"Verpasste Gelegenheit - Schädelübergabe ohne Gedenken oder Gedanken" - Leserbrief von Henning Melber zur Schädelrückgabe Zeremonie

Mit Sorge (wenn nicht Entrüstung) ließ sich das unrühmliche Spektakel der vergangenen Woche in der deutschen Hauptstadt aus der Perspektive jener Deutschstämmigen Namibias verfolgen, denen auch im eigenen Interesse an einer Verbesserung der deutsch-namibischen Beziehungen gelegen ist. Der unangemessene Auftritt (und Abgang) der Staatssekretärin Pieper beim Akt der Übergabe von Schädeln an die Nachfahren der Nama und Herero war einmal mehr eine verpasste Gelegenheit sich der Geschichtslast auf würdige Weise zu stellen.

Die unbedachten, unsensiblen bis verletzenden Ausflüchte und Verharmlosungen deutscher Politiker tragen leider dazu bei, dass eine Entkrampfung dieser Beziehungen trotz (oder vielleicht gerade wegen) der Betonung einer „besonderen deutschen Verantwortung" (ein Euphemismus, der Klartext vermeidet) in weiter Ferne liegt. Als Vorsitzender der Namibisch-deutschen Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit (NaDS) musste ich zwischen 1994 und 2000 so manche Peinlichkeit deutscher Politiker (einschließlich Bundespräsident, Kanzler und Außenminister) bei Besuchen vor Ort gegenüber den betroffenen Nachfahren der Herero und Nama miterleben und mich für meine deutsche Herkunft schämen. Dem Aussöhnungsprozess im Lande erweisen diese ausweichenden Eiertänze, die wie im aktuellen Fall nachgerade beleidigend sind, einen Bärendienst. Sie fallen bedauerlicherweise weit hinter das zurück, was die damalige Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul am Waterberg 2004 in Bewegung brachte. Die Bemühungen der Deutschstämmigen um eine gemeinsame Zukunft in ihrer namibischen Heimat werden dadurch unnötig erschwert.

Dr. Henning Melber, Uppsala, Schweden

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