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Kooperation: tazreise in den Senegal, 22. Dezember 2013 - 4. Januar 2014

Vom 22. Dezember 2013 bis 4. Januar 2014 bietet die tageszeitung (taz) in Kooperation mit AfricAvenir und dem senegalesischen Frauennetzwerk für nachhaltige Entwicklung REFDAF eine Bildungsreise in den Senegal an. Thematischer Schwerpunkt der Reise ist die vitale senegalesische Ziviligesellschaft, die 2012 den zweiten Machtwechsel mit herbeigeführt hat, sowie Begegnungen mit verschiedenen Frauenrechtsgruppen und Frauen- Kooperativen.

2012 erlebte auch der Senegal massenhafte Jugendproteste, die den seit 12 Jahren amtierenden Präsidenten Wade verjagten. Schon länger gilt das Land als das demokratischste in Westafrika. Eine lange parlamentarische Tradition, lebhafte zivilgesellschaftliche Strukturen, freie Presse und die Erfahrung zweier friedlicher Regierungs- bzw. Regimewechsel machen es autoritären Tendenzen schwer, sich langfristig durchzusetzen.

Zu den Organisatoren des „senegalesischen Frühlings“ 2012 gehörten Top-Stars der Rapp- und HipHop-Szene. Ihre Konzerte und Video-Clips mobilisierten landesweit in Windeseile. Auf der Reise werden Sie Akteure dieser Jugendbewegung „Y’en a marre“ und des zivilgesellschaftlich-politischen Bündnisses "M-23" kennen lernen. Ein anderer Schwerpunkt sind Begegnungen mit verschiedenen  Frauenrechtsgruppen und Frauen- kooperativen im Großraum Dakar, in Popinguine und in einem Fischerdorf am Senegal-Fluss bei St. Louis.

In Touba, der heiligen Stadt der Sufi-Bruderschaft der Mouriden, erleben Sie einen friedvollen, toleranten Islam. Diese Bruderschaft ist heute eine der wirtschaftlich und gesellschaftlich einflussreichsten Kräfte im Senegal und hat ihre Wurzeln im antikolonialen Kampf gegen die französische Herrschaft.

Eine Nacht bleibt die Reisegruppe auf der Insel Gorée in der Bucht von Dakar, früher Zentrum des Sklavenhandels nach Amerika. Ein traditioneller Bänkelsänger, ein „Griot“, wird die Geschichte des Sklavenhandels erzählen, wie sie in den lokalen Überlieferungen erhalten ist.

Abstecher ins historisch und architektonisch interessante Saint Louis im Norden (die erste französische Stadtgründung in Afrika) und an die „Petite Côte“, den Sandstrand am Atlantik südlich von Dakar, runden die Reise ab.

Möglich wird diese Reise dank zweier Kooperationen: mit dem Verein AfricAvenir International e.V., dessen Vorsitzender Eric van Grasdorff die Reise leitet, sowie mit Madjiguène Cissé, der Leiterin eines senegalesischen Frauennetzwerks; sie wurde Ende der 90-er Jahre als Sprecherin der Migrantenbewegung der „sans papiers“ in Frankreich auch bei uns bekannt; 1998 erhielt sie in Berlin die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte.

Reiseleiter

Eric van Grasdorff, Vorsitzender der Organisation AfricAvenir (www.africavenir.org) in Berlin; er ist im Senegal geboren und aufgewachsen.
in Kooperation mit

Madjiguène Cissé, Präsidentin des senegalesischen Frauennetzwerks für nachhaltige Entwicklung REFDAF in Dakar.

