{"id":1649,"date":"2009-10-12T21:48:00","date_gmt":"2009-10-12T19:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.com\/wessen-krieg-und-wessen-ehre-was-europa-vergisst-in-den-beiden-weltkriegen-kaempften-viele-untertanen-der-kolonialmaechte\/"},"modified":"2023-10-06T11:33:09","modified_gmt":"2023-10-06T09:33:09","slug":"wessen-krieg-und-wessen-ehre-was-europa-vergisst-in-den-beiden-weltkriegen-kaempften-viele-untertanen-der-kolonialmaechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wessen-krieg-und-wessen-ehre-was-europa-vergisst-in-den-beiden-weltkriegen-kaempften-viele-untertanen-der-kolonialmaechte\/","title":{"rendered":"Wessen Krieg und wessen Ehre? Was Europa vergisst: In den beiden Weltkriegen k\u00e4mpften viele Untertanen der Kolonialm\u00e4chte"},"content":{"rendered":"<p>Artikel von&nbsp;Charlotte Wiedemann, zuerst erschienen im Monde Diplomatique Nr. 9008 vom 9.10.2009, Seite 14-15, 706, Dokumentation. Wir ver\u00f6ffentlichen den Artikel mit ferundlicher Genehmigung des Monde Diplomatique. Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin.&nbsp;<\/p>\n<p><b>Wessen Krieg und wessen Ehre? <br \/>Was Europa vergisst: In den beiden Weltkriegen k\u00e4mpften viele Untertanen der Kolonialm\u00e4chte<\/b>nEs war die Nachricht des Tages unter den Jungs in einem staubigen Nest im Norden Nigerias. Kingi Joji von Ingila k\u00e4mpft in einem Land namens Boma, &quot;und er braucht unsere Hilfe&quot;! Der Zweite Weltkrieg aus Kindersicht. Die Worte in Haussa, der Sprache der Region, wirken grotesk, und gerade deshalb sind sie pr\u00e4zise. Denn was konnte diese barf\u00fc\u00dfigen jungen Afrikaner mit den Interessen des britischen K\u00f6nigs verbinden, f\u00fcr den sie nun in die H\u00f6lle von Birma ziehen w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Der nigerianische Schriftsteller Biyi Bandele l\u00e4sst in seinem Roman &quot;Burma Boy&quot; das kurze Soldatenleben seines Protagonisten heiter beginnen. Ali Banana, kaum vierzehn Jahre alt, verl\u00e4sst seine Heimat Nigeria, eine britische Kolonie, um in Birma, einer anderen britischen Kolonie, gegen die Japaner zu k\u00e4mpfen. Es ist der bizarre Stellvertreterkrieg eines Kindersoldaten; im Albtraum des Dschungelkampfs verliert der fr\u00f6hliche kleine Banana bald den Verstand. Und f\u00fcr einen Moment scheint es, als sei dies die einzig angemessene Reaktion.<\/p>\n<p>Biyi Bandele widmete &quot;Burma Boy&quot; seinem Vater, mit dessen Erinnerungen an den Krieg er aufwuchs. Das Buch erschien erst 2007. Es hat Jahrzehnte gedauert, es bedurfte Literatur und Film, bis solche Stimmen aus dem S\u00fcden uns endlich dazu bringen, das vollst\u00e4ndige politische und menschliche Panorama des Zweiten Weltkriegs zu erahnen. Der schwarze Soldat im Dschungel von Birma wirkt irreal, weil er sich nicht einf\u00fcgt in unser Bild von einem weitgehend europ\u00e4ischen, einem wei\u00dfen Krieg.<\/p>\n<p>Glauben nicht gerade wir Deutschen, dass wir alles w\u00fcssten \u00fcber den Zweiten Weltkrieg &#8211; nach diesen wiederum anderen Jahrzehnten, die es dauerte, die Besch\u00f6nigung der Wehrmacht beiseitezur\u00e4umen und allen &quot;vergessenen&quot; Opfergruppen Anerkennung zu verschaffen? Und nun taucht am Horizont unseres Wissens ein ganz anderes Vergessen auf, ein Verschweigen, ein routiniertes Nicht-zur-Kenntnisnehmen von gewaltigem Ausma\u00df. In diesen Monaten zieht eine Ausstellung durch Deutschland(1), die bewusst macht: Der Zweite Weltkrieg war im Wortsinn ein globales Ereignis, er riss vom Maghreb bis nach Polynesien viele Millionen Menschen in sein Geschehen hinein, und die sogenannte Dritte Welt bezahlte daf\u00fcr einen nie gemessenen und nie gew\u00fcrdigten Preis.