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Umbruch und Vielfalt – Marokkanische Filmtage im Arsenal, 1.-4.9.2011

Vom 1.-4.9.2011 finden im Berliner Arsenal die marokkanischen Filmtage unter dem Titel "Umbruch und Vielfalt" statt. Eröffnet wird die Filmreihe am Do, den 1.9. um 19 Uhr mit "Al ouyoune al jaffa /Les yeux secs" (Cry No More, Narjiss Nejjar, Marokko/Frankreich 2003), im Anschluss Gespräch mit Noufissa Sbai (Produzentin).

(please scroll down for english version)

Schon lange bevor auch Marokko im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten in Nordafrika in den Fokus geriet, befand sich das Land im Umbruch. Seit gut 20 Jahren findet hier ein Reform- und Öffnungsprozess statt, in dessen Mittelpunkt die gesellschaftlichen und politischen Partizipationsmöglichkeiten des Individuums stehen. Kunst und Kultur reflektieren diesen Wandel: so die Aufarbeitung der Geschichte der politischen Häftlinge in Marokko, das Leben von Straßenkindern, die Rechte von Frauen, die Auflösung patriarchaler Strukturen, die grassierende Korruption, das Verhältnis zur jüdischen Minderheit und zur Berberkultur sowie Migration und den Traum der jungen Leute von einem besseren Leben auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar.

Die gemeinsam vom Arsenal und dem Zentrum Moderner Orient veranstalteten Marokkanischen Filmtage präsentieren ein Programm, das von den gesellschaftspolitischen Veränderungen der letzten zehn Jahre in Marokko zeugt. Der Reformprozess, durchaus von Rückschlägen und Widersprüchlichkeiten geprägt, zeichnet sich auch in den Arbeiten der Filmemacher/innen ab. Unsere Auswahl von neun marokkanischen Spiel- und Dokumentarfilmen aus den Jahren 2001 bis 2010 – die meisten sind erstmalig in Berlin zu sehen – versammelt ein breites Spektrum an Themen und eine Vielfalt künstlerischer Handschriften. Es sind Filme, die Aspekte der jüngeren Geschichte des Landes bearbeiten, sich mit Tabus beschäftigen und die Grenzen von Ausdrucksfreiheit und Zensur austesten. Es sind Filme, die eine Vielfalt ästhetischer Mittel nutzen. Und es sind Filme, die neue Perspektiven eröffnen auf ein arabisches Land im Umbruch.



Vielfalt und Vitalität des marokkanischen Kinos kommen nicht von ungefähr. Im Unterschied zu den anderen Ländern des Maghreb werden staatlicherseits große Anstrengungen unternommen, die Filmindustrie des Landes auszubauen. Ausdruck dessen sind z. B. die Neuausrichtung des Centre Cinématographique Marocain seit 2004 mit der Auflage eines Filmförderfonds, die Gründung des Filmfestivals (2001) und der Filmhochschule (2005) in Marrakesch. Die nationale Filmproduktion wächst stetig und ist heute nach Ägypten die zweitgrößte in der arabischen Welt. Eine Bereicherung für die Filmszene Marokkos ist nicht zuletzt die von Filmenthusiasten im Jahr 2006 eröffnete Cinémathèque in Tanger.



Wir freuen uns sehr, dass wir vier Filmschaffende aus Marokko im Arsenal begrüßen dürfen: Noufissa Sbaï, Yasmine Kassari, Talal Selhami und Swel Noury sind zu Gast.  Neben den Gesprächen im Anschluss an die Vorführungen ihrer Filme werden sie im Rahmen eines Besuchsprogramms eine Woche lang Gelegenheit haben, mit deutschen Verleihern, Regisseuren und Produktionsfirmen in Kontakt zu treten. Außerdem findet am 4.9. eine Podiumsdiskussion statt, die sich dem gesellschaftlichen und künstlerischen Wandel in Marokko widmet.

