Der jüngste und der älteste Kontinent - Ein Querschnitt vom ersten Tag des diesjährigen Zukunftsforums

Zum vierten Mal fand vergangenen Freitag und Samstag das Zukunftsforum der Universität Bayreuth und der Stadt Bayreuth statt. Seit 2008 werden im Rahmen dieses Symposiums Themen, die vielleicht bald eine große Rolle spielen werden, aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet. Diesmal ging es unter dem Motto „ÜberMorgen –Trendsetter Afrika“ um die Potentiale und enormen Entwicklungen des Kontinents.

(lk) Es begann alles mit ein wenig Verzögerung. Der auf 10 Uhr angesetzte Beginn der Veranstaltung verschob sich um einige Minuten nach hinten. Vielleicht war das aber auch ganz gut, denn ein guter Teil der ohnehin wenigen Zuhörer war zur vollen Stunde noch gar nicht anwesend. „Auch bei uns ist ein neues Nachdenken fällig, über unsere Zukunft und darüber, was die Wege, die uns Afrika weist, lehren können.“ mit diesem Satz zur Einführung ins Programm steckte dann Prof. von Oppen, Direktor des Instituts für Afrikastudien, das Thema des Folgenden ab. Der interessanteste Vortrag, der auch die Eröffnung bildete, wurde von Prof. Kum’a Ndumbe gehalten. Mit Hilfe einiger Zahlen konnte der Kameruner sehr anschaulich die wachsende Bedeutung von Afrika zeigen. Afrika sei der Kontinent mit der höchsten Geburtenrate. Nach Prognosen der Weltbank wird im Jahr 2050 jeder fünfte Mensch aus Afrika kommen. Gleichzeitig sei jene Bevölkerung sehr jung, bereits heute ist fast jeder zweite Afrikaner jünger als 30 Jahre. Ein krasser Gegensatz also gegenüber Europa, welches immer weiter überalterte. Einher gehe diese Entwicklung mit einem enormen Ausbau der universitären Bildungsmöglichkeiten sowie einem (wenn noch partiellen) wirtschaftlichen Aufschwung. Einige afrikanische Staaten, allen voran Ghana mit 13,5 Prozent für dieses Jahr, würden durch ihr Wirtschaftswachstum beeindrucken. „Wir sind die Wiege“ Mit dem Apell sich der Wurzeln der Menschheit zu erinnern schloss Prof. Kum’a Ndumbe seinen Vortrag. Weitere Redebeiträge kamen von Christiane Kayser, Flaubert Djateng und Dominic Johnson. Hierbei wurde zum Beispiel die Situation von Jugendlichen in Kamerun zwischen Aufbruch und Armut beschrieben.

Im Anschluss an eine Mittagspause wurde sodann der Wilhelmine-von- Bayreuth-Preis durch Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ist Persönlichkeiten zugedacht, die sich „um die kritische Reflexion gemeinsamer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung“ verdient gemacht haben, wie es die Stadt Bayreuth formuliert. Diesjährige Preisträgerin ist Madjiguène Cissé. Sie stammt aus Dakar und studierte zuerst dort, später in Deutschland Germanistik. Während sie einige Zeit lang in Frankreich lebte, schloss sie sich der Sans-Papier-Bewegung an. Diese engagiert sich für Migranten, die ohne gültige Aufenthaltserlaubnis in Europa leben. Im Jahr 2000 zog sie wieder nach Dakar und gründetete dort ein Frauennetzwerk, das sie bis heute leitet. Über Bildungsangebote oder Mikrokredite sollen die Lebensbedingungen und Zukunftschancen von Frauen gefördert werden.

Gemessen an der Zahl der Zuhörer, war das Interesse an der Veranstaltung relativ gering, zumindest am Freitag. So fanden sich zur Eröffnung lediglich etwa 50 Hörer im Audimax ein. Vielleicht hatte aber auch der ein oder andere interessierte Student schlichtweg dem Abschluss der Bayerischen Woche in der Mensa den Vorzug gegeben.

Dieser Beitrag stammt von Lucas Knorr aus der 460. Ausgabe des Tip vom 17. November 2011 und wurde bereits 35 mal aufgerufen.

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