<\/p>\n<p>Beim Kampf um Manila, der Hauptstadt der Philippinen, starben viel mehr Einwohner als bei der Bombardierung Dresdens. In Indonesien fanden vermutlich eine Million Zwangsarbeiter unter der japanischen Besatzung den Tod. China hatte gesch\u00e4tzte 21 Millionen Opfer zu beklagen, mehr als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Und auf den Salomon-Inseln hei\u00dft diese \u00c4ra bis heute &quot;The Big Death&quot;.<\/p>\n<p>Als der Krieg begann, umfasste das britische Empire ein Viertel der Welt. Frankreichs Kolonialgebiete waren zwanzigmal gr\u00f6\u00dfer als das Mutterland. Die Armeen beider M\u00e4chte st\u00fctzten sich entscheidend auf dieses Reservoir.<\/p>\n<p>In Zahlen: Auf britischer Seite stammte jeder zweite Soldat aus den Kolonien, insgesamt 6 Millionen Menschen. Allein 2,5 Millionen von ihnen waren Inder. 500 000 wurden in West- und Ostafrika rekrutiert, manchmal regelrecht verschleppt. Etwa eine weitere Million Afrikaner standen unter franz\u00f6sischem Kommando. Als die Wehrmacht in Nordfrankreich einfiel, geh\u00f6rten bereits 500 000 Afrikaner zu den franz\u00f6sischen Truppen. Mehr als 100 000 von ihnen starben in den ersten Kriegsmonaten. 1943 rekrutierte General Charles de Gaulle weitere 400 000 Soldaten in Nord- und Westafrika f\u00fcr die Truppen des Freien Frankreich.<\/p>\n<p>Wie war es m\u00f6glich, dass die Nachwelt dies alles \u00fcbersah? &quot;Die Forscher aus den wohlhabenden Staaten unterliegen bewusst oder unbewusst einem stillen Rassismus, der sie dazu f\u00fchrt, Geschehnisse au\u00dferhalb ihres eigenen Wohlstandszentrums als wenig relevant f\u00fcr ihre Arbeit zu betrachten&quot;, schreibt der kamerunische Historiker und Politologe Kum&#8217;a Ndumbe, der sich seit langem mit der Kriegsgeschichte befasst. Japan und Deutschland w\u00fcrden trotz ihrer milit\u00e4rischen Niederlage in der Geschichtsschreibung zu den Siegern geh\u00f6ren, wahrgenommen &quot;als Menschen gleichen Ranges&quot;. Die eigentlichen Verlierer seien jene, deren Taten spurlos aus der Geschichte herausfielen &#8211; als h\u00e4tten sie als Kriegsbeteiligte nie existiert.<\/p>\n<p>Die Rolle der afrikanischen Soldaten erscheint aus heutiger Sicht besonders tragisch. Gegen\u00fcber anderen Kolonisierten wurden sie beim Sold, beim Essen, sogar bei der Kleidung noch zus\u00e4tzlich diskriminiert. Die Uniformen der King&#8217;s African Rifles hatten keine Hosenschlitze; die M\u00e4nner mussten beim Urinieren stets die Hosen herunterlassen.<\/p>\n<p>Der Beitrag der Afrikaner wirft aber auch die meisten Fragen auf, Fragen nach den Konsequenzen f\u00fcr ihr heutiges Selbstverst\u00e4ndnis. Die asiatischen Schaupl\u00e4tze des Kriegs haben sich seit 1945 zumeist dramatisch ver\u00e4ndert; viele L\u00e4nder fanden ihren eigenen Weg. Indien, das einst die gr\u00f6\u00dfte Kolonialarmee stellte, ist heute Atommacht. Weite Teile Afrikas blieben hingegen in alten Abh\u00e4ngigkeiten gefangen, nicht nur materiellen, auch psychologischen. Der schwarze Stolz auf schwarze Tote: Ist er berechtigt? Oder war die Kriegsbeteiligung ein sinnloses Opfer &#8211; und nur ein weiterer Beweis, dass sich Kolonisierte in falsche Loyalit\u00e4ten, in falsche Identit\u00e4ten zwingen lassen? Die Geschichte dieser Verstrickungen reicht weit zur\u00fcck, wie das Beispiel der franz\u00f6sischen Kolonialsoldaten zeigt.<\/p>\n<p>Napoleon III. hatte bereits 1857 Soldaten aus Westafrika als Tirailleurs S\u00e9n\u00e9galais zu einer Truppe zusammengefasst; Senegalsch\u00fctzen, diesen Namen trugen alle westafrikanischen Soldaten noch im Zweiten Weltkrieg, ungeachtet ihrer tats\u00e4chlichen Herkunft. W\u00e4hrend die Briten stets z\u00f6gerten, die Rekrutierten ihrer eigenen Kolonien gegen Europ\u00e4er einzusetzen (es h\u00e4tte die Untertanen auf falsche Ideen bringen k\u00f6nnen, wenn sie die Waffe gegen Wei\u00dfe erheben), k\u00e4mpften die Senegalsch\u00fctzen bereits im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71 in Europa.