{"id":904,"date":"2013-10-15T10:00:00","date_gmt":"2013-10-15T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.com\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/"},"modified":"2023-10-06T11:30:28","modified_gmt":"2023-10-06T09:30:28","slug":"online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/","title":{"rendered":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987"},"content":{"rendered":"<p>Am <b>15. Oktober 2013<\/b>, hat sich der T<b>od des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Staatsmannes Thomas Sankara<\/b> zum 26. Mal gej\u00e4hrt. Anl\u00e4sslich dieses Datums hat AfricAvenir dieses <b>Interview<\/b>, das <b>wenige Tage vor seiner Ermordung<\/b> von der damals in Kamerun lebenden deutschen Journalistin <b>Inga Nagel<\/b> gef\u00fchrt wurde, transkribiert und \u00fcbersetzt. Einen Auszug dieses Interviews, das im November 1987 in Jeune Afrique unter dem Titel <i>\u201eMessage d\u2019outre tombe\u201c<\/i> publiziert wurde, hat AfricAvenir bereits vor einem Jahr als <link http:\/\/www.africavenir.org\/de\/news-archiv\/newsdetails\/datum\/2012\/10\/03\/online-publikation-nachricht-aus-dem-jenseits-das-letzte-bekannte-interview-von-thomas-sankara.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">|+| <i>\u201eNachricht aus dem Jenseits\u201c<\/i><\/link> ver\u00f6ffentlicht. <b>Der vorliegende Text ist nun die \u00dcbersetzung des gesamten, fast anderthalbst\u00fcndigen Interviews.<\/b><\/p>\n<p>Inga Nagel, die heute in einem Menschrechtsnetzwerk in Haiti arbeitet, erinnert sich noch genau an die Ermordung Thomas Sankaras: <br \/>\u201eMein Leben lang wird mir der 15. Oktober 1987 im Ged\u00e4chtnis bleiben, als aufgeregte NachbarInnen in der hereinbrechenden Dunkelheit zu mir kamen. Ein paar Tage vorher war ich in das kamerunische Dorf zur\u00fcckgekehrt, in dem ich damals lebte. \u201eMach das Radio an, in Ouagadougou wird geschossen. Wahrscheinlich ein Putsch.\u201c Und dann die schreckliche Nachricht: Thomas Sankara ist tot. Schockiert hockten wir die ganze Nacht beieinander. Und ich musste erz\u00e4hlen, wie es war, wie ER war, der mich an jenem Sonntagmorgen des 6. Oktober fast zwei Stunden lang empfangen hatte, in seinem kargen B\u00fcro im Pr\u00e4sidentenpalast.\u201c <\/p>\n<p>In seinem letzten Interview zieht Sankara seine <b>eigene kritische Bilanz<\/b> und beantwortet alle Fragen, selbst die zu seiner m\u00f6glichen Ermordung: <b>\u201eEines Tages wird vielleicht jemand aus einer Menschenmasse heraustreten und auf den Pr\u00e4sidenten schie\u00dfen. Und dann ist er tot. Das kann passieren.\u201c<\/b> Doch stur in seinem Vertrauen in die Menschen \u2013 vielleicht sogar im Missverst\u00e4ndnis der menschlichen Natur \u2013 leugnete er die Meinungsverschiedenheiten zwischen seinen Kameraden und sich. Immer enthusiastisch hielt er daran fest, sich mit dem Volk identifizieren zu wollen. Gleichzeitig zog er realistisch seine eigene Bilanz, wobei er den Akzent auf zwei oder drei kleine Erfolge setzte und\u2026 10.000 Fehler.&nbsp; (Sennen Andriamirado)<\/p>\n<p><b>I.N.: Herr Pr\u00e4sident, wann und wie sind sie der Ideologie, die Sie in der Folge \u00fcbernommen haben, zum ersten Mal begegnet? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich w\u00fcrde eher von einem Bewusstsein sprechen, dass in mir keimte. Wie Sie wissen, stamme ich aus einer sehr bescheidenen Familie, und ich habe meine Leute leiden sehen. Ich habe auch die Kolonisation erlebt und alles, was den Meinen angetan wurde \u2013 einfach nur, weil wir wir waren, die Schwarzen, und die anderen waren die anderen, die Wei\u00dfen Kolonisatoren. Ich habe aber auch gesehen, wie Schwarze andere Schwarze verraten haben, um bei den Wei\u00dfen gut dazustehen. Sp\u00e4ter habe ich erlebt \u2013&nbsp; wir waren noch ganz klein&nbsp; \u2013, als von den Unabh\u00e4ngigkeiten gesprochen wurde, wie die Unabh\u00e4ngigkeit \u00fcber uns wie ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck hereinbrach. Obwohl man uns doch glauben gemacht hatte, dass die Unabh\u00e4ngigkeit die Quelle eines gro\u00dfen Gl\u00fccks sei. Diese Erlebnisse in meiner Familie und in meiner kleinen Kinderwelt in der Schule usw. haben mich aufgebracht, haben mich die Ungerechtigkeit sp\u00fcren lassen, und folglich habe ich diese Fragen mit den \u00c4lteren diskutiert und mehr und mehr verstehen k\u00f6nnen, dass es Prinzipien gibt, die die Gesellschaft bestimmen; Prinzipien, die Ungerechtigkeit schaffen, und solche, die dieser Ungerechtigkeit entgegenwirken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie haben die Revolution ja nicht erfunden. Aus welcher Quelle haben Sie gesch\u00f6pft?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Nein, ich habe sie nicht erfunden. Man muss ganz einfach sagen, dass, auch wenn es anderswo auf der Welt Revolutionen gibt, brauchen wir in Burkina nicht unbedingt eine Quelle, um daraus zu sch\u00f6pfen. Es reicht aus, sich die Realit\u00e4t anzuschauen. Wissen Sie, da, [unverst\u00e4ndlicher Teil] wo es Ungerechtigkeit gibt, kommt es zwangsl\u00e4ufig zur Revolte, zum Kampf. Und zwangsl\u00e4ufig zum Sieg. Das ist die Revolution. Es sind also Burkinas lokale Gegebenheiten, die die Revolution herauf beschworen haben.<\/p>\n<p><b>I.N.: Wann haben Sie beschlossen, die Dinge in Burkina, in Obervolta, in die Hand zu nehmen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Nein, ich habe das niemals entschieden, mich als F\u00fchrer zu pr\u00e4sentieren, auf welcher Ebene auch immer. Es ist wahr, dass ich fr\u00fcher viel im Untergrund gearbeitet habe; sp\u00e4ter haben die Umst\u00e4nde mich in eine bestimmte Position gezwungen, aber ich habe mir das niemals ausgesucht. Im Gegenteil, ich hatte schon zuvor mehrfach die Gelegenheit und habe abgelehnt, sei es unter dem CSP , sogar davor, aber ich habe die F\u00fchrungsfunktion immer abgelehnt, weil ich denke, dass es das Volk ist, das seinen Weg macht. Es ist nicht ein Individuum auf diesem oder jenem Posten. Und ich dachte, dass ich von der Ebene, auf der ich mich befand, einen guten Beitrag leisten k\u00f6nnte. Das soll hei\u00dfen, dass ich mit meiner politischen Arbeit darauf hinwirken konnte, dass andere das verstehen w\u00fcrden, was ich selbst meinte, verstanden zu haben. Ebenso konnte ich selbst daran arbeiten, die Dinge noch besser zu verstehen, wo mein Niveau noch nicht ausreichte. Ich konnte Ideen verbreiten und daran mitwirken, dieses Ideal der Gerechtigkeit f\u00fcr unser Volk zum Leben zu erwecken. Doch ungl\u00fccklicherweise, oder gl\u00fccklicherweise, ich wei\u00df auch nicht, haben die Ereignisse dazu gef\u00fchrt, dass ich bestimmte \u00c4mter erf\u00fcllen musste, bis hin zu dem des Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie haben sich also nicht zum Politiker berufen gef\u00fchlt? <br \/><\/b><br \/>T.S.: Nein nein nein, politischer K\u00e4mpfer, ja, aber Verantwortlicher auf welchem Niveau auch immer:&nbsp; nein, ich habe mich damit nie identifiziert. Selbst heute w\u00e4re ich noch bereit, jeden m\u00f6glichen Posten zu besetzen, vorausgesetzt, dass ich im revolution\u00e4ren Kampf bleiben kann. Das w\u00fcrde mich \u00fcberhaupt nicht st\u00f6ren, bis heute nicht.<br \/>&nbsp;<br \/><b>I.N.:&nbsp; Wie ist sie denn, die Revolution \u00e0 la Burkinab\u00e8?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Also, die Revolution auf burkinisch richtet sich nach den besonderen Gegebenheiten unseres Landes. Dieses ist agrarisch gepr\u00e4gt, sehr r\u00fcckst\u00e4ndig, mit einem hohen Analphabetentum und verschiedenen sozialen Schichten, die nicht alle ein hohes Ansehen haben und nicht ausreichend organisiert sind, um ein Klassenbewusstsein zu entwickeln und den Klassenkampf zu f\u00fchren. [unverst\u00e4ndlicher Teil] Das Kleinb\u00fcrgertum bleibt bei uns ein Vektor des Imperialismus auf Grund der sich wiederholenden Sozialisierung [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Die Revolution ist bei uns also anders als in anderen L\u00e4ndern, weil unsere Bedingungen so besonders sind, dass wir kein Modell, kein Beispiel \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. Aber nat\u00fcrlich sind unsere Prinzipien, unsere Ideale dieselben wie die universellen Prinzipien der Revolution.<\/p>\n<p><b>I.N.: Warum nennen Sie es nicht Sozialismus ?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Weil der Sozialismus eine Phase des Kampfes ist. Wir sind auf dieser Stufe noch nicht angekommen. Wir werden nicht \u2013 auch wenn es legitim ist, sich den Titel auszusuchen, den man tragen m\u00f6chte. Wir werden uns keine Titel, Etiketten oder Bezeichnungen geben, die nicht dem reellen Stand unseres Kampfes entsprechen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Welche L\u00e4nder betrachten Sie als befreundete L\u00e4nder ?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wo? Wir haben viele befreundete L\u00e4nder. In Afrika oder au\u00dferhalb? So wie wir Feinde haben, weil die Revolution sich gegen die etablierten Interessen der Kapitalisten, B\u00fcrgerlichen und Reaktion\u00e4re richtet, so haben wir auch Freunde. Zum Beispiel in Deutschland, da haben wir zahlreiche Freunde. Ich bekomme Briefe von Deutschen, die mir schreiben und mich fragen, was es bei uns Neues gibt. Solche betrachten wir als Freunde. <br \/><b><br \/>I.N.: Wie demonstrieren Sie Ihre Solidarit\u00e4t mit den anderen V\u00f6lkern ?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Zuerst einmal tun wir alles, um daf\u00fcr zu sorgen, dass unser Volk, das burkinische Volk, die anderen V\u00f6lker kennt. Was man nicht kennt, kann man auch nicht respektieren. Das ist unsere erste Bem\u00fchung. Seit dem 4. August 1983 wird in unserem Land sehr viel von den anderen gesprochen. Wir sind ein Binnenland ohne Meereszugang, aber wir arbeiten hart daran, uns den anderen gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen. Zweitens schulen wir unser Volk, damit es erkennt, welche F\u00fchrer pro-imperialistisch eingestellt sind [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Drittens besuchen wir die anderen V\u00f6lker im Rahmen von Austauschprogrammen und Zusammenarbeit [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Und wir haben uns entschlossen, den anderen V\u00f6lkern zu zeigen, dass das Elend des burkinischen Volkes [unverst\u00e4ndlicher Teil]&nbsp; dieselben Ursachen hat wie das Elend und Leiden, das diese V\u00f6lker vielleicht auch kennen. Nat\u00fcrlich sind die Leiden unterschiedlich. In Ihrem Land Deutschland sind die Sorgen des Volkes nicht genau die gleichen wie bei uns. Aber die Herrschaft \u00fcber Ihr Volk ist die gleiche wie bei uns, sie entspringt der selben Macht, n\u00e4mlich jener der reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte, die wir gemeinsam hinwegfegen m\u00fcssen, ob in Deutschland oder Burkina oder sonst wo. Genau da m\u00fcssen wir es schaffen, Verbindungen aufzubauen, ideologische Einigkeit und gemeinsame Aktionen. Die Deutschen sind nicht die Feinde der Burkinab\u00e8, und die Burkinab\u00e8 sind nicht Feinde der Deutschen.