{"id":1250,"date":"2011-03-25T00:29:00","date_gmt":"2011-03-24T23:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.com\/taz-portrait-africavenir-international\/"},"modified":"2023-10-06T11:29:33","modified_gmt":"2023-10-06T09:29:33","slug":"taz-portrait-africavenir-international","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/fr\/taz-portrait-africavenir-international\/","title":{"rendered":"taz Portrait: AfricAvenir International"},"content":{"rendered":"<p>Seit zehn Jahren leisten die Kameruner mit dem Berliner Partnerverein Entwicklungszusammenarbeit f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland. Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Renaissance in der Provinz Europa. taz, 22.03.2011.<\/p>\n<p>Afrika ist eine Steppe mit armen Bauern und wilden Tieren. Es sind Vorurteile wie diese, die in den Tierdokumentationen des Freitagabendprogramms und auf den Werbetafeln deutscher Hilfsorganisationen permanent reproduziert werden. Umso schlimmer ist es, dass sie die \u00f6ffentliche Wahrnehmung des Kontinents dominieren. &quot;Viele Menschen haben ein extrem eingeschr\u00e4nktes Bild von Afrika. Sie kennen das junge, moderne, urbane Afrikas nicht&quot;, sagt Judith Strohm, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der deutschen Sektion der Nichtregierungsorganisation AfricAvenir International.<\/p>\n<p>Diesem Problem versuchen die AktivistInnen von AfricAvenir International zu begegnen. Mit ihren Aktionen, die politische Bildung und Kunst in sich vereinen, m\u00f6chten sie die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit Afrika in Deutschland f\u00f6rdern und setzen hierf\u00fcr auf eine kritische und historische Analyse der Strukturen der europ\u00e4isch-afrikanischen Beziehungen und einen gleichberechtigten gegenseitigen Austausch zwischen Deutschland und Afrika. So sind es vor allem AfrikanerInnen, die auf den Veranstaltungen des Vereins als ReferentInnen zu Wort kommen und ihren Standpunkt vertreten. &quot;Man k\u00f6nnte sagen, dass wir Entwicklungshilfe f\u00fcr Deutschland leisten&quot;, erkl\u00e4rte Strohm.<\/p>\n<p>Die Organisation AfricAvenir, was auf Deutsch &quot;Afrikas Zukunft&quot; bedeutet, wurde vor 25 Jahren in Kamerun von Prinz Kum&rsquo;a Ndumbe III. gegr\u00fcndet. In der Hafenstadt Douala errichtete Ndumbe ein afrikanisches Kulturzentrum, das einen Beitrag zur Wiederherstellung und Wiederaufwertung afrikanischer Zivilisationen, Kulturen und Geschichte leisten sollte. Auch w\u00e4hrend seiner mehr als 10-j\u00e4hrigen Lehrt\u00e4tigkeit als Professor am Otto-Suhr-Institut der Freien Universit\u00e4t Berlin setzte er sich f\u00fcr die Rehabilitierung der afrikanischen Kulturen und f\u00fcr eine gleichberechtigte und auf mehr gegenseitigen Respekt beruhende Beziehung zwischen Afrika und Europa ein. Vor elf Jahren gr\u00fcndeten StudentInnen Ndumbes die deutsche Sektion von AfricAvenir mit dem Ziel, die Arbeit ihres Professors weiterzuf\u00fchren. Inzwischen z\u00e4hlt der Verein 80 Mitglieder.<\/p>\n<p>Drei Merkmale zeichnen die Arbeit AfricAvenirs aus: Zun\u00e4chst einmal orientieren sich ihre vielf\u00e4ltigen Aktionen an aktuellen Ereignissen in den L\u00e4ndern des afrikanischen Kontinents. Um die Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels 1808 zu w\u00fcrdigen, lud der Verein 2008 gemeinsam mit der Werkstatt der Kulturen unter dem Titel &quot;200 Jahre sp\u00e4ter \u2026&quot; zu einer Veranstaltungsreihe nach Berlin. In Vortr\u00e4gen, Workshops, Filmen, Konzerten und Performances wurde der erfolgreiche Widerstand der AfrikanerInnen gegen eines der gr\u00f6\u00dften Menschheitsverbrechen thematisiert und gew\u00fcrdigt. 