PREIS: 2.780 € (DZ/HP/Flug), Einzelzimmerzuschlag: 165 €

VERANSTALTER: Ivory-Tours, Nürnberg, Tel.0911 - 955 26 26, info@ivory-tours.de

Leistungen:

  • Reiseleitung durch Eric van Grasdorff , Vorstand AfricAvenir e.V., Berlin, in Kooperation mit Madjiguène Cissé, Präsidentin des Frauennetzwerks REFDAF, Dakar.
  • Kleine Gruppe: mindestens 10, maximal 16 Personen
  • Begegnungen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen und Projekten
  • Übersetzungen bei allen Treffen mit Gruppen und Personen
  • Linienflüge mit der portugiesischen TAP ab/bis Frankfurt/M
  • 12 Übernachtungen mit Halbpension, 11 davon in Hotels der guten Mittelklasse sowie 1 Übernachtung im einfachen „Campement Baoul“ (bei Touba).
  • Rundfahrt Dakar, St.Louis, Touba, Toubab Dialow und zurück nach Dakar im klimatisierten Kleinbus
  • Eintritte und Besichtigungen sowie Exkursionen gemäß Reisebeschreibung
  • Informationsmaterial zur Vorbereitung
  • Reisesicherungsschein des Veranstalters

Zusätzliche Kosten (fakultativ):

  • Einzelzimmerzuschlag: 165 Euro (im „Campement Baoul“ bei Touba ist kein EZ möglich)
  • Rail & Fly-Ticket von allen Städten Deutschlands nach Frankfurt: 40 Euro (hin und zurück)
  • Reiserücktrittsversicherung und Auslandskrankenversicherung (Preis/Leistungen auf Anfrage beim Veranstalter)
  • Freiwilliger Atmosfair-Beitrag: 58 Euro (Informationen beim Reiseveranstalter)
  • Weitere Informationen

Nicht im Reisepreis enthalten:

  • Mittagessen / Getränke / Trinkgelder
  • Anschlussflüge nach/von Frankfurt (bei Bedarf ist der Veranstalter gerne behilflich)
  • Visum (70 € durch Veranstalter; selbst besorgen bei der Botschaft: 50 €)

Programm im Detail:

1. Tag (Sonntag)

Der Flug mit der portugiesischen Fluglinie TAP startet in Frankfurt/M um 13.:20 Uhr nach Lissabon; Sie steigen in eine andere TAP-Maschine um und erreichen Dakar kurz nach Mitternacht. Transfer zum Hotel St. Louis Sun in Dakars Innenstadt.

2. Tag (Montag)

Nach einem gemeinsamen Frühstück im Hotel geht es zur ersten Orientierung auf einen kurzen Spaziergang mit dem Geschichtslehrer und „Griot“ Babacar Mbaye Ndaak in der direkten Umgebung des Hotels, dem modernen Regierungsviertel „Plateau“ rund um die Place de l’Indépendance.

Anschließend begleitet Babacar Mbaye Ndaak die Reisegruppe auf einer Bustour durch die Stadt: Vorbei am Präsidentenpalast in Richtung Cap Manuel Leuchtturm, dem südlichsten Punkt der Dakarer Halbinsel, fahren Sie entlang der Küstenstraße Corniche zum Stadtviertrel Médina mit einem Kunsthandwerks- sowie dem Fischmarkt von Soumbedioune. Weiter geht es durch das Wohnviertel Mermoz bis zum umstrittenen Monument der Afrikanischen Renaissance. Die Rückfahrt führt über die Stadtviertel Point E und Colobane, vorbei an der großen Moschee, in Richtung Hauptbahnhof und Hafen bis zum Hotel.

Am späteren Nachmittag treffen Sie Alioune Tine, den Initiator der ‚Bewegung des 23. Juni‘ (M23), einem breiten Bündnis von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Oppositions- politiker/innen. Es initiierte 2011 gemeinsam mit der „Y en a marre“-Bewegung den sog. „senegalesischen Frühling“ und führte schließlich 2012 den Sturz des Wade-Regimes herbe. Alioune Tine lehrt an der der Universität Cheikh Anta Diop (UCAD) in Dakar und ist ein erfahrener Menschenrechtsaktivist und Konfliktmediator sowie der Leiter der Menschenrechtsorganisation ‚Rencontre africaine de défense des droits de l’homme‘ (RADDHO).

