
Koloniale Gespenster in Afrika und Europa - Eine audio-visuelle Spurensuche nach der kolonialen Geschichte und Gegenwart
Ausgehend von Filmausschnitten, Fotos und Audiomaterial führt uns die Gruppe Remember Resistance durch unterschiedliche Stationen: Filmproduktionen kongolesischer Filmemacher zwischen Kinshasa und Brüssel, koloniale Präsenzen im heutigen Brüssel, eine aktuelle Rede des französischen Staatspräsidenten, der in Dakar seine neo-kolonialen Anforderungen und Prognosen für die globalisierte Zukunft formuliert – und eine mögliche Antwort darauf, die Patrice Lumumba schon mit seiner wichtigen Rede zur Unabhängigkeit 1960 gegeben hat.
Einführung: Wiederkehr der kolonialen Gespenster in Kongo-Brüssel
Die Gruppe REMEMBER RESISTANCE setzt sich zum Ziel, die Erinnerung an antikoloniale Widerstände und Dekolonisierungsbewegungen wach zu halten und mit aktuellen Fragen nach postkolonialen Machtdifferentialen zu verbinden. Mit dem Programm Wiederkehr der kolonialen Gespenster in Kongo-Brüssel greift die Gruppe das Motiv herumgeisternder Untoten des belgischen kolonialen Projektes auf: Sie tauchen in zahlreichen Spiel- und Dokumentarfilmen auf. Dabei geht es meist um einen Toten, dem die Geschichte bislang keinen Ort zuzuweisen vermochte, an dem er kollektiv betrauert und erinnert werden können: Lumumba.
Vorgeschichte:
Als die europäischen Kolonialmächte sich 1884 zur "Afrika-Konferenz" in Berlin trafen, war einer der Anlässe, dass Leopold der II. von Belgien das Gebiet des Kongo Flusses beanspruchte. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Sklaverei teilten die europäischen Mächte Afrika unter sich auf und gestanden dem belgischen König ein Privatgebiet zu, das 75 mal größer war als Belgien, was der Konferenz den euphemistischen Beinamen "Kongo-Konferenz" eintrug.
REMEMBER RESISTANCE begibt sich mittels Film-, Foto- und Ton- und live-Kommentarmaterial auf die Spur der langen Schatten dieser Kolonialgeschichte.
Vorspann aus Raoul Pecks Spielfilm Lumumba (2000):
17. Januar 1961, ein Konvoi von drei Militärfahrzeu-gen schlängelt sich durch eine nächtliche Landschaft – es ist Katanga, die an Rohstoffen reichste Region des Kongo und Ort eines der weitest reichenden politischen Morde der jüngeren afro-europäischen Geschichte. Doch die eigentliche Szene des Mordes an Lumumba wird im Film nicht gezeigt. Stattdessen sind nach einem Schnitt drei weiße Männer zu sehen, die einen Körper zersägen und ihn in Säure auflösen, damit nichts von ihm übrig bleibe.
Im Off Lumumbas Stimme:
"Selbst tot machte ich ihnen noch Angst."
Ausgehend von diesem Ausschnitt, greifen die einzelnen Beiträge das Motiv des Gespenstischen immer wieder auf: Der ruhelose Geist Lumumbas, dessen Geschichte schon so viele Male aus den Perspektiven seiner Gegner erzählt wurde, geistert auf Pfaden zwischen Europa und dem afrikanischen Kontinent hin- und her und entfaltet eine Kette von Heimsuchungen: die Geschichte der Filmproduktion in und über den Kongo, Stadtlandschaften im heutigen Brüssel, eine aktuelle Rede des französischen Staatspräsidenten, der zu Besuch in Dakar postkoloniale Anforderungen und Prognosen für die globalisierte Zukunft formuliert.
Brüssel, die Hauptstadt des Königreichs Belgien, bildet dabei eine Art Epizentrum. Aufgrund seiner Rolle in der Europäischen Union ist die Stadt heute zugleich Symbol für die europäische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit wie auch für die Synchronisierung der Politiken der Zuwanderung aus außereuropäischen Regionen.
Eine Bearbeitung von konfliktuösen und differenten Erinnerungen an die Epoche des Kolonialismus ist, so die Ausgangsüberlegung von REMEMBER RESISTANCE, unabdingbar, um einen Dialog zwischen Europa und den Nachkommen der kolonisierten Bevölkerungen – sowohl innerhalb Europas als auch auf dem afrikanischen Kontinent – zu fördern.











