{"id":737,"date":"2015-06-01T23:17:00","date_gmt":"2015-06-01T21:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.africavenir.com\/posterkampagne-dekoloniale-einwaende-gegen-das-humboldt-forum\/"},"modified":"2023-10-06T11:29:52","modified_gmt":"2023-10-06T09:29:52","slug":"posterkampagne-dekoloniale-einwaende-gegen-das-humboldt-forum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.africavenir.org\/fr\/posterkampagne-dekoloniale-einwaende-gegen-das-humboldt-forum\/","title":{"rendered":"Posterkampagne: Dekoloniale Einw\u00e4nde gegen das Humboldt Forum"},"content":{"rendered":"<p>Das \u201eSammeln\u201c von Kultur- und Kunstobjekten z\u00e4hlte zu den Lieblingsbesch\u00e4ftigungen vieler \u201eForschungsreisender\u201c und Kolonialisten. So ist ein Gro\u00dfteil der ethnologischen Objekte, die im Humboldt-Forum im rekonstruierten Berliner Schloss ausgestellt werden sollen, w\u00e4hrend der Kolonialzeit \u201eerworben\u201c worden \u2013 ein erheblicher Anteil stammt direkt aus den ehemaligen deutschen Kolonien. In vielen F\u00e4llen wurden wertvolle Kulturg\u00fcter aber nicht freiwillig verschenkt oder verkauft. Sie wurden erschlichen, erpresst oder einfach gepl\u00fcndert. Im Berliner Schloss soll nun mit Hilfe dieser Objekte der \u201eDialog der Kulturen\u201c in die Mitte der Stadt ger\u00fcckt werden. Im Rahmen der Kampagne \u201eNo Humboldt 21!\u201c treten wir diesem zynischen Prestigeprojekt entgegen, indem wir exemplarische Objekte mit problematischen Erwerbsgeschichten auf Postern in den \u00f6ffentlichen Raum tragen. Wir fordern Berlins Staatliche Museen zu mehr Transparenz und zum respektvollen Dialog mit den Herkunftsgesellschaften auf, die selbst entscheiden sollten, was mit ihren Sch\u00e4tzen geschieht.<\/p>\n<p>Alle Poster stehen unter einer Creative Commons  Lizenz und k\u00f6nnen zur nicht-kommerziellen Nutzung unter Angabe der  Lizenz hier als pdf heruntergeladen werden (je ca. 30 MB): n<link fileadmin\/downloads\/HuFo_Poster\/AFA_KAM_NOH_RZ_P_ohneberlin_druck_1.pdf - download \"Leitet Herunterladen der Datei ein\">Poster 1<\/link> \/ <link fileadmin\/downloads\/HuFo_Poster\/AFA_KAM_NOH_RZ_P_ohneberlin_druck_2.pdf - download \"Leitet Herunterladen der Datei ein\">Poster 2<\/link> \/ <link fileadmin\/downloads\/HuFo_Poster\/AFA_KAM_NOH_RZ_P_ohneberlin_druck_3.pdf - download \"Leitet Herunterladen der Datei ein\">Poster 3<\/link> \/ <link fileadmin\/downloads\/HuFo_Poster\/AFA_KAM_NOH_RZ_P_ohneberlin_druck_4.pdf - download \"Leitet Herunterladen der Datei ein\">Poster 4<\/link>\n<p>Die  Kampagne \u201eNo Humboldt 21!\u201c wird getragen von AfricAvenir, AFROTAK TV  cyberNomads, artefakte\/anti-humboldt, Berliner Entwicklungspolitischer  Ratschlag, Berlin Postkolonial, glokal, Initiative Schwarze Menschen in  Deutschland (ISD).<\/p>\n<p>\u201eSchon Beutekunst betrachtet?\u201c \u2013 K\u00f6niginnenmutter Idia, Benin, Nigeria<\/p>\n<p>Weil Oba Ovonramwen, Herrscher des K\u00f6nigreichs der Edo, sich weigerte den englischen Kolonialisten zu unterwerfen, \u00fcberfielen die Briten 1897 die Residenzstadt Benin im heutigen Nigeria. Bei diesem kriegerischen \u00dcberfall stahlen die Briten Hunderte wertvoller Bronzestatuen aus dem Palast des K\u00f6nigs und verkauften diese an Interessenten in aller Welt. Felix von Luschan, Leiter der Afrika-Abteilung im K\u00f6niglichen Museum f\u00fcr V\u00f6lkerkunde zu Berlin, bekam davon Notiz und schickte umgehend einen seiner Assistenten nach London, wo dieser zahlreiche Bronzen erwarb. Seit vielen Jahren bitten der Oba von Benin, wichtige nigerianische Kunsthistoriker sowie auch das Kulturministerium von Nigeria um die R\u00fcckgabe dieser Objekte, zumal Luschan zum Zeitpunkt des Kaufes in vollem Wissen \u00fcber deren unrechtm\u00e4\u00dfige Aneignung war. Dennoch behauptet die Berliner Landesregierung bis heute, noch nie etwas von solchen Forderungen geh\u00f6rt zu haben.n\u201eR\u00e4umt die kolonialen Schatzkammern!