Bei einem gemeinsamen Abendessen lernen Sie Madjiguène Cissé kennen. Die ehemalige Sprecherin der französischen Sans Papiers-Bewegung und Gründerin des Frauennetzwerks für nachhaltige Entwicklung in Afrika (REFDAF) wird Sie zu mehreren Programmpunkten in Dakar begleiten.

Wer es (zu Recht) nicht abwarten kann, in die berühmte Dakarer Musikszene abzutauchen, für den gibt esschon an diesem Montag eine Auswahl an Konzerten

3. Tag (Dienstag)

An diesen Tag sind die sozialen Umbrüche im Senegal und in Westafrika das Thema. Dazu begeben wir uns am Vormittag zu CODESRIA, zum Council for the Development of Social Science Research in Africa, einem panafrikanischen „Think Tank“ in unmittelbarer Nähe der Uni. Dort treffen wir Firoze Manji, seit März 2013 Leiter des Dokumentations- und Informationszentrums (CODICE) der Institution. Der aus Kenia stammende Manji hat eine lange Karriere als Menschenrechtsaktivist hinter sich: er war u.a. Gründer und ehemaliger Chefredakteur von Pambazuka News, einem open-access Online-Magazin und das größte und vitalste Forum für soziale Gerechtigkeit in Afrika. Neben einer Einführung in die Arbeit von CODESRIA erhalten wir von ihm einen Überblick über die sozialen Kämpfe und über die vielen Aufbrüche in der Region und auf dem Kontinent.

In einem zweiten Gespräch treffen wir den Ökonomen Demba Moussa Dembele. Als Leiter des Forum Africain des Alternatives, Koordinator von l’Africaine de Recherche et de Coopération pour l’Appui au Développement Endogène (ARCADE) und Mitorganisator des Weltsozialforums in Dakar wird uns Dembele einen Eindruck geben über die Möglichkeiten und Grenzen endogener Entwicklungswege in (West-)Afrika.

In Laufdistanz von CODESRIA befindet sich das Goethe Institut, das auch ein Terassenrestaurant mit Blick über Dakar hat. Dort gibt es Gelegenheit zum Mittagessen, bevor es um 15:30 Uhr weiter geht in den Stadtteil Hann Pecheur, wo die Reisegruppe mit Mamadou Diol verabredet sein wird, dem Leiter der Theatergruppe Kaddu Yaraax. In Anwendung des von Augusto Boal entwickelten „Theater der Unterdrückten“ macht Kaddu Yaraax effiziente kommunale Aufklärungsarbeit zu diversen Themen wie Umweltschutz, Migration etc. und schafft es, die lokale Bevölkerung für die Entwicklung und den Schutz des eigenen Viertels zu mobilisieren.

4. Tag (Mittwoch)

Am Vormittag Besuch einer REFDAF-Gruppe, der Vereinigung der Frauen der Médina (AFEME). Gemeinsam mit Madjiguène Cissé treffen Sie die AFEME-Leiterin Yacine Ndiagne. Die Gruppe wurde1993 gegründet mit dem Ziel die Selbstorganisation der Frauen des Stadtteils Médina zu fördern und zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen durch Förderung von Bildung, Vergabe von Mikrokrediten, Unterstützung von Handwerks-Kooperativen und in jüngster Zeit auch die Gründung einer Frauensiedlung beizutragen.

Frauen von AFEME führen die Reisegruppe anschließend durch die populäre Médina, einem der ältesten und dicht besiedelsten Stadtteile Dakars. 1914 von den Franzosen angelegt, um die lokale Bevölkerung von den weißen Kolonialherren zu trennen, ist die Médina heute sicher eines der charmantesten Viertel Dakars, da es dem großen Bau-Boom bisher widerstehen konnte. Eine Vielzahl von heute berühmten Sänger/innen und Künstler/innen, wie z.B. Youssou Ndour oder Omar Pène, ist in der Médina aufgewachsen.

Im Anschluss an die Führung können Sie ein senegalesisches Mittagessen genießen, das vom REFDAF-Projekt „Lokale Küche“ zubereitet wird.