<\/p>\n<p>Die Soldaten sollten sich aus einem naheliegenden Grund mit den Interessen des Kolonialherrn identifizieren: Die Tirailleurs dienten eben auch dazu, das franz\u00f6sische Kolonialreich in Afrika \u00fcberhaupt auf seine sp\u00e4tere Gr\u00f6\u00dfe auszudehnen, sie waren ein Werkzeug der Unterwerfung ihrer eigenen Br\u00fcder und Schwestern. &quot;Den Einheimischen in den Hintern zu treten, wurde damals von ihnen als rechtm\u00e4\u00dfiges Privileg angesehen&quot;, schreibt der Malier Amadou Hampat\u00e9 Ba, ein brillanter Chronist jener Epoche. Er war als junger Mann in den Dienst der Kolonialverwaltung getreten. \u00dcber den Februar 1922 notierte er: &quot;Die Hilfstruppen der Eroberer (f\u00fchrten) sich selbst wie Eroberer auf und sch\u00e4tzten sich h\u00f6her ein als die Besiegten. F\u00fcr manche Afrikaner der damaligen Zeit wurde dies sozusagen zur Tradition &#8211; wie ein jeder wei\u00df, stehen die alten Sklaven immer \u00fcber den neuen!&quot;(2 )n<b>Der Glanz der geliehenen Macht<\/b><\/p>\n<p>Leib und Leben f\u00fcr den Kolonialherrn zu riskieren und dadurch Gleichberechtigung zu erlangen, diese tr\u00fcgerische Hoffnung verbindet sich im Ersten Weltkrieg mit dem Namen Blaise Diagne. Der Intellektuelle aus Saint-Louis war 1914 der erste schwarze Abgeordnete in der franz\u00f6sischen Nationalversammlung; er vertrat dort eine Minderheit von Senegalesen mit franz\u00f6sischer Staatsb\u00fcrgerschaft, gr\u00fcndete sp\u00e4ter die erste politische Partei in Franz\u00f6sisch-Afrika. Nachdem Zwangsrekrutierungen zu Beginn des Kriegs vielerorts Revolten ausgel\u00f6st hatten und 50 000 Wehrf\u00e4hige sogar in die britischen Nachbarkolonien flohen, reiste Diagne monatelang durch West- und Zentralafrika, um Soldaten durch Versprechungen anzuwerben. Mit seinen pomp\u00f6sen, umjubelten Auftritten erscheint Blaise Diagne wie eine fr\u00fche Verk\u00f6rperung jenes Politikertypus, an dem Afrika bis heute krankt: Er gl\u00e4nzte mit einer von au\u00dfen geliehenen Macht.<\/p>\n<p>Ausgestattet mit dem Titel eines &quot;Generalkommissars f\u00fcr die Rekrutierung&quot;, reist Diagne mit gro\u00dfem Gefolge, ihn begleiten hohe wei\u00dfe Kolonialbeamte und medaillenbeh\u00e4ngte schwarze Unteroffiziere. Penibel achtet er darauf, \u00fcberall mit protokollarischen Ehren empfangen zu werden. In seinen Reden verschmelzen die Tr\u00e4ume von einer besseren Zukunft mit dem Patriotismus f\u00fcrs franz\u00f6sische &quot;Mutterland&quot; und dem Stolz auf die kriegerischen Traditionen der vorkolonialen westafrikanischen Reiche. Die Zuh\u00f6rer k\u00e4mpfen mit den Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Der Erfolg der Kampagne, auch &quot;schwarzer Kreuzzug&quot; genannt, \u00fcbertrifft alle Erwartungen. Unter den Freiwilligen sind viele S\u00f6hne von Notabeln, die sich eine Stabilisierung oder Verbesserung ihrer Position erhoffen. Bevor \u00fcberhaupt alle Soldaten verschifft werden k\u00f6nnen, geht der Erste Weltkrieg zu Ende. Doch die Psychologie des schwarzen Kreuzzugs wird noch Jahrzehnte nachwirken, und sie verbindet aus Sicht der Kolonisierten den Ersten mit dem Zweiten Weltkrieg. 1939 ruft der algerische Apotheker und Nationalist Ferhat Abbas mit folgenden Worten zur franz\u00f6sischen Fahne: &quot;Indem ihr freiwillig dem bedrohten Frankreich zu Hilfe eilt, zeigt ihr, dass ihr auf derselben Stufe steht wie die besten S\u00f6hne Europas.