{"id":4578,"date":"2019-06-23T22:01:04","date_gmt":"2019-06-23T20:01:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.org\/?p=4578"},"modified":"2024-02-03T22:15:56","modified_gmt":"2024-02-03T21:15:56","slug":"kamerun-es-geht-nicht-nur-um-kunst-artikel-und-audio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/fr\/kamerun-es-geht-nicht-nur-um-kunst-artikel-und-audio\/","title":{"rendered":"Kamerun: Es geht nicht nur um Kunst (Artikel und Audio)"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"b-article-header-main\"><span class=\"b-headline article-header-kicker u-responsive-font-md-xxl-1 has-subline\"><span class=\"headline-kicker\">Kolonialgeschichte <\/span><\/span><span class=\"b-headline article-header-title u-responsive-font-xxxl-xxxxl-1 has-no-line has-subline\"><span class=\"headline-title\">Kamerun: Es geht nicht nur um Kunst<\/span><\/span><\/h1>\n<p class=\"article-header-description\">Von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Kamerun deutsche Kolonie. Bis heute lagern hierzulande viele Kunstgegenst\u00e4nde \u2013 aber auch historische Dokumente, die den Kamerunern helfen k\u00f6nnten, ihre Geschichte zu verstehen. Die Rufe nach R\u00fcckgabe werden lauter.<\/p>\n<div class=\"article-header-author\">Von Anne Fran\u00e7oise Weber | 23.06.2019<\/div>\n<div class=\"article-header-actions\"><\/div>\n<div class=\"article-content\">\n<section class=\"b-article-details\">\n<figure class=\"b-image-figure u-space-bottom-xl\">\n<div class=\"b-image image-figure u-content-separator-xxs-1-xxs-1 has-full-width\">\n<div class=\"image-wrapper\"><img decoding=\"async\" class=\"internal-image\" title=\"Eine Nachbildung des Tange von Lock Priso steht im Konferenzraum der Stiftung AfricAvenir\" src=\"https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/e1\/FILE_5e1cdbf4d450e00294fb689c226579b9\/nachbildung-des-tange-von-lock-priso-im-konferenzraum-der-stiftung-africavenir-100-1920x1080.jpg\" srcset=\"https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/e1\/FILE_5e1cdbf4d450e00294fb689c226579b9\/nachbildung-des-tange-von-lock-priso-im-konferenzraum-der-stiftung-africavenir-100-768x432.jpg 768w, https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/e1\/FILE_5e1cdbf4d450e00294fb689c226579b9\/nachbildung-des-tange-von-lock-priso-im-konferenzraum-der-stiftung-africavenir-100-1280x720.jpg 1280w, https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/e1\/FILE_5e1cdbf4d450e00294fb689c226579b9\/nachbildung-des-tange-von-lock-priso-im-konferenzraum-der-stiftung-africavenir-100-1920x1080.jpg 1920w\" alt=\"Eine Nachbildung des Tange von Lock Priso steht im Konferenzraum der Stiftung AfricAvenir\" \/><\/div>\n<\/div><figcaption class=\"caption-figure is-left\">Wird seit langem zur\u00fcckgefordert: das Tange von Lock Priso, hier eine Nachbildung (Rom\u00e9o Ghislain Zafack)<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">In den R\u00e4umen der Stiftung AfricAvenir in der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Douala ist der Verlust stets pr\u00e4sent. Vorn im Konferenzraum steht eine l\u00e4ngliche bunt angemalte Skulptur aus Gips \u2013 es ist eine Art Galionsfigur, Tange genannt, die den Schiffsbug eines kamerunischen K\u00f6nigs zierte. Stiftungsmitarbeiter Phil\u00e9mon Moubeke A Mboussi erl\u00e4utert:<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">\u201eEs handelt sich um das Tange von Lock Priso, dem K\u00f6nig der Bele Bele. Das hier ist eine Rekonstruktion \u2013 das Original befindet sich noch in Deutschland, denn es wurde von Max Buchner, Vertreter des deutschen Kaiserreichs in Kamerun, im Jahr 1884 mitgenommen, nach dem Krieg zwischen dem Volk der Bonaberi und der deutschen Kolonialregierung. Das Tange wird seit fast 24 Jahren von Prinz Kum\u2018a Ndumbe zur\u00fcckgefordert.