22. Februar 2024: Vortrag von Prinz Kum’a Ndumbe III zum Thema Restitution

„Systematische Plünderung, zögernde Restitution, aber wohin mit der konservierten Kolonialbeute?“

Vortrag von Prinz Kum’a Ndumbe III.

Emeritierter Professor Dr. Dr. (Université de
Lyon II, Université de Yaoundé I, FU Berlin)

Donnerstag, 22. Februar 2024
18:00-20:00 Uhr

Haus der Demokratie
und Menschenrechte
Robert-Havemann-Saal
Greifswalderstr. 4, 10405 Berlin

 

Auseinandersetzung mit Kolonialismus ist in der Bundesrepublik Deutschland zum Thema in Regierungsprogrammen geworden.
Seit 2018. Lobenswert. Es war ein langer Kampf so vieler Organisationen im In- und Ausland, bis entscheidende politische Parteien den Ernst der Lage wahrnahmen und diese Forderung als Regierungsprogramm aufnahmen.
Brutale Kämpfe und Hinrichtungen, Strafexpeditionen gegen die einheimische Bevölkerung, sogar Völkermord wie in Südwestafrika, heutiges Namibia, um die Hoheit des Deutschen Kaiserreiches auf diese Gebiete in Afrika zu sichern. Das war der Preis. Und bei diesen mörderischen Expeditionen eine systematische und gründliche Plünderung der Macht-, Kult- und Kulturinsignien der einzelnen Völker, dann der Abtransport nach Berlin, München, Stuttgart, Leipzig, Hamburg, Köln, Wittenberg, Basel, usw.

Und über ein ganzes Jahrhundert darüber schweigen, die Untaten bagatellisieren, oder als wohlwollende Einführung primitiver Völker in die Moderne verherrlichen. Und jetzt holt uns alle das Rad der Geschichte ein: Restitution, heißt es von allen Seiten, macht diese blutigen Schatzkammern auf und gebt die beraubten Kulturgüter afrikanischer Völker zurück! Die Afrikaner*innen sollen aber bitte gefälligst erst mal neue Gefängnisse für die zurückzugebenden Gegenstände bauen, dann geben wir zurück.

Wir werden aber unsere Museen doch nicht ausleeren, das auf keinen Fall. Nun, nach über hundert Jahren, an wen zurückgeben? Wer ist überhaupt noch als Erbe legitimiert, zu empfangen? Die sollen mal ihre Legitimationsurkunden vorzeigen, dann wird der Fall überprüft. Ach ja, aus primitiven Dörfern sind unterentwickelte neue Staaten mit ausgelöschtem Gedächtnis entstanden. Unsere Partner. Verhandeln wir also bis klar ist, wer sich als der legitimierte Empfänger ausweisen kann. In der Zwischenzeit bleiben unsere Museen voll. Und da unten schlagen sie sich die Köpfe ein. Die Sache wird schmackhaft, und jeder will empfangen. Bieten wir doch Konfliktmanagement an. Tolle Idee.

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