<br \/><b><br \/>I.N.: Sprechen wir \u00fcber die afrikanische Einheit. Glauben Sie, dass die OUA (Organisation der afrikanischen Einheit) ein geeignetes Instrument ist, die Probleme Afrikas zu l\u00f6sen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Also das kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich muss aber sagen: Ich glaube an die afrikanische Einheit und ich glaube daran, dass sie kommen wird. Vielleicht in einem Jahr, vielleicht in tausend Jahren, ich wei\u00df nicht wann, aber sie wird als Ausdruck dessen gedeihen, was die V\u00f6lker w\u00fcnschen. Den afrikanischen V\u00f6lkern sind die Grenzen zunehmend egal. Sie kommunizieren untereinander und ignorieren, was die F\u00fchrer wollen. Das hei\u00dft, dass die Staatschefs sich mit ihren V\u00f6lkern identifizieren und ihre Interessen respektieren m\u00fcssen, wenn sie nicht von ihnen weggefegt werden wollen. Das wird uns zur Einheit f\u00fchren. Die Einheit einiger F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten an der Spitze wird nicht ausreichen.<br \/><b><br \/>I.N.: Edem Kodjo sagte einmal: \u201eAfrika ist bei den gro\u00dfen weltweiten Debatten abwesend.\u201c Wem geben Sie die Schuld daran?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Schuld haben die, die Afrika ausbeuten. Schuld haben aber auch die AfrikanerInnen, die sich nicht zusammenschlie\u00dfen, um ihren Platz einzunehmen. [unverst\u00e4ndlicher Teil]&nbsp; Der Sklave verdient seine Ketten. Wenn ein Sklave seine Ketten abstreifen will, muss er k\u00e4mpfen. Der Sklave, der nicht k\u00e4mpft, der seiner Pflicht nicht nachkommt, kann sich von seinen Ketten nicht befreien. Wenn er nicht k\u00e4mpft, wird er sich nie befreien. Er wird ein Sklave bleiben, welche Gef\u00fchle ihm sein Herr entgegen bringen oder welche moralische Reden dieser auch schwingen mag. Die AfrikanerInnen m\u00fcssen sich gegen all jene organisieren, die sie aus den Debatten dieser Welt ausschlie\u00dfen. Sie m\u00fcssen sich durchsetzen, und es ist ihnen auch m\u00f6glich, sich durchzusetzen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Reden wir \u00fcber den Tschad. Warum haben Sie es der tschadischen Opposition erm\u00f6glicht, sich hier zusammenzufinden? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Weil wir glauben, dass der Frieden im Tschad einer Vision entspringt. Wir m\u00fcssen akzeptieren, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Es bringt nichts, sich die Augen zuzuhalten, eine Vogel-Strau\u00df-Politik zu betreiben, zu behaupten, es g\u00e4be keine tschadische Opposition, obwohl alle wissen, dass sie existiert. Es befinden sich mehr tschadische F\u00fchrungskader au\u00dferhalb als innerhalb des Tschad. Welche auch immer die L\u00f6sung sein wird, die wir f\u00fcr den Tschad finden: solange die Tschader im Ausland nicht organisiert sind, auch um sich untereinander zu verst\u00e4ndigen, bleibt es eine Illusion. Und weil wir das tschadische Volk lieben, m\u00fcssen wir uns \u00f6ffnen und ebenfalls Opfer zu seinen Gunsten bringen. Deswegen sagen wir der tschadischen Opposition, wenn wir sie treffen: \u201eVereint Euch und findet eine Formel, einen Weg, euch mit den anderen zu verst\u00e4ndigen, um zu einer Einigung zu finden.\u201c Welcher Weg ist das? Nun, er ist nicht ausgeschildert.<\/p>\n<p><b>J.A.: Ergreifen Sie Partei?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Das k\u00f6nnen wir nicht. Deswegen kann es auch ein langwieriger Prozess werden. Es w\u00e4re ja f\u00fcr uns einfach gewesen, zu sagen: Also, wir haben dieses Lager gew\u00e4hlt, damit sind wir gegen jenes andere Lager. Wir machen das nicht [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Es geht doch gar nicht darum, bestimmte Personen zu unterst\u00fctzen, vielmehr geht es um die Interessen des tschadischen Volkes. Es geht darum, dass sich das tschadische Volk befreit. Sehen Sie, allen tschadischen Bewegungen wird hier Rechnung getragen. Ob nun die im In- oder Ausland, von dieser oder jener Macht unterst\u00fctzt \u2013 sie sind einbezogen [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Wir d\u00fcrfen gar keine Partei ergreifen. &nbsp;<br \/><b><br \/>I.N.: Ouaga wird auch die Plattform f\u00fcr ein Forum gegen die Apartheid sein. Warum? Was ist Ihr Interesse daran?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir sind alle gegen die Apartheid und wir denken, dass sie ein Thema ist, das alle Menschen angeht, Schwarze wie Nicht-Schwarze. Wenn es stimmt, dass die Schwarzen sich von der Unterdr\u00fcckung der Wei\u00dfen Rassisten in S\u00fcdafrika befreien wollen, dann glaube ich nicht, dass es den anderen Wei\u00dfen in Afrika und au\u00dferhalb gleichg\u00fcltig sein kann, zu wissen, dass die Schwarzen sie eines Tages mit den Wei\u00dfen Rassisten in S\u00fcdafrika verwechseln k\u00f6nnten. Ich glaube demnach, dass es im Interesse aller ist, dass Rassismus und Apartheid in der Welt ausgerottet werden. Die Debatten auf Regierungsebene reichen jedoch nicht aus, weil hier immer auch Staatsinteressen mitmischen. Diese Interessen entwickeln sich auf der Grundlage von Kompromissen oder sogar Zugest\u00e4ndnissen. Deshalb denken wir, dass kein Volk gegen die Apartheid k\u00e4mpfen kann, wenn es kein Bewusstsein gegen die Apartheid, gegen Rassismus, entwickelt hat. Wir m\u00f6chten, dass unser Volk dieses Bewusstsein erlangt. Und das Forum hat zum Ziel, die Massen unabh\u00e4ngig von der Regierung zu mobilisieren. Klar, unsere Regierung ist daf\u00fcr, unsere Revolution ist f\u00fcr diesen Kampf. Deswegen stellen wir uns \u00fcbrigens auch nicht dagegen; wenn wir etwas tun k\u00f6nnen, um dieses Forum zu unterst\u00fctzen, werden wir es tun. Es ist aber vor allem Sache des Volkes, nicht der Regierung. Und wir w\u00fcnschten uns, dass alle Regierungen auf der ganzen Welt ihren V\u00f6lkern freien Lauf lie\u00dfen, sich gegen die Apartheid zu organisieren. Am Tag, an dem die V\u00f6lker der Erde sich der Apartheid wirklich bewusst werden, werden wir keine Gipfel mit Staatschefs mehr veranstalten m\u00fcssen, um \u00fcber Wirtschaftsboykotts [unverst\u00e4ndlicher Teil] zu entscheiden. Es werden die V\u00f6lker selbst sein, die diese Boykotts beschlie\u00dfen. Sogar, wenn die F\u00fchrer f\u00fcr eine Verst\u00e4ndigung, einen Dialog mit S\u00fcdafrika sind, werden sie \u00fcberstimmt werden. Viele Staatschefs haben die Nachrichten gegen die Apartheid, die sie in ihren L\u00e4ndern verbreiten sollten, sogar erstickt [unverst\u00e4ndlicher Teil].<\/p>\n<p><b>I.N.: Wie sehen Ihre derzeitigen Beziehungen zu Libyen aus?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Unsere Beziehungen sind hervorragend, weil wir klare Prinzipien aufgestellt haben. Wir sagen Libyen, was wir von ihm halten, und wir unterst\u00fctzen es auch in seinen Bestrebungen; auch wenn die Leute anfangs behaupteten, dass wir eine Schachfigur Libyens seien, glaube ich, dass die Dinge jetzt klar sind, und wenn es L\u00e4nder gibt, die frei, ehrlich und direkt mit Libyen reden, dann ist, glaube ich, Burkina Faso eines davon. Es ist gut, dass wir mit Libyen in Dialog getreten sind und von Zeit zu Zeit sagen, was wir zu sagen haben, ehrlich und direkt. Denn es ist ein afrikanisches Volk, des Interesses w\u00fcrdig, welches ein richtiges Anliegen verteidigt, das dort in Libyen propagiert wird. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich mit den Methoden nicht einverstanden sein, so wie sie mit unseren oft nicht einverstanden sind. Dies stellt aber kleinere Widerspr\u00fcche dar. Selbst die Libyer untereinander sind nicht zu hundert Prozent einer Meinung, so wie wir das auch unter uns Burkinab\u00e8 nicht sind.<\/p>\n<p><b>I.N.: Aber Gaddafi tr\u00e4umt von einer islamischen Expansion. Haben Sie keine Angst davor?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Islamische Expansion\u2026 auf jeden Fall haben wir sehr alte und enge Beziehungen zu Libyen, und wir erleiden keinen islamischen, islamisierenden Druck von Seiten Gaddafis. Die Dinge sind sehr klar, und Gaddafi hat, seit er herkommt, noch nicht \u00fcber den Islam gesprochen. <br \/><b><br \/>I.N.: Empfangen Sie Hilfe von Seiten Libyens?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Sehr wenig. Aber, wissen Sie, es ist nicht auf der Hilfsebene, dass wir an unseren Beziehungen mit Libyen stricken. Ich kenne viele L\u00e4nder, die als anti-libyisch gelten, aber viel mehr Hilfe von Libyen erhalten als Burkina. Das hindert uns nicht daran, mit Libyen dort einverstanden zu sein, wo wir wirklich denken, dass die Positionen korrekt sind und jemand in der Welt die Libyer unterst\u00fctzen muss. Selbst, wenn wir daf\u00fcr gar nichts erhalten, keine Pr\u00e4mie oder so. &nbsp;<\/p>\n<p><b>I.N.: Wie denken Sie \u00fcber die \u2013 sogar atomare \u2013 Aufr\u00fcstung der L\u00e4nder der Dritten Welt? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich m\u00f6chte nicht, dass wir \u00fcber die Aufr\u00fcstung sprechen, als g\u00e4be es einerseits eine akzeptable und andererseits eine inakzeptable Aufr\u00fcstung. Selbst ein Kn\u00fcppel oder Messer ist genauso gef\u00e4hrlich und verwerflich wie die Atombombe. Wenn Sie die Atombombe verdammen, dann k\u00f6nnen Sie auch Pistolen, Gewehre oder Granaten verdammen. F\u00fcr mich ist das \u00e4hnlich. Wichtig ist, was man mit diesen Waffen erreichen will. Den V\u00f6lkern Gesetze aufzwingen? Ist das beste Gesetz des Lebens, jeder Gesellschaft und jeden Volkes nicht jenes, das das Volk selbst w\u00e4hlt? Wenn man die Freiheit und die Demokratie sich ausdr\u00fccken lie\u00dfe, dann w\u00e4re dies m\u00e4chtiger als jede Atombombe, als alle Gef\u00e4ngnisse, als jede Polizei der Welt. Und wenn man die V\u00f6lker untereinander kommunizieren lie\u00dfe, br\u00e4uchte man keine Panzer oder Kampfflugzeuge, um eine Politik durchzusetzen. Aber je weniger man der Stimme des Volkes zuh\u00f6rt, je weniger man das Recht des Volkes, sich auszudr\u00fccken, respektiert, desto mehr muss man Gewalt anwenden, mag sie atomar oder konventionell sein.