\u201c<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">Der Prinz Kum\u2018a Ndumbe III. ist nicht nur Enkel des K\u00f6nigs Lock Priso. Er hat als Politikwissenschaftler lange Jahre in Deutschland an der Freien Universit\u00e4t in Berlin gelehrt und die Stiftung AfricAvenir gegr\u00fcndet. Mit ihr bef\u00f6rdert er unter anderem die Diskussion um die R\u00fcckgabe von geraubten Kulturg\u00fctern \u2013 vor allem fordert er die R\u00fcckkehr des Tange seines Gro\u00dfvaters, das im M\u00fcnchner Museum \u201eF\u00fcnf Kontinente\u201c h\u00e4ngt.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\"><strong>Viele kamerunische Kultursch\u00e4tze in Deutschland<\/strong><\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">Der von der franz\u00f6sischen Regierung 2018 in Auftrag gegebene Bericht von Felwine Sarr und B\u00e9n\u00e9dicte Savoy hat auch in Kamerun eine neue Dynamik bewirkt, berichtet Marie Joseph Ekobena Atemengue von AfricAvenir. Die Stiftung habe nicht nur die beiden Wissenschaftler Sarr und Savoy nach Douala eingeladen, um dort ihre Ergebnisse zur R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern zu pr\u00e4sentieren:<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">\u201eAm 28. August letzten Jahres haben wir eine gro\u00dfe Diskussion mit allen traditionellen H\u00e4uptlingen aus ganz Kamerun organisiert, um eine gemeinsame Haltung zu finden. Denn ein wiederkehrendes Argument ist: \u201aEure Forderungen sind disparat, einer fordert dies, ein anderer etwas v\u00f6llig anderes.\u2018 Das schafft Probleme. Es geht uns darum, die verschiedenen Forderungen zu vereinheitlichen und zu schauen, wie wir vorgehen k\u00f6nnen, um das Problem zu l\u00f6sen.\u201c<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\"><\/div>\n<figure class=\"b-image-figure u-space-bottom-xl\">\n<div class=\"b-image image-figure u-content-separator-xxs-1-xxs-1 has-full-width\">\n<div class=\"image-wrapper\"><img decoding=\"async\" class=\"internal-image\" title=\"Marie Joseph Ekobena Atemengue von AfricAvenir\" src=\"https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/0b\/FILE_50ba201340655724d52d1e36fe3b3242\/marie-joseph-ekobena-atemengue-von-africavenir-jpg-100-1280xauto.jpg\" srcset=\"https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/0b\/FILE_50ba201340655724d52d1e36fe3b3242\/marie-joseph-ekobena-atemengue-von-africavenir-jpg-100-768xauto.jpg 768w, https:\/\/bilder.deutschlandfunk.de\/FI\/LE\/_5\/0b\/FILE_50ba201340655724d52d1e36fe3b3242\/marie-joseph-ekobena-atemengue-von-africavenir-jpg-100-1280xauto.jpg 1280w\" alt=\"Marie Joseph Ekobena Atemengue von AfricAvenir\" \/><\/div>\n<\/div><figcaption class=\"caption-figure is-left\">Ekobena Atemengue von AfricAvenir h\u00e4lt eine Vereinheitlichung der Forderungen f\u00fcr n\u00f6tig (Rom\u00e9o Ghislain Zafack)<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">80 Prozent der vermissten Kultursch\u00e4tze bef\u00e4nden sich in Deutschland, sch\u00e4tzt Ekobena Atemengue \u2013 manches sei auch in Frankreich und Gro\u00dfbritannien zu finden; nach dem Ersten Weltkrieg hatten die beiden L\u00e4nder die fr\u00fchere deutsche Kolonie unter sich aufgeteilt. Aber l\u00e4ngst nicht alle Menschen in Kamerun w\u00fcrden den Ruf nach R\u00fcckgabe der unrechtm\u00e4\u00dfig angeeigneten Objekte unterst\u00fctzen, erkl\u00e4rt Ekobena