&quot;<\/p>\n<p>Im heutigen Saint-Louis, nicht weit von der Grenze zu Mauretanien, tr\u00e4gt die Hauptstra\u00dfe der Altstadt noch immer den Namen von Blaise Diagne. Im vorletzten Haus vor der Moschee sitzt Mansour Wade mit seinen Freunden im Salon. Vier alte M\u00e4nner, alle um die 80, in weit fallenden, gl\u00e4nzenden Gew\u00e4ndern, hellblau die Bubus, wei\u00df die Unterbubus. Zu jung, um selbst Soldat gewesen zu sein, sprechen sie gleichwohl in Wir-Form, wenn sie vom Einsatz der Br\u00fcder, V\u00e4ter, und Onkel erz\u00e4hlen. Ein Onkel war in Vietnam, ein Vater in deutscher Gefangenschaft, f\u00fcr die Alten f\u00e4llt das zusammen, der Krieg zur Unterdr\u00fcckung und der Krieg zur Befreiung, beides verschwimmt in einem Satz von wehm\u00fctigem Stolz: &quot;Wir haben den Krieg angenommen wie die Franzosen.&quot;<\/p>\n<p>In Dakar, der Hauptstadt, sind die B\u00e4umchen auf der Place de l&#8217;Ind\u00e9pendance artig beschnitten; ein Monument der Unabh\u00e4ngigkeit sucht man indes vergeblich. Stattdessen ziert die Stirnseite des Platzes eine lange Mauer mit einer Inschrift zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. &quot;Unseren Toten die Anerkennung des Vaterlands.&quot;<\/p>\n<p>Das ist die Handschrift von L\u00e9opold S\u00e9dar Senghor, dem Dichter-Pr\u00e4sidenten: die Verbundenheit mit Frankreich, mit Europa als Gr\u00fcndungsmythos des unabh\u00e4ngigen Senegal. Senghor, allem Deutschen zugetan, verbrachte zwanzig Monate in deutscher Kriegsgefangenschaft; in seinen sp\u00e4teren Schriften berichtete er \u00fcber das Schicksal eines schwarzen Soldaten in einem Wehrmachtslager fast nur Gutes. Angst, Scham und Qual schrieb er sich stattdessen in den &quot;Schwarzen Hostien&quot; von der Seele, seinen Gedichten aus den Kriegsjahren. &quot;Die Wahrheit des Dichters ist eine andere als die des Theoretikers der N\u00e9gritude und sp\u00e4teren Staatsmanns&quot;, schreibt sein Biograf J\u00e1nos Riesz.(3 )<\/p>\n<p>Dem deutschen Bildungsb\u00fcrgertum gilt die erdige, emotionale Afrikanit\u00e4t der N\u00e9gritude immer noch als Inbegriff schwarzer Selbstbesinnung. Senghor wiederum brachte aus Krieg und Nationalsozialismus die Erkenntnis heim, alle gro\u00dfen Zivilisationen seien das Ergebnis einer Symbiose, einer biologischen wie kulturellen m\u00e9tissage. Auch die deutsche Kultur sei in ihren Glanzzeiten eine &quot;Mischkultur&quot; gewesen.<\/p>\n<p>Frantz Fanon, sp\u00e4ter Psychiater und Algerienk\u00e4mpfer, zieht aus seiner Kriegserfahrung ganz andere Konsequenzen. Auf Martinique hat er sich als Siebzehnj\u00e4hriger freiwillig gemeldet, er schifft sich 1942 ein, um mit dem Freien Frankreich gegen den Faschismus zu k\u00e4mpfen. Schon in Marokko erlebt er, wie der Rassismus die Kombattanten des Fortschritts unterteilt. Die schwarzafrikanischen Soldaten m\u00fcssen in Zelten schlafen, tragen ein Fez-\u00e4hnliches rotes K\u00e4ppi statt der Feldm\u00fctze. Soldaten von den Antillen wie er selbst d\u00fcrfen ins Quartier der Franzosen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, aus dem Elsass, schreibt Fanon zutiefst desillusioniert an seine Mutter: &quot;Ich habe mich geirrt.&quot; Er sei einem Ideal von Freiheit gefolgt, aber &quot;nichts&quot; rechtfertige, sich zum Verteidiger der Interessen des Kolonialherrn zu machen. Wenn er falle, so beschw\u00f6rt er die Mutter, &quot;sagt niemals: Er ist f\u00fcr die gute Sache gestorben.&quot;(4 )<\/p>\n<p>Anders als viele nach ihm erkennt Fanon, wie \u00e4hnlich die Strukturen von Antisemitismus und Rassismus sind. In &quot;Schwarze Haut, wei\u00dfe Masken&quot; (1952) entwickelte der junge Arzt seine universalistische Vision von Emanzipation, ein Kontrastprogramm zur N\u00e9gritude: &quot;Es gibt keine schwarze Mission; es gibt keine wei\u00dfe B\u00fcrde.