Am Nachmittag besuchen Sie das „Committee Nationale contre les violences faites aux femmes“, einem Komitee, das sich dafür einsetzt, alle Formen der Gewalt gegen Frauen und Kinder zu beseitigen. Neben Aufklärungskampagnen, Konferenzen und Empowerment-Trainings arbeitet und berät das Komitee auch Opfer von Gewalt und beobachtet die Implementierung von Gesetzen.

Zum Abendessen treffen wir Prof. Maguèye Kassé, Germanistik-Professor an der Universität Cheikh Anta Diop und Direktor der Senegalesischen Vereinigung zur Förderung alternativer Entwicklungswege (ASPAD).

5. Tag (Donnerstag)

Im Café der Raw Material Company, einem Kunstraum, der u.a. die Protestbewegung gegen eine dritte Kandidatur Abdoulaye Wades in einer beeindruckenden Fotoausstellung und einem Katalog dokumentierte, treffen Sie am Vormittag den Journalisten Fadel Barro, einen der Wortführer der von Hip Hop Künstler/innen und Journalist/innen gegründeten „Y’en a marre“-Bewegung („Wir haben‘s satt“).

„Y’en a marre“ machte sich im Vorfeld der Wahlen 2012 zum Sprachrohr der von Massenarbeitslosigkeit betroffenen senegalesischen Jugend und schaffte es mittels Radio- und Fernsehsendungen, Rapsongs und SMS-Aktivismus, diese massiv zu mobilisieren, was zur Abwahl Wades führte. Auch nach der Wahl ist „Y’en a marre“ aktiv, gibt der Jugend eine Stimme und eine Vision und mobilisiert z.B. im Kampf gegen die durch die Regenzeit verursachten Überschwemmungen.

Am frühen Nachmittag verlassen wir Dakar. Mit der Fähre geht es auf die Insel Gorée, Symbol der sog. „Maafa“, des transatlantischen Sklavenhandels. Von hier aus wurden jahrhundertelang Menschen in die Sklaverei deportiert. Auch wenn neuere Studien inzwischen die Zahl der über Gorée verschifften Menschen nach unten korrigiert haben, bleibt diese winzige und heute unschuldig anmutende Insel ein Ort der Introspektion und des Gedenkens.

Auf Gorée angekommen, checken wir in mehreren Gästepavillons des Gorée Instituts ein, einer Reihe geschmackvoll restaurierter Wohnhäuser mit hübsch eingerichteten Zimmern, Balkonen und Gartenanlagen, die alle nach bedeutenden Persönlichkeiten der afrikanischen Geschichte benannt sind (Mandela, Cabral, Lumumba, Yaa Asantewa etc.) und gewöhnlich Forscher/innen und Konferenzteilnehmer/innen als Residenz dienen. Das von dem südafrikanischen Schriftsteller Breyten Breytenbach gegründete Institut versteht sich als Ort des Kulturaustauschs und der Konfliktlösung, eine Tradition, die es aus der Zeit des Anti-Apartheid Kampfes fortführen möchte, als sich hier Vertreter/innen der Apartheid Regierung und des ANC zu geheimen Gesprächen trafen.

Nach dem Einchecken werden Sie als erstes in das sog. „Haus der Sklaven“ gehen, ein Originalschauplatz, weltberühmt durch die „Tür ohne Wiederkehr“. Der Geschichtslehrer und Erzähler Babacar Mbaye Ndaak führt Sie durch das Haus und erzählt die beeindruckende und verstörende Geschichte des europäischen Handels mit versklavten Afrikaner/innen. Im Anschluss besteht vielleicht die Möglichkeit, das zurzeit wegen Renovierungsarbeiten leider geschlossene Museum der Frau (Musée de la Femme Henriette-Bathily) zu besichtigen, das genau gegenüber vom Sklavenhaus liegt und einen Überblick gibt über die gesellschaftliche Stellung und den Alltag der senegalesischen Frauen in der Geschichte.

Zum Abendessen treffen wir uns in einem der schönen Hafen-Restaurants und lassen die Insel und ihre machtvolle Geschichte auf uns wirken.