AL OUYOUNE AL JAFFA / LES YEUX SECS (Cry No More, Narjiss Nejjar, Marokko / F 2003, 1.9., im Anschluss Gespräch mit der Produzentin Noufissa Sbaï) In einem abgelegenen Berberdorf in den Bergen Marokkos leben ausschließlich Frauen. Sie verkaufen ihre Körper und empfangen Männer nur gegen Geld. Hier regiert die stolze und schroffe Hala – was sie sagt, ist Gesetz. Die älteren Frauen mussten fortziehen, Babys und Kinder weggegeben werden. Nach 30 Jahren im Gefängnis kommt Mina in das Dorf der Prostituierten zurück, zusammen mit dem Busfahrer Fahd, den sie als ihren Sohn ausgibt. Die Anwesenheit der beiden bringt einiges in Bewegung. Doch lässt sich der destruktive Kreislauf der Abhängigkeit von sexueller Dienstbarkeit durchbrechen? Gibt es eine andere Zukunft für die mittellosen Frauen? Ausgehend von realen Gegebenheiten bringt LES YEUX SECS in farbenprächtigen, eindringlichen Bildern von Landschaften und Gesichtern ein Tabu-Thema zur Sprache.

ZAMANE ARRIFAK / LE TEMPS DES CAMARADES (Time of Comrades, Mohamed Chrif Tribak, Marokko 2008, 1.9., Einführung: Sophie Wagenhofer, ZMO / SFB 640) Anfang der 90er Jahre in Tétouan. Rahil entschließt sich gegen den Willen ihrer Familie, nach dem Abitur ein Studium zu beginnen. Sie wohnt mit einer Freundin zusammen, besucht Seminare und den Ciné-Club und lässt die Avancen ihres Kommilitonen Saïd zunächst kühl ins Leere laufen. Die Stimmung auf dem Campus ist stark geprägt von Auseinandersetzungen zwischen marxistischen und islamistischen Studenten. Letztere gewinnen zunehmend an Einfluss. Beide Gruppierungen liefern sich ausgiebige Wortgefechte. Saïd, der sich eigentlich nicht viel aus Politik macht, verstärkt sein politisches Engagement, um sich Rahils Aufmerksamkeit und Zuneigung zu sichern. Inspiriert vom Tagebuch eines einstigen militanten Studenten, erzählt der Film von gesellschaftlichen Konflikten und politischen Ideen zu Beginn der 90er Jahre.

ASHLAA / FRAGMENTS (In Pieces, Hakim Belabbes, Marokko 2009, 2.9., Einführung: Bettina Dennerlein, Universität Zürich) Warum denn Filme machen? Der Filmemacher wird von Vater und Mutter freundlich getadelt, dass er immer noch nichts zustande gebracht habe. Ein anderer Vater beklagt voller Schmerz das spurlose Verschwinden seines Sohns vor 30 Jahren. Ein ehemaliger politischer Gefangener berichtet von Folter und dem Wunsch nach Reintegration. Ein alter Mann wäscht sich im Freien. Eine Beschneidung. Eine letzte Rasur. Ein bewegender Abschied. Gespräche über Familie, das Leben und den Tod, Erfolg, Scheitern, Verlust und Trauer. FRAGMENTS ist ein autobiografischer Essayfilm, eine Sammlung von Bildern aus zwei Jahrzehnten, die die Beziehung des in den 80er Jahren ausgewanderten Filmemachers zu seiner Familie, seinem Land und dessen Kultur dokumentieren. Das Home-Movie eines In-and-Out-Siders und eine Reflexion über das Vergehen der Zeit.

AYYAM AL WAHM / MIRAGES (Talal Selhami, Marokko 2010, 2.9., im Anschluss Gespräch mit Talal Selhami) Fünf Kandidaten für eine Stelle bei einem in Marokko ansässigen multinationalen Unternehmen wird mitgeteilt, dass sie statt eines Bewerbungsgesprächs einen Test zu absolvieren haben. Sie sollen mit einem Bus an einen unbekannten Ort gefahren werden. Kurz darauf finden sie sich mitten in der Wüste wieder, ohne Fahrer, ohne Handy und mit nur vier Flaschen Wasser im Gepäck. Was nun? Warten, oder versuchen, sich selbst zu helfen? Auf der strapaziösen Odyssee durch die Wüstenlandschaft werden alle unter der sengenden Sonne von ihrer Vergangenheit eingeholt. Bald geht es nicht mehr um den Job, sondern darum, das nackte Überleben zu sichern. Ein Genrefilm, der Thriller-, Horror- und Fantasy-Elemente nutzt, um von individuellen Ängsten, familiären Strukturen und gesellschaftlichen Verhältnissen zu erzählen.

