FROM BANDUNG TO BERLIN. If all of the moons aligned

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Kuratiert von Brigitta Isabella und Renan Laru-an

Teilnehmende Künstler*innen: Irwan Ahmett und Tita Salina, Annika Eriksson, Theo Eshetu, Lyra Garcellano & W. Don Flores, Ladislava Gažiová, Ho Rui An, Ho Tzu Nyen, Hiwa K, Timoteus Anggawan Kusno, Eva Olthof, Karol Radziszewski/Queer Archives Institute, Cathleen Schuster and Marcel Dickhage, Sina Seifee, The Bureau of Melodramatic Research, Mi You, Virlani Rupini und Leon Tan

From Bandung to Berlin: If all of the moons aligned stützt sich auf den Wortschatz einer “politischen Astronomie”, indem es transnationale Narrative auseinandernimmt und zusammenführt gemäß den kritischen und geopolitischen Schwingungen während des Kalten Krieges. Sich in der Gravitation einer multizentralen Welt bewegend, macht From Bandung to Berlin: If all of the moons aligned die inkongruenten Stellen in diesen Anordnungen deutlich, verkompliziert das Verlangen nach Solidarität und Zusammenhalt durch künstlerische Formen, Prozesse und zeitgenössische Denkpraktiken.

Den Beschränkungen der vorherrschenden Geschichtsschreibung sowie Impulsen zur Demokratisierung der Zukunft nähert sich die Ausstellung bei SAVVY Contemporary durch die kuratorisch ausgewählte Periode in From Bandung to Berlin an. Mit kollaborierenden Künstler*innen, Kunstwerken, Archiven und Lesegruppen wird der blanke, leere Galerieraum Schweiß und Atem ansammeln, wo Körper und Objekte mit einem Ort der Schwäche und Angst ringen und sich von diesem erholen. Jeder Beitrag stellt eine Geisterfigur da, deren Aufgabe es ist, die nichtdarstellbaren Narrative der Geschichte auszutreiben und sich mit dem Geisterhaften durch spektrale Transformation verschiedener Objekte, Körper und Räumlichkeiten auseinanderzusetzen.   

Diese wissensbasierten, ästhetischen Interventionen werden in From Bandung to Berlin: If all of the moons aligned hinzugezogen, um Zeitachsen zu unterbrechen und anderweitig Wellen des Zeigens und Inbezugsetzens möchlich zu machen. Vom Formen, Bilden und sogar Entgiften bis hin zu den Mesopolitiken der Protektion und der Verteidigung, legt From Bandung to Berlin: If all of the moons aligned eine politische Astronomie an, um sich den fiktiven und künstlichen Zeiten und Orten anzunähern, die das 1955 von Bandung, das 1989 von Berlin und unser Jetzt darstellen.

Die Ausstellung ist eng mit einer Plattform für Wissensansammlung verknüpft:

23. September  | 19-22h

Eröffnung und Performance von Ho Rui An


Solar: A Melt Down ist ein Vortrag, der seinen Ausgang nimmt vom verschwitzten Rücken der Puppe, die den Anthropologen Charles le Roux im Tropenmuseum in Amsterdam darstellt. Von diesem Bild geht eine Reihe von Untersuchungen aus, um zu den Rückseiten (und Hintern) des Empires zu gelangen, und noch entscheidender, zu der gnadenlosen Sonne dahinter, die auf den imperialen Rücken knallt. Mittels der Untersuchung dieses „solaren Unbewussten“, das das europäische koloniale Projekt untermauerte, betrachtet der Vortrag darüber hinaus die weiße Frau und den punkawallah (Fächerdiener) als zentrale Figuren einer globalen Häuslichkeit – ein allesumfassendes, vollklimatisiertes planetares Innenleben. Sich dem aktuellen Moment irdischen Zusammenbrechens annähernd, versucht Ho Rui An, Schweiß zurückzuerobern als eine Art, aus uns selbst herauszukommen und in Berührung mit der Sonne zu kommen.

 

24. September  |  14-18h

UNCERTAIN GEOGRAPHIES.  Mit einer Lecture-Performance von Irwan Ahmett und Tita Salina; sowie einem Vortrag von Doreen Mende

Die Politik des Kalten Krieges hat die Welt in zwei große Blöcke geteilt und den Begriffen Ost und West eine neue Bedeutung verliehen, nicht nur als grundsätzliche kartographische Punkte sondern als geopolitische Symbole für Placemaking, das sich entlang ideologischer Achsen bewegt.

