Zukunft gestalten: Afrikanische Perspektiven in Entwicklungs- und Bildungskontexten (2019)

Einführung

Seit langem kann die Zukunft Europas nicht mehr getrennt von der Zukunft Afrikas betrachtet werden. Nicht zuletzt aufgrund der kolonialen Vergangenheit und ihrer Nachwirkungen, die bis heute Bestand haben, sind sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft der beiden Kontinente eng miteinander verbunden. Um eine gemeinsame Zukunft nachhaltig zu gestalten, bedarf es auch einer zukunftsorientierten entwicklungs- und bildungspolitischen Arbeit, die die Zukunftsperspektiven auf dem afrikanischen Kontinent und in der Diaspora berücksichtigt.

Beschreibung

Im Rahmen des Projekts “Zukunft gestalten: African Perspectives on Global Conditions” haben wir sehr erfolgreich afrikanische_diasporische Zukunftsperspektiven im Kontext globaler Ungleichheit aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft (Wirtschaft, Geschlecht, LGBTIQ*, Kultur, Politik und Bildung) erfasst und analysiert und der interessierten Öffentlichkeit und Experten zugänglich gemacht. Um eine nachhaltige Einbeziehung der in der afrikabezogenen entwicklungs- und bildungspolitischen Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zu gewährleisten, möchten wir die gesammelten Informationen im Rahmen des neuen Projekts der Öffentlichkeit partizipativer zugänglich machen und explizite Akteure und Multiplikatoren* in diesen Arbeitsbereichen dabei unterstützen, die gewonnenen Erkenntnisse in ihren Arbeitskontext einzubeziehen. Zu diesem Zweck organisierten wir vier themenspezifische “Future Labs” mit schulbegleitenden Programmen und Publikationen.

ZukunftsLabor I: Wirtschaftliche Interdependenz und zukünftige Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Europa

Seit der Kolonialzeit gibt es immer wieder Bewegungen, die ein vereintes, unabhängiges Afrika anstreben und eine gerechtere Globalisierungspolitik fordern. Jetzt entstehen Strömungen verschiedener afrikanischer Staaten, z.B. gegen den IWF und die Weltbank, die sich im Cotonou-Abkommen und in den WPA-Verhandlungen niederschlagen. Diese Kritik ist hier in Deutschland jedoch kaum sichtbar und wird selten in nachhaltige Bildungskontexte einbezogen.

Das Labor sollte sich auf afrikanische Perspektiven auf globale Handelsstrukturen konzentrieren und das neoliberale Dogma der Handelspolitik und ihre Auswirkungen auf afrikanische Staaten ausdrücklich kritisch hinterfragen. Es werden Informationsarbeiten zu laufenden Handelsabkommen durchgeführt (z.B. EPA). Durch die Präsentation alternativer Ansätze wird eine vielschichtige Sicht der Handelsbeziehungen eingenommen. Die Teilnehmer des Labors sollen einen differenzierten Blick auf bestehende Prozesse und Zukunftspläne erhalten und diese in ihrer Funktion der Öffentlichkeit vorstellen.

ZukunftsLabor II: Afrikanische Kunst in deutschen und europäischen Museen

In deutschen Museen gibt es noch zahlreiche afrikanische Kunstwerke, deren Erwerb unklar und zumindest umstritten ist. Die Tatsache, dass der Umgang mit diesen Objekten im Kontext globaler Ungleichheiten zu sehen ist und dass kritische Reflexion unerlässlich ist, wird oft ignoriert. Nach den Forderungen des neuen Koalitionsvertrages, “in Zukunft eine umfassende Provenienzforschung in Deutschland energisch zu fördern”, möchten wir uns im Rahmen dieses “Zukunftslabors” mit dem Thema Provenienzforschung im Kontext globaler Ungleichheiten befassen.

Im Vordergrund dieses Labors soll die Provenienzforschung angeregt und der Fokus auf die Herkunftsregionen der Werke gelegt werden. Ziel ist es, die Kunstgeschichte öffentlich zu machen und durch einen Perspektivenwechsel eine neue Debatte anzuregen. Zu diesem Zweck wird das Labor einen Raum schaffen, in dem ein innovativer Austausch zwischen Akteuren* im bildungspolitischen Bereich und die Kuratierung von Museen/Ausstellungen etc. stattfinden kann – so dass eine nachhaltige Vernetzung erreicht werden kann.