\u201c \u2013 Schutzgott Makabu Buanga des F\u00fcrsten Ischiehwu, Kongo<\/p>\n<p>Ludwig Wolf, der als Arzt die \u201eExpedition\u201c des Kolonialoffiziers Hermann Wissmann begleitete, erpresste den Schutzgott Makabu Buanga vom kongolesischen F\u00fcrsten Ischiehwu. Seit Wolf diese Statue zu Gesicht bekommen hatte, war er fest entschlossen diese in seinen Besitz zu bringen. Als sich Ischiehwu nach Meinung des Arztes illoyal gegen\u00fcber den Europ\u00e4ern verhalten hatte, erzwang Wolf unter Androhung der Todesstrafe die Herausgabe der Figur. Wolf selbst machte aus der Erpressung kein Geheimnis. In seinem&nbsp; Reisetagebuch schrieb er: \u201eUnter gew\u00f6hnlichen Verh\u00e4ltnissen h\u00e4tte ich daher f\u00fcr keine Opfer den Makabu-Buanga erhalten k\u00f6nnen\u201c.n\u201eFreedom of Movement?!\u201c \u2013 Nofretete, \u00c4gypten<\/p>\n<p>Seit die Existenz der Nofretete-Statue in Berlin im Jahr 1923 bekannt wurde, liegen der \u00e4gyptische Staat und Deutschland im Streit dar\u00fcber, wo sie rechtm\u00e4\u00dfig hingeh\u00f6re. Sie wurde 1913 in Nordafrika ausgegraben und dann unter bis heute ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden heimlich nach Deutschland verschifft. Seitdem hat der \u00e4gyptische Staat unabl\u00e4ssig auf ihre R\u00fcckkehr oder zumindest auf eine Ausstellung der Statue in \u00c4gypten gedr\u00e4ngt. Doch w\u00e4hrend \u00c4gypten immer wieder prestigetr\u00e4chtige Objekte an Deutschland verleiht, erkl\u00e4rten die Staatlichen Museen zu Berlin in zynischer Art und Weise, dass \u201edie Dame nach 3000 Jahren nicht reisewillig [ist].\u201c So bleibt der im Nationalmuseum der \u00c4gyptischen Zivilisation f\u00fcr Nofretete reservierte Platz bis heute leer. W\u00e4hrend die \u00fcbrigen au\u00dfereurop\u00e4ischen Sch\u00e4tze nun vom Schlo\u00dfplatz aus den \u201eDialog der Kulturen\u201c bestreiten sollen, wird die als \u201esch\u00f6nste Berlinerin\u201c vereinnahmte Afrikanerin im \u00c4gyptischen Museum auf der Museumsinsel auch in Zukunft im Ensemble der Einrichtungen mit europ\u00e4ischer Kunst zu sehen sein.n\u201ePreu\u00dfischer Kulturbesitz?\u201c \u2013 Mandu Yenu, Foumban, Kamerun<\/p>\n<p>Warum sollte ein K\u00f6nig freiwillig seinen Thron verschenken? Nach Darstellung der Staatlichen Museen zu Berlin hat K\u00f6nig Ibrahima Njoya, legend\u00e4rer Herrscher der Bamum in Kamerun, jedoch genau dieses getan. 1908 \u00fcbersandte er dem deutschen Kaiser Wilhelm II seinen ber\u00fchmten Thronsessel \u201eMandu Yenu\u201c, angeblich um damit seine Position als B\u00fcndnispartner der Hohenzollern zu verdeutlichen. Doch diese Erz\u00e4hlung der Staatlichen Museen ignoriert die Machtverh\u00e4ltnisse in der damaligen Kolonie: Kaum war ein Bild des Throns nach Deutschland gelangt, stachelten sich die Leiter der Ethnologischen Museen gegenseitig zu einem Wettlauf um den gro\u00dfartigen K\u00f6nigsstuhl auf. Erst nach langem Dr\u00e4ngen von deutscher Seite lie\u00df Njoya eine Kopie erstellen, um die Deutschen zu befrieden und zugleich die Insignie seiner Macht zu bewahren. Erst als diese nicht rechtzeitig fertig wurde, \u00fcbergab er schlie\u00dflich den Deutschen das Original und behielt die Kopie f\u00fcr sich. Kaiser Wilhelm II schenkte im Gegenzug nicht seinen Thron, sondern ein lebensgro\u00dfes Bildnis von sich selbst. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eSammeln\u201c von Kultur- und Kunstobjekten z\u00e4hlte zu den Lieblingsbesch\u00e4ftigungen vieler \u201eForschungsreisender\u201c und Kolonialisten. So ist ein Gro\u00dfteil der ethnologischen Objekte, die im Humboldt-Forum im rekonstruierten Berliner Schloss ausgestellt werden sollen, w\u00e4hrend der Kolonialzeit \u201eerworben\u201c worden \u2013 ein erheblicher Anteil stammt direkt aus den ehemaligen deutschen Kolonien. 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