{"id":1317,"date":"2010-07-08T15:30:00","date_gmt":"2010-07-08T13:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.com\/film-die-schlacht-um-algier-oenglu-am-3-9-2010-um-20-uhr\/"},"modified":"2023-10-06T11:40:41","modified_gmt":"2023-10-06T09:40:41","slug":"film-die-schlacht-um-algier-oenglu-am-3-9-2010-um-20-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/film-die-schlacht-um-algier-oenglu-am-3-9-2010-um-20-uhr\/","title":{"rendered":"Film: Die Schlacht um Algier (OenglU) am 3.9.2010 um 20 Uhr"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des AfricAvenir Jahresthemas <i>&quot;50 Jahre afrikanische Un-Abh\u00e4ngigkeiten &#8211; eine (selbst)kritische Bilanz&quot;<\/i> laden wir am <b>Freitag, 3. September 2010 um 20 Uhr<\/b> ins <i>Hackesche H\u00f6fe Kino<\/i> zur Vorf\u00fchrung von Pontecorvos Klassiker des politischen und antikolonialen Films <b>&quot;Die Schlacht um Algier&quot; (OenglU)<\/b>. Im Anschluss an den Film findet eine Diskussion mit dem algerischen Historiker <b>Prof. Daho Djerbal<\/b> von der Universit\u00e9 d\u2019Alger-Bouzar\u00e9ah statt.n<b>Synopsis<\/b><br \/>Es ist 1957, ein Schl\u00fcsseljahr im Unabh\u00e4ngigkeitskampf Algeriens. Im Zentrum stehen zwei Hauptpersonen: <b>Ali La Pointe<\/b> (Brahim Haggiag), Mitglied der FLN (Nationalen Befreiungsfront) und Aush\u00e4ngeschild der algerischen R\u00e9sistance, und der franz\u00f6sische Fallschirmspringerkommandant <b>Colonel Mathieu<\/b> (Jean Martin), der Befehl hat, den Widerstand um jeden Preis zu brechen. <\/p>\n<p>Gillo Pontecorvos Spielfilm <i>Die Schlacht um Algier<\/i> \u00fcber den antikolonialen Krieg in Algerien gilt als einer der <b>einflussreichsten Filme in der Geschichte des politischen Kinos<\/b> und als eines der beeindruckendsten Werke, das jemals \u00fcber den Kolonialismus und den antikolonialen Widerstand gedreht wurde. Mitte der 1960er an Originalschaupl\u00e4tzen mit Kasbahbewohnern entstanden, basiert der Film auf den Mitschriften des sp\u00e4teren Produzenten <b>Yacef Saadi<\/b>, ein f\u00fchrendes Mitglied des Widerstands, aber auch auf eigenen Recherchen Pontecorvos. <i>Die Schlacht um Algier<\/i> steht eindeutig auf der Seite der R\u00e9sistance, aber Pontecorvos Film ist dennoch insofern ein weitgehend \u201eobjektives\u201c Werk, als dass die Handlungen beider Seiten realistisch dargestellt werden.<\/p>\n<p>1966 sagte Pontecorvo zu einem Journalisten: <i>&quot;Ich denke, es ist sinnlos zu sagen: \u201aDiese t\u00f6teten zehn, jene t\u00f6teten zwei\u2019. Das Problem besteht darin, dass sie [die Algerier] sich in einer Situation befinden, wo die Unterdr\u00fcckung alles dominiert&#8230;. Man muss abw\u00e4gen, wer historisch schuldig und wer im Recht ist. Und das Gef\u00fchl vermitteln, dass man sich mit dem identifiziert, der im Recht ist.