6. Tag (Freitag)

Nach einem gemeinsamen Frühstück in den Räumlichkeiten des Gorée Instituts führt Babacar Mbaye Ndaak in die von den Franzosen gebaute Estrées Festung, in der heute das Historische Museum untergebracht ist. In 13 Räumen erfahren wir hier die Geschichte des Senegals und speziell auch die von Gorée, von der prähistorischen Zeit über die vorkolonialen Reiche, den Sklavenhandel und die Kolonialzeit bis in die Gegenwart.

Zum gemeinsamen Mittagessen ist ein Gespräch mit Odile Tendeng vomGorée Institutgeplant. Sie ist Expertin für Friedens- und Konfliktforschung und Programmkoordinatorin der Alliance for Peace Initiatives. Sie wird neben einer Einführung in die Arbeit des Instituts auch einen Überblick über die aktuellen Konflikte in Westafrika (Mali, Côte d’Ivoire etc.) aus panafrikanischer Perspektive geben.

Nach dem Mittagessen nehmen Sie die Fähre zurück nach Dakar und nach einem kurzen Schlenker ins Hotel, um das restliche Gepäck einzuladen, geht es auf den Weg nach Saint-Louis, im Norden des Senegalsdirekt an der Grenze zu Mauretanien. Saint-Louis war die erste französische Siedlung auf dem afrikanischen Kontinent, gegründet vor 350 Jahren. Zunächst ebenfalls als Umschlagplatz für den Sklavenhandel auf einer langgezogenen Insel mitten im Senegal-Strom gebaut, wurde Saint-Louis später zur Hauptstadt von ganz Französisch-Afrika. Die Saint-Louisaner/innen (wie im Übrigen auch die Bewohner /innen Dakars, Gorées und Rufisques, die sog. Vier Kommunen) waren formell Franzosen, wurden selbstbewusste Bürger/innen und schickten den ersten Schwarzen Abgeordneten ins Pariser Parlament.

Heute ist Saint-Louis eine Stadt mit einer bizarren, einzigartig dreigeteilten Geografie: Auf dem Festland das kommerzielle Zentrum, geschäftig und lärmend; auf einer 30 Kilometer langen Landzunge am Meer die Fischer, nur der See zugewandt und ein wenig fremdenscheu. Und dazwischen, umarmt vom braunen Strom, die historische Insel: mit 1344 unter Schutz stehenden Gebäuden: ein Weltkulturerbe von morbidem Charme.

Gegen Abend kommen wir in Saint Louis an, wenn das Licht der schütteren, verfallenen Schönheit der Stadt schmeichelt und auch die von Gustav Eiffel gebaute und inzwischen rostige Brücke über dem Senegal-Strom sich harmonisch in die Farben der Dämmerung einfügt.

Nach dem Einchecken im Hotel de la Poste nehmen wir dort das Abendessen ein.

7. Tag (Samstag)

Nach einem Frühstück auf der Terrasse des Hotels können Sie sich vormittags der Geschichte dieser unter Denkmalschutz stehenden Stadt zuwenden, um deren Erhalt Fatima Fall kämpft. Die junge Frau ist diplomierte Denkmalschützerin und leitet einen Verein, der sich die Restaurierung der historischen Innenstadt zum Ziel gemacht hat, eine herausfordernde Aufgabe, denn Armut und das dadurch oft fehlende Bewusstsein führen oft zum Abriss denkmalgeschützter Gebäude.

Im beschaulichen Restaurant „Chez Agnès“ im Süden der Insel ist ein Mittagessen gemeinsam mit Fatima Fall geplant. Am Nachmittag fahren Sie mit dem Minibus etwa 7 km nördlich in ein Dorf am Senegal-Fluss. Dort besuchen Sie eine REFDAF- Frauenkooperative, deren Mitgliederinnen mit der Weiterverarbeitung einer bestimmten, beliebten Fischart das Haushaltseinkommen verbessern. Sie werden auch von den Problemen berichten, mit denen sie bei ihrer Arbeit konfrontiert sind. Abends geht es wieder zurück ins Hotel nach St. Louis,