&quot; Die Kolonialherrschaft abzuwerfen, das verlange &quot;die Entkolonisierung des Individuums&quot;, die \u00dcberwindung einer entfremdeten Selbstwahrnehmung.<\/p>\n<p>Auch Ousmane Semb\u00e8ne, der senegalesische Schriftsteller und Regisseur, erlebte als Soldat des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Politisierung. Nach dem Krieg schlie\u00dft er sich den franz\u00f6sischen Kommunisten an, umkreist in seinen sp\u00e4teren Werken immer wieder die Zusammenh\u00e4nge von Rassismus und Klassenkampf. Aber erst 1989 macht sein Film &quot;Camp de Thiaroye&quot; ein Ereignis aus dem Dezember 1944 bekannt, das wie ein Symbol f\u00fcr den gro\u00dfen Betrug an den afrikanischen Soldaten steht.<\/p>\n<p>In das Lager von Thiaroye nahe Dakar werden 1 300 Kriegsheimkehrer eingewiesen; vor der R\u00fcckkehr in ihre jeweiligen L\u00e4nder warten sie auf ausstehenden Sold f\u00fcr die Kriegsjahre in Europa, auf versprochene Pr\u00e4mien. Hingehalten und get\u00e4uscht von franz\u00f6sischen Kolonialoffizieren, rebellieren sie schlie\u00dflich, erzwingen Verhandlungen, feiern schon den Sieg. Da umstellen nachts franz\u00f6sische Panzer das Lager, schie\u00dfen die Afrikaner zusammen. Die Verantwortlichen f\u00fcr mehrere hundert Tote werden nie zur Rechenschaft gezogen; \u00dcberlebende des Massakers kommen hingegen vor ein Kriegsgericht.n<b>Zwei Mahnmale in Bamako<\/b><\/p>\n<p>Thiaroye ist heute eine gesichtslose Vorstadt am Meer, nahezu eingeholt von der wuchernden Metropole Dakar. Ein Ort, von dem aus junge M\u00e4nner in sch\u00fctteren Pirogen die Reise nach Europa antreten. Eine \u00f6rtliche Initiative von Frauen, von M\u00fcttern, stemmt sich gegen den verh\u00e4ngnisvollen Trend zur Migration.<\/p>\n<p>Der Opfer von 1944 wird nicht in Thiaroye gedacht, sondern 1 000 Kilometer weiter \u00f6stlich, in Malis Hauptstadt Bamako. In der N\u00e4he des zentralen Markts steht dort ein modernes Mahnmal, es wurde erst vor einem Jahrzehnt von Malis demokratischer Regierung errichtet. Von drei Seiten richten sich Kanonen auf eine S\u00e4ule mit den Halbreliefs gefangener und sterbender Soldaten; die S\u00e4ule erinnert an einen Marterpfahl.<\/p>\n<p>Nur ein paar Schritte entfernt steht in einem Palmenhain ein \u00e4lteres Denkmal, ein Kolonialdenkmal von 1924, gewidmet &quot;den Helden der schwarzen Armee&quot;. Hier stehen die Helden nicht vor, sondern hinter den Kanonen, eine Soldatengruppe aus geschw\u00e4rzter Bronze in Angriffshaltung. Auf dem Sockel sind die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs eingraviert: Marne, Reims, Verdun, Chemin des Dames. Auf der R\u00fcckseite die Widmung: &quot;In Anerkennung den Adoptivkindern Frankreichs, gestorben im Kampf f\u00fcr Freiheit und Zivilisation.&quot;<\/p>\n<p>Zwei Denkm\u00e4ler in einem stummen Dialog. Drumherum \u00e4rmlicher Kleinhandel und die blauen Abgaswolken \u00fcberf\u00fcllter Busse.<\/p>\n<p>Individualit\u00e4t, gar Intimit\u00e4t vor der Kulisse des Kriegshorrors, von diesem Sujet leben viele Filme, es sind Filme aus amerikanischer oder europ\u00e4ischer Sicht, und das Individuum in Uniform, mit dem der Zuschauer leidet, ist wei\u00df und hei\u00dft zum Beispiel James Ryan. Nun hei\u00dft er pl\u00f6tzlich Abdelkader. Der Film &quot;Indig\u00e8nes&quot; des algerischst\u00e4mmigen Regisseurs Rachid Bouchareb (deutsch: &quot;Tage des Ruhms&quot;, 2006) konfrontiert den Zuschauer mit einer j\u00e4hen, banalen Erkenntnis: Die filmische Darstellung eines Protagonisten, der vor der Kulisse des \u00e4u\u00dferen Kampfs seinen inneren Kampf f\u00fchrt, ist in der Regel f\u00fcr Angeh\u00f6rige unseres eigenen Kulturkreises reserviert &#8211; inklusive der oft bem\u00fchten Figur des mit sich ringenden Wehrmachtsoffiziers.