&quot;<\/i><object width=\"495\" height=\"397\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/Ca3M2feqJk8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/Ca3M2feqJk8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"495\" height=\"397\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p>Nach seiner Auszeichnung mit dem Goldenen L\u00f6wen 1966 beim Mostra-Festival in Venedig hatte der Film in Algerien, Italien und Amerika sofort Erfolg und wurde in den USA sogar f\u00fcr drei Oskars vorgeschlagen, <b>in Frankreich und England wurde er jedoch bis 1971 verboten<\/b>. Auch danach unterdr\u00fcckten ehemalige Algerienfranzosen und die OAS (eine franz\u00f6sische Geheimorganisation) den Film mit Gewalt. Rechtsextreme Elemente verschickten Todesdrohungen an die Familien von drei Kino-Inhabern in Frankreich, und in einigen Kinos, die den Film zeigen wollten, wurden Bomben platziert. Vom massiven Einsatz der Folter durch die franz\u00f6sische Republik in ihrem &quot;schmutzigen Krieg&quot; in Algerien zu reden oder sie gar zu zeigen, war nach wie vor eine heikle Angelegenheit. <\/p>\n<p>2004 dann erlebte das Werk gewisserma\u00dfen ein sp\u00e4tes Comeback. Man k\u00f6nnte sagen: rechtzeitig zur Debatte um die Folterbilder aus dem Irak. Fast vierzig Jahre nach seiner Erstauff\u00fchrung l\u00f6st der Film noch gewaltige Resonanz aus, weil er die <b>Wirkungsweise zeitgen\u00f6ssischer kolonialer Unterdr\u00fcckung demonstriert<\/b> und die Ursachen zeigt, die eine nationale Revolutionsbewegung hervorbringen und anwachsen lassen. (Quellen: heise.de; wsws.org; wikipedia)n<b>Pressestimmen:<\/b><br \/>\u201eEine intelligente und \u00fcberzeugende Darstellung des Kampfs gegen Kolonialherrschaft (&#8230;) ein zeitloses Portr\u00e4t des anti-kolonialen Kampfs in Algerien.\u201d \u2013 Richard Phillips, wsws.org<\/p>\n<p>\u201eLegend\u00e4r! Fesselnd! Wenn die Neuauflage eines Films gro\u00dfartiges k\u00fcnstlerisches K\u00f6nnen mit ungebrochener politischer Aktualit\u00e4t verbindet, dann sollten nicht nur die Zelluloid Junkies aus dem H\u00e4uschen sein. \u2013 Stuart Klawans, The New York Times<\/p>\n<p>\u201eAtemberaubend! Unerh\u00f6rt provokant! Elektrisierend zeitgem\u00e4\u00df! Seine Anatomie des Terrors bleibt un\u00fcbertroffen!\u201d \u2013 Peter Rainer, New York Magazine<\/p>\n<p>\u201eErstaunlich zeitgem\u00e4\u00df! (&#8230;) Pontecorvos leidenschaftliches agitprop Werk von 1965 ist pl\u00f6tzlich ganz hei\u00df\u2026 Kein Film schafft es, den Zuschauer so effektiv in die Schuhe von Grassroot-K\u00e4mpfern hineinzuversetzen&#8230; \u2013 Michael Atkinson, Village Voice<\/p>\n<p>\u201eEin au\u00dfergew\u00f6hnlicher Film! Ein spannungsgeladener Thriller!\u201d \u2013 David Sterritt, Christian Science Monitor<\/p>\n<p>\u201eErstaunlich! Ein politischer Thriller von unvergleichlichem Realismus.\u201d \u2013 A.O. Scott, The New York Times<\/p>\n<p>\u201eGenauso dringlich, intensiv, vorausahnend und weise wie am ersten Tag, als er in die Kinos kam\u201c \u2013 Washington Post, 2004n<b>Die Schlacht um Algier<br \/> R: Gillo Pontecorvo, P: Saadi Yacef, Antonio Musu; Algerien\/Italien, 1966, 121 Minuten, S\/W, OenglU<br \/>Ort: Hackesche H\u00f6fe Kino, Rosenthaler Str. 40\/41, 10178 Berlin<\/b><\/p>\n<p><b>Kartenreservierung und Filmauskunft<\/b>: (030)283 46 03<br \/>S Hackescher Markt, U Rosenthaler Platz<br \/>Eintritt: 7,50\u20ac, Erm\u00e4\u00dfigungen \u00fcber Berlinpass, Gildepass und Heavy User Card (Weitere Informationen: <link http:\/\/www.hoefekino.de\/preise-und-rabatte>http:\/\/www.hoefekino.de\/preise-und-rabatte<\/link>)  <\/p>\n<p><b>Preise:<\/b>n<\/p>\n<ul>\n<li>Internationale Filmfestspiele von Venedig: Goldener L\u00f6we und FIPRESCI-Preis (1966)<\/li>\n<li>Nominiert f\u00fcr drei