<\/p>\n<p><b>I.N.: Aber ist es denn vertretbar, dass die Armen enorme Summen ausgeben, um sich zu bewaffnen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Es ist f\u00fcr niemanden vertretbar, Geld f\u00fcr Bewaffnung auszugeben. F\u00fcr niemanden, weder die Armen noch die Reichen. Bewaffnung ist kein Luxus, kein Recht der Reichen. Sie ist eine Dummheit der Armen wie der Reichen. Ein deutsches Sprichwort sagt: \u201eDer Kl\u00fcgere gibt nach.\u201c Es ist der Kl\u00fcgste, der sich gleichzeitig als der M\u00e4chtigste erweisen kann. Die gr\u00f6\u00dfte aller M\u00e4chte ist jene, die dem Volk am meisten W\u00fcrde verleihen kann, am meisten Freiheit, am meisten Demokratie. Das ist die allergr\u00f6\u00dfte Macht.<\/p>\n<p><b>I.N.: Wie viel geben Sie f\u00fcr Ihre Armee aus?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir geben f\u00fcr unsere Armee etwas mehr als f\u00fcnf Milliarden Francs CFA&nbsp; aus. Das ist viel, zuviel sogar. Und wir tun alles, um das zu \u00e4ndern. Wie? Nun, da haben wir zuerst die Milit\u00e4rs, deren Geh\u00e4lter wir zahlen m\u00fcssen. Da sie schon da sind, werden wir sie nicht verjagen, immerhin sind sie es nicht, die die Armee erschaffen haben. Wir versuchen, sie auf den Feldern, in Schulen oder Krankenstationen einzusetzen. Wir versuchen, unsere Armeeangeh\u00f6rigen allm\u00e4hlich umzuschulen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir sie nicht von einem Tag auf den anderen aufl\u00f6sen, da wir ja auch f\u00fcr unsere Sicherheit angesichts anderer Staaten sorgen m\u00fcssen. Doch die Arbeit daran, die Belastung unseres Budgets durch die Armee zu verringern, machen wir gemeinsam mit anderen L\u00e4ndern und Regimes, damit diese ebenfalls keine Armee mehr haben wollen. Wenn die anderen keine Armee haben, brauchen wir auch keine. Wir werden zuviel Geld an die Armee verlieren, obwohl sie nicht von Bedeutung ist. Wir m\u00fcssen aber die anderen \u00fcberzeugen, und um das zu tun, m\u00fcssen wir sie beruhigen, Kontakt halten, und das dauert. Was f\u00fcr den Menschen n\u00e4mlich am leichtesten geht, das ist dieser Reflex der Gewaltanwendung, eher als die \u00dcberzeugung, die viel mehr Aufwand und Opfer erfordert. <br \/><b><br \/>I.N.: Wie beurteilen Sie die Verhandlungen \u00fcber die Abr\u00fcstung der Superm\u00e4chte?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja, ich denke, dass es weltweite Verhandlungen geben m\u00fcsste, denn es betrifft ja nicht nur die Superm\u00e4chte. Wie sollen die sich denn verst\u00e4ndigen, wenn wir nicht einbezogen werden? \u00dcbrigens, wo finden denn die Kriege statt? Doch niemals bei den Superm\u00e4chten. Alle derzeitigen Kriege finden bei den anderen statt. Es sind also zuerst wir die Betroffenen. Die Atombombe geht nicht nur die Superm\u00e4chte an, denn wenn sie hochgeht, sind wir es, die die negativen Folgen tragen werden.<br \/>.<br \/><b>I.N.: Ist der Mensch \u00fcberhaupt f\u00e4hig, in Frieden zu leben?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Der Mensch ist f\u00e4hig, in Frieden zu leben. Das ist aber eine Frage der gesellschaftlichen Entwicklung, der Lebensbedingungen und der Beziehungen zwischen denen, die uns den Frieden aufdr\u00fccken wollen. Frieden entspringt ja nicht aus wissenschaftlichen Gesetzen, oder? Und solange einige Bedingungen nicht erf\u00fcllt sind, kann es keinen Frieden geben, denn man wird immer einige Menschen finden, die lieber Krieg f\u00fchren, um sich auf andere Weise durchzusetzen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Von 50 afrikanischen Staatschefs sind fast die H\u00e4lfte Milit\u00e4rs. Der Gro\u00dfteil von ihnen ist durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen. Warum ist das so?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja, weil die Staatsmacht in unseren L\u00e4ndern ausschlie\u00dflich bei der Armee konzentriert und von ihr repr\u00e4sentiert wurde. Deshalb wird die Armee im Krisenfall als die einzige Macht wahrgenommen, die Stabilit\u00e4t, eine gewisse Sicherheit und Durchsetzungsverm\u00f6gen bieten kann. Gleichzeitig muss man sich aber dar\u00fcber im Klaren sein, dass die Armeen normalerweise den reaktion\u00e4ren M\u00e4chten gedient haben. Es wurden zwar die M\u00e4nner ausgewechselt, aber sie dienten nach wie vor der Reaktion. Wir denken aber, dass mit zunehmender Beteiligung des Volkes und der Best\u00e4rkung darin, dass es selbst seine Verteidigung \u00fcbernimmt, Regimewechsel zwar stattfinden werden, aber immer mit Mitgliedern des Volkes, mit dem Volk selbst. Und das ist es, was wir bewirken wollen. Deshalb kann man sagen, dass es bei uns immer weniger Milit\u00e4r gibt: Damit, oder weil, alle Leute mehr und mehr zu Milit\u00e4rs werden; alle sind Milit\u00e4rs. Es gibt also keinen Unterschied mehr zwischen Milit\u00e4r und Zivilpersonen. Auf jeden Fall verschwimmt diese Grenze nach und nach. <br \/><b><br \/>I.N.: Wenden wir uns dem Beginn der Revolution zu. Wie haben die traditionellen Partner von Obervolta reagiert?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ihre Reaktionen waren sehr, sehr negativ\u2026 Sie meinen ausl\u00e4ndische Partner? <\/p>\n<p><b>I.N.: Ja.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Die Reaktionen waren sehr negativ, sie akzeptieren die Revolution nicht. Sie lebten ja dank uns, beuteten unser Land aus dank der Beziehungen, die sie zu bestimmten Staatschefs hatten, mit Knechten, ihren Knechten hier, die Instruktionen erhielten und ausf\u00fchrten und so gewisse Bedingungen schufen, damit die Gesch\u00e4fte ihrer im Ausland sitzenden Meister hier in Burkina Fr\u00fcchte tragen. Wir haben ihre Feindschaft erlebt und uns dann organisiert, um zuerst einmal zu zeigen, dass wir uns nicht gegen sie stellen, dass unsere Revolution sich nicht gegen wen auch immer richtet, sondern f\u00fcr die Befreiung unseres Volkes, und jene, die sich querstellen, sind genau jene, die wir bek\u00e4mpfen werden. Einige haben uns verstanden, andere nicht, zusammengenommen haben wir uns mit zunehmender Unterst\u00fctzung durch das Volk immer mehr durchsetzen k\u00f6nnen. So ist das.<br \/>&nbsp; <br \/><b>I.N.: Und wie hat sich die Zusammenarbeit daraufhin entwickelt?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Im Modus Vivendi. Das soll hei\u00dfen, dass es keine wichtige Frage ist, ob sie uns oder wir sie m\u00f6gen. Entscheidend ist eher, ob sie uns und wir sie respektieren. Das ist das eigentlich Wichtige. Und ich kann behaupten, dass jetzt jeder seinen Platz hat.<br \/><b><br \/>I.N.: Sie sind aber wirtschaftlich noch sehr an Frankreich gebunden. St\u00f6rt Sie das?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir sind an Frankreich gebunden, weil es traditionelle Verflechtungen gibt, \u00fcber die wir ausgebeutet werden. Aber dies \u00e4ndern, Frankreich f\u00fcr ein anderes Land aufgeben, das ist f\u00fcr uns nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir \u2013 handle es sich um Frankreich oder um welches andere Land auch immer \u2013 unsere eigenen Interessen garantieren k\u00f6nnen, ohne die anderen ausbeuten oder betr\u00fcgen zu wollen. Das ist uns wichtig. Das hei\u00dft, dass wenn ein anderes Land uns Konditionen anbietet, die f\u00fcr uns interessant sind, wir die auf jeden Fall annehmen werden. Wir haben aufgeh\u00f6rt, ein Monopol f\u00fcr Frankreich zu sein, und wir arbeiten noch mit Frankreich zusammen, weil wir bis jetzt keine besseren Angebote hatten, das ist alles.<\/p>\n<p><b>I.N.: Wie gestaltet sich die Beziehung zur deutschen Regierung?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir haben etwas schwierige Beziehungen. Deutschland handelt mit S\u00fcdafrika. Das ist eine Sache, die uns sehr schockiert. Wir denken, dass das deutsche Volk immerhin ein Volk ist, das die Freiheit liebt, das die Nazizeit erlebt hat und das der ganzen Welt als Beispiel eines Volkes dient \u2013 dienen muss \u2013, das den Nazismus bek\u00e4mpfen und denunzieren kann. Somit schockiert es uns, dass Deutschland mit S\u00fcdafrika handelt. Besonders, weil wir viel Hoffnung in die Zusammenarbeit mit Deutschland gelegt haben und denken, dass sie sich nicht genug entwickelt. Nein, das geht nicht, das ist schwach, sehr schwach. Hier m\u00fcssen auf beiden Seiten Anstrengungen unternommen werden. <br \/><b><br \/>I.N.: Sie erw\u00e4hnten, dass die OUA eine wirtschaftliche Sanktionierung des Regimes in Pretoria fordert, gleichzeitig arbeiten aber etliche afrikanische L\u00e4nder weiterhin mit S\u00fcdafrika zusammen.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Sicher. Bestimmt, aber das h\u00e4ngt ja alles zusammen. Die, die mit S\u00fcdafrika zusammenarbeiten, h\u00e4ngen von den Europ\u00e4ern ab, die mit S\u00fcdafrika kooperieren. Das ist die gleiche Clique. <\/p>\n<p><b>I.N.: H\u00e4tten Sie gerne intensivere Beziehungen zu Deutschland? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja, unbedingt. Wir w\u00fcnschen uns eine Verst\u00e4rkung der Beziehungen mit Deutschland, weil es viel gibt, was wir gemeinsam machen k\u00f6nnten. Das, was gemacht wird, ist sehr wenig. Wir verstehen nicht, wie ein Land, das so entwickelt ist wie Deutschland, der Situation Burkinas gegen\u00fcber, unseren Anstrengungen gegen\u00fcber, so indifferent sein kann. Wenn Deutschland einen Partner sucht, ein Land mit integren, seri\u00f6sen und arbeitsamen Menschen, dann denke ich, dass Burkina zwar kein perfektes Beispiel ist, aber eines, das eine ernsthafte Zusammenarbeit&nbsp; umsetzen kann.