Im Anschluss treffen Sie den vielfach preisgekrönten Schriftsteller und Erzähler Louis Camara, der sein ganzes Leben in Saint Louis verbracht und zahlreiche Artikel, Gedichte, Kurzgeschichten und Bücher über seine Stadt veröffentlicht hat, u.a. den Bildband „Saint Louis du Sénégal“. Camara ist fasziniert von den Mythen und Legenden seines Landes und wird uns sein Saint Louis zeigen. „Als Traditionsstadt und Hauptstadt einer vergangenen Zeit“, so schreibt er, „hat Saint Louis sich die Manieren einer großen Dame erhalten: ordentliche Straßen, spektakuläre Bauten, das alles in einem malerischen Rahmen zwischen Fluss und Ozean. Saint-Louis hat es aber auch verstanden, sich zu verjüngen und einige sehr lebendige Viertel zu entwicklen, wie Guet Ndar oder Sor, und ein florierendes kulturelles und intellektuelles Leben. Eine subtile Mischung.“

8. Tag (Sonntag)

Vormittags bleibt Zeit für individuelle Streifzüge durch die Gassen oder Märkte von St. Louis, auch der Besuch einer Kunstgalerie ist möglich.

Nach dem Mittagessen verlassen wir Saint Louis in Richtung Mbacké, vor den Toren Toubas gelegen, der heiligen Stadt der Mouriden, in der es allerdings keine Hotels gibt bzw. geben darf. In Mbacké checken Sie in das schlichte Campement de Baoul ein, wo Sie Babacar Mbaye Ndaak wieder treffen, der der Reisegruppe auch in Touba als Führer und Türenöffner zur Verfügung stehen wird.

Am Abend schlüpft Babacar in seine traditionelle Griot-Rolle und erzählt, als Einstimmung für den folgenden Tag, die Geschichte des Gründers der Mouriden-Bruderschaft Cheikh Ahmadou Bamba (1853-1927), von seiner Lehre eines friedvollen und diesseitsgerichteten – damit auch wirtschaftlich erfolgreichen – Islam, von seinem pazifistischen Widerstand gegen den französischen Kolonialismus, seinem erzwungenen Exil und schließlich von der Gründung der Stadt Touba (ṭūbā bedeutet „Glückseligkeit“ und „Nähe zu Gott“).

9. Tag (Montag)

Früh am Morgen fahren Sie dann vor die Tore der Heiligen Stadt. Von Cheikh Ahmadou Bamba 1887 gegründet, blieb Touba auch 40 Jahre nach Bambas Tod ein relativ kleiner und isolierter Ort in Zentral-Senegal. Erst nachdem die große Moschee 1963 fertig gestellt wurde, begann die Bevölkerung rapide zu wachsen, von 5.000 Einwohner/innen in 1964 stieg sie auf 529.000 in 2007.

Touba wird vom Mouriden-Orden verwaltet und ist eine komplett autonome Zone außerhalb der Kontrolle des senegalesischen Staates, das betrifft sowohl die Steuern als auch alle staatlichen Dienste wie Bildung, Gesundheitswesen, Zugang zu Wasser, Landrecht und Stadtentwicklung. Cheikh Sidy Mokhtar Mbacké ist der aktuelle Kalif der Mouriden. Einmal jährlich findet der „Grand Magal“ („Hommage“, „Ehrung“) statt, zu dem bis zu zwei Millionen Pilger/innen Touba besuchen, um Cheikh Ahmadou Bamba zu ehren und dem Beginn seines Exils zu gedenken.

Geführt von Babacar Mbaye Ndaak betreten wir in angemessener Kleidung die Heilige Stadt und besuchen die große Moschee mit seinen fünf Minaretten, von denen das zentrale 87 Meter hoch aus der Erde ragt. Die Moschee soll eine der größten in Sub-Sahara-Afrika sein und wird seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1963 kontinuierlich ausgebaut und verschönt. In der Moschee selbst befindet sich auch das Mausoleum des Cheikh Ahmadou Bamba, während die Grabstätten seine Nachfolger und Söhne unmittelbar neben der Moschee zu besichtigen sind. Danach geht es weiter zum Brunnen der Barmherzigkeit, genannt „Daaru Xudoos“, sowie zur Residenz „Khadimourassoul“ und zur Bibliothek der Heiligen Stadt.

