltend macht. Abderrahmane Sissako geht sehr viel weiter als die abgedroschenen Phrasen über die Schwächen der Globalisierung und das Nord-Südgefälle, und liefert, künstlerisch mutig, einen der relevantesten Filme über Afrika überhaupt.“ (Andréa Florentin, ray – Filmmagazin)

„Die geniale Idee von Sissako war es, Gericht zu halten im Alltag, denn aus ihm heraus wird so vieles, was diskutiert wird, ganz beiläufig sichtbar, wahrnehmbar, erkennbar. Und darüber hinaus spielt der Alltag aufs Unterhaltsamste seine Streiche. Natürlich schweift Sissakos Blick immer wieder ab, widmet er sein Interesse Randfiguren im globalen Game, um die Widerwärtigkeit der nördlichen Arroganz umso sichtbarer zu machen.

Er ist auch ein hochsensibler Porträtist. Wenn die Welt heute voller Wunden ist, dann aufgrund einer langen Geschichte, die gerne vergessen geht, wenn man das Heute betrachtet. Sissako führt uns dies am Beispiel Afrikas im Innenhof seines Hauses vor Augen und vor Ohren. Luzid sind die Auseinandersetzungen und Äußerungen, real existierende Figuren und erfundene spielen ineinander über und miteinander, um von dem zu reden, was ist. Und von dem, was sein könnte. Zu Letzterem freilich würde so etwas wie Bewusstsein gehören, nicht nur ein Bewusstsein fürs Eigene sondern eben auch eines fürs Andere, für die Existenz des Anderen. Bamako ist für mich der dringlichste Film zur Zeit: Stiller Aufschrei, luzide Einsicht.“ (Walter Ruggle, trigon-film.org)

„Was kann man als afrikanischer Filmemacher heute sagen, was kann man zeigen, was machen? Der Mauretanier Abderrahmane Sissako, der seine Jugend in Mali verbracht hat, führt uns mit einem Wagemut, den nur die Verzweiflung und die Wut erlauben, auf ein Genre zurück, das bisher weitaus mehr in Hollywood als in Afrika verbreitet war: den Prozessfilm.“ (Le Monde)

'african reflections’ ist eine monatlich im Filmtheater Hackesche Höfe stattfindende Filmreihe, in deren Rahmen Spiel- und Dokumentarfilme afrikanischer FilmemacherInnen präsentiert werden.

KuratorInnen: Philippa Ebéné und Julien Enoka Ayemba
Medienpartner: Radio multikulti

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