AMAKINOUNA AL MAMNOUAA / NOS LIEUX INTERDITS (Our Forbidden Places, Leïla Kilani, Marokko / F 2008, 3.9., Einführung: Sonja Hegasy, ZMO) Zur Zeit des Regimes von König Hassan II (1961–1999) verschwanden Tausende Menschen spurlos. Im Jahr 2004 setzte sein Sohn, König Mohammed VI., eine Wahrheitskommission ein, um die Menschenrechtsverletzungen dieser "bleiernen Jahre" aufzuarbeiten. Der Film begleitet vier Familien bei ihrer Suche nach der Wahrheit: einen alten Marxisten, der Internierung und Folter überlebt hat, aber immer noch am Rande der Gesellschaft lebt und seine Nichten, die sein Schweigen nicht akzeptieren wollen; Frau, Tochter und Enkelin eines Gewerkschafters, deren hartnäckige Nachforschungen ergeben, dass dieser ein Freiheitskämpfer war; den Sohn eines Verschwundenen, der sich sein Leben lang als Sohn eines Verräters fühlen musste sowie einen Überlebenden und dessen Mutter, die noch immer nicht versteht, wofür er damals gekämpft hat. Der Prozess der Rekonstruktion von kollektiver und individueller Erinnerung erweist sich als kontrovers und schmerzhaft.

ARRAGUAD / L'ENFANT ENDORMI (Das schlafende Kind, Yasmine Kassari, Marokko / Belgien 2004, 3.9., im Anschluss Gespräch mit Yasmine Kassari) Schon die Hochzeit ist vom Abschied geprägt: Am Tag nach dem Fest brechen die Männer des Dorfes auf, um in Spanien Arbeit zu suchen und lassen ihre Frauen im kargen Nordosten Marokkos zurück. Zeinab ist schwanger und beschließt, den Fötus nach einem jahrhundertealten maghrebinischen Brauch in ihrem Körper einschlafen zu lassen und so die Geburt zu verzögern bis zur Rückkehr des Ehemanns. Das Warten ist hart, die Video-Briefe der Männer wenig hoffnungsvoll, und ihr monotoner Alltag lässt Zeinab zusehends verkümmern. Sie steht zwischen ihrer autoritären Mutter und ihrer selbstbewussten Freundin, die sich gegen die starren Strukturen auflehnt. Ohne viele Worte erzählt der Film über seine Bilder präzise und vielsagend von den Dramen der Migration aus der Perspektive der Zurückgebliebenen.

LAHDATE DALAM / UNE MINUTE DE SOLEIL EN MOINS (One Minute of Sun Less, Nabil Ayouch, Marokko / Frankreich 2002, 3.9., Einführung: Regina Sarreiter, ZMO) Kamel, ein junger Polizist in Tanger, wird mit der Aufklärung des Mordes an einem Drogenhändler beauftragt. Unter dringendem Verdacht steht eine Frau, die zur Tatzeit mit ihrem kleinen, schwerkranken Bruder am Ort des Verbrechens war. Sie übt eine große Anziehung auf den introvertierten Kamel aus, dessen einzige Freundin die transsexuelle Bauchtänzerin Yasmine ist. In Form eines temporeichen, spannenden Krimis mit rasantem Soundtrack und unter Nutzung von experimentellen Kameraperspektiven, Jump-Cuts und ausgebleichten Bildern thematisiert der Film offen Themen wie Kindesmissbrauch, Trans- bzw. Homosexualität, Korruption und Drogenhandel. Das hatte heftige Kritik zur Folge und aufgrund der Intervention der Zensurbehörde blieb die Aufführung des Films in Marokko verboten.