<\/p>\n<p><b>I.N.: Haben Sie Kontakte zur Sozialistischen Internationalen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja, aber sehr wenige Kontakte. Wir denken auch hier, dass die Kontakte mit der Zeit kommen werden, weil, wie Sie wissen, unsere Revolution eine v\u00f6llig unabh\u00e4ngige Revolution ist. Wir haben keine Lehrmeister, keine Paten, deswegen kennen uns die Leute nicht und wir sie nicht. Wir kennen die Ideen, aber nicht die Menschen. Nach und nach werden wir die Leute kennenlernen, und sie werden uns vielleicht auch kennenlernen. Das ist der Vorteil und gleichzeitig die Inkoh\u00e4renz unserer Unabh\u00e4ngigkeit. Wir sind derartig unabh\u00e4ngig, dass wir keine Paten haben. Wir sind sogar so unabh\u00e4ngig, dass wir niemanden haben, den wir anrufen k\u00f6nnen, wenn es ein Problem gibt. In anderen Regimes haben die F\u00fchrer so viele Beziehungen in der Welt, dass sie links und rechts mit jemandem telefonieren und ein Problem unterbreiten k\u00f6nnen. Wir haben diese M\u00f6glichkeit nicht.<br \/>&nbsp;<br \/><b>I.N.: Was denken Sie \u00fcber die solidarische Dritte-Welt-Arbeit, in der sich viele Menschen bei uns engagieren? Ist es nicht manchmal vielleicht sogar sch\u00e4dlich, wenn Menschen, die Afrika nicht wirklich verstehen, mit ihren Ideen hier ankommen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Absolut. Es werden viele Fehler gemacht, Leute kommen her und begehen Fehler und scheitern komplett. Ja, es gibt deshalb totale Fehlschl\u00e4ge, weil Leute mit unbestreitbar guten Absichten kommen, aber gar nicht wissen, wie sie unser Volk ansprechen sollen. Genauer hei\u00dft das, dass sie tief drinnen, sogar unbewusst, einen Mangel an Respekt f\u00fcr andere V\u00f6lker in sich tragen. Denn Respekt meint zuerst, den anderen gut zu kennen und zu achten. Wenn ich nach Deutschland komme, werde ich nat\u00fcrlich die deutschen Traditionen respektieren. Wenn ich das nicht tue, werde ich die Deutschen vor den Kopf sto\u00dfen. Wenn ich mich wie ein Burkinab\u00e8 verhalten und den burkinischen Traditionen in Deutschland folgen will, werde ich die Deutschen schockieren, sie entt\u00e4uschen, und der Dialog wird verunm\u00f6glicht [unverst\u00e4ndlicher Teil]. Der Unterschied ist doch der: ich bin Burkinab\u00e8, Sie sind Deutsche, ich lebe nicht wie Sie, aber ich achte Ihre Traditionen. Und ich lerne Sie besser kennen und verstehen, und so kann ich Ihnen dann auch den Unterschied zwischen uns zeigen und wie wir unser Bild des Menschen und der sozialen Beziehungen bereichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Aber Sie sind auf Hilfe angewiesen.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, das nicht auf Hilfe angewiesen w\u00e4re. Deutschland braucht Hilfe. Burkina braucht Hilfe.<\/p>\n<p><b>I.N.: Was raten Sie Menschen, die wirklich guten Willens sind und einen Beitrag zu einer gerechteren Entwicklung in der Dritten Welt leisten wollen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir haben hierf\u00fcr zuerst einmal ein B\u00fcro f\u00fcr die Koordinierung von NGOs gegr\u00fcndet und sind dabei, eine Struktur zu schaffen, die Menschen aus anderen L\u00e4ndern empf\u00e4ngt, die nach Burkina wollen, um hier zu arbeiten. Nicht des Geldes wegen, denn woanders verdient man mehr als in Burkina, aber aus idealistischen Gr\u00fcnden, um sinnvolle Arbeit zu verrichten und zu sp\u00fcren, dass man f\u00fcr die Menschen n\u00fctzlich ist, dass man sie aus dem Elend zieht. M\u00e4nner, Frauen, Kinder, Alte. Was wir jenen raten, ist zuerst zu versuchen, die anderen kennenzulernen, verstehen zu lernen. Zu versuchen, die Gr\u00fcnde zu verstehen, aus denen die anderen so elend sind, und den ernsthaften Kampf aufzunehmen. Es bringt nichts, mit Utopien zu kommen. Das ist wie bei einer Krankheit, die es zu heilen gilt: Um den Kranken gut heilen zu k\u00f6nnen, muss der Patient seinem Arzt gegen\u00fcber ehrlich sein. Wenn Sie an Bauchschmerzen leiden, aber behaupten, dass Sie Kopfschmerzen haben, kann der Doktor Sie niemals heilen. Wenn Sie diese oder jene Krankheit als besch\u00e4mend empfinden und behaupten, etwas anderes zu haben, dann kann der Arzt Ihnen nicht helfen, welche Kompetenzen er auch immer haben mag. Der Arzt muss jedoch auch selbst versuchen, das \u00dcbel zu finden, zu diagnostizieren. Wir haben hier Konflikte, die dem Verh\u00e4ltnis zwischen Reaktion\u00e4ren und Revolution\u00e4ren entspringen, zwischen dem Volk und den Feinden des Volkes. Letztere gibt es in Burkina und au\u00dferhalb Burkinas. Wenn man die Problemstellung so annimmt, kann man einen wichtigen Beitrag leisten. Sonst bleibt man nur ein Mildt\u00e4ter, der es ablehnt, die Feinde des Volkes zu benennen, die das Leiden unseres Volkes letztendlich verursachen. So sieht man so genannte Helfer kommen, die gleichzeitig selbst in diesem Diskurs fortfahren. Diese Wei\u00dfen sagen, sie seien gegen die Kolonisatoren, die unsere Vorfahren einfingen und als Sklaven verschifften etc. Sie meinen das auch ernst, aber da sie nicht versuchen, die objektiven Gr\u00fcnde unseres Leidens zu verstehen, sind sie letztendlich auch nicht besser als Sklavenh\u00e4ndler. Sie werden zu neuen Agenten des Handels mit uns Schwarzen und benehmen sich auch so. Sie organisieren die Schwarzen, damit sie Coca Cola trinken, damit sie sich dem Kapitalismus unterwerfen, der sie bereits in ihren eigenen L\u00e4ndern ausbeutet\u2026 das ist nicht gut. <\/p>\n<p><b>I.N.: Zwischen den Kulturen des Nordens und des S\u00fcdens verl\u00e4uft ein tiefer Graben. Ist ein wirkliches Verst\u00e4ndnis, eine echte Solidarit\u00e4t zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Das ist nicht nur m\u00f6glich, sondern wir m\u00fcssen diesen Graben schnell schlie\u00dfen. Wir haben hier bei uns eine Struktur geschaffen, die wir das \u201eInstitut der Schwarzen V\u00f6lker\u201c nennen. Ein Institut, das \u00fcberhaupt nicht rassistisch ist, sondern darauf abzielt, dass Schwarze, Wei\u00dfe, gelbe, rote Menschen in diese Institut kommen, um mitzuhelfen; zu erkl\u00e4ren, wie sie die Schwarzen wahrnehmen und welches diese ganzen kleines Details sind, die dazu f\u00fchren, dass zwischen den Schwarzen und den anderen widerspr\u00fcchliche Reflexe bestehen. Wie man das l\u00f6sen, diese ganzen Reflexe aushebeln kann. Bis hin zur Erziehung der Kinder, damit ein Kind nicht mit der Idee aufw\u00e4chst, dass Schwarze b\u00f6se, schlechte Wesen, ja, der Teufel sind. Wir wollen diesen Dialog der V\u00f6lker, der Rassen, der Gesellschaften im Institut der Schwarzen V\u00f6lker. Nehmen Sie zum Beispiel ein Schwarz-Wei\u00dfes P\u00e4rchen. Wenn Sie gemischte Paare sehen, Schwarz und Wei\u00df, sind sie oft ungl\u00fccklich. Sie sind in Europa ungl\u00fccklich, weil sie nicht als Europ\u00e4erInnen wahrgenommen werden. Sie sind in Afrika ungl\u00fccklich, weil sie nicht als AfrikanerInnen wahrgenommen werden. Sie wissen nicht wohin. Das ist doch nicht normal! Oder wollen Sie etwa behaupten, dass es einer Wei\u00dfen Frau verboten ist, einen Schwarzen Mann zu lieben? Dass es f\u00fcr einen Wei\u00dfen Mann unrecht ist, eine Schwarze Frau zu lieben? Ist das schlecht? Ich glaube ja wohl nicht. Und die Kinder, die geboren werden, die Mestizen, sind die der Erbs\u00fcnde schuldig oder was? Ich finde nicht, dass das normal ist. Und damit all diese Menschen gl\u00fccklich werden und frei in der Wahl ihrer Freunde, Beziehungen, Verlobten, Ehem\u00e4nner und Ehefrauen, m\u00fcssen wir zu verstehen versuchen, was die Basis dieser Scham und Beklommenheit ist. Wir m\u00fcssen \u00fcber diese Dinge ehrlich sprechen, damit die Menschen freier werden. Ich habe viele Wei\u00dfe Freundinnen, die Schwarze M\u00e4nner heiraten wollten, Freunde von mir, Schwarz wie ich, und diese Frauen wollten sie gerne heiraten, aber entweder haben die Eltern dieser Frauen das abgelehnt oder die afrikanischen Freunde dieser M\u00e4nner haben diese davon abgebracht, die Wei\u00dfe zu heiraten. Das alles kam vor. Das ist nicht normal. Dabei kannte ich sie, sie haben sich sehr geliebt, und das war wirklich ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Paar. Also: ist es normal, eine solche Liebe zu zerst\u00f6ren? Es ist nicht normal! Wir m\u00fcssen daran arbeiten, und wir sind die Verantwortlichen. Unsere Verantwortung besteht nicht nur darin, den Leuten Brot zu geben, Wasser, Gesundheitsversorgung oder Bildung. Es geht auch darum, ihnen zu erm\u00f6glichen, dass sie ihr Leben unbeschwert f\u00fchren k\u00f6nnen, bis hin zu ihren Beziehungen. Wenn mir die deutsche Musik gef\u00e4llt, muss ich sie h\u00f6ren d\u00fcrfen, ich muss frei sein, diese Musik zu h\u00f6ren, zu f\u00fchlen und mitzuklatschen, zu tanzen etc. Wenn die afrikanische Musik den Deutschen gef\u00e4llt, m\u00fcssen sie sich daran erfreuen d\u00fcrfen, ohne sich dessen zu sch\u00e4men, ohne dass jemand sagt: Ach so, das sind dekadente Leute, oder was, nein! Alle m\u00fcssen die freie Wahl haben.<br \/><b><br \/>I.N.: Was k\u00f6nnten die Wei\u00dfen von Afrika lernen? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Sehr viel. Sie k\u00f6nnten bei uns alles lernen, was nicht Wei\u00df ist. Alles. Und, Sie sehen, es gibt viel zu lernen, nicht wahr?<\/p>\n<p><b>I.N.: Gibt es Dinge, die die Wei\u00dfen niemals verstehen werden?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Nein. Wei\u00dfe sind Menschen. Sie k\u00f6nnen alles verstehen. Wissen Sie, man sagt zu uns Afrikanern h\u00e4ufig: Nein, ihr, die Afrikaner, k\u00f6nnt die klassische Musik von Beethoven, von Bach usw. niemals verstehen. Das ist doch nicht wahr! Es wird auch behauptet, dass die Wei\u00dfen nicht wie die Schwarzen tanzen k\u00f6nnen. Das stimmt doch nicht! Wenn man etwas lernt, dann kann man es danach auch, man muss es eben lernen.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie selbst sind letztendlich ein Produkt des franz\u00f6sischen Schulsystems, nicht wahr? Noch heute sind diese Einfl\u00fcsse \u00fcberall sp\u00fcrbar. Sie haben die Parole \u201eKonsumiert burkinisch!\u201c herausgegeben, ben\u00f6tigen aber trotzdem hoch entwickelte Technologien. Wie sehen Sie [in diesem Spannungsfeld, Anm. d. \u00dc.] Ihre eigene Identit\u00e4t?