Afrika – Spielwiese für China und für Europa?

Unter diesem Titel fand eine Podiumsdiskussion auf dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen am Freitag, 22.05.09, von 11-13 Uhr vor über Eintausend Zuhörern statt. Die Bücher von Prinz Kum’a Ndumbe III. wurden den Hilfsverkäufern buchstäblich aus der Hand gerissen. Hier der Impulsbeitrag von Prinz Kum'a Ndumbe III.

Podiumsdiskussion:

Afrika – Spielwiese für China und für Europa?
(Europahafen, Beluga Bühne am Schuppen1, Konsul Schmidt – Str.)

Teilnehmer:

Prof. Dr. Helmut Asche, Institut für Afrikanistik, Leipzig;
Ibrahim Gueye, Wirtschaftsjournalist, Düsseldorf
Dr. Mia-Ling Hasenkamp, Politikwissenschaftlerin, Magdeburg
Prof. Dr. Prinz Kum’a Ndumbe III., Fondation AfricAvenir, Douala/Université de Yaoundé I
Moderation : Petra Pinzler, DIE ZEIT


Impulsbeitrag von Prinz Kum’a Ndumbe III.

Eine Spielwiese ist kein Akteur, sondern eine Fläche, auf die man tritt, um einen beliebigen Akt auszuführen, um besondere Ziele zu verfolgen oder Kämpfe gegen eine oder verschiedene Mannschaften auszulegen.

Afrika ist seit der Kolonialzeit in eine strukturelle Außenorientiertheit seines selbst gezwungen worden und vermochte seit den formellen Unabhängigkeiten der Sechziger und Siebziger Jahre diese Außenorientiertheit nicht wesentlich abzuschütteln. Vor allem seit 1884 fungierte Afrika als europäisches Konzept.

Die Unabhängigkeitskämpfe der Afrikaner erzwangen zwar tiefe Brüche, aber die konterkarierende Gesamtstrategie Europas und seiner amerikanischen Verbündeten führte lediglich zu Akzentverschiebungen dieses Afrikas als europäisches oder genauer europäisch-amerikanisches Konzept.

Die Zeit des Kalten Krieges zeigte noch deutlicher, dass Afrika kein eigenes Konzept sein oder entwickeln durfte, und der Sieg des Westens nach dem Zusammenbruch des Ostblocks verstärkte radikal die seit schon über zwei Jahrhunderten aufgezwungene Außenorientiertheit des afrikanischen Kontinents.

Die neue strukturelle Außenorientiertheit  wurde dann mit den Termini „Entwicklung“, „Entwicklungshilfe“, „Strukturanpassung“, „Privatisierung“ und „Globalisierung“ beschmückt, um nachhaltige Abhängigkeiten in den neuen afrikanischen Staaten zu bewahren oder zu schaffen.

Das Kolonialregime konnte nur mit Hilfe von korrumpierten einheimischen Kollaborateuren funktionieren und überleben. Die Fremdherrschaft, welche die afrikanischen Völker vom politischen System ausgeklammert hatte und ihnen ihr Schicksal mit militärischer Gewalt aus der Hand entriss, konnte nur mit permanenter Gewalt, Einschüchterung  und Korruption einer begrenzten, als „Kolonialelite“ oder „emanzipierte Bürger“ bezeichnete Minderheit aufrecht erhalten bleiben.

In den Sechziger und Siebziger Jahren vermochten es die afrikanischen Völker nicht, eine Führungsschicht an die Macht zu bringen, die freie Hand hatte, dieser strukturellen Außenorientiertheit afrikanischer Staaten ein Ende zu setzen. Die Korruption, die sich im Kolonialsystem bewährt hatte, wurde nach den Unabhängigkeiten wesentlich ausgebaut und verfeinert, um Politik, Militär, Wirtschaft und Kultur so zu gestalten, dass der Afrikaner sich nicht auf sich selbst besinnt und erfolgreiche Strategien umsetzt, die dahin führen, dass er das Schicksal seines Landes und seines Kontinents in die eigene Hand endlich zu nehmen vermag.

Sogar in der Bildung wurde nach der Unabhängigkeit das Gedächtnis der afrikanischen Völker systematisch ausgelöscht oder ausgeklammert, und ein intellektueller und spiritueller Genozid erzwang die Ausgebildeten in ein Nichtwissen über sich selbst, über das afrikanische intellektuelle und wissenschaftliche Erbe, und über eigene technische und technologische Fähigkeiten. Die Erziehung zum „Blick nach Außen“, von wo aus Lösungen für afrikanische Probleme kommen sollen, wurde allgemein als Bildungshilfe mit Exzellenzzentren gefördert, auch wenn der gängige Diskurs gerade diesen Zustand anzuprangern scheint und manche Bürger und Politiker, sowohl in Europa als auch in Afrika sich redlich bemühen, diese Denkrichtung zu ändern.

Der Einbruch Chinas in das politische, wirtschaftliche und militärische Feld in Afrika, vor allem seit der Aufforderung Yian Zemins an die chinesischen Manager im Jahre 1995, Weltakteure zu werden, erweitert die Konkurrenz stärker als zur Zeit des Kalten Krieges.

China hat ein eigenes Konzept Afrikas entwickelt, hauptsächlich zur Abdeckung der Bedürfnisse an energetischen Rohstoffen und Mineralien, an Baumwolle, Holz, und zur Beteiligung am afrikanischen Markt. Als Gegenleistung werden eindrucksvolle Infrastrukturen gebaut, ohne dass es jedoch zu einem bedeutenden Technologietransfer an die afrikanischen Partner kommt. China trifft aber auf  einem schon festsitzenden Europa in Afrika, das Afrika als natürliche Einflusssphäre immer schon begriffen hat.

Nun aber erwarten die Staaten des Golfs von Guinea für die nächsten zwölf Jahre 1000 Milliarden US $ Öleinnahmen - vorausgesetzt  das Barrel bleibt über 50 US $ -, dies ist doppelt soviel wie die ganzen Entwicklungsgelder des Westens der letzten 50 Jahre an Afrika. Umdenken ist schnell gefragt.

So lange die afrikanischen Staaten es nicht schaffen werden, sich von der strukturellen Außenorientiertheit zu befreien, eigene Konzepte von sich selbst sowie eigene Konzepte von den Partnern zu entwickeln und daraus eine nachhaltige Politik zu gestalten, die von eigenen Banken unterstützt und getragen werden kann, solange wird auch eine noch so rege internationale Konkurrenz auf afrikanischen Boden keine wesentlichen Vorteile für die afrikanischen Staaten nach sich ziehen.

Im Gegenteil, Afrika wird dann eher Gefahr laufen, zu einem erbarmungslosen Schlachtfeld fremder Interessen auf eigenem Boden zu werden, mit erweiterter Korruption und gesponserter Willkürherrschaft.


Weiterführende Lektüre:

Kum’a Ndumbe III,
Wettkampf um die Globalisierung Afrikas
– An die Mitbürger der einen Welt im anbrechenden 21. Jahrhundert – herausfordernde Reden zur Begegnung, Band I, Editions AfricAvenir/Exchange & Dialogue, 2006;  24.75€
 
Afrika ist im Aufbruch, Afrika ist die Zukunft - An die Mitbürger der einen Welt im anbrechenden 21. Jahrhundert – herausfordernde Reden zur Begegnung, Band II, Editions AfricAvenir/Exchange & Dialogue, 2006;  21.50 €
www.exchange-dialogue.com;

Bestellungen: order(at)exchange-dialogue.com

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