Academy Awards u.a. Bestes Drehbuch (Gillo Pontecorvo und Franco Solinas), Beste Regie (Gillo Pontecorvo) und Bester fremdsprachiger Film; <\/li>\n<li>Filmpreis der Stadt Venedig (1966); <\/li>\n<li>Preis der Internationalen Kritik (1966); <\/li>\n<li>Preis der Stadt Imola (1966); <\/li>\n<li>Silbernes Band der Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani (1967); <\/li>\n<li>Ajace Preis des Essai Kino (1967); <\/li>\n<li>Italian Golden Asphodel (1966); <\/li>\n<li>Silberne&nbsp;\u201eDiosa\u201d beim Acapulco Film Festival (1966); <\/li>\n<li>Golden Grolla (1966); <\/li>\n<li>Riccione Preis (1966); <\/li>\n<li>Von der kubanischen Kritik als \u201eBester Film des Jahres 1967&quot; gew\u00e4hlt (1967);<\/li>\n<li>UN-Award der British Academy of Film and Television Arts (1972).<\/li>\n<\/ul>\n<p>n<b>Diskutant: <\/b><br \/>Prof. Djerbal ist Professor f\u00fcr Moderne Geschichte an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Sozialwissenschaften der Universit\u00e4t von Algier-Bouzareah (Algerien). Er lehrt zu einer Vielzahl von Themen mit Schwerpunkt auf koloniale und postkoloniale Gesellschaften (Algerien, Nord Afrika und Afrika als Kontinent). Prof. Djerbal hat auch in den Bereichen Internationale Beziehungen und Ideengeschichte der Westlichen Moderne gelehrt. Nach mehr als 10 Jahren Forschung im Bereich &quot;Wirtschaftliche und Soziale Geschichte des Modernen Algeriens&quot;, konzentriert er sich zurzeit auf die Beziehung zwischen Geschichte und Erinnerung. Als Chefredakteur von Naqd, Zeitschrift f\u00fcr soziale Kritik (Naqd, Revue d\u2019\u00e9tudes et de critique sociale, http:\/\/www.revue-naqd.org), widmet er sich seit Anfang der 1990er Jahre au\u00dferdem der Ver\u00f6ffentlichung von Studien zu postkolonialen Gesellschaften und unabh\u00e4ngig gewordenen Staaten.n<b>Der Regisseur:<\/b><br \/>1919 in Pisa geboren, war Gillo Pontecorvo Mitglied der antifaschistischen Resistenza, trat der italienischen Kommunistischen Partei (PCI) bei und diente die letzten zwei Kriegsjahre als Kommandant ihrer dritten Brigade in Mailand. Er verlie\u00df die PCI 1956 nach der sowjetischen Niederschlagung des Ungarn-Aufstands. Pontecorvo war vom neorealistischen Kino und dem russischen Regisseur Sergej Eisenstein beeindruckt, und nachdem er eine Vorf\u00fchrung von Roberto Rossellinis Paisa gesehen hatte, entschloss er sich, Filmemacher zu werden. Von 1946 bis 1956 produzierte er eine Reihe von Dokumentarfilmen, wie zum Beispiel Pane e zolfo (Brot und Schwefel, 1959), ein Film \u00fcber sizilianische Bergarbeiter, und drehte mit La grande strada azzurra (Die gro\u00dfe blaue Stra\u00dfe, 1957) seinen ersten Spielfilm. Sein zweiter Spielfilm war Kap\u00f2 (1960), ein Film \u00fcber ein Nazi-Konzentrationslager. 1964 drehte er dann La battaglia di Algeri. <\/p>\n<p>Pontecorvos Film wandte eine Technik an, die Mitte der sechziger Jahre als innovativ f\u00fcr den Film gelten konnte (&#8230;) Sein halb-dokumentarischer Stil in der Art von Wochenschau-Berichten mit Untertiteln, der Einsatz einer 16-Millimeter-Handkamera und die Verwendung von offiziellen Erkl\u00e4rungen der FLN und der franz\u00f6sischen Armee waren pionierhaft und verliehen dem Film eine elektrisierende Wirkung. In dem Film nimmt er das Publikum mit in die engen Gassen der