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir sehen unsere Identit\u00e4t als Ergebnis all dieser Einfl\u00fcsse, wie eine Identit\u00e4t, die sich aus all diesen Einfl\u00fcssen das Beste ausgesucht hat. Wenn wir sagen \u201elasst uns burkinisch konsumieren\u201c, lehnen wir damit nicht automatisch alles ab, was aus dem Ausland kommt, nein, das ist es nicht, was wir sagen. Wir sagen, dass wir auf unsere eigenen Kr\u00e4fte vertrauen m\u00fcssen. Wenn wir in Burkina Faso dekadente oder retrograde Traditionen haben, m\u00fcssen wir sie abschaffen. Und wir haben Traditionen, die ganz und gar nicht positiv sind. Wenn es hingegen bei den anderen positive Traditionen gibt, dann m\u00fcssen wir die \u00fcbernehmen. Man braucht Mut, das zu tun. Aber eine solche Assimilation f\u00fchlt sich nicht wie ein Aufzwingen an. Wir denken also, dass unser Volk sich in einer Zivilisation entwickelt, gleichzeitig mit anderen Zivilisationen, und wir sind \u00fcberzeugt, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Schwarze und Wei\u00dfe, Nord und S\u00fcd, Ost und West zu einer einzigen Zivilisation verschmelzen werden. Aber alle werden mit ihrer Kadenz kommen, ihrem Rhythmus, ihrer Handlungsfreiheit. Man darf anderen auf keinen Fall seine eigenen Vorstellungen aufzwingen, das ist alles. Aber wir werden zusammenfinden. Es ist 50 Jahre her, dass ein Deutscher nicht mit einem Afrikaner gesprochen h\u00e4tte, wie Sie gerade mit mir sprechen. Wir verstehen uns in vielen Dingen, die Zeichen zeigen in die gleiche Richtung. Man versteht sich. Wenn Sie am Flughafen von Ouagadougou ankommen, finden Sie ann\u00e4hernd den Flughafen von Frankfurt wieder, oder von Dakar, Paris, London\u2026 gut. Sie wissen, was Sie erwartet. Man muss hier entlang f\u00fcr die Formalit\u00e4ten des Zolls, dort f\u00fcr die der Polizei etc. Alles das sind Symbole, Lebensweisen, die dabei sind, sich zu harmonisieren, ohne dass dies unserem Volk auferlegt wird. Asiaten essen mit St\u00e4bchen, Sie essen mit Gabeln und wir essen mit der Hand, wie Sie das \u00fcbrigens fr\u00fcher auch taten. Nach und nach werden die Hand, das St\u00e4bchen und die Gabel verschmelzen, und heraus kommen wird ich wei\u00df nicht was f\u00fcr ein Instrument.<\/p>\n<p><b>I.N.: Riskiert man bei all dieser Vermischung nicht den Verlust einiger Dinge, einiger Werte?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir werden Werte verlieren, wenn wir Dinge aufzwingen. Wenn die Vermischung gewaltsam geschieht, werden wir verlieren. Wenn sie hingegen frei geschieht, wird sie dynamisch sein, und wir werden uns \u00fcberall das Beste heraussuchen. Die schlechten Dinge werden wir \u00fcber Bord werfen. Es gibt also keinen Verlust. Wenn es aber durch N\u00f6tigung, durch Gewalt geschieht, werden wir gewiss verlieren.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie tun sehr viel f\u00fcr die F\u00f6rderung der Kultur. Es ist schon \u00fcberraschend, ein Filmfestival in einem Land zu sehen, das zu den \u00e4rmsten der Welt z\u00e4hlt. Warum organisieren Sie das FESPACO hier in Ouaga ?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Die Kultur ist meines Erachtens f\u00fcr ein Volk die beste Art und Weise, der beste Weg, sich auszudr\u00fccken, sich selbst zu bestimmen. In der Kultur muss man nichts erzwingen. Musik, Tanz, Malen, Kino, Zeichnen, T\u00f6pfern \u2013 alle Formen der K\u00fcnste stellen einen freien Ausdruck dar. Wissen Sie, man kann da nichts auferlegen. Sie singen aus Ihrem Herzen. Das Lied kommt aus dem tiefsten Inneren. Wenn Sie also unter der Dusche stehen, fangen Sie an, ein Liedchen zu tr\u00e4llern, wenn Sie in ihrem Auto sitzen, tr\u00e4llern Sie Lieder, man kann das nicht auferlegen. Sie singen, Sie tr\u00e4llern in diesen Momenten das, was aus ihrem tiefsten Inneren kommt, das ist Ausdruck Ihrer absoluten Freiheit. Und genau dar\u00fcber k\u00f6nnen wir die Leute bilden, \u00fcber das Lied, den Tanz, das Kino \u2013 \u00fcber alles, was die Freiheit des Menschen ber\u00fchrt, k\u00f6nnen wir die Menschen bilden. Sei es \u00fcber Hygiene, Alphabetisierung, Arbeitsorganisation, sei es, um Mut zu machen&nbsp; \u2013 die Truppen wurden fr\u00fcher mit Musik an die Front geschickt. Kennen Sie eine Armee ohne Musik? Seit den R\u00f6mern oder sogar davor? Kennen Sie die Stelle in der Bibel, die Trompeten von Jericho? Wir glauben fest an die Kraft der K\u00fcnste.<br \/><b><br \/>I.N.: Ist es in diesem kulturellen Kontext nicht widerspr\u00fcchlich, bestimmte traditionelle Strukturen aufbrechen zu wollen? Die traditionellen F\u00fchrer sind immerhin die H\u00fcter der Weisheit der Vorfahren.<\/b><\/p>\n<p>T.S.:&nbsp; Warum wurde bei Ihnen in Deutschland der Keuschheitsg\u00fcrtel abgeschafft?<\/p>\n<p><b>I.N.: Weil er ein Instrument der Unterdr\u00fcckung war.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Gut, einverstanden. Das war eine Wahl, Sie haben sich dazu entschieden. Wir haben uns auch entschieden, was gut f\u00fcr uns ist, und wir schaffen das ab, was nicht gut f\u00fcr uns ist. Wissen Sie, wenn die Wahl schlecht w\u00e4re\u2026 es gibt da einen kulturellen Reflex eines Volkes, Sie k\u00f6nnen nicht gegen den Willen eines Volkes entscheiden. Sie k\u00f6nnen den Leuten sagen, dass es verboten ist, dieses oder jenes Lied zu singen. Einverstanden, auf der Stra\u00dfe werden sie es nicht singen, aber im Verborgenen schon. Sie k\u00f6nnen eine Religion verbieten, aber die Leute werden sich verstecken, um in dieser Religion zu beten, um sie zu praktizieren. In L\u00e4ndern, wo versucht wird, pornographische Filme und B\u00fccher zu verbieten, leben die Leute Pornographie im Geheimen aus. Man muss die Leute frei bilden. Und sie akzeptieren das ohne Probleme. Wenn wir also einer Reihe von Praktiken ein Ende gesetzt haben, dann ist dies gelungen, weil unser Volk einverstanden war. Die Beschneidung von Frauen zum Beispiel, wir haben das beendet. Aber, weil unser Volk einverstanden war. Es ist nicht so, dass es keine alten Frauen g\u00e4be, die die Beschneidung noch immer praktizieren wollen. Die gibt es. Aber sie finden keine jungen M\u00e4dchen mehr zum Beschneiden. Ihre Arbeit wird also \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie haben den Namen dieses Landes ge\u00e4ndert und einige administrative Begriffe durch Worte in nationalen Sprachen ersetzt. Warum?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Auch hier, um unsere Identit\u00e4t zu bekr\u00e4ftigen. Ich denke, dass unser Volk die Bedeutung von Burkina Faso besser versteht als die von Obervolta. Was soll das hei\u00dfen, Obervolta? Man muss zuerst einmal auf eine franz\u00f6sische Schule gegangen sein, um zu verstehen, was das hei\u00dfen soll. Wo doch in der Zeit, als der Name Obervolta eingef\u00fchrt wurde, bei uns nicht einmal ein Prozent der Leute alphabetisiert war. Und warum Obervolta, warum nicht Untervolta? Warum Volta? Nein, im Gegenteil; wir haben einen Namen ausgesucht, der bei uns eine Bedeutung hat. Und das ist wichtig.<\/p>\n<p><b>I.N.: Aber bevorzugen Sie nicht immer eine bestimmte Ethnie, eine bestimmte Sprache?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Nein. Nein, wir respektieren die statistische Verteilung dieser Sprachen. Das Land hei\u00dft Burkina Faso. Das Wort Burkina ist dem Moore entnommen, und die Mossi [SprecherInnen des Moore, A.d.\u00dc.] sind in diesem Land am zahlreichsten, das ist ein Fakt. Faso kommt aus dem Dioula, die Dioula sind die zweitgr\u00f6\u00dfte Gruppe. Die Einwohner nennen sich Burkinab\u00e8, das ist ein Klang aus dem Fulfulde; die Fulbe [SprecherInnen des Fulfulde, A.d.\u00dc.] sind die drittgr\u00f6\u00dfte Gruppe. Der Ditany\u00e8, also unsere Nationalhymne, tr\u00e4gt einen Namen aus dem Lobi. Es gibt das f\u00fcr alle Sprachen. Sicherlich haben nicht alle hinsichtlich der Zahl der SprecherInnen die gleiche Bedeutung.<\/p>\n<p><b>I.N.: Was sind ihrer nach die wichtigsten Ver\u00e4nderungen seit dem Beginn der RDP ?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich mag diese Frage nicht wirklich, weil ich selbst Akteur bin. Ich wei\u00df nicht. Bei uns sagt man: Ein T\u00e4nzer kann nicht wissen, ob er gut tanzt. Es sind die anderen, die ihm zuschauen, die sagen k\u00f6nnen: Du tanzt gut, oder auch, du tanzt schlecht. Gut. Wir sind hier, wir sind Akteure. Aber wir denken in aller Bescheidenheit, dass wir einige Erfolge erzielt haben. Wir haben Schulen gebaut. Wir haben die Einschulungsrate verdoppelt: sie ist von etwa 11, 12 % auf \u00fcber 23 % gestiegen, und wir werden dieses Jahr sicherlich bei 25 % ankommen. Wir haben eine Gesundheitsstation pro Dorf eingerichtet, und wir sind dabei, das Bewusstsein der Leute zu sch\u00e4rfen, damit sie diese Gesundheitsposten unterhalten. Es gab einen Anfang [unverst\u00e4ndlicher Teil], und mittlerweile haben sich die Leute daran gew\u00f6hnt, sie wollen diese Gesundheitsversorgung, und wir k\u00f6nnen uns zur\u00fcckziehen. Wir haben Staubecken gebaut, mehr als 226, kleine Wasserr\u00fcckhalte. Wir haben Brunnen gebohrt, damit die Leute Trinkwasser haben. Die Frauen bei uns mussten \u00fcber 15 Kilometer zur\u00fccklegen, um Trinkwasser\u2026 nicht unbedingt Trinkwasser, sondern einfaches Wasser, manchmal gr\u00fcnliches, brackiges Wasser, zu holen. Jetzt k\u00f6nnen sie unter f\u00fcnf Kilometer Entfernung Wasser finden. Und wir denken, dass wir diese Distanz noch verringern k\u00f6nnen, auf einen Kilometer, und letztendlich, eines Tages, auf zehn Zentimeter, also die Entfernung zum Wasserhahn. Wir haben Stra\u00dfen gebaut, Wohnquartiere, in der Stadt wie auf dem Land. Wir haben wirtschaftliche Errungenschaften erreicht. Wissen Sie, dass wir von allen BCEAO -Staaten der \u00f6konomisch stabilste sind? Und das ohne einen einzigen Centime vom IWF , ohne Darlehen von au\u00dfen. Wir sind stabil. Gut. Das alles sind Erfolge. Ich glaube aber, dass der gr\u00f6\u00dfte Erfolg in der Ver\u00e4nderung des Bewusstseins besteht. Die Burkinab\u00e8 haben jetzt Vertrauen in sich selbst. Letztendlich ist es das, was mir am Wichtigsten erscheint. Vergessen Sie die Schulen, die Gesundheitszentren, die Staubecken, die Stra\u00dfen, die Wohnungen, vergessen Sie all das. Aber vergessen Sie eine Sache nicht: Dass die Burkinab\u00e8 ein Bewusstsein entwickelt und jetzt Selbstvertrauen haben. Das ist der erste und wichtigste Erfolg.<\/p>\n<p><b>I.N.: Gestehen Sie auch Misserfolge oder sogar pers\u00f6nliche Fehler ein? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Aber ja. Wir haben viele, viele Misserfolge erlebt, viele Fehler gemacht. Viele, sehr viele. Ich sagte ja, dass wir jeden Tag Fehler begehen, aber der Unterschied ist, dass wir vorher hundert Fehler begingen und keinerlei Erfolge verzeichneten. Jetzt begehen wir vielleicht 10.000 Fehler, aber wir erzielen zwei, drei, vier kleine Erfolge. Wir kommen voran. Unsere Fehler sind so zahlreich, dass ich sie gar nicht aufz\u00e4hlen kann. Das macht mich traurig, dass wir so viele Fehler begangen haben. Zum Beispiel in der Einsch\u00e4tzung der Menschen oder der Situation. Wir selbst verzagen manchmal, wir sind ungeduldig oder intolerant. Ich nehme das alles auf meine Kappe, weil ich der Pr\u00e4sident bin. Diese Fehler, das bin ich. Das macht mich sehr oft traurig.<\/p>\n<p><b>I.N.: Bemerken Sie Ihre Fehler immer rechtzeitig?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Das ist noch ein Fehler, den wir machen. Manchmal schaffen wir es nicht, sie rechtzeitig zu erkennen. Aber das Wichtigste ist, dass wir akzeptieren, dass wir diese Fehler begehen. Es ist unwichtig, wer diese Fehler begeht, wichtig ist, dass wir sie als unser aller Fehler akzeptieren.<\/p>\n<p><b>I.N.: Die Ern\u00e4hrungssicherheit ist Ihr oberstes Ziel. Wie k\u00f6nnen Sie diese erreichen, wenn es nicht genug regnet?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Zun\u00e4chst einmal durch den Bau von Staubecken. Wir brauchen viele Staubecken, gro\u00dfe und kleine, und das ist es, was wir machen. Sehen Sie, wir haben ein Wasserministerium geschaffen, das sich ausschlie\u00dflich um Wasser k\u00fcmmert. Und das ist f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherheit. Wir k\u00f6nnen uns nicht ausschlie\u00dflich auf die Niederschl\u00e4ge verlassen. Wir brauchen also viele Regenr\u00fcckhaltebecken. Au\u00dferdem versuchen wir, unsere B\u00f6den zu regenerieren und aufzuforsten, das versuchen wir. Wir wollen dieses Jahr eine Kampagne machen, um den \u201egr\u00fcnen G\u00fcrtel\u201c im Norden des Landes zu schaffen, und wir werden mehrere tausend Menschen dorthin bringen, um B\u00e4ume zu pflanzen. An dieser Stelle m\u00f6chte ich einen Aufruf an Ihre Leser loswerden. Wir brauchen die Unterst\u00fctzung aller, die uns helfen wollen, sei es mit Geld, Saatgut, Z\u00e4unen, Gie\u00dfkannen, Ausr\u00fcstung, denn wir werden dort Camps errichten, und wir m\u00fcssen die Leute ern\u00e4hren. Oder auch zur Gesundheitsversorgung, wenn sie im Feld sind. Alle, die gerne selbst B\u00e4ume mit uns pflanzen m\u00f6chten, sind herzlich willkommen.<\/p>\n<p><b>I.N.: B\u00e4ume pflanzen ist schnell gemacht. Aber wie wollen Sie diese B\u00e4ume sch\u00fctzen?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Wir m\u00fcssen Ma\u00dfnahmen gegen umherziehendes Vieh ergreifen, gegen missbr\u00e4uchliche Abholzung [und gegen die Buschfeuer, Anm. d. \u00dc]. Das ist es, was wir die \u201edrei K\u00e4mpfe\u201c nennen. <\/p>\n<p><b>I.N.: Ich sehe keine wirklichen Strafen f\u00fcr Leute, die das nicht respektieren.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Oh, es hat viele Strafen gegeben, und wir wurden daf\u00fcr sogar kritisiert, man meinte, wir seien zu streng zu den Leuten. Mittlerweile haben sie sich daran gew\u00f6hnt. Nat\u00fcrlich behaupte ich nicht, dass jetzt alle diszipliniert sind. Aber, Sie kennen ja unser Land: Vor ein paar Jahren hat man das Vieh in den Stra\u00dfen von Ouagadougou umherziehen sehen; mittlerweile sieht man dies nicht mehr. Weil wir unseren Mitb\u00fcrgerInnen erlaubt haben, alle ungeh\u00fcteten, herumstreunenden Tiere einzufangen, zu t\u00f6ten und zu essen. Das ist der einzige Weg, denn diese ganzen Tiere fressen die B\u00e4ume, und wir sind gezwungen, uns um Milliarden zu verschulden, um wieder aufzuforsten. Das muss aufh\u00f6ren! Wir mussten Ma\u00dfnahmen ergreifen, das war sehr hart und wurde scharf kritisiert. Mittlerweile l\u00e4uft es.<\/p>\n<p><b>I.N.: Manche Leute, vor allem in der Stadt, sorgen sich wegen des Bieres. Sie wollen das Bierbrauen aus importiertem Getreide verbieten. Aber wie wollen Sie [lokale, Anm. d. \u00dc.] Hirse zum Bierbrauen verwenden, wenn es nicht mal genug f\u00fcr die Ern\u00e4hrung gibt? <\/b><\/p>\n<p>T.S.: Weil Bier zuerst einmal keine Priorit\u00e4t ist. Was ist wichtiger, Hirse zum Essen oder Hirse zum Trinken? Ich glaube, dass man zuerst die Leute ern\u00e4hren muss. Dann kann man sehen, was aus denen wird, die Bier trinken wollen. Nicht alle Burkinab\u00e8 trinken Bier, aber alle Burkinab\u00e8 essen jeden Tag. Es wird Bier geben unter der Bedingung, dass die Menschen sich zuerst satt gegessen haben, und dass es aus burkinischer Hirse gemacht ist. Kann denn wirklich das Schicksal der Biertrinker die Priorit\u00e4t eines ernsthaften politischen Regimes sein? Wie viele sind das denn in Burkina? Also.<\/p>\n<p><b>I.N.: Sie haben von der Modernisierung der Landwirtschaft gesprochen. Sie m\u00fcssen dazu Maschinen, D\u00fcnger etc. importieren. Wird sich Ihre Abh\u00e4ngigkeit von der Au\u00dfenwelt nicht vergr\u00f6\u00dfern?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja ja. Das stimmt. Aber wir k\u00e4mpfen gegen die Einfuhr von D\u00fcngern, chemischen D\u00fcngern, und bauen die Verwendung organischer D\u00fcnger aus. Der ist reicher. Chemische D\u00fcnger laugen die B\u00f6den aus, sie werden von ihnen nicht erhalten. Wenn kein organisches Material zugef\u00fchrt wird, kein organisches Milieu existiert, in dem die Elemente agieren k\u00f6nnen, verarmen Sie die B\u00f6den. Sie k\u00f6nnen chemischen D\u00fcnger auf Sand werfen, und es passiert gar nichts. Das ist kein organisches Material. Sie k\u00f6nnen D\u00fcnger auf Felsen werfen, und es passiert gar nichts, wenn da kein organisches Material ist. Unser Volk, unsere Bauern lernen gerade die Herstellung von organischem D\u00fcnger. Modernisierung meint nicht unbedingt den Einsatz von Traktoren, sondern auch von Pfl\u00fcgen. Wir versuchen, diese Pfl\u00fcge hier zu bauen, und wir suchen im \u00dcbrigen Partner, um aus dem Blech von alten Unfallwagen Pfl\u00fcge herzustellen; um kleine Schmelz\u00f6fen zu bauen und Pfl\u00fcge zu produzieren. Sie k\u00f6nnten also in Deutschland schauen, wo Sie ja Hoch\u00f6fen haben, ob Leute herkommen und kleine \u00d6fen bei uns bauen k\u00f6nnen. Und da die Pfl\u00fcge von Tieren gezogen werden, spielt auch die Viehzucht eine Rolle. Hier besteht also eine Verbindung zwischen Viehzucht und Ackerbau, um die B\u00f6den zu erhalten. <\/p>\n<p><b>I.N.: Man wartet noch immer auf die angek\u00fcndigte Agrarreform\u2026<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich gestehe unsere administrative Schwerf\u00e4lligkeit ein. Noch einer unserer Misserfolge, aber wir werden das korrigieren, wenn es auch noch einige Monate dauern kann.<\/p>\n<p><b>I.N.: Die Befreiung der Frau ist in Burkina ein gro\u00dfes Thema. Ich bin dar\u00fcber sehr gl\u00fccklich, aber sicherlich sind das nicht alle Ehem\u00e4nner, deren Frauen auf Versammlungen gehen, anstatt zu kochen. Was machen Sie mit diesen M\u00e4nnern?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Also, ich versuche zuerst, sie zu verstehen. Es ist leider \u00fcberhaupt nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass ein Mann akzeptiert, dass seine Frau um 16 oder 17 Uhr ausgeht und erst sp\u00e4t heim kommt; das schockiert uns, das bringt uns auf. Wir sind ein einer Gesellschaft aufgewachsen, in der der Mann \u00fcber der Frau steht, so wurde es uns von Kindheit an beigebracht. Unsere M\u00fctter haben uns so erzogen. Es liegt also eine Menge sehr schwieriger Arbeit vor uns. Wir versuchen, auch den Frauen zu verstehen zu geben, dass sie die M\u00e4nner respektieren m\u00fcssen, damit diese Situation glimpflich abl\u00e4uft. Wir d\u00fcrfen sie nicht \u00fcberrumpeln. Das erfordert eine Menge Taktgef\u00fchl von beiden Seiten, es ist nicht leicht, und ich muss sagen, dass wir manchmal Erfolge sehen, aber oft auch j\u00e4mmerliche Misserfolge. Und wir m\u00fcssen darauf bestehen, bestehen, bestehen. Das ist \u00fcberhaupt nicht leicht.<br \/><b><br \/>I.N.: Sie sind gegen die Arbeitsteilung, die die Frauen oft benachteiligt. Wie organisieren Sie ihren eigenen Haushalt?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Also ich gestehe, dass ich nicht wei\u00df, ob ich in meinem eigenen Haushalt ein gutes Beispiel abgebe. Wir machen beide alles, meine Frau macht den Haushalt und ich auch. Wir sind beide Beamte, sie geht zur Arbeit, ich auch, wir kommen abends nach Hause, aber vor allem bestehe ich darauf, dass unsere Kinder zumindest nicht beigebracht bekommen, dass ein Junge \u00fcber einem M\u00e4dchen steht. Wir haben zwei S\u00f6hne, aber keine Tochter. Es gibt aber M\u00e4dchen bei uns, Cousinen, Kinder von Freunden, die wir bei uns aufgenommen haben, die wir adoptiert haben, und wir wollen, dass sie die gleichen Rechte haben, ohne Unterscheidung der Geschlechter. Ich glaube, das ist das Wichtigste. Es sind die Frauen, die die Welt ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Wenn jede Frau ihrem Kind beibringt, dass die Geschlechter gleich sind, ist das gut. Im Allgemeinen sind es aber die M\u00fctter selber, die sagen: Du bist ein Junge, du musst dies oder das tun, du bist ein M\u00e4dchen, da hast du Puppen. <br \/><b>&nbsp;<br \/>I.N.: Leider ja.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Leider ist das so. <\/p>\n<p><b>I.N.: Reden wir \u00fcber die Beamten. Haben Sie keine Angst vor diesen potenziellen Feinden? Die Ma\u00dfnahmen der Regierung haben sie schwer getroffen, und sie sind sehr unzufrieden.