CINEMA OUARZAZATE (Ouarzazate Movie, Ali Essafi, Marokko / F 2001, 4.9.) Die Kleinstadt Ouarzazate im Süden Marokkos – Sitz von Filmstudios und Schauplatz zahlreicher internationaler Filmproduktionen – gilt als das marokkanische Hollywood. Hitchcock, Pasolini, Huston, Welles, Lean, Scorsese, Scott, Stone u.v.a.m. haben hier gedreht. Wüstenlandschaft, Lehmbauten und Kasbahs bieten eine ideale Kulisse für Bibel-, Sandalen- und Abenteuerfilme. In Ali Essafis Dokumentarfilm werden die Einwohner Ouarzazates, die sich oft ganzjährig ihren Lebensunterhalt als Statisten verdienen, zu den zentralen Protagonisten. Er zeigt, wie sie sich beim Casting mustern lassen, gibt ihren Erfahrungen Raum und entlarvt die bisweilen demütigenden Sitten der Filmbranche. Zum Schluss ein Paradox: Ouarzazate ist zwar ein weltweit beliebter Drehort, doch die Kinos in der Stadt mussten alle schließen.

ABOUAB AL JANNA / LES PORTES DU PARADIS (Heaven's Doors, Swel und Imad Noury, Marokko 2005, 4.9., im Anschluss Gespräch mit Swel Noury) Drei Geschichten, drei Generationen im heutigen Casablanca: Ney, ein junger Bauarbeiter, kümmert sich um seine blinde Mutter und seine kleine Schwester. Er will nicht wie seine Freunde nach Europa auswandern und lässt sich aus materieller Not von einem lokalen Bandenchef anheuern. Die Amerikanerin Lisa lebt als Kunsthistorikerin nach dem Tod ihres Mannes allein und nimmt widerwillig einen kleinen Jungen bei sich auf. Smail wird nach 15 Jahren Haft als alter Mann aus dem Gefängnis entlassen und sinnt auf Rache. Die drei Handlungsstränge sind lose verbunden zu einem virtuos montierten, mit Vor- und Rückblenden sowie vielen Rhythmuswechseln arbeitenden Film. Im Kreislauf der Gewalt erscheinen Familienbeziehungen in neuem Licht, und schließlich folgt auf Zerstörung, Zerfall und Trauer ein Neuanfang.

Eine Veranstaltung von Arsenal – Institut für Film und Videokunst und Zentrum Moderner Orient (ZMO). In Kooperation mit dem SFB 640 an der HU Berlin und dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL). Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs Marokko und des Centre Cinématographique Marocain (CCM). Das Besuchsprogramm für die Filmschaffenden wird durch die Unterstützung des Auswärtigen Amt ermöglicht.

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Upheaval and Diversity – The Moroccan Film Days

Morocco was in the grip of upheaval long before it too came into the focus of the current protests in North Africa. For a good 20 years now, a reform process combined with a new openness has been in progress with an emphasis on increased opportunities for social and political participation on the part of the individual. This shift has also been reflected in art and culture, with concerns such as the need to come to terms with the history of political prisoners in Morocco, the life of street children, women’s rights, the dismantling of patriarchal structures, rampant corruption, the relationship to the Jewish minority and to Berber culture, migration and many young people's dream of a better life across the Strait of Gibraltar all being addressed.

The Moroccan Film Days have been organized jointly by Arsenal and the Zentrum Moderner Orient and present a program that bears witness to the socio-political changes of last ten years in Morocco. The reform process, which has very much been characterized by setbacks and contradictions, can also been seen in the work of filmmakers. Our selection of nine Moroccan feature films and documentaries from 2001-2010, most of which will be being shown in Berlin for the first time, brings together a broad spectrum of different themes and a wide variety of different artistic signatures. These are films which explore aspects of the country's recent history, deal with taboos and test the boundaries for freedom of expression and censorship; films which use a whole range of different aesthetic approaches; films which open up new perspectives on an Arab country in upheaval. 


The diversity and vitality of Moroccan cinema did not come about by chance. Unlike in many other countries in the Maghreb, great efforts have been made on the part of the state to expand the country’s film industry. Examples of this tendency include the 2004 restructuring of the Centre Cinématographique Marocain to include film funding as well as the creation of a film festival (2001) and film school (2005) in Marrakesh. National film production has been steadily increasing, with the Moroccan film industry now the second largest in the Arab world after Egypt. And last, but not least, the Cinémathèque opened by film enthusiasts in Tangiers in 2006 has also further enriched the Moroccan film scene.