In Zukunft wird es vor allem darum gehen, mehr Transparenz und Reflexion in den Ausstellungskonzepten bei der Kuratierung von Kunstwerken zu erreichen. Darüber hinaus soll das Labor pädagogische Konzepte der Entwicklungszusammenarbeit ans Licht bringen und das Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

ZukunftsLabor III: Keine Zukunft ohne Neubewertung – die Zukunft der kollektiven Neubewertung des Kolonialismus im Kontext globaler Ungleichheiten

Spätestens seit Bundestagspräsident Norbert Lammert im Juli 2015 die Verbrechen der deutschen Kolonialtruppen im heutigen Namibia als “Völkermord” bezeichnet hat, ist die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte immer wieder in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung fordert auch, dass Deutschland seine Kolonialgeschichte als demokratischen Grundkonsens neu bewertet.

Elisabeth Kaneza betonte in ihrem Vortrag (Zukunft I), dass es unerlässlich ist, die strukturelle Ungleichheit zwischen Afrika und Europa im Kontext der entwicklungs- und bildungspolitischen Arbeit besser zu stellen und einen zukunftsorientierten Umgang mit der Vergangenheit zu finden.

Die Auswirkungen des Kolonialismus sollen viel stärker als in der Vergangenheit in die Bildungsarbeit einbezogen werden. Die Sensibilisierung für globale Ungleichheit ist in der heutigen Bildungsarbeit oft unterrepräsentiert. Das Labor mit Bildungsakteuren*, Politikern* und Stiftungen will diese Situation ändern, indem es den Teilnehmern neue Wege zur Verbreitung von unterrepräsentiertem Wissen aufzeigt.

ZukunftsLabor IV: Feministische Perspektiven und Geschlechterbeziehungen im Kontext globaler Ungleichheiten

Afrofeministische Perspektiven beinhalten zwar oft einen starken analytischen Ansatz für die globale Ungleichheit, werden aber selten in entwicklungs- und bildungspolitische Kontexte einbezogen. In den wenigen Fällen, in denen die Geschlechterverhältnisse im globalen Süden angesprochen werden, werden Frauen*/Akteure in der LGBTIQ*-Gemeinschaft oft als “Opfer” dargestellt. Ihre Rolle als Akteure und damit ihr Potenzial, die Zukunft zu gestalten, ist oft nicht sichtbar.

Auch in der entwicklungs- und bildungspolitischen Arbeit spielen bereichsübergreifende Realitäten eine immer wichtigere Rolle, werden aber oft nur am Rande berücksichtigt. Ziel dieses “Future Lab” ist es, feministische und intersektionale Realitäten stärker in entwicklungs- und bildungspolitischen Bereichen zu verankern und einen direkten Austausch mit Akteuren in diesen Bereichen zu pflegen.

(K)eine Utopie!? Afro_ feministische Perspektiven in glokalen Bildungskontexten

Afro_feministische Perspektiven und Widerstände beinhalten oft einen starken analytischen Ansatz zur Auseinandersetzung mit globalen Ungleichheiten. In entwicklungs- und bildungspolitische Kontexten werden diese bisher jedoch kaum einbezogen. Dies wollen wir mit der anstehenden Konferenz ändern und Afro_feministische Perspektiven nach dem Motto ‘Nothing about us without us!’ ins Zentrum zukünftiger bildungs- und entwicklungspolitischer Arbeit rücken.

Ziel der Konferenz ist es daher, feministische und intersektionale Realitäten stärker in bildungs- und entwicklungspolitischer Arbeit zu verankern und einen direkten Austausch mit Akteur*innen aus diesen Bereichen zu etablieren.

Im Rahmen unterschiedlicher Workshops und Vorträge wollen wir explizite Handlungsmöglichkeiten für bildungs- und entwikclungspolitische Aktuere aufzeigen um Inhalte und Organisationsstrukturen rassismuskritisch und intersektional zu gestalten.

Facebook Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/2482009365153992/

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