WELTPREMIERE: „Traumata - Traumatismes“ von Ousmane Aledji

Im Rahmen des Jahresthemas „50 Jahre Afrikanische Un-Abhängigkeiten – eine (selbst) kritische Bilanz“ hat AfricAvenir International e.V. den beninischen Regisseur Ousmane Aledji mit seiner Theatergruppe Agbo-N'Koko nach Berlin eingeladen. Am 27., 28. & 29.10.2010 jeweils um 20 Uhr werden sie die Weltpremiere des von ihm inszenierten Stücks „Traumata - Traumatismes im Haus der Kulturen der Welt präsentieren. Originalversion mit deutschen Übertiteln.

„(…) sensationell, verstörend und atemberaubend (…). Aledji begründet eine neue Form des afrikanischen Kunsttheaters“ schrieb das Theaterportal nachtkritik.de über Aledjis  Stück „Omon mi“ (Mein Kind).

„Dies ist ein Theater der Dringlichkeit, ein wahrhaft zeitgenössisches Theater.“ (www.theatre-ephemere.fr
/ousmane_aledji.html)

Das Stück: "Traumata - Traumatismes"

Kann man 50 Jahre afrikanische Unabhängigkeiten wirklich feiern? Was ist passiert damals und seitdem? Mit „Traumata – Traumatismes“ zieht Ousmane Aledji auf künstlerische Weise Bilanz. Sarkastisch, manchmal resigniert, dann wieder wütend, aufbrausend, kämpferisch inszeniert er hier das kollektive Gedächtnis der "kleinen Leute". Was ist aus den panafrikanischen Visionen eines Césaire, Lumumba oder Nkrumah geworden?

Inspiriert von Aimé Césaires Bühnenstück „Im Kongo“ verbindet „Traumata – Traumatismes“ Schauspiel mit live Videoprojektionen, Tanz und Hip Hop. Dieses rhythmische Zusammenspiel metaphorischer Worte dient hier als zeitgemäßes Medium des Lernens über Afrika und ermöglicht die Wiederaufwertung historischen Wissens. Ousmane Aledji beweist einmal mehr, dass er keine Folklore inszeniert. Sein Theater ist ein Theater der Dringlichkeit, subtil und direkt zugleich – ein wahrhaft zeitgenössisches Werk.

Zum Regisseur: Ousmane Aledji

Der Regisseur Ousmane Aledji wurde am 27. August 1970 in Benin geboren und ist heute Schriftsteller, Dichter und Dramaturg. 1993 gründete er in Cotonou, Benin, die Theatergruppe Agbo-N'Koko. Aledji ist seit 1995 Vorsitzender der Vereinigung beninischer Dramaturgen und Herausgeber der Kunstzeitschrift ARTISTTIK-AFRICA. Seine Inszenierungen leben von einer unverwechselbar eindrücklichen, direkten und widerspenstigen Art. Aledji hat bereits mehr als 18 Stücke geschrieben und inszeniert und ist unbestritten einer der produktivsten und spannendsten Dramaturgen Westafrikas. 1995 erhielt er für sein Theaterstück „Amour et sang“ den ersten Preis der Francophonie und für „L’âme où j’ai mal ou ici la vie est belle“ im Jahr 2000 ein Residenzstipendium in Limoges.

2008 und 2009 war Aledji bereits mit seiner Theatergruppe in Deutschland beim Theaterfestival „Theaterlandschaften“ in Mühlheim an der Ruhr zu Gast. 2008 wurde seine Inszenierung „Omon mi“ (Mein Kind) mit Begeisterung aufgenommen. WELT online schrieb über „Omon Mi“, es zähle zu den wichtigsten Aufführungen des westafrikanischen zeitgenössischen Theaters. 2009 kam Aledji gleich mit einer doppelten Uraufführung im Gepäck: „Est-ce ainsi que vivent les hommes?“ (Leben die Menschen wirklich so?) und „Pourissment“ (Fäulnis). Ersteres thematisierte den Giftmüllskandal 2006 in der Elfenbeinküste und „Pourissement“ geht der Frage nach, wie Macht Menschen verändert. Diese Inszenierungen waren Koproduktionen mit dem Theater an der Ruhr.