<\/p>\n<p>Der Obergefreite Abdelkader, ein algerischer Berber, glaubt an Frankreich, er ist gebildet und ehrgeizig, er will Offizier werden; er k\u00e4mpft um soldatischen Ruhm in einer Armee, die f\u00fcr ihn keinen Ruhm vorgesehen hat. Als es auf dem Kriegsschiff Tomaten nur f\u00fcr wei\u00dfe Franzosen geben soll, steigt er in die Kiste und zerstampft sie mit seinen Stiefeln. Er greift sogar seinen Vorgesetzten t\u00e4tlich an, als dieser sagt: Berber k\u00f6nnen keine Einheit f\u00fchren.<\/p>\n<p>Vom Gemetzel am Monte Cassino bis in die winterkalten Vogesen zieht sich die endlose Spur seiner toten maghrebinischen Kameraden. Abdelkader wird zum einzigen \u00dcberlebenden seiner Einheit; die letzten Gef\u00e4hrten sterben, als sie ein winziges Dorf gegen die deutsche \u00dcbermacht halten, bis Nachschub kommt. Abdelkader muss dann zusehen, wie die wei\u00dfen Franzosen mit den Dorfbewohnern f\u00fcr die Fotos der Kriegsberichterstatter posieren, als &quot;Befreier der Vogesen&quot;. Aber gerade weil die Armee den Kolonialsoldaten Anerkennung und Ruhm verweigert, hat Abdelkader auch Schuld auf sich geladen: Als seine Kameraden l\u00e4ngst zweifelten und nur noch nach Hause wollten, trieb er sie mit seinem Ehrgeiz und seinem illusion\u00e4ren Glauben an Frankreich voran in den todbringenden Einsatz.<\/p>\n<p>Wessen Krieg? Wessen Ehre? &quot;Ich muss wissen, wer ich bin. Ich muss mein Ged\u00e4chtnis wiederfinden&quot;, sagt ein junger Migrant im Hiphop-Musical &quot;\u00c0 nos morts&quot;. Modernes Tanztheater als Hommage an die vergessenen Gefallenen zweier Weltkriege, das ist eine antirassistische Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge neuer Art. K\u00fcnstler, Historiker, Choreografen mit unterschiedlichen Wurzeln haben in der Stra\u00dfburger &quot;Companie M\u00e9moires Vives&quot; zusammengearbeitet. Sie bringen verdr\u00e4ngte Geschichte so auf die B\u00fchne, dass sie Jugendliche aus den Vorst\u00e4dten begeistert.<\/p>\n<p>Junge Migranten kennen oft nur ein Bild von sich selbst, in welchem sie Eindringlinge, Nutzlose, Ungewollte in Europa sind. F\u00fcr die Nachfahren aus all jenen L\u00e4ndern, die gegen Deutschland im Krieg standen, kann es eine identit\u00e4tsstiftende Erkenntnis sein, dass die Generation ihrer Gro\u00dfeltern geholfen hat, Europa zu befreien. Und gibt es eine schmerzlichere Vorstellung als jene: Dass die Enkel der vergessenen Befreier heute vor Europas K\u00fcsten nicht einmal aus Seenot gerettet werden, wenn ihre Boote kentern?<\/p>\n<p>Doch Vorsicht! Das komplexe Geschehen des globalen Kriegs nach heutigen moralischen Erfordernissen zu sortieren, das kann leicht in eine intellektuelle Sackgasse f\u00fchren. In Berlin wurde das Vorhaben, den Beitrag der Dritten Welt zu w\u00fcrdigen, von einer Kontroverse begleitet. Darf eine Ausstellung \u00fcber die vergessenen Opfer und die vergessenen Befreier zugleich auf den Umstand hinweisen, dass es im Nahen Osten und in Asien auch Kollaboration mit NS-Deutschland und mit Japan gab? Nat\u00fcrlich muss dies gesagt und dargestellt werden. Wobei unstrittig ist: Es haben mehr Menschen der Dritten Welt gegen die Achsenm\u00e4chte und den Faschismus gek\u00e4mpft als an deren Seite.n<b>Kollaboration mit den Kolonisatoren<\/b><\/p>\n<p>Aber ist es angemessen, Sukarno, den sp\u00e4teren ersten Pr\u00e4sidenten Indonesiens, oder Aung San, Birmas Nationalheld, &quot;Sympathisanten des Faschismus&quot; zu nennen, wie es die Ausstellung tut? Aung San, der Vater der heutigen Oppositionspolitikern Aung San Suu Kyi, paktierte in der Tat mit seiner &quot;Burmese Independence Army&quot; zun\u00e4chst mit der japanischen Besatzung gegen die Briten. Sp\u00e4ter wechselte er allerdings die Front, erkl\u00e4rte den Japanern den Krieg und genoss die Unterst\u00fctzung von Lord Mountbatten, des obersten Kommandeurs der Alliierten in S\u00fcdostasien.