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Das stimmt, sie sind unzufrieden, und ich kann das gut nachvollziehen. Ich bin selbst Beamter und verstehe ihre Situation. Sie hatten zuvor sehr hohe Geh\u00e4lter. Heute werden sie gebeten, mit dem gesamten Volk zu teilen. Sie haben etwas verloren. Man muss aber eine Wahl treffen, nicht wahr? Entweder versuchen wir, die Beamten zufrieden zu stellen \u2013 es sind etwa 25.000, sagen wir 0,3 % der Bev\u00f6lkerung, nicht mal \u2013 oder wir versuchen, uns um alle anderen zu k\u00fcmmern, die sich nicht mal Nivaquine oder Aspirin leisten k\u00f6nnen und einfach sterben, wenn sie Tetanus oder irgendwas anderes bekommen. Die Beamten wissen gar nicht, was Ern\u00e4hrungssicherheit bedeutet. Sie wissen nicht, was Trockenheit ist. Aber wie viele Burkinab\u00e8 sind schon wegen der Trockenheit gestorben? Sie sind sehr zahlreich! Wenn man diese Dinge in Betracht zieht, muss man daf\u00fcr eine L\u00f6sung finden. Das wird f\u00fcr die Beamten eben etwas schwierig, und ich finde es vollkommen normal, dass sie unzufrieden sind. Ich finde das nicht schlimm, sondern verst\u00e4ndlich. Deshalb betone ich in all meinen Reden, dass wir sie verstehen m\u00fcssen, und ihnen nach und nach dies begreiflich machen: \u201eIhr habt zu essen, weil Ihr Beamte seid. Aber wenn es dem Volk schlecht geht, wenn es weiterhin in seinem Elend alleine gelassen wird, dann wird dieses Volk Euch eines Tages daran hindern, ungest\u00f6rt zu essen. Es wird zuerst an Eure T\u00fcr kommen, und dann wird es sie aufbrechen, in Euer Haus eindringen, alles zerschlagen und Euch zwingen, Euer Essen zu teilen.\u201c Das ist ebenfalls schlecht. Die L\u00f6sung, die wir gerade vorschlagen, ist, auch wenn sie etwas schwierig ist, besser als die andere L\u00f6sung, die sich eines Tages ihren Weg bahnen k\u00f6nnte: die Gewalt.<\/p>\n<p><b>I.N.: Was bedeutet es f\u00fcr Sie, Staatschef zu sein?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Viel Verantwortung, weil man f\u00fcr alles zust\u00e4ndig ist. Man ist f\u00fcr das Gl\u00fcck all seiner Landsleute verantwortlich, muss daf\u00fcr sorgen, dass jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde kein einziger von ihnen traurig ist, und das ist schwierig. Das ist sehr schwierig. Dieses Gl\u00fcck zu erreichen bedeutet, f\u00fcr alles verantwortlich zu sein. Die Menschen sind nicht mit allem einverstanden, was Sie ihnen vorschlagen. Sie k\u00f6nnen eine Idee haben, die Sie selbst f\u00fcr richtig und gut halten. Wenn alle mitmachen, gehen wir in Richtung Gl\u00fcck. Aber es machen eben nicht alle mit. W\u00e4hrend Sie zu den Leuten sagen: \u201ewir wollen in diese Richtung gehen\u201c, werden einige in die andere Richtung laufen. Nehmen wir das Beispiel Gesundheit. Ich k\u00f6nnte mehrere Millionen, vielleicht sogar Milliarden des Gesundheitsbudgets einsparen, wenn die Leute es so machten, wie ich es mir w\u00fcnschen w\u00fcrde. Wenn sie keinen Alkohol mehr trinken w\u00fcrden, denn der ist schlecht f\u00fcr die Gesundheit. Wenn sie keine Zigaretten mehr rauchen w\u00fcrden, denn die sind schlecht f\u00fcr die Gesundheit! Alle Mediziner dieser Welt haben das bewiesen. Aber werden die Leute das akzeptieren? Nein. Sie trinken, sie werden krank, sie m\u00fcssen behandelt werden. Sie trinken, sie sind blau, sie bauen Unf\u00e4lle, sie verletzen sich, sie m\u00fcssen behandelt werden. Sie fehlen bei der Arbeit, das sind viele Arbeitstage. Das alles sind Probleme. Sie trinken und k\u00f6nnen ihre Kinder nicht mehr gut erziehen. Die Kinder arbeiten nicht gut in der Schule, sie werden zu Gaunern, Banditen, Dieben. Das sind Probleme. Sie trinken, sie vergessen ihre Frauen. Das f\u00f6rdert die Prostitution, das ist auch wieder schlecht f\u00fcr die Gesellschaft. Dies ist ein Beispiel der Probleme, die man l\u00f6sen k\u00f6nnte, wenn alle einverstanden sind. Aber es werden nicht immer alle einverstanden sein. Es gibt solche, die von Zeit zu Zeit ein Bier trinken gehen, vielleicht sogar ein importiertes, und schon entstehen Probleme. <\/p>\n<p><b>I.N.: Wissen Sie, was das Volk \u00fcber Sie denkt?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich wei\u00df nicht alles, was das Volk \u00fcber mich denkt. Es ist schwierig f\u00fcr mich, das zu wissen. Aber ich glaube, dass wenn man sein Volk liebt, wenn man Interesse an seinem Volk hat, man zumindest in Grundz\u00fcgen wissen sollte, was es denkt.<\/p>\n<p><b>I.N.: Aber \u201emit der Masse der Bev\u00f6lkerung leben\u201c; was bedeutet das von Seiten des Mannes, der im Pr\u00e4sidentenpalast lebt?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Der Mann im Palast lebt dort, weil er aus Gr\u00fcnden des Protokolls und der Sicherheit auf diesen Rahmen angewiesen ist. Warum auch nicht? Aber man muss sich anstrengen, zwar im Pr\u00e4sidentenpalast zu sein, aber gleichzeitig seinen Geist au\u00dferhalb des Palastes zu haben. Deswegen fahre ich oft in die Provinzen, um Leute zu treffen und mit ihnen zu diskutieren. Ich muss den Menschen gegen\u00fcber zug\u00e4nglich bleiben, um bestimmte Dinge zu wissen und zu verstehen. Als F\u00fchrungsperson muss man sich im zehnten Stock aufhalten, weil man dort sehr weit sehen kann, aber von Zeit zu Zeit muss man auch ins Erdgeschoss gehen und direkt miterleben, was auf der Stra\u00dfe los ist.<\/p>\n<p><b>I.N.: Was hat sich in Ihrem Leben ge\u00e4ndert, seit Sie Pr\u00e4sident sind?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich habe eine Wirklichkeit entdeckt, die ich noch nicht kannte, h\u00f6chstens in der Theorie. Ich glaube, ich habe gelernt, viel toleranter zu sein und zu verstehen, dass die Menschen nicht alle gleich sind. Die Menschen sind sogar sehr unterschiedlich. Eine Idee kann richtig sein, aber deshalb muss sie noch lange nicht von allen akzeptiert werden. Um diese Idee zu akzeptieren, braucht jeder eine eigene Erkl\u00e4rung, die manchmal sehr unterschiedlich sein kann. Es gibt bei uns ein Sprichwort, das besagt \u2013 ich kannte dieses Sprichwort, und heute wei\u00df ich, das es stimmt: Um eine Herde zu f\u00fchren, braucht der Hirte einen einzigen Stab. Er kann eine Herde von hundert K\u00fchen, tausend K\u00fchen, zehntausend K\u00fchen f\u00fchren. Um aber ein Volk zu f\u00fchren, braucht man f\u00fcr jeden einzelnen passende Spielregeln. Manche wollen lange Regeln, manche wollen kleine Regeln, andere wollen gro\u00dfe, flexible, sichere, knifflige oder nicht knifflige&#8230; Letztendlich muss man sich an alle anpassen. Man muss also mit jedem in seiner Sprache sprechen. Ich m\u00fcsste ein einziges Ziel haben: acht Millionen Reden, um den Diskurs an alle anzupassen! Das ist nicht leicht. <br \/><b><br \/>I.N.: Wie sehen Sie ihre eigene Zukunft?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Meine eigene Zukunft? Die sehe ich eng mit den Volksmassen verbunden. Ich werde gl\u00fccklich sein, wenn die Leute es sind. Wenn ich das ungl\u00fccklicherweise nicht erreiche, sehe ich eine sehr finstere Zukunft.<\/p>\n<p><b>I.N.: Haben Sie Angst vor einem Staatsstreich?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich denke nicht daran. Das kann passieren, wohlgemerkt. Aber ich ziehe es vor, nicht daran zu denken. Ich sage mir, Staatstreich oder kein Staatsstreich, die L\u00f6sung liegt in der F\u00e4higkeit des Volkes, uns zu besch\u00fctzen, sich mit uns zu identifizieren. Eines Tages wird vielleicht jemand aus einer Menschenmasse heraustreten und auf den Pr\u00e4sidenten schie\u00dfen, und dann ist er tot. Das kann jederzeit passieren. Aber das Wichtigste ist doch, dass das Volk auch jederzeit jeden von uns braucht: die F\u00fchrer, die anderen, das Volk braucht jeden von uns, das ist wichtig. Wir machen eine n\u00fctzliche Arbeit. Wir schie\u00dfen nicht st\u00e4ndig Tore, aber jeder in der Mannschaft ist wichtig. Es gibt einen Beckenbauer, die anderen, alle sind da, und alle sind wichtig.<\/p>\n<p><b>I.N.: Man h\u00f6rt seit langem und st\u00e4ndig Ger\u00fcchte \u00fcber Unstimmigkeiten im CNR .<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ja, diese Ger\u00fcchte kursieren st\u00e4ndig, und das bereitet uns sehr, sehr viel Kummer, und wir m\u00fcssen das korrigieren. Aber wissen Sie, es ist auch normal, dass es diese Ger\u00fcchte gibt, denn die Leute sind es nicht gew\u00f6hnt, dass die Personen an der Spitze des Staates sich verstehen. In unserem Land, bei unseren Nachbarn, hat man generell gesehen, dass die Leute nach einem, h\u00f6chstens zwei Jahren anfangen, sich gegenseitig eliminieren zu wollen. Wir denken also, wenn die anderen solche Pl\u00e4ne hatten, warum sollte es bei uns anders sein. Es ist das gleiche wie mit der Ehrlichkeit. Die Politiker haben sich daran gew\u00f6hnt, das Geld des Volkes veruntreuen. Die Leute k\u00f6nnen sich gar nicht mehr vorstellen, dass das bei uns nicht so ist.<br \/>In einem Land wie dem unseren ist man nicht daran gew\u00f6hnt, einen Mann und eine Frau lange Zeit zusammenarbeiten zu sehen, ohne dass sie eine andere Form der Beziehung h\u00e4tten als den Respekt voreinander in der Arbeit. Bei Ihnen in Europa ist das anders, aber wir sind daran nicht gew\u00f6hnt. Bei uns ist das verwirrend, einen Mann und eine Frau zusammenarbeiten zu sehen, und es kursieren viele Ger\u00fcchte. Sogar bei Ihnen in Europa denkt man, dass, wenn zwei M\u00e4nner um die politische Macht k\u00e4mpfen, einer den anderen ausschalten muss. Bei uns denkt man das auch. Man versteht also nicht, dass das bei uns nicht passiert. Wenn Sie das nicht erkl\u00e4ren, dann n\u00e4hren die Ger\u00fcchte sich selbst und liefern am Ende ihre eigenen Erkl\u00e4rungen, um die Leere auszuf\u00fcllen. Das ist normal.<\/p>\n<p><b>I.N.: M\u00f6chten Sie ein letztes Wort an unsere deutschen LeserInnen richten?<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Ich w\u00fcrde das gerne auf Deutsch sagen, und ich entschuldige mich, dass ich nicht gut Deutsch spreche. Ich werde es in Franz\u00f6sisch sagen. Was uns auf jeden Fall am meisten besch\u00e4ftigt und interessiert, ist, dass das deutsche Volk in seiner Gesamtheit das burkinische Volk kennenlernen kann, die afrikanischen V\u00f6lker insgesamt, und dass wir es ebenfalls kennenlernen k\u00f6nnen. Dass die negativen Gef\u00fchle, die zwischen uns entstehen konnten, zerstreut werden. Deutschland ist das Land von Hitler, so wird es gesehen, das macht seine Bekanntheit aus. Man kann das aber ver\u00e4ndern, auf dass Deutschland das Land der gro\u00dfen Sportler wird, dass Deutschland auch das Land der fortschrittlichen Technik wird, das Land, in dem die Umwelt respektiert wird. Man kann auch diese Wahrnehmung erreichen. Sie denken \u00fcber uns, dass Afrika der Kontinent der Wilden ist, der Sklaven, wo die Menschen mit den L\u00f6wen und Hy\u00e4nen im Busch leben. Man kann es aber auch so sehen, dass Afrika der Kontinent der Gastfreundschaft ist, in dem die Menschen anderen Menschen gegen\u00fcber aufgeschlossen sind und sie herzlich empfangen, ohne dass dies in einen \u00dcberlegenheitskomplex verdreht wird. Ich bin Ihnen nicht unterlegen, weil ich Ihnen meine T\u00fcr ge\u00f6ffnet habe; ich habe Ihnen Respekt entgegengebracht. Von hier ausgehend k\u00f6nnen wir zusammenarbeiten, Formen einer engen, intensiven und fruchtbaren Kooperation ansto\u00dfen. Und die Deutschen werden uns das vorwerfen k\u00f6nnen, was sie uns vorzuwerfen haben, denn ich kann mir vorstellen, dass es da einige Dinge gibt, und wir werden ebenfalls den Deutschen das vorwerfen k\u00f6nnen, was wir ihnen vorzuwerfen haben. Und zwar so, dass das keine Animosit\u00e4ten zwischen uns heraufbeschw\u00f6rt, weil es objektive Kritik ist, die uns beim Vorankommen hilft. <\/p>\n<p><b>I.N.: Ich danke Ihnen vielmals.