Dauerkolonie Berlin: Eine etwas andere Stadtrundfahrt

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Eine Stadtrundfahrt dient der Besichtigung kultureller Zeugnisse und Sehenswürdigkeiten: Bauwerke, Straßen, Plätze, Parks und Flüsse erzählen eine Geschichte. Diese Geschichte verändert sich, je nachdem, wer sie erzählt und je nachdem wer sie hört. So erzählt eine Stadt nicht nur eine einzige Geschichte, sondern die Geschichten jeder und jedes Einzelnen, der sie hört und der sie erzählt und der sie weitererzählt und dem sie weiter erzählt werden. Die üblichen Touren durch die Hauptstadt erzählen meist nur eine und immer dieselbe Geschichte Berlins: Gründung, Expansion, nationalsozialistische Vergangenheit, Kalter Krieg, Teilung und Wiedervereinigung gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung einer deutschen Mehrheitsgesellschaft. 

In Dauerkolonie Berlin – eine etwas andere Stadtrundfahrt nehmen Schauspieler_innen des Theaterensembles LABEL NOIR gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler und Aktivisten Joshua Kwesi Aikins den Zuschauenden mit auf eine Busreise durch Berlin, die abweichende Wege und Perspektiven durch den urbanen Raum wählt und somit neue, ungehörte und unerhörte Geschichten über Berlin erzählt: Was geschah mit Menschen afrikanischer Herkunft im Treptower Park? Wie kam die „Mohrenstraße“ zu ihrem Namen? Warum hieß das May-Ayim-Ufer einst Gröben-Ufer und wie kam es zur Umbenennung? Wessen Kunstschätze beherbergt das Stadtschloss, wessen Köpfe lagern in den Archiven der Charité? Worüber wurde bei der „Hottentottenwahl“ im Reichstag abgestimmt? Warum entstand mitten im Wedding das Afrikanische Viertel? 

Durch theatrale Inszenierungen an historischen Schauplätzen entfalten sich Schichten verdrängter, jedoch nach wie vor präsenter Geschichten in Berlin, das von 1884 bis 1918 die Schaltzentrale des deutschen Kolonialreiches war. Die Zuschauenden gewinnt performative Einblicke in Zusammenhänge und Verbindungslinien zwischen brandenburgischem Versklavungshandel, deutscher Kolonialzeit, dem Dritten Reich und bis heute fortwirkender Kolonialität im Berliner und deutschen Alltag. Gleichzeitig wird diese etwas andere Bustour Schwarze deutsche Geschichte feiern und Empowerment schaffen, indem sie von dem sich früh formierenden Schwarzen Widerstand erzählt, in dem Schwarze nicht als passiv leidende Opfer agierten, sondern sich selbstbewusst und autonom gegen eine menschenverachtende Politik zur Wehr setzten, Gleichberechtigung einforderten, Rechte erkämpften und so bis heute für nachfolgende Generationen als Inspiration fortleben.

Eine Veranstaltung von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH. Gefördert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

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