Zum Mittagessen sind Sie Gast in einem Privathaushalt und treffen dort einen Berater des 2009 verstorbenen Vorgängers des aktuellen Kalifen der Mouriden, mit dem noch einmal ausführlich über das bereits Gesehene sowie über Fragen zur Mouriden-Bruderschaft gesprochen werden kann.

Am späten Nachmittag verlassen wir Touba in Richtung „Petite Côte” und checken ca. vier Stunden später im Hotel Espace Sobobadé in Toubab Dialow ein. Von dem haitianischen Dichter, Theatermacher und Künstler Gérard Chenet ins Leben gerufen, ist Espace Sobo Bade ein märchenhaft anmutendes und malerisch gelegenes Hotel mit Blick aufs Meer, aber auch ein Ort der Kultur und des Kulturaustauschs.

10. Tag (Dienstag)

Nach dem intensiven Programm der vergangenen Tage bietet sich zum Ausruhen und Verarbeiten der Eindrücke ein Vormittag am Strand an. Wer dagegen etwas unternehmen möchte, kann entweder auf eigene Faust den nahe gelegenen Ort Toubab Dialow besichtigen oder ins benachbarte Popenguine fahren, dem Geburtsort von Léopold Sédar Senghor, eine christliche Enklave und Ferienresidenz aller senegalesischen Präsidenten.

Alternativ bietet sich ein Besuch der „École des Sables“ in Fußnähe unseres Hotels an, einer von Germaine Acogny gegründeten und geleiteten Ausbildungsstätte für Choreografie und zeitgenössischen Tanz am Rande von Toubab Dialow.

Am Nachmittag können Sie bei einem Ausflug nach Popinguine eine RAFDAF-Fraueninitiative treffen, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat. (evtl. gemeinsamer Besuch des Naturschutzparks, für dessen Schutz sich die Frauen einsetzen.)

Das Abendessen wird sich bis Mitternacht hinziehen: es ist die Silvester-Nacht.

11. Tag (Mittwoch)

Das neue Jahr 2014 lassen wir geruhsam beginnen mit einem ausgedehnten Frühstück auf der Terrasse des Hotels und einem zur freien Verfügung stehenden Vormittag.

Nach dem Mittagessen fahren Sie mit unserem Bus nach Dakar zurück, wieder ins Hotel St. Louis Sun. Anschließend besteht die Möglichkeit an dem beliebtesten senegalesischen Sport teilzunehmen: im großen Léopold Sédar Senghor Stadium (60.000 Plätze), findet das Ringkampf-Highlight des Jahres statt. Das Ringen, die „lutte sénégalaise”, wurde ab 1920 in den Städten populär und 1959 zum Nationalsport erklärt. Inzwischen ist es vor Fußball der beliebteste und am meisten mediatisierte Sport im Senegal. Dem eigentlichen Kampf gehen eine Vielzahl ritueller Handlungen und Opfer voraus. Der Kampf selbst ist dagegen meist kurz, wer als erstes den Boden mit einem anderen Körperteil als Hand oder Fuß berührt, geht als Verlierer vom Platz.

Zum Abendessen treffen Sie Ibrahima Thiam, Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Spezialist der Mouriden Bruderschaft, mit dem wir uns auch nochmal über den Touba-Besuch austauschen können.

12. Tag (Donnerstag)

Vormittags fahren Sie in den Dakarer Vorort Thiaroye sur Mer, wo gemeinsam mit Frau Cissé ein Treffen mit derm REFDAF-Verein „Frauen gegen die illegale Migration” (Association des Femmes pour la lutte contre l'emigration clandestine) stattfindet. Die Leiterin, Frau Yayi Bayam Diouf, erläutert uns das Konzept der Gruppe, das darin besteht, u.a. durch die Herstellung und den Verkauf von Fischprodukten die so wichtige Aufklärungsarbeit gegen den ‘Mythos Europa’ zu finanzieren. Im Anschluss kommen wir einmal mehr in den Genuss eines üppigen senegalesischen Mittagessens.