heruntergekommenen Kasbah und rekonstruiert sorgf\u00e4ltig die polizeistaatliche und rassistische Unterdr\u00fcckung, die schlie\u00dflich zur Erhebung f\u00fchren muss. Die Massenversammlungen mit Hunderten Menschen gegen Ende des Films sind ganz erstaunlich und haben eine Intensit\u00e4t und Suggestionskraft, die von Computer-erzeugten Bildern niemals erreicht werden k\u00f6nnen. Der dramatische Realismus des Films war in der Tat so \u00fcberzeugend, dass die Produzenten sich bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlten, im Vorspann darauf hinzuweisen, dass bei der Produktion keine echten Nachrichtensendungen verwendet wurden.<\/p>\n<p>Schlacht um Algier wurde, und das ist bemerkenswert, mit einem Budget von 800.000 Dollar hergestellt, mit Hilfe von nur neun Technikern, darunter dem Kameramann Marcello Gatti. Jean Martin (Colonel Mathieu), der in den f\u00fcnfziger Jahren bei franz\u00f6sischen Regisseuren auf der schwarzen Liste stand, weil er den algerischen Widerstand unterst\u00fctzte, war der einzige professionelle Schauspieler. Der Rest der Filmcrew war in Algier rekrutiert worden.<\/p>\n<p>Haggiag (La Pointe) war Analphabet und niemals zuvor im Kino gewesen, als er als Hauptdarsteller f\u00fcr diesen Film ausgew\u00e4hlt wurde. Jener Mann mittleren Alters, der im Film gefoltert wird und infolgedessen La Pointe verr\u00e4t, wurde vor\u00fcbergehend aus einem Gef\u00e4ngnis in Algier entlassen, um seine Rolle zu spielen. Yacef Saadi, der Dhile Djafar und La Pointes ersten Kontaktmann zur FLN-F\u00fchrung spielt, war ein f\u00fchrendes Mitglied des Widerstands und lieferte die Geschichte, auf die sich das Drehbuch st\u00fctzte.<\/p>\n<p>Nach Schlacht um Algier drehte Pontecorvo Burn! (1969) mit Marlon Brando in der Hauptrolle, worin es um den britischen und portugiesischen Kolonialismus im 18. Jahrhundert in Westindien geht, und Ogro (1979) \u00fcber die baskische separatistische Bewegung. Aber keiner von ihnen kam an die Intensit\u00e4t von Schlacht um Algier heran, der seinerseits Regisseure wie Costa Gavras, Marcel Oph\u00fcls und viele andere beeinflusste. (Auz\u00fcge aus wsws.org)n<b>Weiterf\u00fchrende Links &amp; Diskussionen:<\/b><link http:\/\/www.criterion.com\/films\/248>http:\/\/www.criterion.com\/films\/248<\/link><link http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_um_Algier>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_um_Algier<\/link><link http:\/\/www.rfi.fr\/actufr\/articles\/058\/article_31407.asp>http:\/\/www.rfi.fr\/actufr\/articles\/058\/article_31407.asp<\/link><link http:\/\/www.wsws.org\/de\/2004\/okt2004\/alge-o27.shtml>http:\/\/www.wsws.org\/de\/2004\/okt2004\/alge-o27.shtml<\/link><link http:\/\/www.wsws.org\/de\/2001\/mar2001\/alge-m28.shtml>http:\/\/www.wsws.org\/de\/2001\/mar2001\/alge-m28.shtml<\/link><link http:\/\/www.wsws.org\/de\/2004\/okt2004\/inte-o27.shtml>http:\/\/www.wsws.org\/de\/2004\/okt2004\/inte-o27.shtml<\/link> nDieser Film wird in Kooperation mit Yedd e.V. und dem Hackesche H\u00f6fe Kino gezeigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen des AfricAvenir Jahresthemas &quot;50 Jahre afrikanische Un-Abh\u00e4ngigkeiten &#8211; eine (selbst)kritische Bilanz&quot; laden wir am Freitag, 3. 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