<\/b><\/p>\n<p>T.S.: Dankesch\u00f6n. nnDank an <b>Inga Nagel<\/b> und <b>Antoine Souef<\/b> daf\u00fcr, dass sie die Publikation dieses Interviews erm\u00f6glicht haben.<\/p>\n<p>Inga Nagel hat das gesamte Interview als Audiodateien wiedergefunden. Das gesamte Interview kann hier auf Franz\u00f6sisch nachgeh\u00f6rt werden: <link http:\/\/www.thomassankara.net\/spip.php?article921 - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">http:\/\/www.thomassankara.net\/spip.php?article921 <\/link>&nbsp;<\/p>\n<link http:\/\/www.africavenir.org\/de\/projekte-deutschland\/thomas-sankara\/news.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">&lt;- Zur\u00fcck zur Sankara-Newsseite<\/link>\n<link http:\/\/www.africavenir.org\/de\/projekte-deutschland\/thomas-sankara.html - external-link-new-window \"Opens external link in new window\">&lt;- Zur\u00fcck zur Sankara-Hauptseite<\/link>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. Oktober 2013, hat sich der Tod des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Staatsmannes Thomas Sankara zum 26. Mal gej\u00e4hrt. Anl\u00e4sslich dieses Datums hat AfricAvenir dieses Interview, das wenige Tage vor seiner Ermordung von der damals in Kamerun lebenden deutschen Journalistin Inga Nagel gef\u00fchrt wurde, transkribiert und \u00fcbersetzt. Einen Auszug dieses Interviews, das im November 1987 in Jeune&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[95,85],"tags":[],"class_list":["post-904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-afrikanische-perspektiven","category-events"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Am 15. Oktober 2013, hat sich der Tod des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Staatsmannes Thomas Sankara zum 26. Mal gej\u00e4hrt. Anl\u00e4sslich dieses Datums hat AfricAvenir dieses Interview, das wenige Tage vor seiner Ermordung von der damals in Kamerun lebenden deutschen Journalistin Inga Nagel gef\u00fchrt wurde, transkribiert und \u00fcbersetzt. Einen Auszug dieses Interviews, das im November 1987 in Jeune&hellip;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"AfricAvenir International e.V.\" \/>\n<meta property=\"article:publisher\" content=\"https:\/\/www.facebook.com\/AfricAvenir\/\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2013-10-15T08:00:00+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-10-06T09:30:28+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/www.africavenir.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/AfricAvenir-Logo_transparent.png\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"1500\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"1500\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/png\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"patrpaaa\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:creator\" content=\"@AfricAvenir\" \/>\n<meta name=\"twitter:site\" content=\"@AfricAvenir\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"patrpaaa\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/b212b099a4ad75eefb18f17ae282ecfd\"},\"headline\":\"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987\",\"datePublished\":\"2013-10-15T08:00:00+00:00\",\"dateModified\":\"2023-10-06T09:30:28+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/\"},\"wordCount\":10673,\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#organization\"},\"articleSection\":[\"Afrikanische Perspektiven\",\"Events\"],\"inLanguage\":\"en-US\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/\",\"name\":\"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2013-10-15T08:00:00+00:00\",\"dateModified\":\"2023-10-06T09:30:28+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"en-US\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/\",\"name\":\"AfricAvenir International e.V.\",\"description\":\"African Renaissance, Development, International Cooperation And Peace\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#organization\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"en-US\"},{\"@type\":\"Organization\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#organization\",\"name\":\"AfricAvenir International e.V.\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/\",\"logo\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"en-US\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/08\\\/AfricAvenir-Logo_transparent.png\",\"contentUrl\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2023\\\/08\\\/AfricAvenir-Logo_transparent.png\",\"width\":1500,\"height\":1500,\"caption\":\"AfricAvenir International e.V.\"},\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#\\\/schema\\\/logo\\\/image\\\/\"},\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.facebook.com\\\/AfricAvenir\\\/\",\"https:\\\/\\\/x.com\\\/AfricAvenir\"]},{\"@type\":\"Person\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\\\/en\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/b212b099a4ad75eefb18f17ae282ecfd\",\"name\":\"patrpaaa\",\"sameAs\":[\"https:\\\/\\\/www.africavenir.org\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/","og_locale":"en_US","og_type":"article","og_title":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.","og_description":"Am 15. Oktober 2013, hat sich der Tod des au\u00dfergew\u00f6hnlichen Staatsmannes Thomas Sankara zum 26. Mal gej\u00e4hrt. Anl\u00e4sslich dieses Datums hat AfricAvenir dieses Interview, das wenige Tage vor seiner Ermordung von der damals in Kamerun lebenden deutschen Journalistin Inga Nagel gef\u00fchrt wurde, transkribiert und \u00fcbersetzt. Einen Auszug dieses Interviews, das im November 1987 in Jeune&hellip;","og_url":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/","og_site_name":"AfricAvenir International e.V.","article_publisher":"https:\/\/www.facebook.com\/AfricAvenir\/","article_published_time":"2013-10-15T08:00:00+00:00","article_modified_time":"2023-10-06T09:30:28+00:00","og_image":[{"width":1500,"height":1500,"url":"https:\/\/www.africavenir.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/AfricAvenir-Logo_transparent.png","type":"image\/png"}],"author":"patrpaaa","twitter_card":"summary_large_image","twitter_creator":"@AfricAvenir","twitter_site":"@AfricAvenir","schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"Article","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/#article","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/"},"author":{"name":"patrpaaa","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#\/schema\/person\/b212b099a4ad75eefb18f17ae282ecfd"},"headline":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987","datePublished":"2013-10-15T08:00:00+00:00","dateModified":"2023-10-06T09:30:28+00:00","mainEntityOfPage":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/"},"wordCount":10673,"publisher":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#organization"},"articleSection":["Afrikanische Perspektiven","Events"],"inLanguage":"en-US"},{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/","url":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/","name":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987 &#8211; AfricAvenir International e.V.","isPartOf":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#website"},"datePublished":"2013-10-15T08:00:00+00:00","dateModified":"2023-10-06T09:30:28+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/#breadcrumb"},"inLanguage":"en-US","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/online-publikation-das-letzte-bekannte-interview-mit-thomas-sankara-vom-6-10-1987\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Online-Publikation: Das letzte bekannte Interview mit Thomas Sankara vom 6.10.1987"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#website","url":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/","name":"AfricAvenir International e.V.","description":"African Renaissance, Development, International Cooperation And Peace","publisher":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#organization"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"en-US"},{"@type":"Organization","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#organization","name":"AfricAvenir International e.V.","url":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/","logo":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"en-US","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#\/schema\/logo\/image\/","url":"https:\/\/www.africavenir.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/AfricAvenir-Logo_transparent.png","contentUrl":"https:\/\/www.africavenir.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/AfricAvenir-Logo_transparent.png","width":1500,"height":1500,"caption":"AfricAvenir International e.V."},"image":{"@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#\/schema\/logo\/image\/"},"sameAs":["https:\/\/www.facebook.com\/AfricAvenir\/","https:\/\/x.com\/AfricAvenir"]},{"@type":"Person","@id":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/#\/schema\/person\/b212b099a4ad75eefb18f17ae282ecfd","name":"patrpaaa","sameAs":["https:\/\/www.africavenir.org"]}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=904"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1903,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904\/revisions\/1903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.africavenir.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}