“From Bandung to Berlin” ist ein loses Gerüst, das auf variable transglobal-historische Koordinaten hinweist, die durch den politischen Schaltkreis des Kalten Krieges freigeschaltet wurden, sowie durch die Anziehungskraft unter globalen ideologischen Bewegungen und die Entwicklung von Kommunikation und Raumfahrttechnologie. In dieser Session wird die räumliche und zeitliche Entfernung zwischen Bandung 1955 und Berlin 1989 aufgegriffen, indem Momente der Übereinkunft zwischen dem Nationalen und Internationalen, dem Lokalen und Translokalen, dem Bilateralen und Multilateralen. Das Verbindende und Trennende dieser Begegnungen wird eine Ansammlung an Bedeutungen zur Verfügung stellen, die uns ein neues Verständnis ermöglicht von Geographie als lebender Grenze, die von der Bewegung von Körpern, Kapital, Ideen und Affekten beeinflusst wird.

25. September  |  14-18h

RESTITUTION AND VOCABULARIES. Diskursprogramm mit Ho Tzu Nyen, Sina Seifee und anderen


Die spekulativen Annäherungen in From Bandung to Berlin bringen Abstraktionsprozesse verschiedener Themen und Parameter zusammen. Zum einen zeigt uns dieses Vorgehen alternative Wege des Zeigens und des Diskursiven auf, zum anderen versteht das Projekt auch, wie verschobene Zeitachsen und Wiedergewinnung neue Vektoren und Bezugspunkte bestimmen.

Durch künstlerische Interventionen, Lesungen und Diskussionen nähert sich dieses offene Format den Fragen von Restitution, deren Wert und Beschränkungen an in Unternehmungen, die Wortschätze neu zusammensetzen.

 

ÜBER FROM BANDUNG TO BERLIN

From Bandung to Berlin (FBB) ist eine offene, gemeinschaftliche immaterielle Plattform für Kollaboration, die sich um den Zwischenraum der historischen Orte und Zeiten zwischen der ersten Afro-Asiatischen Konferenz in Bandung 1955 und dem Fall der Berliner Mauer 1989.

Der erste Durchlauf von FBB From Bandung to Berlin: A Social Fiction wurde in Form einer interaktiven Website umgesetzt und zum Leben erweckt in einer neuen, vielformigen Installation From Bandung to Berlin: The Guest and The Ghost im Guangdong Times Museum, eine Erweiterung des Ausstellungsformats bei “South by Southeast” kokuratiert von Patrick D. Flores und Anca Verona Mihulet für die Osage Art Foundation in Hong Kong.

Seit dem Start 2014 wurde From Bandung to Berlin ausgelegt und weiter bearbeitet von Adjani Arumpac, Amanda Lee Koe, Brigitta Isabella, Chang Yuchen, Muhammad Al-Fayyadl, Renan G. Laru-an und Tan Zi Hao.

 

Brigitta Isabella (1989, Jakarta) ist Mitglied von KUNCI Cultural Studies Center, einem Forschungskollektiv mit Fokus auf die Überschneidungen zwischen Theorie und Praxis und Experimentieren mit dem Ziel kritisches Wissen zu schaffen mittels fachübergreifender Begegnung, Forschungshandeln, künstlerischer Intervention und vernakulärer Bildung innerhalb und zwischen Gemeinschaften. Sie ist Mitherausgeberin von Southeast of Now, einem neuen begutachteten Journal, das Ende 2016 erscheinen wird.

Renan Laru-an (1989, Sultan Kudarat) ist Forscher und Kurator in den Philippinen. Nach Abschluss seines Psychologiestudiums an der University of the Philippines-Diliman gründete er DiscLab | Research and Criticism, eine fächerübergreifende Plattform und virtuelle Organisation für Schreiben, Theorie, Diskursformate und kleine Langzeit- Forschungen über zeitgenössische Kunst sowie visuelle und Netzwerkkultur auf den Philippinen. Er ist Mitglied von SYNAPSE - The International Curators' Network am HKW in Berlin. Derzeit ist er Re-Directing East curator-in-residence am Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle in Warschau.

savvy-contemporary.com

 

FBB wird anteilig unterstützt von den Goethe Instituten in Indonesien und den Philippinen. Forschungspartner sind: The Vargas Museum und Filipiniana Research Center at the University of the Philippines-Diliman

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