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Pressemitteilung | Berlin/Hamburg 30.01.2017

30.01.2017 | PM: Offener Brief von Hereros an Bürgermeister Scholz kritisiert Hamburgs anhaltende Ehrung von Kolonialverbrechern

Offener Brief von Hereros an Bürgermeister Scholz kritisiert Hamburgs anhaltende Ehrung von Kolonialverbrechern

In einem Offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz kritisiert die Association of the Ovaherero Genocide in the USA (OGA) Hamburgs fortgesetzte Ehrung von Kolonialverbrechern, die maßgeblich am Völkermord an ihren Vorfahren beteiligt waren.

Unterstützt vom namibischen Ovaherero Paramount Chief Vekuii Rukoro nehmen die Nachfahren der Opfer vor allem am „Trotha-Haus“ in der ehemaligen „Lettow-Vorbeck-Kaserne“ in Hamburg-Jenfeld Anstoß. Das in der NS-Zeit errichtete Gebäude, in dem bis heute Bundeswehrangehörige untergebracht sind, verherrlicht mit dem berüchtigten „Schutztruppenkommandeur“ Lothar von Trotha noch immer einen der Hauptverantwortlichen für den Genozid an den Herero und Nama in den Jahren 1904-08.

Kritik üben die Nachfahren der Opfer zudem an der fortgesetzten Würdigung des Hamburger Kolonialkaufmanns und Reeders Adolph Woermann, der u.a. durch den Transport von Truppen, die Einrichtung von privaten Konzentrationslagern und den Einsatz von Zwangsarbeiter_innen direkt vom Völkermord profitierte. Der Kriegsgewinnler wird bis heute in Hamburg-Ohlsdorf mit zwei Straßennamen geehrt. Für diese regt die amerikanische Herero-Organisation eine Würdigung von Persönlichkeiten aus Afrikas antikolonialem Widerstand an.

Schließlich zeigt sich OGA schockiert darüber, dass die Kirchengemeinde der Hauptkirche St. Michaelis statt der zahlreichen Opfer des deutschen Kolonialregimes noch immer Hamburgs gefallene Kolonialkrieger im damaligen Deutsch-Südwestafrika auf einer unkommentierten Ehrentafel glorifiziert.

Für eine kritische Auseinandersetzung mit Hamburgs Kolonialgeschichte bieten die Nachfahren der Opfer des Völkermords den Dialog und die Zusammenarbeit an. „Die Stadt Hamburg“, so ihr Sprecher Dr. Ngondi A. Kamatuka, „kann mit ihrer Gefühllosigkeit die Wunden aus Deutschlands erstem Völkermord nicht für immer offen halten.“

NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ und Arbeitskreis HAMBURG POSTKOLONIAL

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