We are very pleased to be able to welcome four Moroccan filmmakers to Arsenal: Noufissa Sbaï, Yasmine Kassari, Talal Selhami and Swel Noury. In addition to holding discussions after the screening of their films, they will also take part in a visitors program intended to provide them with the opportunity to make contact with German distributors, directors and production companies during their week stay. A panel discussion on social and artistic change in Morocco will taking place on September 4.

AL OUYOUNE AL JAFFA / LES YEUX SECS (Cry No More, Narjiss Nejjar, Morocco / France 2003, September 1, the film will be followed by a discussion with producer Noufissa Sbaï) An isolated Berber village in the mountains of Morocco is inhabited only by women, who sell their bodies and receive men solely for money. The village is ruled by Halam, a proud, harsh woman whose word is law. Older women must leave the community whilst babies and children have to be given away. After 30 years in prison, Mina returns to the prostitutes’ village together with bus driver Fahd, who she passes off as her son. Although their very presence begins to set things in motion, it remains unclear whether the destructive cycle of sexual servitude can be broken. What other future exists for these women without means? Based on true events, LES YEUX SECS broaches a taboo subject in exquisitely colorful, striking images of landscapes and faces.

ZAMANE ARRIFAK / LE TEMPS DES CAMARADES (Time of Comrades, Mohamed Chrif Tribak, Morocco 2008, September 1, introduction by Sophie Wagenhofer, ZMO / SFB 640) Tétouan at the beginning of the nineties. Rahil decides to start studying at university against her family’s will. She moves in with a friend, attends seminars and the cinema club and initially ignores the advances of her fellow student Saïd. The atmosphere on campus is strongly affected by clashes between Marxist and Islamist students, as the Islamists' influence gradually increases. Both sides do not hold back in their verbal attacks. Although Saïd is none too bothered by politics, he becomes increasingly politically committed in order to secure the attention and affection of Rahil. Inspired by the diary of a former militant student, the film tells the story of the social conflicts and political ideas at the beginning of the 90s.

ASHLAA / FRAGMENTS (In Pieces, Hakim Belabbes, Morocco 2009, September 2, introduction by Bettina Dennerlein, University of Zurich) Why make films anyway? The filmmaker is playfully mocked by his mother and father, who say that he’s never actually achieved anything. Another father bitterly mourns his son's disappearance some 30 years before. A former political prisoner describes the torture he suffered and his desire for reintegration. An old man washes himself in the open air. A circumcision. A man being shaved for the last time. A moving farewell. Conversations about family, life and death, success, failure, loss and grief.  FRAGMENTS is an autobiographical essay film, a collection of images from two decades which documents the relationship between the filmmaker, who emigrated in the 80s, and his family, his country and its culture. A home movie made by a man who is both insider and outsider and a meditation on the passing of time.

AYYAM AL WAHM / MIRAGES (Talal Selhami, Morocco 2010, September 2, the screening will be followed by a discussion with Talal Selhami). Five applicants for a job at a multinational company based in Morocco are told that they are to be tested rather than interviewed. After being taken by bus to an unknown location, they soon find themselves in the middle of the desert without a driver or mobile phone and with only four bottles of water in their luggage. What now? Wait around or try to take the situation into their own hands? The past catches up with each and every one of them during an exhausting odyssey through the desert landscape under the burning sun. It's soon no longer about the job but rather simple survival. A genre film which makes use of thriller, horror and fantasy elements in order to explore individual fears, family structure and social conditions.

AMAKINOUNA AL MAMOUAA / NOS LIEUX INTERDITS (Our Forbidden Places, Leïla Kilani, Morocco / F 2008, September 3, introduction by Sonja Hegasy, ZMO) Thousands of people disappeared without trace while the regime of King Hassan II (1961–1999) was in place. In 2004, his son Mohammed VI set up a truth commission in order to address with the human rights abuses of the "Years of Lead". The film accompanies four families on their search for the truth: an old Marxist who survived arrest and torture but still lives on the margins of society and his niece who won’t accept his silence; the wife, daughter and granddaughter of a trade unionist whose stubborn enquiries reveal that he was a freedom fighter; the son of one of those who disappeared who has always been made to feel like the son of a traitor, and a survivor and his mother who still doesn’t understand what he was fighting for back then. The process of piecing together collective and individual memories proves both controversial and painful.