2010 wird er mit seiner Theatergruppe Agbo-N´Koko im Haus der Kulturen der Welt in Berlin die Weltpremiere des Stückes „Traumatismes - Traumata“ präsentieren.

„Dieses Stück heißt nicht zufällig ‚Traumata’. Eigentlich wollte ich etwas schreiben, das positiv und der Zukunft zugewandt ist. Aber wie kann man optimistisch sein, wenn man wütend ist? Ist es möglich, von Unabhängigkeit zu sprechen, ohne die Kolonisation in Erinnerung zu rufen? Kann man aber von der Kolonisation sprechen, ohne wütend zu werden? Kann man eine Zukunft erschaffen, wenn man sich nicht der Vergangenheit gestellt hat?“ Ousmane Aledji, Regisseur

Pressestimmen zum Werk von Ousmane Aledji

"Schriftsteller, Poet, Dramaturg, bewohnt er seine Texte, inszeniert ein Werk, das von sich von Stück zu Stück immer mehr verfeinert, rasanter wird, schlagkräftiger, und gewalttätiger. Unermüdlich und produktive ist Aledji, der bereits 18 Stücke geschrieben und inszeniert hat, die auch Genres wie Poesie, Kurzgeschichten und Volksmärchen einbeziehen, in einer atemberaubenden, rebellischen und widerspenstigen Laufbahn. Als Yoruba-Prinz ist Aledji zutiefst verbunden mitb dem Schicksal Afrikas und prangert die externe Wirtschaftsabhängigkeit, die der Kolonisierung folgte an. Alles, nur nicht resigniert braust er auf, sucht und reibt sich an der Gegenwart mit einer Dringlichkeit, die klar macht, dass er an die Veränderbarkeit der Menschen und Völker glaubt und davon überzeugt ist, dass Schriftsteller nicht schweigen dürfen. Dies ist ein Theater der Dringlichkeit, ein wahrhaft zeitgenössisches Theater. (http://www.theatre-ephemere.fr/auteurs/ousmane_aledji.html)

"In einem gewollt hybriden Stil schafft Ousmane Aledji seine ganz eigene Handschrift, geprägt von der Begegnung von Märchens und Legenden, von Griot-Erzähungen und historischen Avatars, von Tagespolitischem und von den politisch-kulturellen Traditionen inspirierten Delirien." (Togoforum über Inszenierung von „Imonlé“ bei FESTHEF 2002 in Lomé)

"... ein Stück, dem es nicht an Humor fehlt, und das Lachen macht das Schreckliche nur noch grauenvoller. Das ist großes Theater." (Editions Ndze über "Cadavre, mon bel amant" von Aledji)

"Kraftvoll, poetisch und ästhetisch, ist Imonlé ein Stück, das zutiefst beninisch ist und gleichzeitig universell. Im globalen Dorf und in der globalisierten Wirtschaftsordnung ist Theater eine kleine Quelle der Menschlichkeit. Diese Quelle fließt auch in Afrika.“ (Africultures über "Imonlé")

"Aledji entwickelt einen eigenen ästhetischen Zugriff auf die Geschichte. Seine Kunst besteht darin, mit dem Talent seiner Spieler so umzugehen, dass sie viele ihrer Szenen aus dem eigenen Alltag heraus entwickeln können. Diese setzt Aledji zu einem sorgsam komponierten Bogen voll eigenwilligpoetischer, präzise beobachteter Bilder zusammen, die dennoch nie in Bühnennaturalismus abgleiten. Vielmehr löst er diese immer wieder in kleine, tänzerisch anmutende Bewegungschoreographien auf, begleitet von einem präzise gearbeiteten Sprechgesang der Darsteller. Dementsprechend hat Aledji die Produktion auch in den Landessprachen Benins inszeniert, mit einigen wenigen französischen Einsprengseln." (Kulturkurier) 

"Es ist eine sehr körperliche, tänzerische, schweißtreibende Aufführung. Hier wird eine Frage auf Leben und Tod verhandelt, ohne Bühnenbild, aber mit wuchtigen Bildern, ohne Psychologisierung aber mit großer Authentizität. Tradition ist hier zwar Thema, dennoch hat Aledji hier eine eigene Theatersprache gefunden, künstlich und direkt verständlich." (Die Welt)

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