"Ein Revolutionär aus Afrika" - Rezension von "Thomas Sankara: Die Ideen sterben nicht!" von Eric Segueda

„Man kann einen Menschen töten, aber seine Ideen nicht“. Dieses Zitat von Thomas Sankara gilt in besonderem Maß für ihn selbst. Bei einem Putsch im Oktober 1987 nach vierjähriger Amtszeit als Präsident von Burkina Faso ermordet, ist er für viele, vor allem junge Menschen in Afrika bis heute ein Vorbild für den Kampf um soziale Gerechtigkeit und Unabhängigkeit von den ehemaligen europäischen Kolonialmächten.

Die nun erstmals ins Deutsche übersetzten Reden des Revolutionsführers machen die unvergleichliche Geschichte Burkina Fasos lebendig. Der vom Berliner Verein AfricAvenir herausgegebene Band „Die Ideen sterben nicht“ illustriert die Vision eines Menschen für sein Land und den gesamten afrikanischen Kontinent, die er gegen alle Widerstände durchzusetzen vesuchte. Auch die Bilder zwischen den Texten verdeutlichen die Auswirkung der Ideen Sankaras auf die jüngste Protestbewegung im „Land der aufrichtigen Menschen“: Im Oktober 2014 zog die Jugend für bessere Regierungsführung und Selbstbestimmung auf die Straße und führte einen politischen Umbruch herbei.

Die Übersetzung überliefert treffend die Gedanken, die Lebhaftigkeit, den Witz und die Entschlossenheit der Reden Sankaras in ihrer ursprünglichen Fassung. Allerdings hätten die Begleittexte zur Einführung und Einordnung der Reden durch Bruno Jaffré, ohne Frage ein Kenner der Geschichte Sankaras, besser ausbalanciert sein können mit Texten von Afrikanern selbst, wie Valère Somé, Aziz Salome Fall oder Basile Guissou. Dies wäre ganz im Geiste Sankaras gewesen, dessen Anliegen stets die Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein afrikanischer Stimmen war.

Im Mittelpunkt des schön gestalteten Bandes stehen die Reden Sankaras und das daran veranschaulichte Schicksal des Landes. Sie verschaffen dem Leser ein anderes Bild von „Entwicklungsländern“. Es wird klar, dass diese Länder sich von innen heraus entwickeln können. „Entwicklungshilfe macht uns abhängig“, so ein berühmter Spruch von Sankara, der heute aktueller ist denn je.

Das empfehlenswerte Buch lässt zwei zentrale Entwicklungsaspekte des Landes greifbar werden: Die Differenzen einheimischer Akteure untereinander sowie das Spiel der internationalen Akteure. Die Weigerung der Beamten sich solidarisch zu zeigen, so Sankara, behinderte den Aufschwung zur Selbstständigkeit von innen. Aber auch auf internationaler Ebene wurde Sankaras Politik  erschwert. Er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Achtung der staatlichen Souveränität und um Frieden geht. Kategorisch lehnte er die Einrichtung einer westlichen Militärbasis auf burkinischem Territorium ab, die Regime in der Region stürzen sollte. Der Bürgerkrieg in Liberia wird im Buch als Beispiel geschildert.

Im Inneren oft missverstanden vom eigenen Volk und von außen bekämpft war Sankaras Amtszeit kurz. Und doch prägt sie alle AfrikanerInnen bis heute.

Wendpanga Eric Segueda

Diese Rezension ist erschienen im Südlink 178!

Thomas Sankara: Die Ideen sterben nicht! Herausgegeben von AfricAvenir. Berlin 2016, 272 Seiten, 15,90 Euro.

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