<\/p>\n<p>Wer wei\u00df, mit welcher Verachtung die Holl\u00e4nder ihr sogenanntes Ostindien regierten, kann verstehen, dass die japanische Parole &quot;Asien den Asiaten&quot; bei den indonesischen Freiheitsk\u00e4mpfern Anklang fand. Immerhin hatten die Holl\u00e4nder Sukarno, bevor die Japaner einmarschierten, schon zweimal in den Kerker geworfen. Verblendung hat es auf vielen Schaupl\u00e4tzen des aufstrebenden Nationalismus gegeben. Aber sind all jene automatisch die Guten, die von den historischen Umst\u00e4nden auf die Seite der Alliierten geworfen wurden? Auch wenn sie, in einer wiederum anderen Verblendung, zu Kollaborateuren ihrer jeweiligen Kolonialmacht wurden?<\/p>\n<p>In Kamerun diskutieren demokratische Aktivisten gerade, ob ein Denkmal f\u00fcr General Leclerc abgerissen werden soll; es steht im Herzen von Douala, Kameruns gr\u00f6\u00dfter Stadt, vor der Hauptpost.<\/p>\n<p>Jacques-Philippe Leclerc (urspr\u00fcnglich ein Tarnname) wurde 1940 von General de Gaulle als Gouverneur von Franz\u00f6sisch-Kamerun nach Zentralafrika entsandt, um die Kolonien ins Lager des Freien Frankreich zu holen. Mit Kamerun und dem Tschad gewann Leclerc schnell strategischen R\u00fcckhalt; von dort aus durchquerten seine Truppen die Sahara, eroberten die italienischen Stellungen am Mittelmeer. Sp\u00e4ter war Leclerc bei der Landung in der Normandie dabei, nahm die deutsche Kapitulation in Paris entgegen, setzte seinen Siegeszug bis zu Hitlers Domizil am Obersalzberg fort.<\/p>\n<p>Ja und?, erwidert der kamerunische Rebell Mboua Massok, ein radikaler Freiheitsk\u00e4mpfer, der sich oft mit dem repressiven und frankreichfreundlichen Regime seines Landes angelegt hat. &quot;Es sollte kein franz\u00f6sisches Denkmal in Kamerun geben, solange es kein kamerunisches Denkmal in Frankreich gibt.&quot; Vor der Hauptpost von Douala solle statt des franz\u00f6sischen Kriegshelden einer jener kamerunischen Nationalisten geehrt werden, die von den deutschen beziehungsweise sp\u00e4ter den franz\u00f6sischen Kolonialherren hingerichtet wurden. Der Historiker Kum&#8217;a Ndumbe pflichtet ihm bei: &quot;Das Drama unseres Volkes ist, dass man uns seit der kolonialen Eroberung zwingt, mit einem ausgel\u00f6schten Ged\u00e4chtnis zu leben.&quot; Und wie solle ein Mensch ohne Ged\u00e4chtnis den Weg nach Hause, den Weg zu sich selbst finden?<\/p>\n<p>Der Beitrag Leclercs zur Befreiung der Welt vom Faschismus einerseits und das Gewicht des franz\u00f6sischen Kolonialismus in Kamerun andererseits &#8211; beides wiegt einander nicht auf. Wie k\u00f6nnte es auch? Die Afrikaner haben viel weniger von der Befreiung profitiert als wir Europ\u00e4er, wir Deutschen zuerst. Im Kalten Krieg wurde Afrika schon wieder zum taktischen Gefechtsfeld der Interessen anderer; selbst die Geburt der Entwicklungshilfe geh\u00f6rt in diesen Kontext.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Wie lange wurde in der westdeutschen Bundesrepublik gestritten \u00fcber den Charakter des 8. Mai &#8211; Befreiung oder Niederlage? Niemand dachte dabei daran, was der 8. Mai 1945 in Algerien bedeutete: ein Massaker, dem tausende Algerier zum Opfer fielen &#8211; nur weil die algerische Fahne gezeigt wurde. Das Datum markierte aus sp\u00e4terer Sicht den Beginn des Algerienkriegs. Sollten wir nun die Algerier an diesem Tag zum Feiern \u00fcberreden?