Performance von Mansour Ciss im Rahmen unseres "Tag der offenen Tür" am Samstag, 16. Juni 2012

Im Rahmen unseres "Tag der offenen Tür" am kommenden Samstag, 16. Juni 2012, zu dem wir Euch hiermit noch einmal ganz herzlich einladen, wird der international renommierte Aktionskünstler Mansour Ciss um 16 Uhr eine Performance durchführen, die sich - ganz in unserem Sinne - kritisch mit der Namensgebung im sog. "Afrikanischen Viertel" auseiandersetzt.

Wie schon erwähnt ist unser Umzug ins sog. "Afrikanische Viertel" kein Zufall. 
Als Teil des Bündnisses zivilgesellschaftlicher Gruppen - bestehend aus AfricAvenir International, Berliner entwicklungspolitischer Ratschlag (BER), Berlin Postkolonial (BePo), Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Paulo Freire Institut (PFI), Projekt „Unterm Teppich?“ (PUT), Tanzania-Network (TNW) und Werkstatt der Kulturen (WdK) - fordern wir seit Jahren eine kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus und seinen Spuren im öffentlichen Raum

Straßennamen dienen der Orientierung, nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Geschichte: Historisch bedeutsame Ereignisse, Orte und besonders Personen werden mit Straßennamen in der kollektiven Erinnerung verewigt und gewürdigt. Bis heute ist die Berliner Stadt- und Erinnerungslandschaft vom brandenburgischen Sklavenhandel, vom kaiserlichen deutschen Kolonialreich sowie von der NS-Zeit mitgeprägt.

So finden sich im Berliner Stadtbild immer noch zahlreiche positive Bezugnahmen auf den deutschen Kolonialismus. Die antidemokratische Ausrichtung der kolonialen Idee, deren rassistische Legitimationsversuche von den Nationalsozialisten noch zugespitzt wurden, macht eine kritische Auseinandersetzung mit Straßennamen mit kolonialistischem Bezug, mit der Geschichte, an die sie erinnern, sowie mit dem historischen Kontext ihrer Benennung unumgänglich.

Speziell dort, wo die „Kolonialpioniere“ für ihre Rolle bei der gewaltsamen Begründung des deutschen Kolonialreichs geehrt werden (Lüderitzstr., Nachtigallplatz u.a.), sind Umbenennungen unumgänglich. Solche Personen sind als Namenspatrone für Straßen in einem demokratischen Gemeinwesen nicht tragbar (vgl. §5 des Berliner Straßengesetzes, Artikel 2 (Umbenennungen), Absatz 2), ebenso wenig wie mit rassistischen Begriffen betitelte Straßen. Die Bezirke – in Berlin für Straßenumbenennungen zuständig – sollten daher umgehend tätig werden.

Das Bündnis hat ein Dossier herausgegeben mit dem Titel |+| "Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin".

Straßen im „Afrikanischen Viertel“ in Wedding

Afrikanische Straße (1906)
Benannt im Rahmen der Planungen, in den Rehbergen einen Hagenbeck Zoo und Kolonialpark einzurichten, der sogar auf Stadtplänen verzeichnet ist, dann aber aufgrund des ersten Weltkrieges nicht verwirklicht wurde. Die Benennung der Straße wie auch des Afrikanischen Viertels erfolgte in der aggressivsten Periode des dt. Kolonialismus.

Damarastraße (1937)
Damara, Region und Bevölkerungsgruppe in Namibia (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“)

Dualastraße (1927)
Duala, Ort in Kamerun, 1884-1919 unter deutscher Kolonialherrschaft, bis 1920 Hauptstadt; Straßenname im Zuge des Kolonialrevisionismus vergeben

Guineastraße (1903)
Guinea, damalige Bezeichnung für die westafrikanische Küstenregion, in der die brandenburgisch-preußische Handelskolonie „Großfriedrichsburg“ (1683-1718) lag, die als Stützpunkt für den brandenburgischen Sklaven-handel diente

Kameruner Straße (1899)
Kamerun, 1884-1919 unter deutscher Kolonialherrschaft

Kongostraße (1912)
Kongo, zentralafrikanischer Staat, 1885-1960 französische bzw. belgische Kolonie. In der Hoffnung auf eine spätere Übernahme von „Belgisch-Kongo“, das zwischen Kamerun im Westen sowie Ruanda, Burundi und Tansania (1885-1919: „Deutsch-Ostafrika“) lag, sicherte sich Deutschland (Marokko-Kongo-Abkommen mit Frankreich 1911) die Kolonialherrschaft über den Norden des französischen Teils (1911-14: „Neukamerun“).

Lüderitzstraße (1902)
Adolf Lüderitz (1834-1886), Bremer Kaufmann, erwarb betrügerisch Landrechte an der Küste des heutigen Namibia (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“), von der Kolonialbewegung zum „Gründer“ der Kolonie stilisiert

Mohasistraße (1937)
Mohasi, See in Ruanda (1884-1919: „Deutsch-Ostafrika“)

Nachtigalplatz (1910)
Gustav Nachtigal (1834-1885), verrechtlichte als „Reichskommissar für Westafrika“ die betrügerische Landnahme in Namibia (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“), Togo und Kamerun

Otawistraße (1911)
Otavi, Ort in Namibia (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“)

Petersallee (1939)
Carl Peters (1856-1918), Kolonialpropagandist, „Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet“, etablierte durch Betrug und Gewalt die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“

Sambesistraße (1927)
Sambesi, Fluss im Nordosten von Namibia (1884-1919 „Deutsch-Südwestafrika“)

Sansibarstraße (1912)
Sansibar, Inselgruppe und Teilstaat von Tansania, ehemals Sultanat. Die deutsche Kolonialbewegung hoffte bis 1890 („Sansibar-Helgoland-Vertrag“ mit Großbritannien) auf eine Kolonisierung des Archipels.

Senegalstraße (1927)
Senegal, Fluss in Westafrika

Swakopmunder Straße (1910)
Swakopmund, Ort in Namibia (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“), war von 1904 bis 1907 Standort eines der ersten deutschen Konzentrationslager, in dem tausende Herero und Nama umkamen

Tangastraße (1927)
Tanga, Küstenort in Tansania (1884-1919: „Deutsch-Ostafrika“), an dem deutsche Kolonialtruppen im November 1914 das britische Militär besiegten

Transvaalstraße (1907)
Transvaal, bis 1902 unabhängige Republik im südlichen Afrika, die niederländisch-stämmige SiedlerInnen nach der Vertreibung der dort einheimischen Zulu ausriefen. Die deutsche Regierung sympathisierte mit dem Krieg der Buren gegen die Konkurrenzmacht Großbritannien (1899-1902)

Ugandastraße (1927)
Uganda, ostafrikanischer Staat, Versuche deutscher Kolonisierung bis 1890

Usambarastraße (1938)
Usambara, Gebirgslandschaft in Tansania (1884-1919: „Deutsch-Ostafrika“)

Windhuker Straße (1910)
Windhoek, heutige Hauptstadt Namibias, (1884-1919: „Deutsch-Südwestafrika“), Standort eines der ersten deutschen Konzentrationslager

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