Zurück in der Stadt steht der Besuch der Universität Cheikh Anta Diop (UCAD) auf dem Programm, benannt nach dem wohl bedeutendsten panafrikanischen Ägyptologen und Historiker, Linguist und Physiker, Cheikh Anta Diop (1923 - 1986), der durch sein Werk die bis dahin unangefochten eurozentrische Lesart der afrikanischen und Weltgeschichte auf den Kopf stellte.

Auf dem Universitätscampus treffen Sie einen seiner Schüler, den Ägyptologen und linken Gewerkschaftler Babacar Sall und besichtigen mit ihm Diops nun schon legendäres Karbondatierungslabor, mit dem dieser u.a. seine These vom afrikanischen Ursprung der ägyptischen Hochzivilisation untermauerte. Der heute weltweit verehrte Wissenschaftler war auch der intellektuelle Gegenspieler des ersten Präsidenten und Négritude Mitbegründers Senghor, dem er seine frankophilie und folkloristische Instrumentalisierung afrikanischer Kultur vorwarf. Diop, der später auch mit wenig Erfolg in die Politik ging, wurde unter Senghor mehrfach inhaftiert und lange Jahre mit einem Lehrverbot versehen. Erst auf Druck der Student/innen erhielt Dakars Universität seinen Namen.

Im Anschluss und ebenfalls auf dem Uni-Campus ist ein Treffen mit der international anerkannten Frauenrechtlerin und Soziologin Fatou Sow Sarr geplant. Die Leiterin des Laboratoriums Gender und wissenschaftliche Forschung beim Institut de Recherches Fondamentales d’Afrique Noire (IFAN) an der UCAD ist wesentlich für das 2010 verabschiedete Gender-Paritätsgesetz in allen gewählten Institutionen und Gremien des Senegal verantwortlich.

Zum Abendessen begeben wir uns ins inzwischen berühmte Live-Musik Restaurant Just4You, wo wir den Leiter des Dakar-Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung Claus-Dieter König treffen. Da die Konzerte, wie in allen Dakarer Clubs, erst spät beginnen, haben wir genug Zeit für Essen und Austausch.

13. Tag (Freitag)

Der letzte Vormittag in Dakar ist zur freien Verfügung für eine private Verabredung, einen letzten Stadtspaziergang oder Einkäufe auf den Märkten Kermel oder Sandaga.

Das umstrittene Monument der Afrikanischen Renaissance in Dakar war ein Projekt des früheren Präsidenten Wadé und wurde von ihm 2010 eingeweiht  Bild: Archiv

Am Nachmittag nimmt uns Madjiguène Cissé mit zu „Manoore FM“, dem ersten von Frauen geführten und für Frauen gemachten Community Radio im Senegal. Wir treffen die Leiterin Ony Cantome Sarr, die uns durch die Räumlichkeiten des Radiosenders führt, dessen Ziel es ist, das Bildungs- und Informationsniveau der senegalesischen Frauen zu erhöhen, sie zu empowern und sie selbst und ihren wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Landes sichtbarer zu machen.

Zurück im Hotel gibt es Gelegenheit, beim Abendessen die Erfahrungen und Erlebnisse während der Reise mit den Reiseleitern Madjuguène Cissé und Eric von Grasdorff auszutauschen, bevor am späten Abend die Rückreise mit dem Transfer zum Flughafen beginnt.

14. Tag (Samstag)

Der Rückflug mit der portugiesischen Fluggesellschaft TAP startet um 2 Uhr Nachts in Dakar; der Flug über Lissabon (Umsteigen) kommt Mittags in Frankfurt/M an. Anschließend inandividuelle Weiterfahrt zu den jeweiligen Wohnorten.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 10.7.2013

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.

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