<\/p>\n<p>Ein drittes Beispiel: Auf einer malaysischen Insel erz\u00e4hlen junge Chinesen, wie ihre Gro\u00dfv\u00e4ter von Japanern gefoltert wurden. Der Schrecken des Zweiten Weltkriegs kristallisiert sich f\u00fcr sie in dieser famili\u00e4ren Erz\u00e4hlung. Dass es einen Holocaust gab, haben sie geh\u00f6rt, aber das bleibt f\u00fcr sie eine vage Information, sie hat wenig Gewicht und keine Verbindung zum Schicksal der Gro\u00dfv\u00e4ter. Menschen neigen dazu, die Leidensgeschichte ihrer eigenen Gruppe, Region oder Kultur in den Vordergrund zu stellen und sich Geschichte von diesem Punkt aus zu erkl\u00e4ren. Es d\u00fcrfen sich eben nur nicht T\u00e4ter zu Opfern stilisieren.<\/p>\n<p>Der deutsche Blick: Manche m\u00f6chten nun aus der Kollaboration arabischer Faschisten mit den Nazis den vermeintlich judenfeindlichen Charakter des Islams ableiten und gleich den Nahostkonflikt neu deuten. Es sollte sich eigentlich verbieten, auf den Gr\u00e4bern der Kriegstoten die Scharm\u00fctzel der deutschen Linken zwischen proisraelischen und propal\u00e4stinensischen Positionen auszutragen.<\/p>\n<p>Den eurozentrischen Blick vermeiden, ohne den Holocaust zu relativieren &#8211; das ist eine ebenso richtige wie schwierige Aufgabe. Kommen wir ihr n\u00e4her, wenn nun gerade Deutsche mit dem Lineal das globale Geschehen von damals sortieren? Hier Befreier, dort Kollaborateure, hier Helden, dort Schurken, hier gute M\u00e4rtyrer, dort tote Verr\u00e4ter? W\u00e4re es nicht wichtiger, die vielf\u00e4ltigen Verstrickungen zu verstehen und was sie heute bedeuten?<\/p>\n<p>&quot;Der Krieg der Deutschen&quot;, titelte der Spiegel zum Jahrestag im vergangenen September. Das klang nicht nur nach Schuld, sondern auch nach Stolz, Besitzerstolz. Unser Krieg! Kann es stattdessen, passend zu einer multipolaren Welt, ein multipolares Geschichtsverst\u00e4ndnis geben? Es scheint: Die Arbeit daran hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<p><b>Fu\u00dfnoten:<\/b><br \/>(1) Die Ausstellung &quot;Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg&quot; basiert auf dem Buch &quot;Unsere Opfer z\u00e4hlen nicht&quot;, Hg. Rheinisches JournalistInnenb\u00fcro\/Recherche International e. V., Hamburg\/Berlin (Verlag Assoziation A) 2005 (siehe Abbildungen S. 15). Das Journalistenkollektiv um Karl R\u00f6ssel hat durch jahrelange Recherchen in 30 L\u00e4ndern immens viel Material zusammengetragen. Ein zweiter Band (2008) pr\u00e4sentiert das Thema als &quot;Unterrichtsmaterialien zu einem vergessenen Kapitel der Geschichte&quot;. Auch als Download unter: <link http:\/\/www.3www2.de>www.3www2.de<\/link>. <br \/>(2) Amadou Hampat\u00e9 B\u00e2, &quot;Oui, mon commandant! In kolonialen Diensten&quot;, Zweiter Band der Lebenserinnerungen, Wuppertal (Peter Hammer Verlag) 1997, S. 107.<br \/>(3) J\u00e1nos Riesz , &quot;L\u00e9opold S\u00e9dar Senghor und der afrikanische Aufbruch im 20. Jahrhundert&quot;, Wuppertal (Peter Hammer Verlag) 2006.<br \/>(4) Laut seiner Biografin und Mitstreiterin Alice Cherki. Siehe auch: Alice Cherki, &quot;Frantz Fanon. Ein Portrait&quot;, Hamburg (Nautilus) 2002.<\/p>\n<p>Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin. Zuletzt erschien: &quot;Ihr wisst nichts \u00fcber uns! Meine Reisen durch einen unbekannten Islam&quot;, Freiburg (Herder) 2008.n\u00a9&quot; Le Monde diplomatique, Berlin<\/p>\n<p>Le Monde diplomatique Nr. 9008 vom 9.10.2009, Seite 14-15, 706 Dokumentation, Charlotte Wiedemann<\/p>\n<p>\u00a9 Contrapress media GmbH Vervielf\u00e4ltigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel von&nbsp;Charlotte Wiedemann, zuerst erschienen im Monde Diplomatique Nr. 9008 vom 9.10.2009, Seite 14-15, 706, Dokumentation. Wir ver\u00f6ffentlichen den Artikel mit ferundlicher Genehmigung des Monde Diplomatique. Charlotte Wiedemann ist Journalistin und Autorin.&nbsp; Wessen Krieg und wessen Ehre? 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