Deutsche Zivilgesellschaft fordert symbolische und materielle Wiedergutmachung

rückgabe gebeine

Nachdem bereits die Podiumsdiskussion "Zeugen des deutschen Völkermords" am 28. September gezeigt hatte, wie groß der Bedarf und Wunsch der Nama und Herereo-Vertreter ist, den Deutschen ihre Geschichte zu erzählen, die Geschichte des Völkermords von 1904-1908, die Geschichte von unsagbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wurde dieses Anliegen auch gestern im Rahmen der Übergabezeremonie sehr deutlich.

Das medizinhistorische Museum der Charité gab in Anwesenheit der Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, die Gebeine von 20 Herero und Nama an die namibische Delegation zurück, die für rassitische Forschungen nach Deutschland verschleppt worden waren. Die von den namibischen Opferverbänden so dringlich erhoffte offizielle Entschuldigung der Bundesregierung für den Völkermord und die begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb allerdings aus. Auch konnten die traditionellen Führer der Herero und Nama ihre Anliegen der Bundesregierung nicht mehr vortragen, da Cornelia Pieper die Veranstaltung unmittelbar nach ihrer Rede verließ.

Nachdem die Bundesregierung bereits ihre Teilnahme an der Podiumsdiskussion "Zeugen des deutschen Völkermords" vor zwei Tagen mit Nachdruck abgelehnt hatte, stellte sich somit heute einmal mehr die Frage, wie ernst gemeint die Dialog- und Versöhnungsbereitschaft dieser Regierung sein kann, wenn sie die namibische Delegation nicht würdig empfängt und ihren Vertretern kein Gehör schenkt.

Am Ende der Übergabezeremonie lud der Sprecher des Nama Chiefs in einer spontanen Geste Judith Strohm von AfricAvenir International e.V. zu einem kurzen Statement auf die Bühne. Die Geschäftsführerin des Berliner Vereins sagte:

"Ich danke den traditionellen Chiefs für die Möglichkeit hier sprechen zu können. Ich stehe hier als die Repräsentantin der deutschen Zivilgesellschaft in tiefer Trauer vor Ihnen. Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für den Genozid, den Deutsche Kolonialtruppen an den Herero und Nama verübten. Ich übergebe Ihnen dieses Kondolenzbuch, in dem Menschen von überall auf der Welt ihrer Trauer Ausdruck geben und Schritte zur Versöhnung einfordern. Gemeinsam mit diesen Autorinnen und Autoren fordert die deutsche Zivilgesellschaft die Bundesregierung auf, den Völkermord an den Herero und Nama offiziell anzuerkennen und sich für diese kolonialrassistischen Verbrechen bei den Nachfahren der Opfer zu entschuldigen. Ich entschuldige mich auch für meine Regierung, die die namibische Delegation nicht in angemessener Weise empfangen hat und hoffe, es wird eine zweite Chance geben, dies besser zu machen. Wir als deutsche Zivilgesellschaft sind bereit, mit den Opfern in einen - wenn auch schmerzhaften Dialog - einzutreten und fordern die Bundesregierung auf, ihren Beitrag dazu zu leisten. Wir fordern die Regierung auf, symbolische und materialle Reparationen zu zahlen. Denn die Zeit ist gekommen für einen echten Dialog und eine wirkliche Versöhnung."

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