ARRAGUAD / L'ENFANT ENODRMI (The Sleeping Child, Yasmine Kassari, Morocco / Belgium 2004, September 3, the screening will be followed by a discussion with Yasmine Kassari) The wedding is already  overshadowed by a farewell:  on the day after the celebrations, the men of the village set out to look for work in Spain, leaving their wives behind in the barren northeast of Morocco.  Zeinab is pregnant and decides to put the fetus in her body to sleep according to a centuries-old Maghreb custom in order to delay the birth until her husband returns. Waiting is not easy, the video letters from the men are hardly full of hope and the monotony of Zeinab's day-to-day life makes her deteriorate visibly. She is caught between her authoritarian mother and her self-assured friend, who rebels against the inflexible structures she finds herself in. The film uses few words, relying instead on its images to tell the story of the drama of migration in a precise and telling manner from the perspective of those left behind.

LAHDATE DALAM / UNE MINUTE DE SOLEIL EN MOINS (One Minute of Sun Less, Nabil Ayouch, Morocco / France 2002, September 3, introduction by Regina Sarreiter, ZMO) Kamel, a young policeman from Tangiers, is assigned to investigate the murder of a drug dealer. A woman who was at the scene of the crime with her younger, seriously ill brother when the murder was committed is the main suspect. She proves highly attractive to the introverted Kamel, whose only friend is transsexual belly dancer Yasmine. The film is a frank exploration of such themes as child abuse, trans- and homosexuality, corruption and drug dealing by way of a fast-paced, tense crime story that employs a pounding soundtrack and experimental camera perspectives, jump cuts and images drained of color.  This led to the film being heavily criticized and was unable to be screened in Morocco due to intervention of the censors.

CINEMA OUARZAZATE (Ouarzazate Movie, Ali Essafi, Morocco / F 2001, September 4) As the home to several film studios and the location for numerous international film productions, the small town of Ouarzazate in the south of Morocco is regarded as the Moroccan Hollywood. Hitchcock, Pasolini, Huston, Welles, Lean, Scorsese, Scott, Stone and many more shot films here, with the desert landscape, mud huts and Kasbahs providing an ideal backdrop for Bible films, sword and sandal epics and adventure films. In Ali Essafi’s documentary, the inhabitants of Ouarzazate, who often earn their living the whole year as extras, become the protagonists. He shows how they are scrutinized in castings, allows them tell of their experiences and reveals the sometimes humiliating conventions of the film branch. It all ends with a paradox: while Ouarzazate is an internationally sought-after film location, all the cinemas in the town have had to close.

ABOUAB AL JANNA / LES PORTES DU PARADIS (Heaven's Doors, Swel und Imad Noury, Morocco 2005, September 4, the screening will be followed by a discussion with Swel Noury) Three stories spanning three generations in the Casablanca of today: Ney, a young construction worker, looks after his blind mother and his little sister. Unlike his friends, he doesn't want to emigrate to Europe and covers his material needs by working for a local gang chief. Lisa is an American art historian living alone following the death of her husband who reluctantly allows a young boy to move in with her. Smail is released from prison as an old man after serving a 30-year sentence and is thirsty for vengeance. The three plot strands are loosely connected to create a skillfully edited film which works with flashbacks and flashforwards as well as many shifts in rhythm. The cycle of violence throws new light on family relationships, with destruction, decay and grief eventually giving way to a new beginning.

An event organized by Arsenal – Institute for Film and Video Art and the Zentrum Moderner Orient (ZMO) in collaboration with SFB 640 at the HU Berlin and the Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) with the kind support of the Embassy of the Kingdom of Morocco and the Centre Cinématographique Marocain (CCM). The visitors' program for the filmmakers was made possibly with the support of the Federal Foreign Office.

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