2009 und 2010 waren die Themenschwerpunkte &quot;Afrika im Zweiten Weltkrieg&quot; und eine kritische Bilanz von 50 Jahren afrikanischer Unabh\u00e4ngigkeit. &quot;Die Fokussierung auf ein Jahresthema erm\u00f6glicht es uns, verschiedene Facetten zu behandeln und in die Tiefe zu gehen&quot;, erkl\u00e4rte Eric Van Grasdorff, seinerseits ehrenamtlicher erster Vereinsvorsitzender.<\/p>\n<p>Der zweite wesentliche Aspekt ist der kreative Zugang zu den Themenschwerpunkten. Zum aktuellen Thema &quot;Soziale Bewegungen in Afrika&quot;, organisiert AfricAvenir unter anderem eine Filmreihe, in deren Rahmen auch der Film &quot;Microphone&quot; des \u00e4gyptischen Regisseurs Ahmad Abdallah gezeigt wird, der sich um die Hiphop- und Skaterszene Alexandrias dreht und ein Portr\u00e4t der \u00e4gyptischen Jugend zeichnet, die ihre Forderungen nach Freiheit und Demokratie zunehmend lautstark vertritt. In der Galerie Listros, in der sich auch das B\u00fcro des Vereins befindet, werden zudem im Juni die Arbeiten junger afrikanischer K\u00fcnstlerInnen ausgestellt werden, die das Weltsozialforum in Dakar mit Videokamera und Fotoapparat begleitet haben. &quot;Die Kombination von Politik und Kunst ist eines unserer Markenzeichen&quot;, berichtete Van Grasdorff.<\/p>\n<p>Das letzte wichtige &quot;Markenzeichen&quot; ist die kritische Haltung des Vereins gegen\u00fcber einseitigen, oft eurozentrischen Perspektiven. Vor dem Hintergrund des derzeit in Hamburg stattfindenden &quot;Piratenprozesses&quot; gegen zehn somalische Staatsb\u00fcrger l\u00e4dt AfricAvenir am 20. April zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema &quot;Piraten an Somalias K\u00fcste &#8211; Schrecken der Meere oder neue (inoffizielle) K\u00fcstenwache?&quot; in die Listros-Galerie. Dort soll unter anderem darauf eingegangen werden, dass sich die Fischbest\u00e4nde und die Wasserqualit\u00e4t vor der K\u00fcste Somalias erholt haben, seitdem die Piraten dort als eine fragliche Art inoffizieller K\u00fcstenwache agieren.<\/p>\n<p>Wer Lust bekommen hat, sich in der Gruppe zu engagieren, kann das in vielf\u00e4ltiger Weise tun: Von \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Buchhaltung \u00fcber die Betreuung von G\u00e4sten aus Afrika bis hin zu \u00dcbersetzungen ist vieles m\u00f6glich. &quot;Je nach F\u00e4higkeit und Interesse sind wie f\u00fcr alles offen&quot;, sagte Van Grasdorff.<\/p>\n<p>Von LUKAS DUBRO<\/p>\n<p><b>Mehr zu AfricAvenir<\/b><\/p>\n<p><b>Veranstaltung:<\/b><br \/>&quot;Piraten&quot; an Somalias K\u00fcste &#8211; Schrecken der Meere oder neue (inoffizielle) K\u00fcstenwache?<br \/>Mittwoch, 20. April, 19 Uhr<br \/>Galerie Listros,<br \/>Kurf\u00fcrstenstr. 33, 10785 Berlin<\/p>\n<p><b>Buch:<\/b><br \/>&quot;50 Jahre afrikanische Un-Abh\u00e4ngigkeiten &#8211; Eine (selbst-)kritische Bilanz&quot;. Intellektuelle und Aktivist\/Innen, DichterInnen, PerformerInnen und SchriftstellerInnen geben einen Einblick in die aktuellen Debatten um Unabh\u00e4ngigkeit und Dekolonisierung in Afrika.<\/p>\n<p><b>Im Netz:<\/b> <link http:\/\/www.africavenir.org>www.africavenir.org<\/link>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit zehn Jahren leisten die Kameruner mit dem Berliner Partnerverein Entwicklungszusammenarbeit f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland. Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Renaissance in der Provinz Europa. taz, 22.03.2011. Afrika ist eine Steppe mit armen Bauern und wilden Tieren. 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