Atemengue:<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">\u201eWir haben hier zwei entgegengesetzte Meinungen. Die Mehrheit sagt: Die urspr\u00fcngliche Funktion des Gegenstands ist rituell. Es ist ein Objekt, das beseelt ist, mit einer Energie aufgeladen. Es im Ausland zu behalten, bedeutet, den afrikanischen Kontinent seiner urspr\u00fcnglichen Energie zu berauben. Aber es gibt auch diese zweite Tendenz, die im westlichen Paradigma verhaftet ist. Da geht man vom neutralen Objekt aus und sagt: Wenn man den Gegenstand schon bewahren muss, umso besser, wenn er im Westen ist, denn dort sind die Museen sch\u00f6n, sauber usw.\u201c<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">Fabiola Ecot Ayissi ist Kuratorin des Cipca, einer kleinen Galerie in der kamerunischen Hauptstadt Yaound\u00e9, die sich die Bewahrung des kulturellen Erbes zur Aufgabe gemacht hat. Sie sieht das immer wiederkehrende Argument, die Kulturg\u00fcter k\u00f6nnten in Europa besser konserviert werden, sehr kritisch:<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">\u201eDiese Logik verbindet sich unvermeidlich mit der reflexhaften Infantilisierung von Afrikanern. Man will ihnen immer die Verantwortung abnehmen und sagt, sie h\u00e4tten nicht die gleichen technischen Kenntnisse. Weil sie beherrscht wurden und sich noch von einer auch geistig zerst\u00f6rerischen Kolonialzeit erholen, k\u00f6nne man ihnen nicht vertrauen. Aber der Beweis, dass man ihnen vertrauen kann, sind die Objekte aus dem 19. Jahrhundert hier in dieser bescheidenen Galerie.\u201c<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\"><strong>Auch historische Quellen fehlen<\/strong><\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">Selbst wenn nicht alle Masken, Statuen und Throne perfekt erhalten seien, so gebe es mittlerweile auch in Kamerun Ausbildungen zur Konservierung des kulturellen Erbes, sagt Ecot Ayissi; hier sei in Zukunft sicher viel machbar.<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">Doch die Diskussionen in Kamerun drehen sich l\u00e4ngst nicht nur um die richtige Lagerung oder die wahre Bedeutung von Kultobjekten und Kunstgegenst\u00e4nden. Es fehle auch an historischen Quellen, die \u2013 genau wie die Kunstgegenst\u00e4nde \u2013 meist in Deutschland aufbewahrt werden, bem\u00e4ngelt der Fotograf Lawrence Chi Nyamngoh:<\/div>\n<div class=\"article-details-text u-space-bottom-xl\">\u201eWir haben so wenig im Vergleich zu dem, was wir haben sollten \u00fcber die Zusammenarbeit und die deutsche Kolonialzeit in Kamerun. Das meiste kommt von der katholischen Kirche, aber sonst haben wir wenig Material. Ich hielte es f\u00fcr begr\u00fc\u00dfenswert, wenn das Kulturministerium entweder einen Transfer erreichen oder Kopien erhalten k\u00f6nnte, um unser Nationalarchiv zu best\u00fccken \u2013 denn viele unserer Studierenden haben Probleme, wenn sie \u00fcber die Geschichte Kameruns unter deutscher Verwaltung forschen wollen.\u201c<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kolonialgeschichte-kamerun-es-geht-nicht-nur-um-kunst-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kolonialgeschichte-kamerun-es-geht-nicht-nur-um-kunst-100.html<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kolonialgeschichte Kamerun: Es geht nicht nur um Kunst Von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war Kamerun deutsche Kolonie. Bis heute lagern hierzulande viele Kunstgegenst\u00e4nde \u2013 aber auch historische Dokumente, die den Kamerunern helfen k\u00f6nnten, ihre Geschichte zu verstehen. 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