PM: Hamburg braucht keinen „Askariweg“!

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Im Hamburger Stadtteil Wandsbek-Jenfeld hat die AG „ Wohnen und Verkehr“ dem Bezirksamt die Anlegung eines „Askariwegs“ vorgeschlagen. Gemeinsam mit einem ebenfalls projektierten „Tansaniaring“ soll die Straße den so genannten „Tansania-Park“ flankieren. Der seit Jahren umstrittene Gedenkort, der noch immer auf ein von der Öffentlichkeit getragenes postkoloniales Erinnerungskonzept wartet, enthält zwei große nationalsozialistische „Askari-Reliefs“ sowie ein Ehrendenkmal für die koloniale „Schutztruppe“ und für das Afrika-Korps der deutschen Wehrmacht.

„Mit einer solchen Benennung“, kritisiert der Historiker Christian Kopp von der Kampagne freedom roads! koloniale straßennamen / postkoloniale erinnerungskultur den Antrag, „würde nahtlos angeknüpft werden an die Denkmäler der NS-Kolonialpropaganda, die den Mythos von ‚Deutschlands treuen Askari’, von seinen ‚anhänglichen’ afrikanischen Kolonialsoldaten und Hilfstruppen pflegte. Auch ein Tansaniaring wäre in diesem Kontext nicht passend.“

Die Legende von den „treuen Askari“ sollte Deutschlands Anspruch auf die im Ersten Weltkrieg verlorenen Kolonien untermauern und die Mär von der vermeintlichen „Beliebtheit“ der Deutschen in Afrika verbreiten. In Wirklichkeit wurden die oft ortsfremden, von der Bevölkerung gefürchteten Askarisoldaten benutzt, um in zahlreichen Kriegszügen Millionen von Menschen unter das koloniale Joch zu zwingen. Allein während des Maji-Maji-Krieges (1905-07) im Süden der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ mordeten sie im Auftrag ihrer weißen Kommandeure mehr als 100 000 Männer, Frauen und Kinder. Während des Ersten Weltkriegs kostete der jahrelange Kampf der so genannten „Schutztruppe“ unter Lettow-Vorbeck gegen die Alliierten bis zu einer halben Million ostafrikanischer Zivilisten das Leben.

„Die Opfer haben weder eine angemessene Entschädigung erhalten, noch haben sie einen verantwortlichen Umgang der Bunderepublik Deutschland erfahren in Bezug auf die kolonialen Verbrechen des Deutschen Reiches, dessen Rechtsnachfolgerin die BRD ist“, so Sharon Otoo vom Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD-Bund e.V.). „Es ist an der Zeit, dass sich Deutschland seiner Kolonialzeit und deren Auswirkungen endlich selbstkritisch stellt und für die dadurch entstandenen Schäden aufkommt.“

Eine aktuelle Resolution (www.freedom-roads.de/frrd/resoluti.htm) zur Dekolonisierung des öffentlichen Raums und zu Formen der symbolischen Wiedergutmachung wird von mehr als 50 Nichtregierungsorganisationen unterstützt. Ihnen geht es um die Würdigung von Opfern, Gegnerinnen und Gegnern der deutschen Kolonialherrschaft, die anstelle der so genannten „Kolonialhelden“ mit Straßennamen geehrt werden sollen. „Alternativ zu diesem absolut schrecklichen Straßennamen, der die Opfer des Kolonialismus verspottet,“ so die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst, „möchten wir dem Bezirk Hamburg-Wandsbek einen Mohamed-Husen-Weg vorschlagen.“

Die Universitätsprofessorin hat 2007 das Buch „Treu bis in den Tod“, die weithin beachtete Biografie des von den Nationalsozialisten ermordeten Ostafrikaners Bayume Mohamed Husen, veröffentlicht. Geboren wurde er als Mahjub bin Adam Mohamed 1904 in Dar es Salaam, das seit neuestem Hamburgs Partnerstadt ist.

Im Weltkrieg diente Husen als Kindersoldat der deutschen Kolonialmacht in Ostafrika.

In den späten 1920er Jahren kommt er nach Deutschland, um den Sold einzufordern, den man ihm schuldig geblieben ist. Hier gründet er eine Familie und steht als Filmschauspieler u.a. mit Zarah Leander und Hans Albers vor der Kamera. Doch im NS-Staat hängt das Leben Schwarzer Menschen am seidenen Faden. 1941 wird Bayume Mohamed Husen festgenommen und verschleppt. Nach mehr als drei Jahren Haft kommt er im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben.

freedom roads!-Blog
http://www.freedom-roads.de/frrd/blog.htm

Hintergründe: Artikel „Unschöne Nachbarschaften“
http://www.freedom-roads.de/pdf/unschoenenachbarschaften.pdf

Pressekontakt
Christian Kopp

freedom roads! koloniale straßennamen / postkoloniale erinnerungskultur
www.freedom-roads.de
info(at)freedom-roads.de

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